Resynthesizer Tutorial (Heal Selection): Ein GIMP-Plugin das zaubern kann

20 Januar 2013 6 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Gimp Logo 150x150GIMP entpuppt sich immer wieder als wahre Schatzkiste. Manchmal kommt man sich ein bisschen wie in einem Dungeon Crawler vor. Erst wenn man die verborgenen Schätze der Software entdeckt hat, versteht man auch, warum GIMP nicht ganz zu unrecht „Photoshop für Linux“ genannt wird. Heal selection ist ein Tool, auf das ich nicht mehr verzichten möchte.

Oftmals ist es so, dass GIMP bestimmte Funktionen nicht einmal vermissen lässt. Das Problem ist eher, dass der Anwender wissen muss, welches Plugin er zu verwenden hat, oder wo sich die entsprechende Funktion versteckt.

Mit zu den besten Tools bei Adobe Photoshop CS5 gehören, zumindest wenn man Fotos Unterwasser macht, die Ausbesserungs-Werkzeuge. Ich kenne leider nur den englischen Ausdruck: Content Aware Healing. Im Prinzip kann man Bildfehler damit ausbessern und die Software sieht sich die Umgebung des Fehlers an und befüllt die Auswahl entsprechend. Somit wird der Fehler der Umgebung angepasst und ist wie durch Magie verschwunden. GIMP hat auch ein Healing-Tool, welches ganz gut funktioniert. Mit dem richtigen Plugin, kann GIMP aber richtig zaubern: Resynthesizer. Genug gelabert, zur Tat … :) … vorher aber noch ein Beispiel, was man mit dem Tool in weniger als 10 Sekunden (kommt natürlich auf die Bildgröße und die Geschwindigkeit des Rechners an) vollbringen kann.

Im ersten Bild ist ein Clownfish, den ich gerne aus dem Bild hätte. Einfach auswählen und dann mit den Standard-Einstellungen das Tool darüber laufen lassen.

Clownfisch vor Heal Selection

Clownfisch vor Heal Selection

Clownfisch vor Heal Selection ausgewählt

Clownfisch vor Heal Selection ausgewählt

Clownfisch nach Heal Selection

Clownfisch nach Heal Selection – verschwunden … Hexenwerk!!!

Magisch, oder? Du glaubst mir nicht? Auch kein Problem, dann das Ganze eben noch mal als Video – bitteschön.

Installation

Das Tool war früher direkt in Resynthesizer und heißt aber nun Heal Selection. Unter Linux Mint oder Ubuntu heißt das zu installierende Paket gimp-plugin-registry und ich frage mich schon länger, warum es nicht per Standard installiert ist: sudo apt-get install gimp-plugin-registry

Bei mir liegt das gewünschte Tool nun unter Filters -> Enhance -> Heal Selection.

Gim Heal Selection: Bei den Filtern zu finden

Gim Heal Selection: Bei den Filtern zu finden

Rufst Du das Tool auf, scheint es alles andere als mächtig zu sein. Es gibt lediglich 3 Konfigurations-Felder. Die haben es allerdings in sich. Sehen wir uns die Optionen mal im Detail an.

GIMP: Heal Selection

GIMP: Heal Selection

Context sampling width (pixels):

Hier definierst Du in Pixel, welches Umfeld das Tool zu Rate ziehen soll. Je größer die Auswahl-Fläche ist, desto zufälliger kann Heal Selection den markierten bereich überschreiben und es lassen sich keine Muster erkennen. Hier muss man von Fall zu Fall spielen und auch ein bisschen aufpassen. Ich kläre das im Laufe des Artikels weiter auf. Wenn Du Dir ein besseres Bild der Umgebungs-Auswahl machen willst, dann gehe auf Select -> Grow und gib einfach die Größe der Zahl ein. Damit wächst die Auswahl um die angegebenen Pixel und Du siehst den vom Tool verwendeten Bereich.

Auswahl vergrößern

Auswahl vergrößern

Tipp: Mit Strg+z und Strg+y kannst Du einen Schritt zurück oder vorwärts gehen. Damit lässt sich ursprüngliche Auswahl und die neue schnell vergleichen.

Sample from:

Hier kannst Du zwischen All around, Sides und Above and below wählen. Du kannst dem Tool also mitteilen, ob es die gesamte Umgebung für den Prozess benutzen soll, nur die Seiten oder nur oben und unten. Das wird dann wichtig, wenn es harte Abschnitte gibt – wie zum Beispiel Wiese und Himmel. Sonst kommt es zu komischen Ergebnissen. In diesem Fall hat das Tool leichtes Spiel, da das Riff chaotisch genug ist. Dazu später ein Beispiel.

GIMP Heal Selection: Sample from

GIMP Heal Selection: Sample from

Filling order:

Hier kannst Du mit der Füllrichtung spielen. Eine Option ist alles auf zufällig zu lassen. Dann gibt es noch „nach innen zum Zentrum hin“ und „nach außen vom Zentrum weg“. Ich lasse es meist auf zufällig. Sollte das Ergebnis nicht zufriedenstellend sein, kann man mit diesen beiden Optionen spielen.

GIMP Heal Selection: Filling order

GIMP Heal Selection: Filling order

 Anwendungsbeispiele und Grenzen

Mit Heal Selection kannst Du also Dinge in Bildern einfach verschwinden lassen. Denkbar wäre zum Beispiel eine Person, die nicht ins Bild gehört oder andere störende Objekte. Das Beispiel unten wurde in weniger als 5 Minuten erstellt und ich bin dabei recht grob vorgegangen – aber das Ergebnis ist dafür gar nicht so schlecht.

Bild im Original

Bild im Original

Bild gereinigt

Bild bearbeitet

Das größte Problem in diesem Bild war, das große Schiff aus dem Bild zu bekommen. Wie bereits erwähnt, ist eine scharfe Kante im Bild Gift für die Heal Selection. Deswegen musst Du für das Schiff einmal bis zur Wasserkante auswählen und dann eben nur von Rechts und Links die Pixel zu Rate ziehen. Selbiges mit dem oberen Teil.

Boot halbieren und dann von den Seiten angehen

Boot halbieren und dann von den Seiten angehen

Wenn Du das nicht machst, das komplette Boot markierst und dann All around auswählst, hat das einen unerwünschten Effekt

Komischer Effekt - scharfe Kante

Komischer Effekt – scharfe Kante

Je chaotischer / unruhiger oder sauberer die Umgebung des störenden Elementes ist, desto besser kann Heal Selection verschwinden lassen. Gehst Du in kleineren Schritten vor oder lässt Dir mehr Zeit, wirkt sich das natürlich positiv auf das Ergebnis aus.

Tipp: Bei GIMP kannst Du die letzte Filter-Aktion per Standard mit der Tastatur-Kombination Strg+f wiederholen. Manchmal bringt erst ein zweiter, driter … Lauf von Heal Selection das gewünschte Ergebnis. Beziehungsweise kannst Du neue Störenfriede auswählen und dann einfach mit Strg+f den Filter über diese Auswahl laufen lassen. Mit einer Klick-Orgie geht das natürlich auch – aber so kann man etwas Zeit sparen.

Der von Resynthesizer verwendete Algorithmus ist bestimmt nicht schlechter als der von Adobe. Allerdings hat Adobe in Sachen Benutzerfreundlichkeit die Nase schon vorne. Mitunter zeigt sich hier eines der (meiner Meinung nach) großen Problem von freier Software und Open-Source-Projekten: Die Funktionen sind da, aber man muss sie auch so präsentieren, dass Lieschen Müller sie findet, versteht und damit umgehen kann. Die Akzeptanz würde damit ungeheuer steigen.

Viel Spaß beim Zaubern mit GIMP! Gib Störenfrieden keine Chance! :)

P.S: Hier noch mal ein Beispiel, das mit recht wenig Zeit erstellt wurde. Eigentlich wollte ich dieses Bild im Tutorial verwenden. Dann dachte ich mir aber, das Bild sieht eigentlich mit den Tauchern besser aus, da man so die Größe des Manta-Rochen sieht. Ich habe es aber schon erstellt und tut ja nicht weh, auch das noch zu präsentieren. In dieses Bild müsste man allerdings mehr Zeit investieren, da Blubberblasen und keine Taucher irgendwie eigenartig sind – Tarnanzüge gibt es ja noch nicht – zumindest beim Sporttauchen. Außerdem ist es ein ganz schönes Bild, wie ich finde … :)

Manta mit Taucher

Manta mit Taucher

Manta ohne Taucher

Manta ohne Taucher

Heal Selection (Resynthesizer) in Aktion

Hier die Bilder noch einmal als Nachher-Vorher – einfach mit der Maus drüberfahren:

Maus über das Bild bewegen

Weg ist der Fisch ...

Möchtest Du Deine Bilder einfach und effizient nachschärfen? Der Hochpass-Filter hilft …



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6 Kommentare zu “Resynthesizer Tutorial (Heal Selection): Ein GIMP-Plugin das zaubern kann”

  1. Michael sagt:

    Danke für den Hinweis!
    Sehr nützlich :-)

  2. [...] Je nach Bild kann es einmal bessere oder schlechtere Ergebnisse liefern. Aufpassen muss man beispielsweise bei scharfen Kanten, oder bei sehr klaren Bildern ohne wenige Details. Für einfache und schnelle Entfernung ist das Plugin aber meines Erachtens für den Hobby-Bildbearbeiter vollkommen ausreichend. Als Beispiel nochmal das Bild von oben nach der Anwendung von Heal selection, welches man sicher noch weiter verbessern könnte. [via] [...]

  3. killx_den sagt:

    Sehr schick, tolles Plugin.

    Habe gerade unter Fuduntu geschaut, da heisst das Paket "gimp-resynthesizer.x86_64"

  4. ShalokShalom sagt:

    Dieses Plugin ist übrigens das Original: Photoshop hats nachher implementiert, zumindest soweit ich den Text hier verstehe:
    http://lifehacker.com/how-to-make-the-gimp-work-more-like-photoshop-1551318983

    • jdo sagt:

      Das wusste ich sogar. Aber wie so oft bei Open Source haben es die anderen so modifiziert, dass es sich angenehmer benutzen lässt.

  5. Joe sagt:

    Danke! Ich quäle mit mit erfolglos mit Resynthesize ab ... es geht einfach nicht mehr: Tolle Idee, das Tool in Heal selction umzubenennen und in Filter/Verbessern zu stecken.

    Das Resynthesize unter Filter/Abbilden gibt es immer noch ... aber es macht wohl nun etwas anderes :(

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