Kommentar: Der falsch verstandene Aufstand der Ubuntu-Community

10 März 2013 4 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Ubuntu Logo 150x150Mir deucht einige Leute interpretieren den „Aufstand“ der Ubuntu-Community und die Kommentare der Entwickler in Richtung Canonical komplett falsch.

Es geht in erster Linie nicht um „braucht es Mir“ oder „warum nicht Wayland“ oder „warum müssen die ihre eigene Suppe kochen“. Canonical kann mit Ubuntu machen, was sie wollen – sie zahlen ja auch dafür.

Fragmentierung ist einerseits nicht gut, aber das ist halt so in der Open-Source-Welt. Wenn einem etwas nicht passt, erstellt er einen Fork und macht sein eigenes Ding. Dabei muss nicht immer etwas schlechtes herauskommen. Ob Ubuntu sein Ding macht oder nicht, wird nicht das Ende von openSUSE, Mageia, Gentoo, Sabayon, Fedora, Debian, Linux Mint und was weiß ich noch alles besiegeln.

Die Sorge, dass Mir Hardware-Inkompatibilitäten bezüglich der Grafiktreiber hervorrufen wird, kann man erst dann sagen, wenn das Ei auch wirklich gelegt ist. Angeblich arbeitet Canonical mit NIVIDA an einem „unified EGL“-Treiber, den man dann aber auch mit Wayland einsetzen könnte und der sollte auch auf modernen Rechnern mit X.Org laufen.

Bei den Wayland-Entwickler gab es deswegen so einen Aufschrei, weil Canonical Bockmist über Wayland erzählt hatte. Nun behaupten einige Ubuntu-Schafe „ja, war aber sofort nach einem Tag korrigiert“. Ja und? Hätte man sich auch zuerst erkundigen können, bevor man so einen Unfug schreibt und mit dem Finger auf die anderen zeigt.

Die Entwickler aus dem KDE-Lager, im speziellen Martin Gräßlin, ist genervt, weil Shuttleworth großmundige Behauptungen macht, die sich als unwahr herausstellen. Suttleworth sei sich sicher, dass auch KDE mit Mir laufen wird. Das sieht der Haupt-Entwickler von KWin aber komplett anders, weil es keine Pläne gibt, KWin auf Mir zu portieren. Außerdem solle Shuttleworth KDE gefälligst aus seiner Pro-Mir-Kampagne heraushalten.

Dem KDE-Lager ist es scheissegal, was Ubuntu macht. Aber es stinkt ihnen zurecht, dass Shuttleworth mit falschen Behauptungen versucht, den „Pöbel“ zu beruhigen. Dazu passt dann auch das Gewäsch von Jono Bacon, der dann die Wogen mit komplett heißer Luft zu glätten versucht und die ach so geschätzte Community mit leeren Worten einseift.

Die Community hat aber die Schnauze voll, weil es sich nach Auffassung einiger wichtiger Mitglieder gar nicht mehr um eine Community handelt. Man darf abnicken, was Canonical so entscheidet und hinterhertrotten. Am Anfang war das nicht so. Shuttleworth hatte damals auch die freiwilligen Entwickler aus dem SUSE-Lager eingeladen, sich Ubuntu anzuschließen, wenn sie mit dem Führungsstil von Novell nicht zufrieden sind. Was macht er dann ein paar Jahre später? … das stinkt der „Community“.

Sam Spilsbury lassen sie 4 Monate lang an Compiz arbeiten um ihm dann mitzuteilen, dass man keine Compiz-Patches mehr aus der Community akzeptiert. Der ist natürlich sauer und bezeichnet Ubuntu als Zeitverschwendung. Er meint das aber bezüglich seiner Arbeit an der Distribution selbst. Auch andere Entwickler fragen sich, ob man zum Jünger degradiert wurde, der einfach nur mitlaufen darf.

Das Haupt-Thema all dieser Entwickler ist nicht, dass man die Linux-Welt weiter fragmentiert. Es geht darum, wie Canonical die Leute behandelt, die geholfen haben, es die erfolgreichste Linux-Desktop-Distribution zu machen. Es geht darum, dass Canonical und Mark Shuttleworth mit falschen Aussagen den „Pöbel“ einlullt, um diesen auf digitales Valium zu setzen. Damit wollen sie meiner Meinung nach auf Zeit spielen, damit ihnen die Top-Entwickler nicht weglaufen. Aber das Fass ist voll und nachdem die ersten Dampf abgelassen haben, stimmen einfach immer weitere Leute in das Lied ein, was ihnen wahrscheinlich schon lagen im Magen liegt.

Im Endeffekt geht darum, dass das einstige „Linux for human beings“ seine treuen Anhänger wie Idioten behandelt und versucht, die „Community“ mit falschen Aussagen ruhig zu halten – während man im stillen Kämmerchen Pläne schmiedet, die Weltherrschaft an sich zu reißen. *MUHAHAHAHAHAHAHA*

Klar, wer Ubuntu nicht mag, soll einfach etwas anderes benutzen – ist ja genug Auswahl da. Aber deswegen müssen sich die Entwickler aus den anderen Lagern nicht ans Bein pinkeln und sich die Entwickler aus der Ubuntu-Community wie Kindergarten-Schüler behandeln lassen.

Es ist im Moment totaler Unsinn, zu orakeln, was Mir alles zerstören könnte. Aber Canonical die Meinung zu geigen, dass sie nicht die feine Art an den Tag legen, ist völlig legitim – vor allen Dingen von den Leuten, die das betrifft. Aber die sauer gefahrenen freiwilligen Entwickler, die nichts mehr zu sagen haben, werden mit Sicherheit bei anderen Open-Source-Projekten mit offenen Armen aufgenommen. openSUSE hat ja mehr oder weniger schon eine Einladung ausgesprochen.

Und wenn sich Ubuntu weiter verbreitet, ist das meiner Meinung nach gut für Linux. Dass sie sich aber aufführen wie totale Endproduktausscheidungsöffnungen spielt in die Karten derer, die sowieso immer behaupten, dass bei Open-Source nur gestritten wird. Keiner muss Canonicals Zeug benutzen und ich wiederhole mich, dass es hier nicht um die von ihnen erstellte Software geht. Es geht darum, wie man mit den anderen umspringt und das gehört sich einfach nicht.

Es wäre noch schön, wenn sie ihre Wurzeln nicht mit aller Gewalt verstecken würden – aber das ist ihre Sache und nur ein Wunsch meinerseits.

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4 Kommentare zu “Kommentar: Der falsch verstandene Aufstand der Ubuntu-Community”

  1. Jochen sagt:

    Genau so ists. Die ganze deutschsprachige Ubuntuusers-Community z.B. hat über Jahre dazu beigetragen, Ubuntu zu verbreiten, sei es in Foren, im Wiki, auf dem Planeten, im Ubuntuusers-Team oder was sonst noch... Wer heute Ubuntu nutzt, tut dies u.a. vielleicht auch deshalb, weil es diese Community gibt. Das Wiki von ubuntuusers z.B. ist eine tolle Anlaufstelle für Fragen aller Art, auch für andere Distris.
    Wer es wie Canonical nicht schätzt, dass viele Leute hier ehrenamtlich zu Ubuntu beitragen (und ohne Einbezug der Community vom hohen Ross Entscheidungen verkündet), der darf sich auch nicht wundern, wenn nach etlichen Friss-Oder-Stirb-Alleingängen Teile der Community sich vor den Kopf gestoßen fühlen und Ubuntu den Rücken kehren. Zur Erinnerung: Der Name der Distribution Ubuntu bedeutet auf Zulu etwa „Menschlichkeit“.

  2. Christoph sagt:

    Genau so siehts aus, stimme dir absolut zu!

  3. David sagt:

    Ich vermute, Canonical sieht sich gezwungen einen Markt zu erschliessen, notfalls unter Opferung der Cummonity. Ein Kerngeschäft wie Red Hat oder Attachmate haben sie bisher nicht und mit Community allein lässt sich wenig Geld verdienen.

  4. jo sagt:

    hi, canonical (die firma hinter ubuntu) soll irgendwann profitabel laufen. und während der klassische desktop-pc (das notebook genauso) an bedeutung verliert und mit business-kunden und support nur beschränkt geld verdient werden kann, wächst der markt der mobile devices (einfach gesagt: handys), die vor allem medienkonsumgeräte sind, womit sich das geschäftsmodell und die ausrichtung verändert: zukünftig soll content vertickt werden, also musik, ebooks, apps... apple hat's vorgemacht und alle laufen hinterher. ubuntu will also mit aller macht aufs handy. dafür braucht man keine community, sondern starke globale partner, insbes. handyhersteller und carrier (telekom u.s.w.), die man damit locken muß, daß sie alle viel geld verdienen werden. und aus der ehemaligen offenheit von linux wird ein begrenztes areal mit hohen mauern, aus der ehemaligen bestimmung des nutzers über seinen computer ein handynutzer, der konsumieren soll, anstatt sein system zu verstehen oder gar zu verbessern. hat das noch etwas mit linux zu tun? ja sicher, rein technisch schon. mit linux auf dem desktop, dem community-gedanken und der free-software-ideologie ist das aber kaum vereinbar. ubuntu wird zu einer art android werden und die desktop-nutzer werden zu beta-testern eines handybetriebssystems degradiert. einen großteil der freiwilligen braucht man dann nicht mehr, das handy soll sich eh intuitiv bedienen lassen und darauf wird alles sein, was man für den alltag braucht, oder man kann's mit einem fingertip kostenpflichtig laden.

    na und? ist das schlimm? für diejenigen, die treu zu ubuntu stehen und sich nichts anderes zutrauen, bestimmt. für die ausgesprochen nette, sympathische und freundschaftliche ubuntu-community, wo viele eine heimat gefunden haben, sicherlich auch, wenn sie sich erstmal aufzulösen beginnt. ubuntu hat aber auf dem weg zum erfolgreichsten desktop-linux großartige visionen und paradigmen verbreitet, die bestehen bleiben und von anderen aufgegriffen werden, allen voran "keep it simple". das sehen wir heute in den meisten distributionen umgesetzt: man bekommt für jede aufgabe ein programm, die installation ist einfach, selbst erklärend und schnell abgeschlossen, die grafische oberfläche aufgeräumt und einfach zu bedienen u.s.w. der featuritis von einst steht heute ein schwund von features gegenüber. daß ausgerechnet debian, das zuvor als geek-system vor allem für profis und server galt, so erfolgreich auf dem desktop gelandet ist, ist das verdienst von ubuntu (und ich möchte nur ungern auf etwas anderes als debian umsteigen, nachdem ich apt-get so lieb gewonnen habe). wir sind nicht nur eine dekade weiter, seit es ubuntu gibt, wir sind auch deutlich vorangekommen. das wird bleiben und in anderen distributionen fortgesetzt werden. also, auf zu neuen ufern!

    es mag leute geben, die glauben, daß wir alle in zwei oder drei jahren nur noch handys und tablets nutzen werden. ich glaube daran aber nicht.

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