Interview mit Ikey Doherty: SolusOS – der neue Stern am Distributionshimmel?

2 Juli 2012 7 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

SolusOS Logo 150x150Seit einiger Zeit ist die Linux-Welt um eine Distribution reicher: SolusOS. Wir haben uns das Projekt näher angesehen und dem Entwickler einige Fragen gestellt.

Die aktuelle stabile Version von SolusOS (Codename Eveline) basiert auf Debian Squeeze mit GNOME 2. Es wird aber schon fleissig an der kommenden Version SolusOS 2 gearbeitet, die auf Debian Wheezy basieren wird.

Aufgrund der stabilen Debian-Basis, kann das System langfristig genutzt werden und bietet alle Vorzüge einer Debian-basierten Distribution. Die offiziellen Debian-Repositories aber auch Zusatzrepositories wie Debian-Multimedia lassen sich problemlos mit SolusOS verwenden. Einige Applikationen, wie z.B. Firefox, Thunderbird, LibreOffice aber auch der Linux-Kernel, sind in aktualisierten Versionen vorhanden.

SolusOS Desktop

SolusOS: Desktop

Die SolusOS-Entwicklung unterliegt keinem festen Ausgabe-Zyklus, sondern folgt getreu dem Motto ‘Es ist fertig, wenn es fertig ist‘. Da die Veröffentlichung von Debian Wheezy sicherlich noch etwas auf sich warten lässt, halten sich die Entwickler von SolusOS die Möglichkeit offen, die kommende Version 2 schon etwas früher debütieren zu lassen.

SolusOS enthält ein selbstentwickeltes Installationssystem, welches in naher Zukunft auch LVM sowie verschlüsselte Partitionen unterstützen wird.

Um auch auf Basis von GNOME 3 die gewohne Benutzerumgebung bieten zu können, haben die Entwickler einen Fork des gnome-panel gestartet, aber auch andere Applikationen wie z.B. Nautilus modifiziert. Das Cardapio-Menu ersetzt das klassische GNOME Startmenü und bietet viele nützliche Features wie eine Suche oder die Möglichkeit des Pinnens von Applikationen.

Ikey Doherty, der Gründer des Projektes, war so freundlich uns einige Fragen zu beantworten:

Marcus: Du bist der Initiator des SolusOS-Projektes. Bisher warst Du bei Linux Mint Debian Edition (LMDE) aktiv und trägst zum PeppermintOS-Projekt bei. Was hat dich dazu bewegt, deine eigene Linux Distribution zu schaffen?

Ikey: Ich hatte das Gefühl, dass LMDE und Linux Mint in die falsche Richtung entwickeln und habe daher das Projekt verlassen. Falls die Entwickler von PeppermintOS meine Hilfe benötigen, stehe ich ihnen natürlich weiterhin zur Seite. Peppermint ist wirklich eine tolle Distribution.

SolusOS verfolgt einen neuartigen Ansatz. Die Idee dahinter ist recht simpel: Wir möchten eine stabile Basis mit aktuellen Applikationen bieten und möglichst benutzerfreundlich sein. LMDE hingengen verwendet seit einiger Zeit so genannte Update Packs, da mit Debian Testing immer wieder Probleme auftraten. Unser Fokus liegt klar auf einer stabilen Basisdistribution, gepaart mit aktuellen Applikationen wie Firefox, Libreoffice, VLC, etc.

Marcus: Im Englischen heisst Solus allein oder getrennt. Was genau bedeutet SolusOS für euch?

Ikey: Der Name SolusOS hat für uns zwei Bedeutungen. Im Irischen Sprachgebrauch steht er für Licht. Anspielungen darauf finden sich in der gesamten Distribution wieder (z.B. im Logo adR). SolusOS soll ressourcensparend, aber dennoch ansehnlich sein. Unsere User wissen das sehr zu schätzen. Die Lateinische Definition bedeutet tatsächlich ‘allein’. Wir dachten auch das passt, denn in dem was wir tun sehen wir uns als einzigartig.

Marcus: Der SolusOS Desktop basiert auf einer angepassten GNOME Desktop Umgebung, mit einer modifizierten Version des GNOME Panels und Metacity. So wie es momentan aussieht werden diese Komponenten wohl vom GNOME Projekt nicht mehr weiterentwickelt, da dank Gallium llvmpipe die GNOME Shell auch ohne 3d-fähige Grafikkarte nutzbar geworden ist. Denkst du ihr habt genug Energie diese Komponenten in Zukunft alleine weiterzuentwickeln?

Ikey: Wir betreuen diese Komponenten auch jetzt schon in SolusOS. Ich habe die Entwicklung auf der GNOME Mailingliste verfolgt. Bisher scheint noch nicht ganz klar zu sein, wie in Zukunft mit dem Fallback Mode umgegangen werden soll. Möglicherweise wird es ihn weiterhin geben, es ist aber auch denkbar das dieser Teil aufgegeben wird. Wie auch immer das Ergebnis aussehen mag, wir werden die für den SolusOS Desktop wichtigen Komponenten selbstständig weiterentwickeln. Ich habe selbst unzählige Versuche gestartet unsere Patches Upstream zu geben, bin dort aber leider auf wenig Interesse gestossen.

Für mich liegt die Priorität und unser Fokus ganz klar auf der Zufriedenheit unserer Nutzer und der Community. Da nehmen wir gerne etwas Mehrarbeit in Kauf

Marcus: LinuxMint verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Sowohl Cinnamon, als auch MATE versuchen ein klassisches Userinterface zu bieten. Was macht SolusOS so besonders?

Ikey: MATE und Cinnamon sind tolle Projekte, haben allerdings auch einige Nachteile. Bei MATE handelt es sich um einen Fork von GNOME 2.32 und ich gehe nicht davon aus aus, dass der Code jemals auf GTK3 oder neuere Technologien portiert wird. Es ist eher ein Desktop für Nostalgiker, denn die Entwicklung schreitet unbarmherzig voran.

Cinnamon hat ähnliche Ziele wie unser klassischer Desktop, nutzt aber andere Mittel. Es ist ein Fork von GNOME Shell und unterliegt den Einschränkungen dieser Technologie. Selbst mit llvmpipe benötigt man eine deutlich stärkere CPU als z.B. für GNOME 2 oder den GNOME 3 Fallback Mode.

Unser Desktop verwendet aktuelle GNOME Komponenten, die durch uns so modifiziert werden, dass sie ein ähnliches Benutzerinterface bieten wie GNOME 2. Wir bleiben dabei 100% upstream kompatibel. Damit sind wir das einzige Projekt, dass einen klassischen Desktop auf Basis von gnome-panel und Metacity bietet, und können so einen echten Mehrwert bieten.

Marcus: Plant ihr in Zukunft kommerzielle Dienstleistungen Rund um SolusOS anzubieten?

Ikey: Aufgrund der schnellen Entwicklung und des tollen Designs könnte man meinen, wir seien ein kommerzielles Projekt . SolusOS ist Open Source. Wir versuchen einfach möglichst viel Zeit zu investieren, um unsere Anwender zufriedenzustellen. Natürlich benötigen auch wir Untersützung und freuen uns über Spenden. Falls es irgendwann dazu kommen sollte, dass wir einen oder zwei Entwickler Vollzeit durch Spenden finanzieren könnten, wäre das natürlich toll.

Wenn wir das Gefühl kriegen, es wäre sinnvoll kommerziellen Support für kleinere Firmen anzubieten, könnte ich mir aber auch das durchaus vorstellen. Wie auch immer, das steht momentan in den Sternen. Wir wollen uns darauf konzentieren einen möglichst guten Linux Desktop anzubieten.

Marcus: Vielen Dank Ikey Doherty für das Interview.

Weiter Informationen finden sich auf der Webseite des Projektes http://solusos.com. Auf http://solusos.org ist eine türkischsprachige Community Rund um die Distribution entstanden, leider aber ohne Ikey einzubeziehen. Er will aber versucht mit den Betreibern Kontakt aufzunehmen, um daraus eine offizielle Community zu machen.

SolusOS Alpha 5

Basiert auf Debian, bringt GNOME 3 mit sich ...

Vielen Dank an Marcus Moeller für den Beitrag und das Interview! Marcus bezeichnet sich selbst als Open-Source- und Free-Software-Aktivist. Er hat schon für diverse Zeitschriften und Online-Magazine geschrieben und betreut derzeit das Schweizer Ubuntu LoCo Team. Wer Kontakt mit Marcus aufnehmen möchte, findet ihn auf der deutschsprachigen Ubuntu Community: http://ubunteros.org



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7 Kommentare zu “Interview mit Ikey Doherty: SolusOS – der neue Stern am Distributionshimmel?”

  1. Ubukus sagt:

    Mein System:
    Wirtssystem = Windows XP Pro,
    Virtuelle Maschinen = Virtual Box 4.1.18 und VMPlayer 3.0

    Auch ich bin von SoluOS angenehm überrascht, kann es jedoch nicht richtig testen, denn:
    SoluOS erkennt auf keiner der beiden o.g. VM's ein CD Rom Laufwerk. Das hat zur Folge, daß ich weder die „VM-Tools“ installieren -, noch eine CD auslesen kann.
    Stattdessen wird bei mir ein Diskettenlaufwerk „erkannt“, welches jedoch überhaupt nicht existiert.

    Hat da vielleicht jemand eine Idee?

    • jdo sagt:

      Ich gurk immer noch mit VirtualBox 4.1.8 rum und hab gar keine Probleme damit. Host ist allerdings Linux 64-Bit ...

  2. Marcus sagt:

    Welche Version von SolusOS hast du getestet?

  3. noname sagt:

    Was noch interessant gewesen wäre, ist was den an LMDE nicht gut war, so daß eine neue Distribution nötig war. Debian testing als Basis, oder gab es andere Probleme?

    Interessant wäre auch ein link ins solus repository, oder eine Liste welche Zusatzpakte genutzt werden, um Abzuschätzen wie groß der Mehrwert gegenüber einem reinem Debian ist.

    Insgesamt klingt es ganz interessant, ein Debian stable für Alltagsnutzer, würde ich bestimmten Personen eher empfehlen, als Ubuntu, wenn das Projekt denn länger lebt als nur ein paar Monate.

    • Marcus sagt:

      Ikey hat es ja im Interview kurz angedeutet: auf Basis von Debian Testing konnte mit LMDE aus seiner Sicht keine stabile Basis aufgebaut werden. Zum Teil wurde das durch die Update Packs etwas abgefangen, aber scheinbar nicht gänzlich gelöst.

  4. Ikem sagt:

    Ich hab ein passendes Theme für Openbox erstellt.

    Wer mag, findet es hier:

    http://box-look.org/content/show.php/SolusOS?content=152052

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