Windows XP mithilfe von Robolinux länger am Tropf lassen? Entwickler behaupten: Kein Virenscanner notwendig

7 April 2014 15 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Morgen, am 8. April 2014, wird Windows XP zu Grabe getragen. 13 Jahre lang durfte das Betriebssystem die Rechner so einiger Anwender antreiben.

Dass Microsoft  Windows XP einstellt, darüber sind viele Leute gar nicht glücklich. Windows 8 ist für viele keine Option und ganz ehrlich gesagt ist das Ding auch schrecklich. Ohne die Open-Source-Software Classic Shell ist es völlig unbrauchbar und auch dann ist das Hin- und Hergehoppse zwischen diesen Pseudo-Ganz-Bilschirm-Apps und dem „normalen“ Desktop einfach grauenvoll.

Somit ist es kaum verwunderlich, dass Umfragen zufolge weniger als zehn Prozent der XP-Anwender auf Windows 8 umsteigen wollen. Die populärsten Alternativen sind Windows 7 und „gar nicht umsteigen“, was eigentlich nicht wirklich eine Alternative ist. Ich habe sogar irgendwo gelesen, dass elf Prozent der XP-Anwender auf Linux umstellen wollen.

Nun gibt es eine Linux-Distribution, die sich Robolinux nennt. Die Entwickler versprechen, dass man damit Windows XP weiterhin betreiben kann und man sich auch nach Beendigung der Unterstützung nicht um Viren oder andere Malware kümmern muss.

Dazu stellt die Distribution zum einen einen „Ein-Klick-WIndows-VM-Installer“ zur Verfügung und die „Stealth VM Software Tools“. Mit nur zwei Mausklicks könnte man eine saubere Installation von Windows ausführen oder eben wiederherstellen und die Daten werden in eine geschützte VM-Daten-Partition synchronisiert. Dieses Backup liegt auf der Linux-Partition, auf die der Windows-Virus keinen Zugriff hat – diese ist nicht mit der Windows-VM geteilt.

Gegen installierte Keylogger kann man sich laut den Robolinuxern in Windows schlecht wehren. Deswegen solle man immer Firefox oder Google Chrome auf dem Host-Systeme, dem Linux-System also, verwenden.

Das Ganze funktioniert wohl auch deswegen, weil die Daten nicht synchronisiert werden, solange die virtuelle Maschine (VM) mit Windows läuft. Man stellt sogar ein Video zur Verfügung, indem man die Geschichte demonstriert. Windows wird mit einem Virus verseucht und danach wieder hergestellt.

Als Desktop-Hypervisor setzt Robolinux auf Oracle VM VirtualBox. Robolinux selbst basiert auf Debian GNU/Linux. Es gibt aber auch Installations-Dateien für die Stealth VM und Robolinux VM für Linux Mint, Ubuntu und openSUSE. Für viele weitere RPM-basierte Linux-Distributionen wird es 2014 die Software noch geben – steht auf der Website der Entwickler.

Jetzt hätte ich das gerne ausprobiert, aber das ISO-Abbild von Robolinux ist fast zwei GByte groß und die Installer für Linux Mint, Ubuntu oder openSUSE kosten Geld.

Machen die nicht auch nur Snapshots?

Was mich neugierig macht, wie sich Robolinux von herkömmlicher Snapshot-Technologie (Sicherungspunkt erstellen) unterscheidet. Ich habe mir nun einige der Videos auf der Website angesehen und muss sagen, dass vieles davon halb-bewiesene Behauptungen sind. Manche Sachen werden nicht weiter ausgeführt, sondern sind so, weil es der Haupt-Entwickler so behauptet.

Was mich persönlich wahnsinnig stört, ist das immer wieder auftauchende Phrasen-Gedresche nach dem Motto: „Egal, was Du im Internet tust – mit Robolinux kannst Du Deinen Rechner niemals nicht mit einem Virus infizieren.

Solche Aussagen ärgern mich unglaublich. Kein Betriebssystem ist frei von Gefahren – das eine ist vielleicht anfälliger als das andere und einige werden aufgrund hoher Popularität eher angegriffen – aber es kann jedes Betriebssystem erwischen. Nicht nur das Betriebssystem muss dafür anfällig sein – die Gefahr geht möglicherweise von einer anfälligen Software-Komponente wie einem Browser aus.

Mit solchen unvorsichtigen Aussagen gibt man dem Nutzer einen scheinbaren Freibrief für Dummheit oder Unvorsichtigkeit. Man suggeriert, dass er unverwundbar ist – genau das hat mich damals in den Apple-Werbe-Kampagnen so gestört – die haben ihre Anwender auch glauben lassen, dass sie nicht von Malware heimgesucht werden können.

Was sollte man als XP-Anwender denn nun tun?

Das hätte man sich eigentlich schon vor schon mehreren Wochen oder sogar Monaten überlegen sollen. Aber es ist auch nicht so, dass Rechner mit Windows XP morgen explodieren. Es gibt also schon noch Zeit für einen Umstieg, zumal selbst Microsoft den Anti-Malware-Support bis 2015 ausgeweitet hat.

Natürlich können virtuelle Maschinen und auch solche Maßnahmen wie Robolinux helfen, Windows zusätzlich auf dem Rechner zu betreiben. Ich kenne einige Leute, bei denen es nur eine kleine Anwendung ist, für die sie Windows brauchen. Neben dem Versuch der Virtualisierung könnte man auch Wine zu Rate ziehen. Möglicherweise laufen die eine oder andere Altlast damit.

Natürlich kann man auf Windows 7 oder 8 aktualisieren. Dumm ist nur, wenn damit eine Hardware-Upgrade verbunden ist. In so einem Fall kann man ruhig mal Linux ausprobieren – es kostet schließlich nichts. VirtualBox ist in den meisten Repositories der Distributionen enthalten und somit kann man neben Linux auch gleich Windows testweise in eine virtuelle Maschine stopfen.

Persönlich würde ich allerdings keinem Betriebssystem langfristig trauen, das nicht mehr mit Security-Updates versorgt wird – egal, ob sich das System in einer Gummizelle befindet oder nicht.

Früher oder später werden sich die XP-Anwender einfach damit abfinden müssen, dass Microsoft hier nicht zurückrudert – XP ist ab morgen Geschichte. Wie gesagt kostet Linux nichts und warum nicht einen Blick riskieren. Seitdem Valve mächtig Dampf mit Steam für Linux macht, gibt es für Linux-Distributionen auch schon eine ordentliche Anzahl an wirklich guten Spielen.

Ein Wort zu Windows in virtuellen Maschinen

Natürlich ist es nie verkehrt, wild gewordene Betriebssysteme in digitale Gummizellen zu sperren. Dennoch ist ein Einsatz solcher virtueller Maschinen limitiert. Klar kannst Du viele Office-Programme, Dreamweaver und weiß der Geier betreiben. Geht es aber in Richtung schnelle 3D-Grafik, sind virtuelle Maschinen schnell an der Grenze des Machbaren. Ein Ersatz für einen Windows-XP-Spiele-Rechner ist eine virtuelle Maschine nicht.

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15 Kommentare zu “Windows XP mithilfe von Robolinux länger am Tropf lassen? Entwickler behaupten: Kein Virenscanner notwendig”

  1. Martin Zabinski sagt:

    Wobei ich es jetzt nicht so schlecht finden würde wenn die XP-Rechner morgen explodieren 🙂

  2. Anon sagt:

    "Windows 8 ist für viele keine Option und ganz ehrlich gesagt ist das Ding auch schrecklich."
    Wer als Linux-Nutzer mit Win8 nicht klar kommt sollte auch kein Linux-Nutzer sein. So hart ist es nicht. (Aber erstmal flamen.)

    • jdo sagt:

      Aber so schrecklich ist es ... die Oberfläche und das ganze OS ist so dermaßen grausam, dass man es kaum in Worte fassen kann.

      Ich habe es auf einem Rechner mit installiert (es kam mit dem Notebook) und ich brauche Windows geschätzte zwei Mal im Jahr. Ich wünschte, mit dem Notebook wäre Windows 7 gekommen ...

      • Georg sagt:

        Es ist trotzdem nur *für dich* eine inakzeptable Oberfläche, nicht für jedermann. Außerdem akzeptieren viele Nutzer wohl auch die schrecklichste Oberfläche, sofern die nötige Software eben nur für dieses OS verfügbar ist. Ich komme weder alleine mit Windows noch mit Linux klar. Das eine eigent sich noch immer nicht für Gaming, auf dem anderen programmiere ich lieber und verwalte meine Bilder (und nutze ADB, VMs, etc. etc.).

        Man muss auch bedenken, dass die Konsolengeneration der XBOX 360 einfach schnarchlangsam war, sich aber lange gehalten hat, zudem geht jetzt der Trend zu "langsamen" Geräten wie ARM-Smartphones, Tablets etc. Selbst der allererste Sandy Bridge oder ein Phenom II X6, 4GB RAM und irgendetwas zum Anzeigen bunter Bilder reicht für viele User vollkommen aus. Wenn ich einen PC von 2011 mit legalem Win7 habe, wechsel ich auch nicht auf Win8. Wenn ich mir morgen aber einen neuen Computer kaufe, zahle ich für Win7 statt Win8 weder Aufpreis, noch betreibe ich irgendeinen zusätzlichen Aufwand dafür. Gibt es denn ernsthafte Untersuchungen, wie viele Nutzer so ticken?

        Der Wechsel von alter XP-Hardware (z.B. Pentium 4) zu den modernen Quad-Core-Prozessoren war zu der Zeit nach meinem Ermessen einfach größer als heute. Solange ich zur Zeit nicht den Formfaktor wechseln möchte, steige ich einfach nicht auf neue Hardware mit Win8 um. Ich denke, die meisten Nutzer werden die Modern UI (heißt das noch so?) akzeptieren, bevor MS zurückrudert. Es war bei Unity doch genauso, und galt KDE4 nicht auch mal als üble Bloatware? Heute ist es ein beliebter Alternativdesktop zum "bösen" Unity oder Gnome. So können sich die Rollen im Laufe der Zeit doch ändern =)

        • jdo sagt:

          Ja, ich bin der einzige - außer den Menschen, die sich neue Geräte gekauft und gefragt haben, ob man das (die Oberfläche) ändern kann.

          Moment - genau genommen habe ich noch niemanden getroffen, der ein gutes Wort an diesem UI ausgelassen hat.

          Versuch mal per Standard-Einstellung ein PDF neben ein Text-Dokument zu stellen - wegen ein Übersetzung zum Beispiel.

        • Matthias sagt:

          Die KDE SC 4 ist die mit Abstand beliebteste Oberfläche, der GTK Krieg hat da sicherlich einiges dazu beigetragen. Da die Major Distros komplett auf genau dieses Toolkit eingestellt sind, können dieses auch kein richtig schlankes KDE OS liefern, so wie KaOS das tut. 🙂

          • jdo sagt:

            Ob es die beliebteste Oberfläche ist ... da fehlt mir ehrlich gesagt der Beweis ...

            Gehe ich von mir persönlich aus und dem Hintergrund: Installieren und mehr oder weniger sofort so einsatzfähig, wie ich das erwarte, sind es KDE und Cinnamon - so halte ich das auch auf meinen beiden Rechnern. Einer hat KDE, der andere Cinnamon installiert. Ich komme mit beiden gleich gut aus.

            Was Cinnamon / GNOME in meinen Augen schlauer löst, sind Netzwerk-Freigaben (CIFS) aus der Desktop-Umgebung. Manche Anwendungen (zu meinem größten Ärger LibreOffice) können nicht mit KIO umgehen. Das lässt sich zwar manuell umgehen oder adressieren, besonders Anwender-freundlich ist es aber nicht - vor allen Dingen für Anfänger. Ich binde mein NAS halt via fstab beim Systemstart ein - auf meinem stationären Rechner. Auf dem Rumtrage-Notebook habe ich das lieber, wie Cinnamon damit umgeht.

  3. Spitzball sagt:

    "Wer als Linux-Nutzer mit Win8 nicht klar kommt sollte auch kein Linux-Nutzer sein."

    Verstehe ich jetzt nicht so ganz. Ein Was-Nutzer sollte er dann sein ?

    Bin zwar auch überzeugter Linux-Nutzer, habe aber trotzdem ein Windows 8 auf dem Rechner und muß sagen, es läuft gut.
    Das mit der Oberfläche ist sicherlich Geschmackssache, aber dafür gibt es ja Programme wie die Classic Shell, die übrigens seit Version 3.9 nicht mehr quelloffen ist.

  4. Antares sagt:

    Ich finds irgendwo schon schade, dass XP jetzt nach 13 Jahren in Rente geschickt wurde, was aber auch wohl daran lag, dass mein erster eigener Rechner XP hatte, da ist man dann irgendwo schon mit aufgewachsen und hatte während der Zeit am Gymnasium ein treues Arbeitspferd. Ein XP-Rechner verbleibt hier wahrscheinlich im Haushalt, allerdings geht der nicht ans Internet. Der wird dann durchgepatched bis zum Stand April 2014 und dient dann komplett offline noch als Spiele-PC für meine alten Games, die auf Windows 6.x nicht mehr laufen. Sonst müsste ich die alle wegschmeißen...

    Ansonsten freue ich mich darauf, demnächst erstmal Windows Vista in die Wüste zu schicken. Mein Laptop bekommt voraussichtlich im Sommer Linux, nur ob openSuse, Mageia oder ein *buntu, weiss ich noch nicht, und der meiner Mutter darf irgendwann in zwei Jahren oder so auch mit Linux laufen. Vista war einfach schrecklich.

    Nur an meinem Hauptrechner bin ich unschlüssig, der hat derzeit Windows 7 und mit dem bin ich eigentlich voll und ganz zufrieden. Allerdings denke ich seit der Build auch über Windows 8.1 nach, nur das Upgrade traue ich mir nicht zu. Wird wohl so enden, dass ich mir irgendwann ein Laptop mit Windows 8.1 oder gar 9 wieder hole und mein Hauptrechner 7 behält und später, wenn er noch nicht abgeraucht ist, dann auch ein Linux bekommt und die Win7-Partition wird dann vom Internet gekappt. Aber bis das soweit ist, hab ich ja noch 5 2/3 Jahre Zeit. 😉

  5. Matthias sagt:

    Die Verwendung von GTK basierten Oberflächen forciert einige Komplikationen: http://www.youtube.com/watch?v=ON0A1dsQOV0

  6. Mike sagt:

    Hmm..also ich finde diese RoboLinux ein wenig undurchsichtig und ich frage mich WAS da überhaupt gemacht wurde ausser OpenSourceprodukten einen eigenen Namen zu verpassen und zu behaupten es sei eine Eigentwicklung. Man sieht eine Linux Distro..und Virtualbox. Dann wird ein Snaphshit wiederhergestellt.. ja und ? Das sind Grundfunktionen von VB... und das geht mit jeder Distro. Bissle frech wäre es wenn der Entwickler diese Funktionen als seine Entwicklung preist und dann noch Geld für den Download will...

  7. Marc Senn sagt:

    ja wegen dem Doofen XP muss immer noch alles 32bit sein. wäher schon längst 64bit die Windows Welt spiele/Anwendungen aber man muss ja immer noch auf dieses XP schauen. Hab Windows 7, Opensuse 13.2m, und kubuntu 14.**. Hautsystem Win 7 wiso soll ich ein Win 8 kaufen wenn ich den sowiso wider stundenlang am basteln bin das es wider wie win 7 aussieht

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