Ubuntu MATE 16.04 LTS auf dem Raspberry Pi installieren

28 Mai 2016 2 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Nun bin ich doch endlich dazu gekommen, Ubuntu MATE 16.04 LTS Xenial Xerus auf dem Raspberry Pi zu installieren. Frühere Versionen von Ubuntu MATE liefen sehr gut auf dem Raspberry Pi und das erwartete ich auch von Ubuntu MATE 16.04.

Ubuntu MATE 16.04 LTS auf einem Raspberry Pi

Ubuntu MATE 16.04 LTS auf einem Raspberry Pi

Ubuntu MATE 16.04 lässt sich nur auf einem Raspberry Pi 2 oder Raspberry Pi 3 installieren. Die älteren Versionen eignen sich dafür nicht. Zunächst einmal müssen wir die MicroSD-Karte bestücken und dazu herausfinden, an welche Stelle sie sich in unserem Rechner eingehängt hat. Es ginge mit dmesg, direkt nachdem Du die MicroSD-Karte eingesteckt hast. aufzurufen. Das ist allerdings nicht die eleganteste Lösung. Via df -h ist die Sache schon etwas eleganter. Noch eine Option ist lsblk zu verwenden.

Die MicroSD-Karte bespielen

Bevor wir anfangen können, müssen wir natürlich zunächst das Abbild herunterladen. Entweder via BitTorrent (https://ubuntu-mate.org/raspberry-pi/ubuntu-mate-16.04-desktop-armhf-raspberry-pi.img.xz.torrent) oder Du nimmst einen Direkt-Download.

Die Entwickler von Ubuntu MATE 16.04 für Raspberry Pi raten immer noch zu ddrescue, wobei ich da in der Vergangenheit Probleme hatte. Ich bleibe lieber bei dd, wenn ich ehrlich bin. Die Befehle der Entwickler sehen so aus (/dev/sdX ist dabei die eingehängte MicroSD-Karte):

  • sudo apt-get install gddrescue xz-utils
  • unxz /<pfad>/<zu>/ubuntu-mate-16.04-desktop-armhf-raspberry-pi.img.xz
  • sudo ddrescue -D --force ubuntu-mate-16.04-desktop-armhf-raspberry-pi.img /dev/sdX

Die xz-utils benötigst Du, um das Abbild auspacken zu können. Möglicherweise ist das Paket schon auf Deinem Rechner installiert. Die zweite Zeile verwende ich ebenfalls, um das Abbild auszupacken – das kann übrigens eine Weile dauern. Statt ddrescue verwende ich aber das bewährte dd in der dritten Zeile.

  • sudo dd bs=1M if=/<pfad>/<zu>/ubuntu-mate-16.04-desktop-armhf-raspberry-pi.img of=/dev/sdX

Wer Windows verwendet, der kann 7-Zip für das Auspacken des Abbildes verwenden und zum Schreiben eignet sich Win32 Disk Imager.

Ubuntu MATE 16.04 für Raspberry Pi auf MicroSD-Karte schreiben

Ubuntu MATE 16.04 für Raspberry Pi auf MicroSD-Karte schreiben

Update: Mit Etcher steht eine neue Methode zur Verfügung. Das Programm ist plattformunabhägig und das Abbild von Ubuntu MATE für Raspberry Pi lässt sich ohne Probleme auf eine microSD-Karte schreiben und dann starten. Ich habe es selbst ausprobiert.

Das Dateisystem vergrößern

Ich habe Ubuntu MATE 16.04 auf eine Karte mit 32 GByte geschrieben. Die gesamte Karte wird durch das Schreiben des Abbildes aber nicht verwendet. Damit Du den gesamten Platz nutzen kannst, startest Du das System am besten und klickst dann auf Größe jetzt ändern auf dem Willkommensbildschirm.

Starte das Raspberry Pi mit der neu erstellten Karte und folge den ersten Anweisungen. Du wählst zunächst Sprache, Zeitzone, hinterlegst einen Anwender und so weiter. Sobald die Ersteinrichtung geschafft ist, erscheint ein Willkommen-Fenster – in der Regel nach der Anmeldung (außer Du hast das deaktiviert).

Der interessanteste Teil an dieser Stelle ist auf der rechten unteren Seite und nennt sich Raspberry Pi Information. Das ist das nicht zu übersehende rote Feld.

Hinter Raspberry Pi Information befinden sich nützliche Hinweise

Hinter Raspberry Pi Information befinden sich nützliche Hinweise

Dort findest Du dann recht weit oben Größe jetzt ändern. Das dauert nicht lange und im Anschluss ist ein Neustart notwendig. Der freie Platz wurde damit bei mir von vier GByte auf über 26 GByte erhöht.

Größe jetzt ändern tut genau das, was es besagt

Größe jetzt ändern tut genau das, was es besagt

Im Anschluss ist ein Neustart notwendig

Im Anschluss ist ein Neustart notwendig

Anfänglich waren vier GByte frei

Anfänglich waren vier GByte frei

Anschließen über 26 GByte freier Speicher

Anschließen über 26 GByte freier Speicher

Hinter den Raspberry Pi Information findest Du aber auch noch andere Hinweise, die lesenswert sind. Ich finde vor allen Dingen die Sektion interessant, in der auf inkompatible Software hingewiesen wird. Google Chrome läuft zum Beispiel nicht, aber Chromium schon. Das ist für alle Nutzer interessant, die den vorinstallierten Firefox nicht nutzen wollen. Ebenso funktioniert VirtualBox nicht, aber QEMU schon. Wobei sich ein Raspberry Pi 2 oder Raspberry Pi 3 nicht zwingend für Virtualisierung eignet. Der hat schon mit dem Betriebssystem an sich genug an der Backe. Wer Minecraft zocken will, muss sich an die Pi Edition halten und Flash funktioniert nur via Pepper Flash.

Inkompatible Software

Inkompatible Software

Ebenfalls kannst Du in den Informationen lesen, dass Upgrades des Betriebssystems nicht möglich sind. Ein Versionssprung von 15.10 auf 16.04 klappt nicht.

Sprachunterstützung vervollständigen

Nach dem Ändern der Größe des Dateisystems ist mein nächster Schritt, die Sprachunterstützung zu vervollständigen. Du findest die Option unter System -> Einstellungen -> Persönlich -> Sprachen.

Sprachen aufrufen

Sprachen aufrufen

Nach dem Start überprüft das System automatisch, ob die Sprachunterstützung vollständig installiert ist. Bei mir war das nicht der Fall, also hole ich das entsprechend nach.

Überprüfung, ob Sprachunterstützung vollständig installiert ist

Überprüfung, ob Sprachunterstützung vollständig installiert ist

Sprachunterstützung ist nicht vollständig

Sprachunterstützung ist nicht vollständig

Fehlende Pakete werden heruntergeladen

Fehlende Pakete werden heruntergeladen

Mehr musst Du an dieser Stelle auch nicht tun.

Software Boutique

Zurück zu Software allgemein. Bei Ubuntu Mate gibt es die Software-Boutique. Das ist eine Auswahl an bestimmten Programmen, die von den Entwickler als besonders empfehlenswert angesehen werden. Ein Anwender mit wenig Linux-Erfahrung tut sich hier leicht, als gut eingestufte Programme zu finden. Im Bereich Internet kannst Du also mit nur einem Klick zum Beispiel Chromium oder Filezilla installieren. Unter Grafik könntest Du Darktable oder GIMP installieren und so weiter. Bildbearbeitung oder Entwicklung von Fotos dürfte aber auf einem Raspberry Pi nur bedingt Spaß machen.

Software Boutique: Internet

Software Boutique: Internet

Software Boutique: Grafik

Software Boutique: Grafik

Du bist allerdings nicht auf diese Auswahl beschränkt. Ubuntu MATE 16.04 stellt Dir auch diverse Paket-Manager oder Software-Center zur Verfügung, mit denen Du Zugriff auf das komplette Ubuntu-Arsenal bekommst. Auch das spartanische Synaptic wäre dabei. Das Ubuntu Software Center kann man wohl als überholt bezeichnen.

Mehr Software

Mehr Software

Das GNOME Software Center funktioniert bei mir aber nicht. Es lässt sich zwar installieren, aber die Software startet nicht. Nach einem manuellen apt-get update und apt-get upgrade auf der Kommandozeile hat das GNOME Software Center zumindest gezuckt, aber ist dann wieder abgestürzt. Das ist alles, was ich rausholen konnte. Den Bildschirm sehe ich zirka fünf Sekunden und dann Absturz.

GNOME Software Center läuft nicht

GNOME Software Center läuft nicht

Ich habe nicht weiter nachgeforscht, denn mir reicht Synaptic auch. Möglicherweise funktionieren nicht alle Pakete, die sich darüber installieren lassen. Das Ganze also ein bisschen mit Vorsicht genießen.

Synaptic funktioniert prima

Synaptic funktioniert prima

Ich finde das eine sehr gute Lösung. Anfänger werden nicht überfordert und Profis können trotzdem alles installieren. Via Kommandozeile und apt-get funktioniert natürlich auch.

Hardware-Heschleunigung bei Videos / VLC / FFmpeg

Ubuntu MATE 16.04 bringt Hardware-beschleunigte Video-Ausgabe für VLC mit sich. Das geht via OpenMAX IL. Um es in VLC zu aktivieren, startest Du die Software und navigierst zu Werkzeuge -> Einstellungen -> Video. Dann stellst Du die AUsgabe auf OpenMAX IL um.

VLC mit OpenMax IL

VLC mit OpenMax IL

Willst Du Hardware-Beschleunigung mit FFmpeg, beziehungsweise ffplay nutzen, dann musst Du den Codec h264 spezifizieren. Der Befehl sieht zum beispiel so aus:

ffplay -vcodec h264_mmal video.mp4

Laut Entwickler funktioniert Hardware-beschleunigte Video-Ausgabe auf dem Raspberry Pi mittels Overlay. Deswegen musst Du für die Kontrolle der Wiedergabe die Tastaturkürzel für VLC und ffplay nutzen:

VLC habe ich getestet und das funktioniert sehr gut.

Performance von Ubuntu MATE 16.04 auf einem Raspberry Pi und Ressourcen-Verbrauch

Ich habe lediglich ein Raspberry Pi 2, da sich ein Upgrade auf ein Raspberry Pi 3 meiner Meinung nach nicht so wirklich lohnt (wobei ich meine Meinung ändern könnte, sollte sich die Android-Unterstützung bestätigen) Ich werde bei einer Version 4 wieder zuschlagen.

Der Start von Ubuntu 16.04 auf meinem Raspberry Pi 2 dauert zirka eine Minute. Das ist Bootvorgang, Anmelden und der Desktop ist zum Einsatz bereit. Ein Raspi 2 ist bekanntlich nicht der schnellste, aber sobald das Betriebssystem gestartet ist, laufen die Programme wie Firefox oder LibreOffice ganz gut. Natürlich musst Du etwas Geduld mitbringen, aber die Geschichte läuft runder als viele möglicherweise erwarten.

Größere Software-Updates dauern natürlich auch etwas, da der Rechenzwerg an dieser Stelle schon sehr beansprucht wird. Laufen Updates, dann mach am besten eine Pause.

Software Update - das kann dauern ...

Software Update – das kann dauern …

Ich finde, dass Ubuntu MATE 16.04 auf einem Raspberry Pi eine tolle und günstige Möglichkeit ist, Linux und /oder Ubuntu erkunden zu können. Wer einfach mal reinschnuppern möchte, legt sich eine MicroSD-Karte mit dem Ubuntu-Ableger an und kann damit experimentieren. Das OS selbst sieht gut aus und ist sehr anwenderfreundlich. Die Übersetzung auf Deutsch ist in der Zwischenzeit vollständig (soweit ich das gesehen habe) – wenn auch teilweise etwas holprig. Du wirst auf jeden Fall verstehen, was gemeint ist.

Auf jeden Fall macht Ubuntu MATE 16.04 aus dem Pi 2 oder Raspberry Pi 3 einen niedlichen Desktop-Rechner, der zum Surfen und als kleine Schreibmaschine taugt.

Die benötigten Ressourcen halten sich absolut im Rahmen. Direkt nach dem Start, also keine weitere Anwendungen geöffnet, belegt das Betriebssystem knapp über 210 MByte Speicher. Da ist noch ordentlich Luft.

Ressourcen-Verbrauch nach dem Start

Ressourcen-Verbrauch nach dem Start

Öffne ich nun LibreOffice Writer und einen Tab in Mozilla Firefox, dann springt der Speicherbedar zwischen 360 und 380 MByte und die CPUs sind im Durchschnitt 50 Prozent ausgelastet, wenn ich mit den Anwendungen noch etwas mache. Das ist OK. Es fasziniert mich, aus wie wenig sich eigentlich ein voll funktionstüchtiges Betriebssystem inklusive Anwendungen erstellen lässt – also verglichen mit so anderen Betriebssystemen, denen man eigentlich gar nicht genug Ressourcen zur Verfügung stellen kann.

Ressourcen-Verbrauch mit LirbeOffice und Firefox

Ressourcen-Verbrauch mit LirbeOffice und Firefox

Die Entwickler haben außerdem einige Programme vorinstalliert, für die das Raspberry Pi beziehungsweise Raspbian bekannt sind. Sonic Pi und vor allen Dingen Scratch gehören eigentlich zum festen Inventar auf einem Pi, oder? Der freundliche Kater bringt allen das Programmieren bei. Auf jeden Fall eine kostengünstige Konstellation, wenn man sich mit dem Thema Programmieren auseinandersetzen und erste Schritte tätigen möchte.

Scratch und Sonic Pi dürfen nicht fehlen

Scratch und Sonic Pi dürfen nicht fehlen

Nette Pi-Konstellation

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2 Kommentare zu “Ubuntu MATE 16.04 LTS auf dem Raspberry Pi installieren”

  1. HErmann sagt:

    das Software Center funktioniert bei mir auch nicht (PI 2B).
    Auch der Ubuntu Software Center geht und und der Software Update auch nicht.

    Dann hatte ich noch jede Menge I/O error Probleme die erst nach einem Karten-tausch behoben waren.
    Die Installation von MySQL hat die Installation geschrottet (Absturtz) und über den Maintenance Modus bin ich bei Reboot nicht mehr hinaus gekommen.

    Für mich ist das Ganze bis jetzt eine herbe Enttäuschung.

  2. HErmann sagt:

    gut, Mysql hätte ich nicht installieren müssen da es schon drauf ist 😀 .
    Eine Warnung vor der Installation wäre aber auch schön gewesen.
    Bleiben noch die anderen Probleme die ganz schön genervt haben...

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