Pinebook – Ein Notebook für 89 US-Dollar – meine Begeisterung hält sich in Grenzen

25 November 2016 Ein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Die Leute hinter dem Pine A64 haben ein neues Projekt aus dem Boden gestampft. Es nennt sich Pinebook und die 11″-Variante kostet lediglich 89 US-Dollar. Es gibt noch eine Version mit 14″, die mit 99 US-Dollar zu Buche schlägt. Laut eigenen Angaben richtet sich das Notebook an Entwickler und Studenten oder Schüler.

Das Pinebook - die 14"-Variante (Quelle: pine64.org)

Das Pinebook – die 14″-Variante (Quelle: pine64.org)

Das Pinebook

Werfen wir erst einmal einen allgemeinen Blick auf die Hardware, bevor wir zu meckern anfangen. Als Herzstück dient ein Quad-Core ARM Cortex A53 64-Bit (Prozessor). Das ist der gleiche Chip, der auch im PINE A64 benutzt wird.

Ansonsten befinden sich zwei GByte RAM und 16 GByte Flash Storage in dem Gerät. Das Storage kannst Du über einen MicroSD-Steckplatz gut erweitern. Bis 256 GByte sind möglich, schreiben die Entwickler.

Wifi und Bluettoth sind enthalten, zwei USB-Ports (2.0), HDMI, Kopfhörerausgang, was man eben so erwartet.

Die Auflösung ist mit 1280×720 (für beide Größen) nicht gerade üppig, aber man muss bei dem Preis die Kirche auch im Dorf lassen. Die Webcam hat 1,2 Megapixel und der verbaute Akku ist ein LiPo mit 10000 mAH. Das Gerät wiegt zirka 1,2 kg.

Das klingt alles erst einmal hervorragend. Ein ähnlicher Kampfpreis wie damals die 15 US-Dollar für den Pine A64.

Das Pinebook ist ähnlich bestückt wie der Pine A64

Das Pinebook ist ähnlich bestückt wie der Pine A64

Die Software für das Pinebook

Widmen wir uns der Software. Ganz unten auf der Produktseite ist zu lesen, das Pinebook unterstützt alle Betriebssysteme, die auch der Pine A64 unterstützt. Ab diesem Zeitpunkt war das Gerät für mich nicht mehr interessant. Die Sache mit den Betriebssystemen für den Pine A64 ist aber etwas chaotisch.

Eigentlich liest sich das auch super. Android wird unterstützt, Remix OS und Linux laufen, Ubuntu- und Debian-tauglich wird explizit angegeben und so weiter.

Das verleitet zu denken: „Wow, ein Linux-Notebook für fast gar kein Geld! Ein echtes Schnäppchen!“ … 

Ich wäre an Deiner Stelle extrem vorsichtig. Ich bin der Besitzer eines Pine A64 mit zwei GByte RAM und kann somit aus Erfahrung sprechen.

Erwartest Du eine flüssige Anwendererfahrung mit einem Pinebook und Remix OS, dann darf ich Dich schon gleich mal enttäuschen. Hier gibt es auch noch ein paar Benchmarks dazu. Derzeit gibt es auch nur Remix OS 2.0 für Pine A64, also sollte sich seit meinem Test nicht viel geändert haben.

Ice Storm Unlimited (720p) auf dem Pine A64

Ice Storm Unlimited (720p) auf dem Pine A64

Android läuft ganz passabel, weil es passende Video-Treiber gibt. Kodi lässt sich installieren und Du kannst den Pine A64 als Multimedia-Center nehmen. Ein Notebook soll natürlich nicht als Kodi-Gerät versauern. In Sachen Android gibt es derzeit nur ein mehr oder weniger offizielles Abbild mit Android 5.1 Lollipop.

Linux, Debian und Ubuntu

Nun gut, sagst Du Dir, dann eben eine Linux-Distribution. Ubuntu MATE läuft auf einem Raspberry Pi 3 ganz passabel, warum nicht auch auf einem Pinebook. Schließlich haben Benchmarks gezeigt, dass sich ein Raspberry Pi 3 und ein Pine A64 nicht so viel nehmen.

Ja, hmmmm … die Video-Treiber. Während es vernünftige Treiber für Android gibt, kann ich das für Linux nicht behaupten. Ubuntu auf dem Pine A64 war eine weniger berauschende Erfahrung. Das habe ich auch nie wieder angefasst und mich damit abgefunden, dass Android für die Hardware wohl der weniger schmerzvolle Weg ist. Es läuft schon irgendwie, aber nicht alles und … ach, vergessen wir das einfach. Vernünftig Videos gucken war unter Linux nicht möglich – lag am Grafiktreiber und der proprietären Natur von Allwinner.

Xubuntu 16.04 auf einem PINE A64 - Desktop

Xubuntu 16.04 auf einem PINE A64 – Desktop

Ist das Pinebook komplett für die Tonne?

Das will ich so nicht sagen. Möglicherweise bekommt das Projekt Pine wegen des Pinebooks Momentum und es interessieren sich plötzlich sehr viel mehr Entwickler dafür. Vielleicht ist das Pinebook der Stein, der sich Sache so richtig ins Rollen bringt.

Vielleicht öffnet sich Allwinner ein bisschen, gibt einen vernünftigen Grafiktreiber für Linux aus und dann wäre das Pinebook als tragbare, sehr günstige Surfstation / Schreibmaschine in der Tat interessant. Dafür müssen die Entwickler diesmal meiner Meinung nach aber nicht nur die Hardware bereitstellen, sondern auch ein funktionierendes OS und keine halbgaren Sachen liefern.

Ich bin als nicht sofort ein kompletter Pinebook-Gegner, aber aufgrund der Vorgeschichte mit dem Pine A64 sehr skeptisch. Einfach zurücklehnen und beobachten, was aus dem Pinebook so wird. Ich muss nicht immer bei den Ersten sein, denke ich mir in diesem Fall.

Dir muss auch völlig klar sein, dass es sich hier um keinen Supercomputer handelt. Einfache Aufgaben lassen sich mit dem Pinebook sicherlich erledigen. Die Performance wird aber niemals an die eines Geräts kommen, das wir momentan als Notebook bezeichnen.

Vorbestellbar

Bisher ist das Pinebook noch nicht im Handel erhältlich. Wenn es Dich interessiert, kannst Du ein Pinebook vorbestellen. Ich bin in der Zwischenzeit ein mehrfach gebranntes Kind, was solche Geräte angeht. Komplett ins Klo gegriffen wie einige Jolla-Tablet-Besteller habe ich nie, aber herausragende Erfolge waren meine Investitionen auch nicht. OUYA sage ich nur … Ich habe für mich auf jeden Fall beschlossen, in Sachen Winzlingen lieber das Original zu kaufen

Interessiert Dich so ein Gerät? Würdest Du so etwas kaufen? Oder wartest Du wie ich erst einmal die Situation ab.

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Ein Kommentar zu “Pinebook – Ein Notebook für 89 US-Dollar – meine Begeisterung hält sich in Grenzen”

  1. Pinebook-User sagt:

    Als ich Pinebook gekauft habe war ich auch erstmal skeptisch.
    Jedoch hat sich dabei herausgestellt, dass das Pinebook für diesen Preis einfach unschlagbar ist.

    Es ist sehr solide verarbeitet: Die Tastatur ist, bis auf den Punkt das die Space-Taste nur im mittleren Bereich funktioniert sehr gut. Der Bildschirm ist natürlich günstig, das merkt man weil die Hintergrundbeleuchtung leicht flimmert. Jedoch ist das bei Tageslicht kaum spürbar und bei Nacht stellt man die Beleuchtung einfach ein wenig stärker. Es ist auch unglaublich leicht, sowas sieht man nur bei Mac- und Ultrabooks.

    Die Abwärme ist dank ARM-Prozessor komplett nach

    Mit dem vorkonfigurierten UbuntuMATE 16.04 hält sich Usability und Performance auch die Wage. Die Auflösung ist übrigens 1366x768 !
    Als Zweitgerät für unterwegs ist das Pinebook aber sehr empfehlenswert. Ich zumindest möchte nicht immer mit einem 1000€ teuren Ultrabook unterwegs sein, sofern ich es selbst bezahlen müsste.

    Wer auf seinen Pinebook Android laufen lassen will, der soll sich doch bitte ein Android-Tablet <200€ holen. Finde ich sowieso komisch ein vollwertiges Betriebssystem (Linux) gegen ein Mobiles tauschen zu wollen...

    Das Pinebook würde sich auch super als Lernlaptop für Schulen eigenen, aber das ist natürlich Wunschdenken.

    Ich sage voraus: Das Pinebook wird wohl auch einen Nachfolger bekommen, der ähnlich günstig ist.

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