Software-Management auch bei Ubuntu 18.10 noch bescheuert

5 Oktober 2018 Ein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Nach meiner Update-Woche mit dem kleinen SNAFU konnte ich mir dann doch Ubuntu 18.10 Cosmic Cuttlefish Beta ansehen. Mir gefallen einige Ansätze ganz gut, aber das Software-Management ist seit Ubuntu 18.04 Bionic Beaver keinen Deut besser geworden. Es ist meiner Meinung nach das gleiche grausame Chaos.

Sollen wir mal mit den guten Seiten anfangen?

Die Optik gefällt mir echt gut

Alleine das Hintergrundbild ist Klasse. Als Unterwasser-Fan gefallen mit alle Kreaturen aus dem Wasser und das Wallpaper hat irgendwas. Ist eine persönliche Meinung, aber mir gefällt der Cosmic Cuttlefish – tolles Artwork!

Ubuntu 18.10: Cosmic Cuttlefish

Ubuntu 18.10: Cosmic Cuttlefish

Dann sind da die Symbole und das allgemeine Aussehen. Das Symbol für den Dateimanager von Ubuntu 18.04 hat wie ein Relikt aus den 90ern ausgesehen, aber bei Ubuntu 18.10 sieht die Geschichte wesentlich moderner aus. Hier ein kurzer Vergleich und ein Beweis.

Links Bionic, rechts Cosmic

Links Bionic, rechts Cosmic

Ubuntu 18.10 reagiert außerdem schnell, die Programme öffnen sich flott und soweit ist das alles ganz nett.

Einbindung von Nextcloud in Ubuntu 18.10 Cosmic Cuttlefish

In den Online-Konten kann ich wie beim Vorgänger die Nextcloud einbinden. Kalender integriert sich sofort und ich kann via WebDAV auf das Laufwerk zugreifen. Das ist schön gemacht, funktioniert gut, ist aber keine Neuerung.

Anwender von Google dürften angenehm finden, dass sie auch Google Drive einbinden können. Das geht wirklich schnell und einfach. Klick, klick, Name, Passwort, Authorisieren -> Google eingebunden.

Online-Konten bei Ubuntu 18.10 Cosmic Cuttlefish - sehr einfach

Online-Konten bei Ubuntu 18.10 Cosmic Cuttlefish – sehr einfach

GNOME schränkt mich zu sehr ein

Als Power-User ist mir GNOME einfach zu eingeschränkt und bietet mir zu wenige Optionen, den Desktop zu modifizieren. Gerade der Dateimanager ist mir viel zu rudimentär und da bin ich von Nemo andere Funktionalität und Annehmlichkeiten gewohnt.

Etwas Abhilfe bringt das GNOME Tweak Tool (GNOME-Optimierung), das ich interessanterweise über die Software-Verwaltung nicht installieren darf. Es ist nicht kompatibel, heißt es.

Ich darf das GNOME Tweak Tool nicht installieren

Ich darf das GNOME Tweak Tool nicht installieren

Nun kann ich es zwar über die Kommandozeile installieren:

apt install gnome-tweak-tool

Aber wer weiß, was das Ding dann kaputt macht. Als würde mich GNOME nicht schon genug einschränken, treibt es Ubuntu 18.10 echt auf die Spitze. Ich habe es nicht weiter verfolgt und weiß nicht, was das GNOME Tweak Tool kaputt macht oder wie gut es funktioniert. Oder ist es eine Beta-Eigenheit? Kann ich mir aber nicht vorstellen, denn Ubuntu 18.10 Beta sollte Feature complete sein.

Was soll eigentlich der Unfug mit Videos?

Diese Videos App (Totem) kapiere ich auch nicht ganz, wobei das Problem nicht bei Ubuntu zu suchen ist. Obwohl, sie müssten die App ja nicht nutzen. Videos wird auf der einen Seite angenehm einfacher, auf der anderen Seite ist es so eine halbgare Geschichte.

Was soll das Ding mit den Kanälen? Da sind 4 Kanäle drin, aber auch nach Recherche habe ich nicht herausgefunden, wie sich eigene einbinden lassen.

Videos - Kanäle

Videos – Kanäle

Ist es nicht fertig, dann lasst es doch bitte draußen. Die Videos App hat mehr den Charme von Jugend forscht und fertig oder funktionierend ist wirklich anders. OK, Ubuntu 18.10 Cosmic Cuttlefish ist mehr eine experimentelle Version, aber die letzte LTS hat irgendwie auch nicht geglänzt, als wäre sie fertig.

Versuch mal, einen Screenshot beim einer mkv-Datei zu machen oder die Galerie-Option zu nutzen… viel Glück!

Wo ist eigentlich die Playliste? Oder muss ich nun Video für Video klicken, das ich ansehen möchte?

Was ich persönlich machen würde? Sofort VLC installieren und zum Standard für Videos machen. Dann muss ich mich weder um Codecs kümmern, noch habe ich einen irgendwie komplett kastrierten Videoplayer, bei dem die Hälfte nicht funktioniert.

Software-Management – was für ein Desaster – immer noch

Ich habe es bereits bei Ubuntu 18.04 angeprangert, dass nicht klar ersichtlich ist, was ein Snap ist und was aus den Repositories kommt. Da muss ich erst in das Paket klicken, nach unten scrollen und sehe es dann.

Ich verstehe schon, was man mit den Snaps erreichen will und habe grundsätzlich auch nichts gegen AppImageFlatpak und Snap. Sehr angenehm sind solche kompletten Pakete, wenn ich eine Testversion oder neue Version parallel ausprobieren möchte und den Abhängigkeiten aus dem Weg gehen möchte, keine Frage. Toll sind sie auch für Anwendungen, die nicht im Repository sind – ich hole mir immer das AppImage von Etcher. Die Selbstversorger-Pakete haben sicher ihren Platz, aber als generelle Pakete für den Desktop … ich weiß nicht. 

Es wäre zumindest schön, den Anwender nicht zu verwirren und die gleiche Software doppelt anzuzeigen. Es wäre außerdem ganz schön, klarer auf die Größenunterschiede hinzuweisen.

Ob mein VLC nur 13 MByte (knapp 70 installiert) als Download oder knapp über 200 MByte braucht, ist nämlich schon ein Unterschied. Die ganze Sache läppert sich erheblich. Puppy Linux als VM braucht kaum mehr Platz und das ist ein komplettes Betriebssystem inklusive Videoplayer!

VLC als Snap hat 200 MByte

VLC als Snap hat 200 MByte

Das ist vielleicht kein Problem, wenn Du eine Verbindung mit 100 Mbit hast. Sind Daten und Geschwindigkeit eingeschränkt, ist es nicht so ideal.

Snaps First!

Aber Canonical will anscheinend unbedingt wieder sein Ding durchdrücken, ob das nun für alle sinnvoll ist oder nicht. Hauptsache irgendwas Eigenes und die Nutzung künstlich nach oben schrauben, gell?

Wegen meiner eher langsamen Internet-Verbindung benutze ich apt-cacher-ng und muss somit viele Pakete nur einmal herunterladen. Ich kann immer wieder das gleiche Paket mit anderen Geräten nutzen. Auch die Pis lass ich darüber aktualisieren und alle Pakete kommen aus dem LAN. Bei Snaps habe ich bisher nicht herausgefunden, wie sie sich cachen lassen.

Anders gesagt versaut mit diese Software-Verwaltung komplett den Spaß mit Ubuntu 18.10 Cosmic Cuttlefish. Würde ich das Betriebssystem verwenden, ignorierte ich dieses Software-Chaos komplett. Für mich würde das Kommandozeile und apt bedeuten, aber Anfänger machen das natürlich nicht und denen werden die Snaps mehr oder weniger untergejubelt.

Vielleicht sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht? Ich lerne ja gerne dazu, vielleicht mag mir jemand den Sinn dieser Aktion näher bringen.

Linux Mint grenzt das besser ab

Linux Mint bietet übrigens auch Pakete aus den Repositories und Flatpak an. Allerdings sind die beiden sauber getrennt und Flatpak wird nicht in den Vordergrund gerückt wie die Snaps bei Ubuntu 18.10 Cosmic Cuttlefish. Warum? Suche mal bei den Flatpaks nach dem Nextcloud Client und staune, dass der Download fast 800 MByte groß ist und für eine Installation 2,4 GByte notwendig sind. Für einige proprietäre Programme oder Testversionen lasse ich mir das gerade noch eingehen. Braucht aber die GUI-Version von VIM plötzlich 1,9 GByte Storage, dann zweifle ich sehr am Sinn dieser Übung. Die Nicht-Flatpak-Version braucht gerade 32 MByte.

Wobei Snaps im Vergleich zu Flatpak noch klein wirken, was aber täuscht. Verschiedene Flatpaks teilen sich Laufzeitumgebungen und wenn eine der riesigen Dinger mal installiert ist, braucht das nächste Paket möglicherweise wesentlich weniger Platz. Ganz durchsichtig ist das auch bei Linux Mint nicht.

Linux Mint Software-Management mit Flatpak

Linux Mint Software-Management mit Flatpak

Suchst Du übrigens in der Anwendungsverwaltung von Linux Mint, wird Dir bei den meisten Programmen auch mitgeteilt, ob sie von Flathub kommen oder nicht. Dann kann man denen gleich aus dem Weg gehen.

Spotify aus den Repos und Flathub

Spotify aus den Repos und Flathub

Ich bleibe bei Linux Mint

Ich sage seit Jahren, dass Linux Mint das bessere Ubuntu ist. Während Ubuntu versucht hat, die Welt von Windows zu erlösen, ist Canonical wie wild von einem Eck in das nächste gesprungen. Linux Mint ist sich in seiner Nische treu geblieben und bietet mir auf dem Desktop einfach mehr.

Für Linux-Neulinge könnte ich mir Ubuntu mit GNOME echt gut vorstellen (solange man VLC installiert), weil sie eben nicht überfrachtet werden. Ubuntu 18.10 lässt sich einfach bedienen, sieht gut aus und kommt dem Anwender irgendwie schon entgegen. Das Software-Management macht allerdings alles kaputt. Als Power-User ist mir der Desktop außerdem zu rudimentär, aber das ist eine persönliche Einstellung und keine Wertung.

Ja, KDE wäre eine Option, aber das ist mir ehrlich gesagt schon wieder zu viel. GNOME 3 und Uity haben mich damals zu KDE getrieben, aber Cinnamon hat mich wieder zurückgeholt. Bis ich KDE endlich so konfiguriert habe, dass es mir passt, gibt es eine neue große Version. 🙂

Sollten die Entwickler von Linux Mint irgendwann auch durchdrehen, dann nehme ich Raspbian für x86 – da kannst Du Gift drauf nehmen.

Wer die Beta-Version von Ubuntu 18.10 selbst ausprobieren möchte, findet Links in der offiziellen Ankündigung. Sieht gut aus, ist mir aber schon wieder viel zu eigenbrötlerisch.

Nette Pi-Konstellation

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Ein Kommentar zu “Software-Management auch bei Ubuntu 18.10 noch bescheuert”

  1. Gyges sagt:

    Also wenn ich bei einem dieser Podcasts (vermutlich Late Night Linux) richtig aufgepasst habe, dann gibt es bei Canonical wohl ernsthafte Überlegungen, künftig nur noch ein Kern-System per Debs auszuliefern und den Rest per Snaps rauszuhauen.
    Für Nutzer würde das freilich bedeuten, dass man erst die Vertrauenswürdigkeit eines jeden Snap-Anbieters verifizieren muss, anstatt sich einfach wie gehabt auf die Repos zu verlassen. Aber für Canonical wäre das natürlich ein Träumchen, da sich der Aufwand für die Wartung der Pakete drastisch reduzieren würde.

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