Persönlicher Erfahrungsbericht: Zwei Wochen mit Cinnamon 1.6.x

4 Oktober 2012 Kein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Cinnamon 1.6 Teaser 300x275Die Entwickler von Linux Mint werden mit Unity bekanntlich nicht warm, die GNOME Shell mögen sie auch nicht und haben daher einen Fork, das Cinnamon-Projekt, ins Leben gerufen, das vor kurzer Zeit als Version 1.6 ausgegeben wurde. Kurz darauf war es in Romeo (Unstable Packages) verfügbar, worüber ich es auch installiert habe.

Wer nun bereits Zeter und Mordio ob der Amazon-Affaire in Ubuntu schreit und sich nach Alternativen umsieht, vielleicht ist ja Cinnamon eine Option. Allerdings wird es auch eine reine GNOME-Version für Ubuntu 12.10 geben.

Was mir an den Neuerungen gefällt

Ich verwende die Desktop-Umgebung nun seit gut zwei Wochen und bin von den Neuerungen doch sehr angetan. Mein persönlicher Favorit ist die Sammelstelle für Bildschirm-Nachrichten. Soltlest Du aus irgendeinem Grund eine Nachricht verpasst haben, wird diese gespeichert und erst dann gelöscht, wenn man diese manuell markiert. Das System ist allerdings auch ein bisschen intelligent. Kommt eine Nachricht, dass ein neues E-Mail eingetroffen ist und ich öffne diese in Thunderbird, dann verschwindet sie ebenfalls.

Cinnamon 1.6: Bildschirm-Benachrichtigungen

Cinnamon 1.6: Bildschirm-Benachrichtigungen

Ein Fallbeispiel, warum dieses Applet für mich Sinn macht. Ich habe mal eine Anleitung geschrieben, wie man beim Einstecken einer USB-Festplatte automatisch ein Backup auslösen kann – ich benutze das selbst. Bisher hatte ich das Script angewiesen, mir alle Minute eine Nachricht auf den Bildschirm zu zaubern: „Junge! Backup fertig, kannst die Platte entfernen“. Muss ich nun nicht mehr, da ich die Nachricht nicht mehr verpassen kann.

Das Ganze lässt sich testen, indem man einfach ein paar notify-send test über die Kommandozeile abfeuert.

Dass man die Arbeitsflächen benennen kann, schön. Ich brauche es nicht und hake es mehr als Spielerei ab. Außerdem funktioniert das OSD bei mir nicht, wenn ich über die Expo-Ansicht den Workspace wechsle (Strg+Alt+<Pfeil nach oben> -> dann Workspace aussuchen). Gehe ich den direkten Weg (Strg+Alt+<Pfeil nach links oder rechts> -> wechselt zum nächsten Workspace), blendet mir das OSD den Namen der Arbeitsfläche ein. Wie gesagt, für mich irrelevant.

Stabilität

Cinnamon 1.6.x hat bei mir bisher unter Linux Mint 13 noch keine Mätzchen gemacht. Es gab keine komische Aussetzer, keine Abstürze und so weiter. Also keine Klagen von meiner Seite und damit ist das Kapitel auch schon abgeschlossen.

Das Essentielle

Neue Funktionen, Applets, Erweiterungen (auf Neudeutsch Extensions), Effekte und so weiter sind ja alles gut und schön. Die Frage ist allerdings, ob es meinen persönlichen Ansprüchen genügt – ja, das tut es. Ich brauche eher ein stabiles Arbeitsgerät und weniger eine mit Schnickschnack vollgestopfte Desktop-Umgebung. Wäre das Cinnamon-Projekt nicht ins Leben gerufen worden, würde ich jetzt wahrscheinlich Xfce verwenden.

Sagen wir so: Derzeit verwende ich Cinnamon auf meinem Hauprechner, Xfce auf dem Netbook und das Notebook wechselt sich immer wieder mal – im Moment Sabayon 10 KDE. Man braucht schließlich ein Spielzeug 🙂

Konfiguration

Cinnamon 1.6: Einstellungen

Cinnamon 1.6: Einstellungen

Die Einstellungs-Möglichkeiten für Cinnamon werden von Version zu Version umfangreicher – sind aber bisher noch sehr übersichtlich. Manche Dinge erscheinen mir allerdings noch etwas unlogisch. Warum ist das „Mittlerer Mausklick durch drücken der linken und rechten Maustaste“ unter Allgemein? Gut, für die Maus gibt es noch kein spezielles Symbol – das kommt vielleicht noch. Das Projekt ist ja noch relativ jung.

Saustall!

Allerdings könnte man bei den herunterladbaren Erweiterungen und Applets den Saustall mal ein bisschen aufräumen. Bei den Themes unterteilt man zwischen Cinnamon 1.6, 1.5 und so weiter. Bei Extensions und Applets aber nicht. Einige der Applets scheinen für Cinnamon 1.6 obsolet zu sein, aber nicht als solche gekennzeichnet. Hier sollte man schnellstens eine klare Linie reinbringen, solage die beiden Bereich noch so übersichtlich sind.

Der Ausblick

Ich finde schon, dass Cinnamon von Ausgabe zu Ausgabe besser wird. Gespannt bin ich wie sich Nemo, der Nautilus-Fork von den Linux-Mint, entwickeln wird. Clement Lefebvre ist mit der Nautilus-Entwicklung gar nicht glücklich und hat das Projekt abgespalten. Nemo soll künftig der Dateimanager für Cinnamon werden. Erste Veränderungen gegenüber Nautilus sind schon sichtbar.

Die Desktop-Umgebung ist wirklich einfach zu verwenden und ich komme sehr gut damit zurecht – andere, die keine Ahnung von Computern haben, übrigens auch. Die Desktop-Oberfläche richtet sich nicht an Touch-Geräte, sondern soll „normalen Rechnern“ die gute alte Arbeitsoberfläche mit neuen Technologien im Hintergrund erhalten.

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