Photoshop in Zukunft für Linux via Browser? Es gibt eine Testphase für Chrome

22 November 2014 3 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Bei The Verge gibt es einen Bericht, dass man eine Pilotphase gestartet hat, um Adobe Photoshop als Chrome-Plugin laufen zu lassen. Daran würden Adobe und Google seit rund zwei Jahren arbeiten. Nun hat man eine nahezu funktionierende Version, die sich Photoshop Streaming nennt. Zusammen mit Bildungseinrichtungen will man nun sechs Monate lang testen und weiter optimieren.

Es gibt Vorteile, Photoshop in den Browser zu bringen

Das Prinzip ist eigentlich nicht neu. Es handelt sich dabei eigentlich um eine Art Applikations- oder Anwendungs-Virtualisierung. Man lädt die Anwendung via Chrom Web Store herunter. Danach verbindet sie sich zu einem Server, der dann die schwere Arbeit verrichtet. JavaScript ist dabei für die Kommunikation mit dem Server zuständig. Adobe plant, dass sich am Ende eine Eins-zu-Eins-Kopie von Photoshop CC 2014 im Browser betreiben lässt.

Der Vorteil dabei ist, dass man keinen Rechner mehr braucht, der bis an die Zähne mit CPU, GPU, RAM und schnellem Storage bewaffnet ist. Selbst auf günstigen Chromebooks soll die Anwendung laufen. Chrome gibt es auch für Linux und es wäre eine Option, Photoshop endlich auch für das Open-Source-Betriebssystem anbieten zu können.

Während der Testphase würde das allerdings nur mit Dateien funktionieren, die in Google Drive liegen. Adobe arbeitet aber daran, einen eigenen Cloud-Service auf die Beine zu stellen. Ebenso würde derzeit das Drucken nicht funktionieren und Prozesse, die die 3D-Funktionen von Photoshop benötigen. Ebenen-Masken und die Verwendung von Camera Raw würde hingegen funktionieren.

Die Nachteile liegen ebenso auf der Hand

Weder Google noch Adobe sind bekanntlich karitative Vereine. Adobe hofft auch, dass man das Konstrukt soweit aufmotzen kann, Photoshop im Browser irgendwann als kommerzielles Produkt auszugeben. Da macht das Unternehmen gar keinen Hehl daraus und das ist auch völlig legitim. Wenn man es als Nachteil sehen will, sind das also Kosten für die Nutzung. Das Problem ist auch nicht, dass man für einen guten Service zahlt. Die Server im Hintergrund kosten auch Geld, Entwicklung und so weiter. Das Problem könnte sich vielmehr in der Zukunft zeigen, wie viel der Service denn dann eigentlich kostet.

Sollte man dann Cloud-Speicher gleich mitkaufen müssen, Photoshop-Dateien können sich schon mal ziemlich aufblasen, dann wird es auch an dieser Stelle spannend, wie hoch die Kosten sind.

Das größere Problem ist allerdings, dass ich schon wieder nicht aus den Klauen von Adobe komme und ich mich somit wieder in einen Goldenen Käfig setze. Seitdem Adobe Photoshop nur noch als Abonnement anbietet, ist der Missstand größer denn je. Sobald die einmal das Dateiformat ändern, bin ich auf der Anwendung gnadenlos ausgeliefert. Will ich auf meine Dateien zugreifen, muss ich deren Service nutzen. Es geht hier nicht um ein paar JPG-Dateien. Photoshop-Dateien werden oft mit sämtlichen Ebenen und so weiter abgespeichert. Damit ist eine nachträgliche Bearbeitung einfacher. Bei GIMP wäre es das Format .xcf, mit dem ich auch alle Ebenen speichern kann.

Weiterhin benötige ich mit höchster Wahrscheinlichkeit eine permanente Verbindung zum Server und somit Internet. Wie schnell die Leitung sein muss, um geringe Latenzen zu haben und wie viel Bandbreite das frisst, wird sich noch zeigen.

Mir persönlich geht es gegen den Strich, dass ich keine Software mehr kaufen können soll, mit der ich dann tun und lassen kann, was ich will – online und offline.

Auch wenn sich Photoshop CS6 nun recht komfortabel via PlayOnLinux installieren lässt, bleibe ich nicht nur aus Kostengründen bei GIMP. Die Open-Source-Bildbearbeitungs-Software kann eigentlich alles, was ich so brauche.

Man braucht nicht zwingend Photoshop. So etwas geht auch mit GIMP

Man braucht nicht zwingend Photoshop. So etwas geht auch mit GIMP

Dieses Bild ist aus drei verschiedenen Belichtungsstufen entstanden - alle aus einem RAW

Dieses Bild ist aus drei verschiedenen Belichtungsstufen entstanden – alle aus einem RAW

Mit Open-Source-Software (Luminance HDR und GIMP kombiniert) sind sogar komplette Workflows für echtes HDR möglich.

Was fehlt GIMP eigentlich?

Wenn GIMP so toll ist, warum verwenden es dann nicht alle und es setzen so viele auf Photoshop? Gute Frage, die ich teilweise beantworten kann.

Viele Grafikdesigner verwenden seit Jahren Adobe Photoshop und sind das Programm einfach gewohnt. Dann gibt es die Verbindungen zu Illustrator, InDesign und so weiter, die einen sehr umfangreichen Workflow ermöglichen. Man muss neidlos anerkennen, dass dies mit der Suite von Adobe wesentlich angenehmer ist. Außerdem kann Photoshop diverse Sachen, die mit GIMP nicht, oder sagen wir nicht sehr trivial möglich sind. Außerdem sind viele, wie bereits oben erwähnt, an Photoshops .psd-Format gebunden.

Ich persönlich brauchen diese Zusammenarbeit allerdings nicht. Ich möchte meine Bilder von Backscatter befreien, zurechtschneiden, aufhübschen, schärfen und so weiter. Dafür reicht mir GIMP, auch wenn mir dann und wann etwas fehlt, wie zum Beispiel eine simple Batch-Engine, auch wenn es teilweise Alternativen gibt.

Mit GIMP kann man auch Batch-Prozesse erstellen, wobei das alles andere als einfach ist. GIMP fehlt eine einfach zu benutzende Batch-Engine. Einfach zu benutzend heißt: Kein Informatik-Studium mit Schwerpunkt Scheme (Script-Fu) oder Python absolviert zu haben.

Warum nutzen die GIMP-Entwickler eigentlich kein Crowdfunding, um näher an Photoshop zu kommen?

Das frage ich mich schon lange. Das Problem scheint weniger das Crowdfunding selbst zu sein, sondern fähige Entwickler zu finden. Aber gerade jetzt wäre der optimale Zeitpunkt dafür, da sich viele von Adobe wegen Photoshop-Abonnement-Pflicht auf den Senkel getreten fühlen. Eine gute Agenda für Weiterentwicklungen, ein vernünftiger Zeitrahmen und eine guten Crowdfunding-Kampage – ich würde mindestens 100 Euro dafür springen lassen. Das ist für die Zukunft gut angelegtes Geld.

Es gibt allerdings kleine Schritte in die richtige Richtung, die nicht nur Photoshop-Umsteigern entgegenkommen. GIMP kann irre viel, nur wissen das die wenigsten. Teilweise ist das, da die Funktionen anders als in Photoshop heißen und seien wir ehrlich, viele sind zu faul zum suchen oder haben schlichtweg keine Zeit. Das ist auch legitim, denn Zeit ist Geld. Deswegen freut es mich umso mehr, dass das GIMP Magazine nun monatlich erscheinen und immer einen umfangreicheren Workshop enthalten soll. Ich freue mich schon auf die nächste Ausgabe, da ich bei dieser schon wieder viel gelernt habe.

Diese Workshops sind meiner Meinung nach unglaublich wichtig. Stelle ich jemandem ein Programm vor die Nase und sage „mach was!“, starrt der auf einen leeren Bildschirm. Durch einen Workshop vermittle ich dem Lernwilligen nicht nur sofort ein Ziel, sondern er sieht auch ein Ergebnis. Das wiederum animiert, das eben gelernte gleich noch mal anzuwenden oder man zeigt anderen, was man Tolles kann. Das ist keine Kritik oder soll so etwas wie „Du Angeber!“ bedeuten. Das ist der Open-Source-Gedanke: „Ich weiß etwas, also gebe ich es weiter.“

Das Problem von GIMP ist wohl auch, dass es wesentlich weniger Anwender brauchen als zum Beispiel LibreOffice. Hier schreibt man gerade eine Erfolgsgeschichte, die man nicht so oft in der Open-Source-Welt sieht. Vielleicht sollte man Bildbearbeitung auch als Office-Anwendung deklarieren und The Document Foundation (TDF) nimmt sich der Entwicklung von GIMP an … man darf ja träumen … 🙂

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3 Kommentare zu “Photoshop in Zukunft für Linux via Browser? Es gibt eine Testphase für Chrome”

  1. Rayman sagt:

    Ich sehe noch ein weiteres Problem bei Photoshop im Browser: Datenschutz!

    Da sollte man sich gut überlegen, welche Fotos man online bearbeitet. Denn diese liegen auf einem fremden Server (vermutlich auch wieder in den USA) und man hat keine Kontrolle mehr darüber, was mit den Fotos passiert. Wenn auf den Fotos Personen abgebildet sind, müssten diese ja eigentlich erst um Einwilligung gebeten werden, ob Fotos von Ihnen online veröffentlicht werden dürfen.

  2. meier sagt:

    Für den Normalnutzer reicht GIMP dicke aus. Selbst professionelle Anwender setzten immer mehr GIMP ein, weil diese merken das Photoshop regelmäßig Geld verlangt und Probleme verursacht welche nicht durch den Anwender (bzw. in dessen Auftrag gelößt werden können). Erst letztens wieder einen Anwender erlebt wo Photoshop nicht mit der Kombination aus Netzwerklaufwerk+RAM zustande kam. Bei GIMP lief alles reibungslos.

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