Richard Brown: openSUSE nimmt verärgerte Ubuntu-Community-Mitglieder gerne auf

8 März 2013 2 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

openSUSE Logo 150x150Die Querelen zwischen Canonical und der Ubuntu-Community werden natürlich auch bei openSUSE verfolgt. Nun hat sich ein openSUSE-Mitglied dazu geäußert, beziehungsweise geschildert, wie er die Lage als Außenstehender einzuschätzen versucht. Er verstehe zwar nicht genau die Vorgeschichte, allerdings hat er das Gefühl, das auch schon einmal durchgemacht zu haben.

Die Jahre 2009 und 2010 seien für openSUSE sehr interessant gewesen. Die Beziehungen zum Sponsor Novell waren nicht gerade so gut, wie man sich das wünscht und einige hatten das Gefühl, dass Novell wegen politischer Entscheidungen immer wieder Steine in den Weg der Linux-Distribution legte. Genau so sieht das für ihn im Moment bei Canonical aus.

Im Jahre 2010 hatte man sich dann überlegt, aus openSUSE eine Foundation zu machen.  Allerdings kam dazwischen, dass Novell von Attachmate gekauft wurde und man ankündigte, SUSE sei nun ein eigenes Geschäft mit neuen Besitzern. Brown hat sich damals gefragt, ob openSUSE nun freier agieren könne oder ob Attachmate die Zügel festhält – wie das Canonical im Moment tut.

Auf der openSUSE-Konferenz 2011 realisierte er, dass es Änderungen gibt und sich etwas bewegt. SUSE machte klar, wie wichtig openSUSE ist und wie man mit der Community zusammenarbeiten wolle. Allerdings räumte man auch ein, dass openSUSE komplett frei sei und sein eigenes Ding durchziehen kann.

Die Unabhängigkeit der Community sei plötzlich als positiv gesehen wurde, als Antreiber für Innovation und einige der Neuerungen würde SUSE dann adaptieren – andere vielleicht nicht. Das machte aber nichts, da man die Unterstützung von SUSE sicher hatte.

Auf die Worte folgten bald Taten und man hatte auf die Sorgen der Community gehört. Ohne großes Tamtam haben sich Dinge geändert.

  • openSUSE hat sämtlichen Code auf GitHub gelegt und somit war es einfach, mitzumachen. Weiterhin konnte jeder Pakete via Open Build Service beisteuern
  • Community-Mitglieder hatten das Recht, über Kernfunktionalitäten der Distribution mitzubestimmen. Teams wie openSUSEs KDE- und GNOME-Gruppe sind nun komplett von der Community gesteuert. SUSE-Angestellte sind als volle Community-Mitglieder integriert und agieren nicht als Wachhunde.
  • Das Travel-Support-Programm wurde ins Leben gerufen. Hier finanziert SUSE mit und hilft Community-Mitgliederm FOSS-Veranstaltungen zu besuchen und für openSUSE zu werben.
  • SUSE hat Hackathons angezettelt, um Community-Mitglieder zusammen zu führen. Das Ziel ist, openSUSE-Ausgaben immer besser zu machen.
  • Das beste Beispiel sei, dass SUSE die openSUSE-Konferenz 2013 in Griechenland finanziert. Diese wird wiederum komplett von der Community organisiert – den Geekos.

Wenn er sich beide Seite so ansieht, kann sich Brown nicht helfen zu denken, dass Canonical ein oder zwei Dingen von openSUSE lernen kann. Sollten sie in dem Stile weiter machen, würde er sich nicht wundern, wenn diverse Community-Mitglieder wo anders Unterschlupf suchen – zum Beispiel bei openSUSE. Und das wäre laut Brows alles andere als ein Nachteil.

Es klingt wie eine Einladung von openSUSE. Die neue Ausgabe der Distribution wird in wenigen Tagen zur Verfügung stehen. Ich habe mir schon Test-Ausgaben von openSUSE 12.3 angesehen und bin wirklich sehr positiv überrascht. Sie wirkt schneller als Vorgänger und das Design ist wirklich ansprechend. Aus der Ruhe nach dem Sturm hat die openSUSE-Community wirklich etwas gemacht.

  • LuninuX OS 12.10
openSUSE 12.3 KDE

Mit KDE Workspaces und Applications 4.10 ...

Und man muss sich einfach nur die letzten paar Jahre ansehen. Wann immer ein Herrscher versucht hatte, Open-Source-Projekte mit eiserner Faust zu regieren, ging es furchtbar schief. Oracle und OpenOffice.org, Oracle und MySQL (die Distributoren nehmen MariaDB als Standard an), Mandriva und Mageia … durch die Abkappslungen verärgerter Community-Mitglieder sind meist sehr gute Projekte entstanden. Also Ubuntu-Community: openUbuntu? openSUSE? Fedora? Mageia? Debian? Gentoo? Sabayon? … die Möglichkeiten scheinen grenzenlos …

Mit seinem Post hat Brown Mark Shuttleworth eigentlich auch Lügen gestraft, dass andere Distributionen voll von Unruhe, Trollerei, Frustration und Enttäuschung sind. In jeder Gemeinschaft gibt es ab und an Knatsch – aber besonders harmonisch sieht das bei Ubuntu im Moment auch nicht aus.



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2 Kommentare zu “Richard Brown: openSUSE nimmt verärgerte Ubuntu-Community-Mitglieder gerne auf”

  1. Georg sagt:

    Wie funktioniert das den bei OpenSuse genau? Es basiert doch eigentlich auf Suse, also wenn Attachmate bspw. für Suse ein "Unity" oder "Mir" entwickelt hätte - würde die OpenSuse-Community diese Features bei Nichtgefallen in der OpenSuse-Variante vollständig streichen können? Oder beschränkt sich die Gemeinsamkeit inzwischen nur noch auf den Namen und gemeinsamen Austausch, sprich ist OpenSuse so frei von kommerz. Interessen wie es Mageia und Debian sind?

    • jdo sagt:

      Es ist eigentlich anders rum: SUSE basiert auf openSUSE, genau wie Red Hat auf Fedora. Beziehungsweise sponsern SUSE und Red Hat openSUSE beziehungsweise Fedora und nehmen sich dann für die kommerziellen Ausgaben die Funktionen heraus, die sich als gut herausgestellt haben.

      Zum Beispiel war die Entscheidung MySQL durch MariaDB als Standard zu ersetzen eine Community-Entscheidung. Ob das SUSE für die Enterprise-Version auch so macht, liegt in der Entscheidung von SUSE.

      Zumindest so weit ich das weiß ... Bei Fedora werden über Änderungen demokratisch abgestimmt. Bei openSUSE läuft das ähnlich. Beschwerden gehen zunächst an das Board und dann an die Mitglieder. Dann sucht man an einer Lösung. Das Board ist aber auch angehalten, sich nicht in Entwicklung einzumischen, da diese in den Händen der Community liegt.

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