Raspberry Pi oder eine scheinbar schnellere Alternative kaufen?

9 Juli 2016 3 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Die Hacker Boards oder besser gesagt SBC schießen wie Pilze aus dem Boden. Das Raspberry Pi hat einen noch nicht dagewesenen Bastel-Boom ausgelöst und natürlich wollen auch andere ein Stück vom Kuchen haben. Sie werben mit besseren Preisen, schnellerer Hardware und kleinerem Formfaktor. Da stellt sich bei einem Kauf natürlich die Frage, welchen SBC (Single Board Computer) Du Dir kaufen solltest.

Dieser Beitrag spiegelt nach einiger Recherche und ausprobieren meine eigene Meinung wider. Außerdem richtet er sich an Menschen, für die das Thema eher Neuland ist.

Es gibt so viel Auswahl – SBC so weit das Auge reicht

Am Anfang war das Raspberry Pi ziemlich alleine. Es handelte sich um einen sehr günstigen Einplatinenrechner, der eigentlich die IT-Welt revolutionierte. Das darf man so sagen. Plötzlich hatten Bastler Zugriff auf einen günstigen, kompletten Rechner. Sollte man diesen durch Ungeschick oder Missgeschick in die digitalen Jagdgründe geschickt haben, dann war das ärgerlich, aber keine paar hundert Euro in den Sand gesetzt.

Außerdem können Menschen damit günstig eine eigene Cloud im eigenen Haus betreiben. Ob das nun Nextcloud, ownCloud oder Seafile ist, sei dahingestellt. Die Geräte brauchen nicht viel Strom und mit den neuen Generationen sind sie schnell genug, um mit dem Traffic von ein paar Anwendern umgehen zu können.

Der nächste Vorteil ist, dass sich Leute aktiv mit Linux beschäftigen. Für das Raspberry Pi gibt es eine auf Debian GNU/Linux basierende Distribution, die sich Raspbian nennt. Sie wird voll unterstützt und ist auf das Raspberry Pi zugeschnitten.

In der Zwischenzeit gibt es so viele Optionen und es werden scheinbar täglich mehr. Eines der aktuellsten Beispiele ist das NanoPi NEO von FriendlyARM.com. Ein Quad-Core SBC für nur 8 US-Dollar. OK, das Gerät hat lediglich 256 MByte RAM. Die 512-MByte-Variante kostet dann satte zwei US-Dollar mehr. Außerdem verfügt das NanoPi NEO über keinen Anschluss für einen Bildschirm, dafür einen Ethernet Port. Ist eben ein IoT-Gerät (Internet of Things / Internet der Dinge). Als Herzstück dient ein Allwinner H3. Das Gerät ist von der Hardware her schneller und kleiner als das Raspberry Pi Zero.

NanoPi NEO (Quelle: FriendlyARM.com)

NanoPi NEO (Quelle: FriendlyARM.com)

Das Problem mit der Hardware – Treiber

Auf dem Papier sehen die Alternativen toll aus. Schneller, günstiger, kleiner und so weiter. Das ist allerdings nur eine Seite der Medaille. Die andere ist Support oder genauer gesagt Linux- oder Treiber-Unterstützung.

Ich musste das mit meinem PINE A64 lernen. Klar sieht das Gerät auf den ersten Blick besser aus und die Entwickler haben auch Linux-Unterstützung versprochen. Das stimmt auch – irgendwie läuft es schon, aber nicht so wirklich rund. Das größte Problem hier ist der Treiber für die Grafikkarte. Hinzu kommt noch, dass Benchmarks gezeigt haben, dass das Raspberry Pi 3 sehr wohl mit dem PINE A64 mithalten kann. Somit ist der Vorteil des PINE A64 eigentlich nur noch der Preis und den muss man eben gegen den schlechteren Support aufwiegen.

Beim oben genannten Allwinner H3 gibt es ein ähnliches Problem. Es gibt ein Abbild mit Linux-Kernel 3.4 und ich habe gelesen, dass an Mainline Support in Sachen Armbian und Linux 4.7 / 4.8 gearbeitet wird. Allerdings ist die Unterstützung experimentell und es gibt noch keine Abbilder und so weiter.

Das Raspberry Pi hingegen ist komplett unterstützt. Sämtliche Hardware läuft Out of the Box mit Raspbian. Vielleicht sind diverse Komponenten auf dem Papier langsamer. Schnellere Hardware bringt mir aber nur dann etwas, wenn sie auch funktioniert.

Seit der der kleinen Enttäuschung mit dem PINE A64 achte ich bei neuen Ankündigungen sehr auf die Hardware. Ich habe mich da früher auch blenden lassen, muss ich zugeben. Einfach schnelle Komponenten auf ein Board pappen und behaupten, es sei schneller als ein Raspberry Pi ist irgendwie sinnlos.

Die Installation des Betriebssystems – Raspberry Pi ist am einfachsten

Die Raspberry Pi Foundation ist beispiellos mit Anleitungen, Dokumentation und so weiter. Dank NOOBS kann wirklich jeder Raspbian sehr sehr einfach auf einem Raspberry Pi installieren. Das ist aber noch nicht alles. Via NOOBS lassen sich außerdem Ubuntu MATE, Snappy Ubuntu Core, LibreELEC, OSMC oder sogar Windows 10 IoT Core sehr einfach installieren. Du musst im Prinzip nur anklicken, welche Betriebssysteme Du installieren möchtest. Du kannst sogar mehr als eines gleichzeitig auf einem Speichermedium betreiben und nach Wunsch booten.

Installation via NOOBS (eine ältere Version) - Raspberry Pi mit großem Vorteil

Installation via NOOBS (eine ältere Version) – Raspberry Pi mit großem Vorteil

Bei den anderen Geräten ist die Installation schon komplizierter. OK, so schwer ist es auch nicht, aber eben nicht ganz so einfach.

Wer aufmerksam durch die IT-Welt geht, wird immer wieder feststellen, dass es es oftmals speziell für das Raspberry Pi offiziell unterstützt Abbilder oder Versionen gibt.

Seafile mit spezieller Version für Raspberry Pi

Seafile mit spezieller Server-Version für Raspberry Pi

Natürlich befindet sich oft auch andere Hardware auf der Liste der unterstützten Geräte. Aber die Pi-Familie ist garantiert dabei und meist auch unter den Ersten. Die kommende Version von LibreELEC mit Kodi 17 Alpha? Schon da …

LibreELEC 8 Alpha startet auf einem Raspberry Pi

LibreELEC 8 Alpha startet auf einem Raspberry Pi

Support, Foren und Community

Kommst Du zum ersten Mal mit dem Thema SBC und Raspberry Pi in Berührung, dann hat das RasPi mit Abstand die größte Community. Es gibt wohl kaum ein Problem, das nicht vor Dir schon jemand hatte. Natürlich werden diese Probleme in Foren um den Erdball verteilt diskutiert und auch gelöst. Oft lassen sich die Missstände auch auf andere SBCs übertragen, aber dafür braucht es meist etwas Erfahrung.

Suchst Du nach Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Problemlösungen und so weiter, dann wirst Du für das Raspberry Pi sehr wahrscheinlich fündig. Mit meinem etwas kruden Wassersensor wurde ich in diversen Foren fündig. Der funktioniert immer noch und ist weiter im Einsatz. Mein SpyFan wird derzeit umgerüstet. Eigentlich wird etwas komplett anderes daraus. Aus einem Raspberry Pi A+ und einem NoIR-Kameramodul soll eine WildCam entstehen. Ein A+ deswegen, da dieser am wenigsten Strom braucht und die Cam mit einem Akku betrieben werden soll. Sollte das funktionieren, wie ich mir das vorstelle, schreibe ich später mehr dazu.

Ich kaufe vorerst nur noch Raspberry Pi

Mit dem PINE A64 habe ich mich bisher mehr geärgert als Freude gehabt. Mein Raspberry Pi 2 ist langsamer, das stimmt. Aber es funktioniert alles. Ob das nun die MicroSD-Karte mit Kodi 16 ist, Ubuntu MATE 16.04 oder andere Experimente. Ich greife echt lieber zum Pi, weil ich mich damit weniger ärgern muss und ich im Notfall schnell Hilfe bekomme (lesen muss man halt können).

In der Zwischenzeit haben die Entwickler dem Raspberry Pi 3 WLAN / Wi-Fi und Bluetooth spendiert und sogar diese Sachen funktionieren ohne weiteres Zutun des Anwenders. Ein immenser Vorteil für Anfänger, die nach Kauf des Geräts einfach ein Betriebssystem installieren / starten und dann einfach unkomplizierte erste Schritte durchführen wollen. Also ein bisschen rumklicke und experimentieren.

Mir ist künftig auch ziemlich egal, was andere Hersteller von ihren Geräten behaupten und was alles unterstützt ist. Möglicherweise ist das so. Nur weiß ich beim Raspberry Pi, dass es ganz ganz sicher funktioniert. Ich werde neue Veröffentlichungen von anderen Herstellern auch weiterhin mit Interesse verfolgen, aber eben nur verfolgen und eher nicht kaufen. Never change a running system!

P.S: Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis Google offizielle Android-Unterstützung für das Raspberry Pi 3 bietet.

Nette Pi-Konstellation

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3 Kommentare zu “Raspberry Pi oder eine scheinbar schnellere Alternative kaufen?”

  1. Matthias Schuster sagt:

    Der Pi wird in England hergestellt, die anderen Geräte alle in Fernost - die Bezahlung der Mitarbeiter wird dabei von sehr sehr wenigen beücksichtigt.

  2. Simon sagt:

    Mittlerweile gibt es für den NanoPi Neo Armbian und DietPi. Beides funktioniert super. Ich verwende den NanoPi Neo als Homeserver für Webanwendungen und kann ihn dafür nur empfehlen.

    • jdo sagt:

      Beim Pine hatte ich die größten Probleme mit der Grafikkarte - ich wollte das Ding als Multimedia-System verwenden, habe dann aber irgendwann entnervt aufgegeben. Ich bleibe beim Original, da hatte ich noch nie Probleme. Die 10 - 15 Euro sind mir der Ärger nicht wert.

      Aber danke für den Hinweis auf DietPi ... da gibt es eine Beta-Version für den Pine 64 ... vielleicht taugt das ... ich werde es bei Gelegenheit ausprobieren.

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