HDR-Workflow (High Dynamic Range Foto) mit Open-Source-Programmen realisieren: Luminance HDR und GIMP

20 Januar 2014 13 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Hier mal ein Beitrag, der mir schon lange unter den Nägeln brennt. Es geht um das Mysterium HDR oder High Dynamic Range. Man kann diese Technik missbrauchen, wie man es mit bewegten GIFs in der Webentwicklung der 90er Jahre gemacht hat. Setzt man die Technologie allerdings dezent ein, ist die Technologie noch wertvoller.

Es hat mich einiges an Recherche-Arbeit gekostet, um relativ umfassend hinter das Thema zu kommen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst einmal wird der Begriff HDR häufig nicht ganz korrekt benutzt. Dann sind die meisten Anleitungen dafür einfach sehr schlecht. Benutzt man die Suchmaschine seiner Wahl, ist das Ergebnis häufig sehr frustrierend. Man gelangt eigentlich zum Großteil auf Seiten die sagen: Hier, nimmste Luminance HDR (früher Qtpfsgui), klickst drei mal wohin und hast Dein HDR. Das ist auch zunächst richtig, allerdings ist das Ergebnis nicht das gewünschte.

Ein kleiner Vorgeschmack: Geisterpfeiffenfisch

Ein kleiner Vorgeschmack: Geisterpfeiffenfisch

Die meisten Dokumentationen enden also damit, ein HDR erstellt zu haben. Wesentlich interessanter als die Erstellung des HDR ist der Workflow, ein vernünftiges LDR aus der Sache zu bekommen. Dazu findet man natürlich auch Informationen, aber eben immer nur Bruchstücke und es ist alles über diverse Foren und Websites verstreut.

Ich möchte Dir einen allgemeinen Workflow erklären, den Du dann nach Deinem Geschmack adaptieren kannst. Ich versuche es so verständlich wie möglich zu halten, auch wenn es nicht ganz ohne ein paar Grundlagen geht. Für den Workflow an sich habe ich Photomatix studiert. Das Programm lässt sich via Wine unter Linux installieren. Ich gehe weiter unten nochmal genauer auf Photomatix ein.

Die von mir verwendete Software sind die Open-Source-Programme Luminance HDR und GIMP. Ich gehe noch auf einige andere Programme ein, aber die beiden eben erwähnten reichen völlig aus.

Anmerkung: Das erstellen von mit HDR verbesserten Bildern erfordert teilweise viel Geduld, Zeit und eine gewisse Freude am Spielen mit den Bildern. Die Möglichkeiten sind unendlich und die Geschmäcker erst recht.

LDR zu HDR zurück zu LDR

Das gewünschte Ergebnis variiert, wie das bei Fotos eben so ist. Fotos sind nun mal Geschmackssache. Zum einen kann man eines dieser “coolen und unwirklichen” Bilder erzeugen. Auf der anderen Seite lässt sich diese Technik auch hervorragend einsetzen, um starke Kontraste zu eliminieren.

Wir verwenden LDR-Bilder, um ein HDR zu erzeugen. Also LDR-Bilder sind solche, die man am Bildschirm anzeigen lässt oder durch den Drucker schickt. Aus mehreren LDR-Bildern erschaffe ich ein HDR, das mit sehr sehr vielen Informationen aus der Kombination der LDR-Bilder gefüttert ist. Oder anders gesagt ist ein HDR ein riesengroßes Bild mit unglaublich vielen Informationen, das zunächst total grausam aussieht.

Das HDR kann ich nun durch verschiedene Algorithmen jagen. Das Ergebnis ist dann allerdings wieder ein LDR. Den eben beschrieben Prozess nennt man Tone Mapping.

Stellen wir die bisherigen Erkenntnisse einfach noch mal in einer Zeile zusammen:

1+x LDR-Bilder -> HDR -> Tone Mapping / verschiedene Algorithmen -> LDR

Luminance HDR und ein Vorwort dazu

Im ersten Schritt arbeiten wir mit Luminance HDR. Bei den meisten Linux-Distributionen findest Du die Software in den Repositories und kannst sie sehr einfach installieren. Auch Darktable und andere Programme ermöglichen es, ein HDR erstellen. Allerdings ich finde es mit Luminance HDR einfacher. Letzteres macht das bereits angesprochene Tone Mapping bequemer. Ich werde nicht auf alle Details in Luminance HDR eingehen. Wenn es Dich interessiert, wirst Du selbst weiter forschen. Mir ist wichtiger, den Workflow in den Vordergrund zu stellen.

Mehrer Bilder? Ja klar. Um ein HDR erstellen zu können, brauchst Du eine Belichtungsreihe. Das sind also mehrere Bilder vom selben Motiv mit unterschiedlicher Belichtung (normal, unterbelichtet, überbelichtet). Sieh zu, dass Du die Blende nicht veränderst, sonst gibt es Differenzen beim Fokus und das wollen wir hier nicht. Wenn Du Dich für das so genannte Fokus-Stacking interessierst, dann bist Du mit MacroFusion an der richtigen Stelle. Natürlich könnte man es auch völlig übertreiben und Fokus-Stacking mit HDR verbinden, aber bleiben wir mal am Boden … ;)

Wenn Du Bilder im RAW-Format aufnimmst, kannst Du damit ebenfalls Pseudo-HDRs erzeugen. Bei RAW lässt sich bezüglich der Belichtung von +/- zwei Stufen recht gut hantieren. Ich gehe später noch genauer auf das ein.

Das mag sich nun wie eine abgedroschene Phrase aus einer Marketingabteilung anhören: Je schneller Dein Rechner ist, desto besser ist das für HDR-Geschichten. HDR-Bilder können sehr groß werden und eine Menge Arbeitsspeicher fressen. Gerade schwächere Rechner kommen unter Umständen schnell ins Ächzen. Wenn Du erst einmal mit dem Workflow und der Technik experimentieren und Deinen eigenen Geschmack finden möchtest, schrumpfe Deine Bilder zusammen. 1280 x irgendwas bei Breitformat ist ganz OK. Bei 18 MPixel und 10 Bildern kommt sogar ein i7 kurz ins Schwitzen.

Belichtungsreihen

Eine Belichtungsreihe ohne Stativ ist ziemlich für die Katz – zumindest muss die Kamera fixiert sein und sollte sich im Idealfall gar nicht bewegen. Sonst kommt es zum so genannten Ghosting. Als Ghosting bezeichnet man, wenn die Bilder übereinander gelegt nicht 100 Prozent übereinstimmen. Probleme mit Ghosting gibt es aber zum Beispiel auch, wenn sich etwas anderes im Bild bewegt. Das kann zum Beispiel durch Wind verursacht werden.

Bewegung (Unterschiede in den verschiedenen Bildern) oder Ghosting ist des HDRs größter Feind! – klar, Du überlagerst später Bilder und diese sollten natürlich so identisch wie möglich sein. Hier ein Beispiel, was damit gemeint ist. Es war starker Wind und ein Zoom-Objektiv im Spiel. Die Bilder wurden im High-Speed-Modus aufgenommen – Auslöser drücken und die Kamera macht *klack klack klack*. Das Beispiel sieht krass aus, ist aber gar nicht so weit hergeholt.

Ghosting

Ghosting

Ein Remote-Auslöser ist auch nicht blöd, da es sonst sehr wahrscheinlich zu kleinen Bewegungs-Abwechungen kommt. Diese sind aber weniger tragisch und lassen sich sehr gut mit Luminance HDR korrigieren.

Moderne Spiegelreflex-Kameras haben so eine Belichtungsreihen-Funktion eingebaut. Bei meiner Canon EOS 7D nennt sich das AEB (Automatic Exposure Bracketing) und befindet sich im zweiten Menüpunkt an erster Stelle. Bei AEB wird in der so genannten Blenden-Priorität (Bei Canon AV, bei Nikon A) geschossen. Die Blende bleibt also gleich, womit man in jedem Bild die selbe Schärfentiefe hat. Die Belichtung der Bilder wird über die Auslösezeit reguliert. Hier eine Belichtungs-Reihe. Dabei haben ich die Kamera auf +/- 12/3 gestellt, weil die Lichtbedingungen extrem waren. Aber es soll ja als Anschauung dienen.

Belichtung mit AV von Kamera ausgegeben

Belichtung mit AV von Kamera ausgegeben

Überbelichtet

Überbelichtet

Unterbelichtet

Unterbelichtet

Auf jedem dieser Bilder ist ein Bereich, der eigentlich besser ist als auf den anderen Fotos.

Ist viel Bewegung im Bild, ist die Verwendung eines einzelnen RAW-Bildes besser. Das ist zum Beispiel bei Wind oder auch Wellen der Fall. So schnell kann Deine Kamera keine drei (oder mehr) Fotos schießen, dass keine Bewegung zu sehen ist.

In diesem Fall passt Du die Belichtung in einem RAW-Editor an. Mögliche Software-Kandidaten hier sind Darktable, ufraw, RawTherapee und so weiter. Übertreibe es nicht mit zu hohen EV Stops, sonst leidet das Bild sehr wahrscheinlich unter zu starkem Rauschen.

Mit ufraw die Belichtung korrigieren oder anpassen

Mit ufraw die Belichtung korrigieren oder anpassen

Auch bei Unterwasser-Aufnahmen habe ich das Problem, dass Belichtungsreihen nicht gut funktionieren. Oftmals hat man hier nur einen Versuch, ein Objekt zu knippsen. Versemmelt man das, ist die Chance vertan. Ich habe hier sogar ein Beispiel, bei dem ich nicht einmal selbst Schuld bin. Dieser Anglerfisch (Frogfish) hat sein Maul aufgerissen und ich habe schnell abgedrückt. Was ich nicht merkte war, dass mir wohl ein anderer Taucher mit der Flosse den Blitz “verstellte”. Somit ist der Schuss viel zu dunkel. Normalerweise würde ich das Bild löschen, aber das Szenario ist dafür einfach zu selten. Deswegen habe ich mithilfe des RAW eine Belichtungsreihe erstellt und dann den weiter unten beschriebenen Prozess angewandt. Hier ist das Ergebnis.

Frogfish: viel zu dunkel

Frogfish: viel zu dunkel

Frogfish: nachbearbeitet

Frogfish: nachbearbeitet

Tipp: Wem ein GUI zu doof ist und Du das Erstellen von Belichtungs-Reihen automatisieren möchtest, könnte man dafür ufraw beziehungsweise ufraw-batch verwenden. Ich erziele gute Ergebnisse, wenn ich den Weißabgleich auf “Kamera” lasse. Ein möglicher Befehl sieht dann zum Beispiel so aus:

ufraw-batch --exposure=1 --wb=camera _MG_6066.CR2 --output=_MG_6066-1.tif

In diesem Fall würde ein TIFF-Bild mit +1 EV entstehen. Als Ausgabeformat verwendet ufraw-batch per Standard ppm. Es sind aber auch die Formate tiff, tif, png, jpeg, jpg und fits möglich. Um diese in Luminance HDR weiter zu verarbeiten, verwendest Du als output am Besten tif oder jpg.

ufraw-batch lässt sich natürlich hervorragend zu Scripten verwenden. Mehr Kontrolle hast Du natürlich, wenn Du die Bilder in einem GUI Schritt für Schritt exportierst. Unter Linux kommst Du an alle möglichen Optionen wie gewohnt mit dem Aufrufen der Manpage: man ufraw-batch

Mit Luminance HDR arbeiten

Dieser Abschnitt ist wohl bezüglich HDR am Besten dokumentiert im Internet. Das ist aber auch alles, was die meisten dazu sagen: Lade Deine Bilder in Luminance HDR und drücke aufs Knöpfchen. Das stimmt im Großen und Ganzen, aber Luminance HDR kann sogar noch ein bisschen mehr.

Hier findest Du eine Belichtungs-Reihe von mir, die Du herunterladen kannst. Diese hat allerdings einen Fehler, da die Katze auf dem zweiten Bild das Ohr bewegt hat. Das ist aber so gewollt, weil Du damit das weiter unten beschriebene Anti-Ghosting ausprobieren kannst. Wenn Du die drei Bilder so verwendest, fällt im HDR das eingeknickte Ohr aber auch so nicht auf.

Öffnen wir Luminance HDR zunächst und laden die Bilder aus der oben genannten Belichtungs-Reihe.

Luminance HDR: Neues HDR

Luminance HDR: Neues HDR

Luminance HDR: Bilder laden

Luminance HDR: Bilder laden

Warum ich hier nur negative Zahlen bekomme – ich weiß es nicht. Das ist bei RAW genauso. Es klappt aber trotzdem. Weiterhin hast Du hier die Möglichkeit, die Bilder automatisch ausrichten und zuschneiden zu lassen. Das kann recht angenehme sein, es geht aber auch manuell im nächsten Schritt. Dort kannst Du die einzelnen Bilder vertikal und horizontal verschieben. Ich zeige das mal, wie das aussieht, wenn man es übertreibt (Ghosting!).

Luminance HDR: Bilder ausrichten

Luminance HDR: Bilder ausrichten

Selbst bei meinem statischen Objekt hätte ich tatsächlich ein Pixel horizontal korrigieren müssen (hab das ausprobiert) – allerdings hat sich das automatische Ausrichten darum gekümmert. Das lag wohl daran, dass ich keinen Remote-Auslöser verwendete. Automatisches Ausrichten mit Hugin kann je nach Bildgröße eine Weile dauern. Für was man das Anti-Ghosting verwenden kann, erkläre ich später in einem separaten Kapitel mit einem anderen Beispiel. Klicken wir zunächst auf Weiter.

Hier kannst Du nun diverse Einstellungen machen, mit denen ich mich noch nicht genauer beschäftigt habe. Ich nehme immer die Standard-Einstellungen (Profil 1) und drücke Fertigstellen.

Luminance HDR: Fertigstellen

Luminance HDR: Fertigstellen

Der nächste Schritt wird wohl bei den meisten die größte Enttäuschung ausgelöst haben. “Die Bilder im Internet sehen so cool aus und dieses Luminance HDR bringt nicht mal annähernd die selben Ergebnisse!”

Luminance HDR: Wie enttäuschend (könnte man meinen)

Luminance HDR: Wie enttäuschend (könnte man meinen)

Die Vorschau kann ziemlich verpixelt sein. Das liegt an der Ausgabegröße. Hier einfach höhere Werte einstellen und Anwenden klicken. Allerdings ist das Ergebnis ernüchtern. Entweder total flau oder völlig überzogen oder oder oder. Als ich das erste Mal mit HDR gespielt hatte, dachte ich mir genau das selbe: “Was für ein Scheiß!”

Ich erwähnte es bereits: Die ganzen Anleitungen für Luminance HDR haben nicht Unrecht – das HDR ist hier erstellt und Du kannst es durch diverse Algorithmen jagen. Der Witz an der Geschichte ist, dass man die verschiedenen Ausgaben noch kombinieren muss. Und das führt uns zum nächsten Kapitel.

Ein LDR macht noch kein gutes Bild

Du kannst später alle möglichen Kombinationen auswählen. Ich zeige Dir hier einen Workflow, der relativ gut funktioniert und recht rasch brauchbare Ergebnisse zum Vorschein bringt. Dafür speichern wir zwei Bilder ab. Einmal nehmen wir den Algorithmus Mantiuk’08 (auf Ausgabegröße achten!) und speichern das Bild ab. Ich habe die Standard-Einstellungen genommen. Netterweise speichert Luminance HDR das Bild entsprechend betitelt ab, damit wir uns später leichter zurechtfinden.

Luminance HDR: Matiuk'08

Luminance HDR: Matiuk’08

Im Anschluss wählen wir als Operator Ashikhmin, stellen die Ausgleichszahl auf Eqn4 und den Schwellenwert für lokalen Kontrast auf 0.

Luminance HDR: Ashikhmin

Luminance HDR: Ashikhmin

Nun öffnest Du ein Bild mit GIMP und ziehst das andere als Ebene ein (einfach mit der Maus). Achte darauf, dass das Mantiuk-Bild unten ist. Danach stellst DU sicher, dass das obere Bild (Ashikhmin) ausgewählt ist und klickst auf überlagern. Im Anschluss spielst Du noch ein bisschen mit der Deckkraft.

GIMP: zwei Bilder kombiniert

GIMP: zwei Bilder kombiniert

Hier das Ergebnis verglichen mit dem EV-0-Foto der Kamera. Beim letzten Bild wurde der Kontrast in Mantiuk etwas zurückgenommen:

HDR aus Belichtungs-Reihe

HDR aus Belichtungs-Reihe

Belichtung mit AV von Kamera ausgegeben

Belichtung mit AV von Kamera ausgegeben

HDR aus Belichtungs-Reihe: Mantiuk leicht verändert

HDR aus Belichtungs-Reihe: Mantiuk leicht verändert

Die Schatten und dunklen Bereiche sind deutlich aufgehellt, wobei das Bild nicht unnatürlich wirkt. Sehr gut sieht man den Unterschied am roten Kissen und auch beim Tisch. Du kannst natürlich kombinieren, wie Du möchtest – es ist viel Geschmackssache dabei. Vorletzten Sommer haben wir einen alten Alpha Romeo eines Freundes aufgenommen und nun mit HDR verarztet und da können dann auch solche Sachen herauskommen (das war keine Reihe, sondern ein einzelnes RAW – verschiedene Operatoren gemischt):

Alpha Romeo Giulia (Original-Bild)

Alpha Romeo Giulia (Original-Bild)

Alpha Romeo Giulia (HDR)

Alpha Romeo Giulia (HDR)

Alpha Romeo Giulia (HDR)

Alpha Romeo Giulia (HDR)

Alpha Romeo Giulia (HDR)

Alpha Romeo Giulia (HDR)

Tipp: Luminance HDR würde zunächst die EXIF-Daten aus den Bildern löschen. Du kannst das mit Extras -> EXIF-Daten kopieren adressieren, was ich etwas umständlich finde. Eine andere Möglichkeit ist, einfach das Ausgangs-Bild mit GIMP zu laden und diese Ebene dann später löschen.

Anti Ghosting in Luminance HDR

Das Anti-Ghosting-Feature in Luminance HDR erlaubt es, die “Geister” etwas zu besänftigen. Du klickst darauf und wählst dann das “gute Bild” aus und zeichnest dann mithilfe des Lasso-Tools oder dem Pinsel eine Maske über den Ghost. Danach klickst Du auf Speichern und Maske anwenden. Die Funktion ist zugegeben nicht ganz intuitiv zu verwenden. Spiel einfach ein bisschen damit herum und dann kommst Du selbst dahinter.

Auch wenn sich die “Geister” mit dieser Methode eliminieren oder begrenzen ließen, gilt: Je weniger Bewegung, desto besser. Bei sehr vielen verteilten Ghosts kann das erstens sehr zeitaufwendig werden. Zweitens kann es sich auf das HDR auswirken. Du radierst ja Ebenen weg. Gibt es natürlich einen großen Bereich (See / Meer mit Wellen), der sich mit einem Lasso recht einfach einfangen lässt, ist das ein nettes Tool.

Anti Ghosting: Das eingeknickte Ohr

Anti Ghosting: Das eingeknickte Ohr

Anti Ghosting: Maske

Anti Ghosting: Maske

Photomatix

Photomatix lässt sich unter Linux mithilfe von Wine installieren und betreiben. Es gibt dazu sogar eine Anleitung von den Herstellern selbst. Laut eigenen Angaben funktioniert aber nur die 32-Bit-Version von Photomatix unter Linux. Du kannst Dir eine Kopie im Download-Bereich der Projektseite herunterladen (dort gibt es übrigens auch einige Beispiele von Belichtungs-Reihen, mit denen Du spielen kannst). Mit PlayOnLinux hat sich Photomatix bei mir recht unkompliziert installieren lassen und es läuft auch.

Photomatix unter Linux

Photomatix unter Linux

Die nicht lizenzierte Version von Photomatix hat denselben Funktionsumfang wie die Kauf-Variante. Allerdings wird das Endprodukt mit einem Wasserzeichen versehen. Zum Ausprobieren taugt es.

Damit spielen macht schon auch Spaß und Photomatix hat mir mehr oder weniger den “Stoß” gegeben, hinter die Prozedur zu kommen. Je mehr ich damit spiele, gefällt mir aber die Kombination Luminance HDR und GIMP besser. Etwas mehr Zeitaufwand hat man damit, dafür ist man damit meiner Meinung nach wesentlich flexibler unterwegs – vor allen Dingen unter Linux.

Was man aber zur Übung machen kann: Auf die verschiedenen Varianten von Photomatix klicken und danach versuchen, diese mit Luminance HDR und GIMP nachzubilden. Dann bekommt man sehr schnell ein Gefühl für die Geschichte.

Noch zwei Beispiele :)

Hier noch mal zwei Beispiele, wie unterschiedlich, surreal oder real durch HDR verbesserte Bilder sein können. Du ganz alleine entscheidest, in welche Richtung Deine Bilder gehen.

Ich weiß, dass sehr viele Informationen in diesem Beitrag sind, die echt verwirrend sein können – ich habe auch eine ganze Weile gebraucht. Ebenfalls ist das Thema HDR weit größer, als das man es in einem Beitrag unterbringen kann. Er soll Dir aber eine Starthilfe sein, um das Gebiet HDR in Angriff nehmen zu können. Zumindest hoffe ich, Dir einige Frustmomente ersparen zu können, die mir oft die Lust verdorben haben und ich das Zeug wieder wochenlang auf Eis gelegt hatte.

Software kaufen brauchst Du nicht. Luminance HDR und GIMP (optional ein RAW Editor) reichen völlig aus. Diese Programme gibt es nicht nur für Linux, sondern auch für Windows und Mac OS X.

HDR: Rotfeuerfisch

HDR: Rotfeuerfisch

HDR: Rotfeuerfisch

HDR: Rotfeuerfisch



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13 Kommentare zu “HDR-Workflow (High Dynamic Range Foto) mit Open-Source-Programmen realisieren: Luminance HDR und GIMP”

  1. Gyges sagt:

    Witzig, das Thema HDR scheint ja gerade groß in Mode zu sein.
    Jedenfalls war es auch das Thema der gestrigen Linux Action Show:

    http://www.jupiterbroadcasting.com/49842/hdr-photography-on-linux-las-s30e06/

    Los gehts ab Minute 34. In den Show Notes finden sich dann noch ein paar schöne Links, u.A. zum HDR-Tutorial des Fotographen Ian Hex.

    • jdo sagt:

      Bizarr ... :) ... der Beitrag lungerte schon einige Wochen (seit August 2013) unfertig rum. Mit dem Thema beschäftigt habe ich mich schon länger - aber durch diverse Frust-Attacken (warum geht der Dreck nicht, wie ich will?!) dann immer wieder auf Eis gelegt.

  2. uli sagt:

    die karre kenn ich :-)
    wenn bei uns mal es wetter (respektive lichtverhältnisse)besser werden sollten :-/ , greif ich das hdr thema auch mal wieder auf.
    sehr schön gemacht jürgen

  3. Heiko sagt:

    Toller Bericht. Hier hast du wirklich alles beschrieben was man braucht. Die Bilder sehen teilweise echt sehr stark aus. Das Licht wirkt sehr reel dabei und nicht unwirklich. Das gefällt mir sehr gut.

  4. sanmiguel9 sagt:

    Erst einmal ein grosses Danke für deine tollen Beiträge zum Thema Fotografie!

    Da ich keine Fernbedienung für meine Canon 550D habe, verwende ich den 2-Sekunden-Selbstauslöser (funktioniert nur in den (halb)-manuellen Modi) um so bei Stativaufnahmen keine Erschütterung zu erzeugen.

    Als Teilzeit-Geek habe ich aber natürlich meine liebe Freude an den beiden MagicLantern Funktionen die es erlauben:
    * entweder durch eine Wischbewegung vor den beiden Infrarot-Sensoren über dem Kamera-Display
    * oder durch ein Pfeif-/Klatsch-/Knurr-/Grunz-Geräusch

    den Auslöser berührungslos zu aktivieren :-D

    • jdo sagt:

      MagicLantern hätte ich eigentlich auch gerne. Für die EOS 7D gibt es aber nur eine Alpha-Version, die schon länger nicht mehr aktualisiert wurde. Sie funktioniert, es fehlen aber noch eine ganze Reihe an Features ... Auslösen durch grunzen würde ich auch gerne können ... :)

  5. joern sagt:

    Mit Rawtherapee kann man sehr einfach und schnell tolle Tonmapping machen. Das CIECAM02-Modell, ich glaube ist ab Version s4.10 dabei, gibt dieser Methode eine neue Qualität.
    http://scribble-jpc.blogspot.de/2013/01/ciecam02-what-is-it.html

  6. […] » HDR-Workflow (High Dynamic Range Foto) mit Open-Source-Programmen realisieren: Luminance HDR und …. […]

  7. joern sagt:

    Ich habe mit Luminance HDR unter Suse 13.1 irgendwie kein Glück. Als Ergebnis bekomme ich quietschbunte Falschfarbenbilder zurück.

    Was gut funktioniert ist Kipi, ein KDE-Plugin, sowie HDR Projects Element (liegt der Digital photo bei) unter Wine, obwohl bei letzteren die Farben/Effekte wieder typisch HDR sind. Mein Anliegen aber ist eine unauffällige Dynamikerhöhung.

    Gute Ergebnisse bringt das Gimp-Plugin python_fu_frca_hdr, wobei man allerdings die Ebenen bei Freihand-Aufnahmen erst manuell deckungsgleich bringen muss.

  8. Ralf sagt:

    Vielen Danke für diesen Beitrag. War kurz davor, mir HDR Projects zu kaufen, aber da ich nur Linux habe, macht mir dein Workflow Mut, es mal mit nativen Programmen zu versuchen (statt mit Wine HDR Projects zu frickeln).

    Super Sache.

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