Raspberry Pi 2 als Multimedia-Center mit Kodi: Was man dafür braucht

6 November 2015 Ein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Man liest immer wieder, wenn es eine neue Version der Multimedia-Center-Software Kodi (früher XBMC) gibt, oder die Multimedia-Distributionen OpenELEC oder OSMC (Open Source Media Center / früher RaspBMC) aktualisiert wurden. Viele wissen mit Sicherheit, dass sich das Raspberry Pi 2 nicht nur für die Verwendung mit Ubuntu MATE 15.10, sondern auch hervorragend als Multimedia-Center eignet, fragen sich aber wahrscheinlich, was man genau dafür braucht. Ich wurde sogar erst vor ein paar Tagen von einem Freund gefragt, was er denn kaufen müsse, um sich ein Multimedia-Center mit dem Raspberry Pi 2 ins Wohnzimmer stellen zu können.

Das Raspberry Pi war übrigens auch schon nicht schlecht und konnte mit Full HD umgehen. Mit einem Raspberry Pi 2 macht es allerdings noch mehr Spaß, da der Winzling mit seinem Quad-Core-Prozessor doch wesentlich reaktionsfreudiger ist.

Sehen wir uns in diesem Beitrag einfach an, was man benötigt, um aus einem Raspberry Pi 2 ein vollwertiges Multimedia-Center zu machen – sozusagen eine kleine Kaufberatung. Nachdem der Teil mit der Hardware geklärt ist, gibt es noch eine kleine Anleitung, wie man OpenELEC oder OSMC oder sogar beides installiert und entsprechend konfiguriert.

Notwendige Hardware, um das Raspberry Pi 2 in ein Multimedia-Center zu verwandeln

Zunächst einmal brauchst Du ein Raspberry Pi 2, das ist klar. Weiterhin ist ein Gehäuse sehr zu empfehlen und das offizielle, noch gar nicht so alte Gehäuse der Raspberry Pi Foundation scheint eine gute Wahl zu sein. Diese beiden Komponenten lege ich mal als Grundlage fest.

Gehäuse für Raspberry Pi 2 und B+

Gehäuse für Raspberry Pi 2 und B+

Beim Stromanschluss kann man diskutieren. Die meisten modernen Fernseher werden einen USB-Anschluss haben. Mein Fernseher ist ausreichend, um das Raspberry Pi 2 mit Strom zu versorgen. In der Tat ist es so, dass ich mit dem Anschalten des Fernsehers gleichzeitig mein Multimedia-Center hochfahre. Knifflig ist die Lage nur, wenn ich den Fernseher einfach ausschalte. Das würde auch dem Raspberry Pi 2 den Strom abwürgen und das Gerät fährt unsauber herunter, was das Dateisystem beschädigen könnte. Von daher sollte man vor einem Ausschalten des Fernsehers immer daran denken, das Raspberry Pi 2 herunterzufahren. Alternativ dazu könnte man dem RPI2 eine separate Stromquelle spendieren.

Bei der microSD-Karte hat man ebenfalls die Quel der Wahl. Je schneller diese ist, desto schneller startet das Multimedia-Center. je größer sie ist, desto mehr passt logischerweise drauf. Für unsere Zwecke reicht theoretisch eine microSD-Karte mit vier GByte Storage. Da bringt man locker OpenELEC, LibreELEC und OSMC parallel drauf. Viel Platz für Multimedia-Dateien ist allerdings nicht mehr – also Video, Musik schon. Allerdings sind microSD-Karten auch nicht mehr teuer und ich persönlich verwende sehr gerne diese 32-GByte-Karten. Meine Multimedia-Dateien liegen auf einem Synology oder ich zapfe Online-Quellen wie die ARD Mediathek und so weiter an. Von daher müsste meine Karte nicht so groß sein. Du kannst natürlich auch separat einen USB-Stick oder eine USB-Festplatte mit Deinen Multimedia-Dateien anstecken. Das Raspberry Pi 2 verfügt insgesamt über vier USB2-Steckplätze.

Eine Ethernet-Schnitstellen (Kabel-Netzwerk) bringt das Raspberry Pi 2 mit sich. Für die Installation später benötigen wir auch ein Netzwerkkabel, da ich die Betriebssysteme online installiere und das RPI2 dafür mit einem Kabel an das Netzwerk hängen muss. Sobald die beiden Systeme allerdings installiert sind, lassen sich sowohl OpenELEC / LibreELEC als auch OSMC mit einer WLAN- / WiFi-Karte betreiben. Sehr gut unterstützt werden die USB-Netzwerkkarten von Edimax. Mit denen hatte ich noch nie Probleme.

Das Raspberry Pi 2 verfügt über einen HDMI-Ausgang – ein großer Stecker. Solltest Du kein entsprechendes HDMI-Kabel haben – die kosten nicht wirklich viel.

Ohne Maus und Tastatur liegt der Preis für die Hardware mit den von mir genannten Komponenten bei zirka 93 Euro – Weihnachten steht ja vor der Tür. 🙂

Zur Installation ist eine Tastatur und eine Maus notwendig. Eigentlich nur die Maus, aber eine Tastatur ist schon bequem. Ich habe mir so eine Kombination aus drahtloser Tastatur und Maus gekauft, da ich diese auch gleich als Fernbedienung verwende. Außerdem habe ich zusätzlich Raspbian installiert und könnte das offizielle Pi-Betriebssystem ebenfalls verwenden. Bei dieser Tastatur funktionieren auch die speziellen Tasten für die Lautstärke und das Stummschalten per Standard – zumindest mir ist das wichtig und das waren mir die knapp 30 Euro wert.

Logitech: drahtlose Tastatur und Maus in einem - damit steuert sich das Multimedia-Center hervorragend (Quelle: Amazon.de)

Logitech: drahtlose Tastatur und Maus in einem – damit steuert sich das Multimedia-Center hervorragend (Quelle: Amazon.de)

Wer ein Smartphone mit Android besitzt, kann die offizielle Fernbedienungs-App Kore installieren. Will man diese Kombination nutzen, muss man Kodi allerdings entsprechend konfigurieren. Ich komme später darauf zurück.

In Sachen Hardware sind wir an dieser Stelle fertig. Mehr ist nicht notwendig, um das Raspberry Pi 2 in ein vollwertiges Multimedia-Center zu verwandeln.

Kodi / OpenELEC / LibreELEC / OSMC via NOOBS installieren

Es ist egal, ob Du Linux, Windows oder Mac OS X verwendest. Im Endeffekt musst Du die microSD-Karte als FAT32 formatieren, eine ZIP-Datei auspacken und Dateien kopieren können.

Zunächst formatierst Du mit einem Tool Deiner Wahl die microSD-Karte als FAT32. Unter Linux kann das GParted und für Windows oder Mac OS X gibt es den SD Formatter bei sdcard.org.

Im Fall von OpenELEC / LibreELEC oder OSMC empfehle ich die Verwendung von NOOBS Lite. Die beiden Systeme sind nicht besonders groß und das kann man locker online herunterladen oder installieren. Voraussetzung ist aber wie gesagt, dass man das Raspberry Pi 2 mithilfe eines Ethernet-Kabels an den Router anschließen kann oder man über das Kabel anderweitig eine Internet-Verbindung herstellt. NOOBS kann nicht mit WiFI- oder WLAN-Karten umgehen.

Lade NOOBS Lite von raspberrypi.org herunter (zirka 22 MByte) und entpacke die entsprechende ZIP-Datei. Nun begibst Du Dich in den Ordner mit den Inhalten und kopierst alle Dateien auf das Hauptverzeichnis der microSD-Karte. Die Datei INSTRUCTIONS-README.txt aus dem NOOBS-Lite-Verzeichnis muss sich dabei auf dem Hauptverzeichnis der microSD-Karte befinden – so als Anhaltspunkt.

Das war es auch schon. Stecke die microSD-Karte in Dein Raspberry Pi 2 und verbinde es mit einem Bildschirm. Stecke außerdem Maus und Tastatur an, sowie das Netzwerk-Kabel. Verbinde das Raspberry Pi 2 nun mit dem Strom und nach einiger Zeit erscheint dieser Bildschirm. Möglicherweise möchtest Du als ersten Schritt unten die Sprache auf Deutsch umstellen.

Installation via NOOBS

Installation via NOOBS

Wählt man nun OpenELEC / LibreELEC und OSMC aus, dann würde sogar eine microSD-Karte mit vier GByte Storage ausreichend Platz bieten. Pass an dieser Stelle auf, dass Du die richtigen Versionen auswählst. Es gibt bei OpenELEC / LibreELEC als auch OSMC Versionen für das Raspberry Pi 1 oder Raspberry Pi 2.

OSMC und OpenELEC via NOOBS ausgewählt

OSMC und OpenELEC via NOOBS ausgewählt

Hast Du Dich für die zu installierenden Systeme entschieden, klickst Du links oben auf Install. Je nach Internetgeschwindigkeit und der Anzahl der ausgewählten Geräte dauert die Installation nun eine Weile.

Ich habe es auch einer anderen Karte schon installiert und das Szenario nur aus Demonstrationszwecken auf einem kleinen Datenträger nachgestellt. Starte ich mein Raspberry Pi 2, kann ich sowohl die Multimedia-Center-Distributionen OpenELEC / LibreELEC und OSMC, als auch Raspbian starten. Es bootet übrigens per Standard immer das Betriebssystem, das man zuletzt gestartet hatte.

Startmenü: Multimedia-Center oder Raspbian?

Startmenü: Multimedia-Center oder Raspbian?

Wie man das Multimedia-Center OpenELEC auf Version 6 auf dem Raspberry Pi 2 aktualisiert, habe ich hier beschrieben.

OSMC oder OpenELEC / LibreELEC einrichten

Beide Systeme bringen einen Assistenten für die erste Einrichtung mit sich. Diesen kann man recht einfach folgen. Ich spare mir hier weitere Ausführungen und gehe lieber auf relevante Sachen ein. Damit ist zum Beispiel gemeint, wenn Du Dein Raspberry Pi 2 nun vom Kabel absteckst und eine USB-WLAN-Netzwerkkarte verwendest. Diese müssen wir zunächst konfigurieren, was eigentlich auch nicht schwer ist.

Netzwerk / WLAN / WiFi bei OpenELEC / LibreELEC einrichten

Begib Dich zu Optionen -> OpenELEC -> Netzwerk und aktiviere Drahtlose Netzwerke. Im Reiter Verbindungen darunter kannst Du Dich dann ganz normal mit einem WLAN verbinden. Hier das Ganze in Bildern.

Optionen -> OpenELEC

Optionen -> OpenELEC

WLAN aktivieren

WLAN aktivieren

Mit Netzwerk verbinden

Mit Netzwerk verbinden

Netzwerk / WLAN / WiFi bei OSMC einrichten

Das ist sehr ähnlich wie bei OpenELEC. Allerdings nennt sich das entsprechende Menü My OSMC -> Network und dort kann man dann unter Wireless die drahtlose Netzwerkkarte einstellen. Auch hierzu die Bilder.

My OSMC: Netzwerk

My OSMC: Netzwerk

Drahtloses Netzwerk aktivieren und konfigurieren

Drahtloses Netzwerk aktivieren und konfigurieren

My OSMC

Es lohnt sich übrigens das Menü bei My OSMC genauer unter die Lupe zu nehmen. Hier lassen sich unter anderem die Einstellungen modifzieren, wie das Raspberry Pi 2 booten soll – auch mit Übertakten (Overclock – wäre das Symbol neben den ausgewählten)!

My OSMC: Raspberry Pi 2 konfigurieren

My OSMC: Raspberry Pi 2 konfigurieren

My OSMC: Raspberry Pi 2 konfigurieren

My OSMC: Raspberry Pi 2 konfigurieren

Multimedia-Center für Kore vorbereiten

Nun ist das Multimedia-Center schon sehr einsatzbereit, aber der Teil mit der Fernbedienung fehlt noch. Wie bereits gesagt funktioniert es mit Maus und Tastatur. Bist Du im Besitz eines Smartphones oder Tablets mit Android, kannst Du die offizielle Kodi Remote App Kore verwenden.

Im Endeffekt musst Du die Steuerung über den Webserver erlauben. Gehen auf Optionen -> Einstellungen -> Dienste -> Webserver und aktiviere Steuerung über HTTP erlauben. Am besten legst Du hier ein Passwort und einen Anmeldenamen fest. Hier das Ganze in Bildern.

Optionen -> Einstellungen

Optionen -> Einstellungen

Dienste

Dienste

Steuerung über HTTP aktivieren

Steuerung über HTTP aktivieren

Bei OSMC ist die Geschichte äquivalent: Einstellungen -> Dienste -> Webserver.

Rufst Du nun Kore auf dem Android-Gerät auf, scannt die App nach Kodi-Instanzen im gleichen Netzwerk und sollte Deine Installation finden. Mit Name und Passwort kannst Du Dich dann mit Kodi verbinden.

Kore als Remote oder Fernbedienung für Kodi

Kore als Remote oder Fernbedienung für Kodi

Tipp: Dieser Schritt ermöglicht es auch, die Kodi-Instanz via Browser anzusprechen. Weißt Du die IP- oder Zeroconf-Adresse, dann gib das mal in der URL Deines Browsers ein. Auch hier wirst Du nach Name und Passwort gefragt. Das funktioniert, sieht aber nicht ganz so schick aus.

Kodi Remote im Browser

Kodi Remote im Browser

Nun sollte Dein Multimedia-Center auf dem Raspberry Pi 2 so weit fertig und einsatzbereit sein. Du kannst OSMC oder OpenELEC starten und die entsprechende Kodi-Instanz von Remote steuern. Viel Spaß!

Nette Pi-Konstellation

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Ein Kommentar zu “Raspberry Pi 2 als Multimedia-Center mit Kodi: Was man dafür braucht”

  1. A.Sprenger sagt:

    Hallo,ich hoffe ich bin hier richtig.
    Ich habe erfolgreich auf einen Raspberry Pi3 mit OpenELEC (Vers 6.0.3) das Bluetooth aktiviert und wollte jetzt einen BT-Lautsprecher betreiben. Er wird im System auch erkannt und angezeigt ( Anker A7908), kann sich jedoch nicht verbinden. Es kommt immer die Fehlermeldung "Bluetooth Error - protocol not available" Was muss ich tun,damit es funktioniert ?
    Gruß Andreas

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