Tipps, Tricks und Hacks zu Linux Mint 9 Fluxbox

12 September 2010 2 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Linux Mint LogoWährend meiner Installation von Linux Mint 9 Fluxbox bin ich auf ein paar Widrigkeiten gestoßen, die einem das Arbeiten etwas umständlich machen. Deswegen hier meine Notizen, die mir das Leben mit dem schnellen und schlanken Linux-Derivat angenehmer machen. Vielleicht stößt der eine oder andere auf die selben Probleme und dieser kleine Artikel kann helfen. Die meisten der Lösungen hier betreffen nicht zwingend nur Linux Mint 9 Fluxbox, sondern lassen sich auch auf andere Linux-Distributionen übertragen.

Vielleicht noch ein kleines Vorwort, warum ausgerechnet Linux Mint 9 Fluxbox. Das Standard-Ubuntu mit GNOME war mir auf meinem Samsung NC10 zu behäbig. Gut, Ubuntu ist angenehm, da es bereits alles mögliche mit sich bringt und den Anwender auf Händen tragen möchte. Fluxbox ist als Fenster-Manager wesentlich schlanker und schneller. Dennoch wollte ich mich ohne Kommandozeilen-Orgien auf Netzwerk-Shares verbinden oder OpenVPN-Einwahl verwenden können. Linux Mint 9 Fluxbox hat den großen Vorteil, dass es auf Ubuntu 10.04 Lucid Lynx basiert und somit LTS (Long Term Support) mit sich bringt. Außerdem gefallen mir die Mint-Erweiterungen sehr gut.

Netzwerk-Shares mit pyNeighborhood

Linux Mint 9 Fluxbox pyNeighborhood

pyNeighborhood SUID-Bit setzen

Als normaler Anwender bekommt man die Netzwerk-Shares nicht eingebunden. Immer wieder muss man “Failed to mount” lesen, obwohl der/die Server einwandfrei gescannt werden und die Freigaben erscheinen. Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man ruft pyNeighborhood als root auf (mit sudo), oder man setzt das SUID-Bit für die mount- und unmount-Befehle. Persönlich habe ich mich für die zweite Variante entschieden, weil es den Workflow einfacher und angenehmer macht.

  1. chmod +s /sbin/mount.cifs
  2. chmod +s /sbin/umount.cifs

Sichere Verbindungen mit OpenVPN

Während das als unsicher geltende PPTP-Protokoll per Standard implementiert ist und funktionieren würde, muss man für OpenVPN-Unterstützung etwas nachhelfen. Im Prinzip sind es die selben Schritte, die auch unter einer Standard-Ubuntu-Installation notwendig sind. Für den Network-Manager ist das network-manager-openvpn-Plugin zu installieren. Dieses finden Sie im Software-Manager und lässt sich somit bequem einspielen.

Linux Mint 9 Fluxbox Network-Manager OpenVPN Plugin

OpenVPN-Plugin

Linux Mint 9 Fluxbox Network-Manager OpenVPN eingewählt

OpenVpn eingewählt

Danach ist es zwar sofort möglich, OpenVPN-Verbindungen einzurichten. Allerdings spuckt das System beim Versuch eine Verbindung aufzubauen eine Fehlermeldung aus. Hier hilft ein Aus- und Einloggen, oder einfach das System neu starten. Manchmal reicht es auch schon, den Netzwerk-Manager neu zu starten.

CrossOver Linux

Leider komme ich nicht ganz herum, Microsoft Word zu benutzen, weil ich mich recht häufig mit einen rtf-Eigenbau herumschlagen muss. Ich hab schon fast alles probiert. Aber weder Abiword, noch OpenOffice.org, noch Softmaker können die Datei wieder so abspeichern, dass ich sie dann in einem weiteren Eigenbau verwenden kann. Ich würde es gerne loswerden, habe aber dummerweise keine Wahl.

CrossOver lässt sich ohne weitere Probleme installieren und das Hauptmenu taucht auch brav im Fluxbox-Menu auf. Dummerweise fehlt der Ordner mit den “Windows-Anwendungen”. Somit bleibt einem nichts anderes übrig, als das Programm manuell aufzurufen. In meinem Fall wäre es diese, zugegeben, äußerst krude Befehlszeile (die zu lang ist, um hier sauber angezeigt zu werden. Aber auf der Konsole wäre es wirklich nur eine Zeile – also bitte aufpassen).

/home/bitblokes/.cxoffice/win2000/desktopdata/cxmenu/

StartMenu.c^5E3A^5Fwindows^5Fprofiles^5Fcrossover^5FStart^2BMenu/

Programs/Microsoft+Office/Microsoft+Office+Word+2003

Linux Mint 9 Fluxbox CrossOver

CrossOver erscheint brav im Menü

Word öffnet sich und man kann ganz normal damit arbeiten, aber es fehlt scheinbar der Fensterrahmen. Dieser ist in Wirklichkeit vorhanden, würde aber nur (in meinem Fall) bei maximiertem Fenster angezeigt werden. Zum Maximieren und Minimieren von Fenstern habe ich sowieso gerne Tastatur-Shortcuts. Ich wähle dafür Alt+q für Minimieren und Alt+w für Maximieren. Dazu öffnen wird die Datei ~/.fluxbox/keys und fügen folgende Zeilen ( zum Beispiel am Ende) ein. Der übernächste Abschnitt befasst sich noch etwas genauer mit Tastatur-Shortcuts:

Mod1 q :Minimize
Mod1 w :Maximize

Für die Aufrufe von Windows-/CrossOver-Programmen, in meinem Fall glücklicherweise nur eines, schreibt man sich entweder eine Script-Datei – oder man nimmt sie in das Fluxbox-Menu auf, wo wir beim nächsten Kapitel wären. Die letztgenannte Methode ist natürlich viel angenehmer.

Das Fluxbox-Menu anpassen / Schnellzugriffe

Das Menü anzupassen ist nicht schwer. Zuständig ist die Datei ~/.fluxbox/menu. Neue Einträge laufen nach dem Prinzip:

[exec] (Name) {Befehl} <Symbol>

Am nervigsten ist hier wohl, die richtigen Symbole zu finden. Normalerweise sind diese unter /user/share/icons/. Thunderbird hat das richtige Symbol aber zum Beispiel unter /usr/share/pixmaps/. Also ein Eintrag für Mozillas Mail-Client würde so aussehen:

[exec] (E-Mail) {/usr/bin/thunderbird} </usr/share/pixmaps/thunderbird.png>

Die Kombination CrossOver und Microsoft Office speichern die Symbole zum Beispiel unter /home/<Benutzer>/.cxoffice/<Flaschen-Name>/windata/Associations/.

Sie können hier auch neue Untermenüs anlegen. Diese sehen dann so aus:

[submenu] (Untermenü) {}

[exec] (Name) {Befehl} <Symbol>

[end]

In Untermenüs lassen sich auch weitere Menus nach dem selben Prinzip schachteln:

[submenu] (Untermenü) {}

[submenu] (Unter-Unter-Menü 1) {}

[exec] (Name) {Befehl} <Symbol>

[end]

[submenu] (Unter-Unter-Menü 2) {}

[exec] (Name) {Befehl} <Symbol>

[end]

[end]

Sie müssen lediglich darauf achten, jedes [submenu] mit einem [end] abzuschließen.

Linux Mint 9 Fluxbox Word im Menü

Word im Fluxbox-Menü

Linux Mint 9 Fluxbox E-Mail

Thunderbird im Menü

Tipp: Die Befehlszeilen für mit CrossOver installierte Windows-Programme schreibt die Installation sogar in die Datei~/.fluxbox/fluxbox-menu. Sie werden nur nicht angezeigt. Dennoch wäre das eine gute Quelle, um diese Menü-Einträge zu kopieren und in der Datei menu hinzuzufügen. Die Datei fluxbox-menu wird automatisch generiert und eignet sich laut Beschreibung nicht zum Editieren.

Tastatur-Shortcuts und die keys-Datei

Für Tastatur-Kürzel ist die Datei ~/.fluxbox/keys zuständig. Nach einem Bearbeiten können Sie sich aus- und wieder einloggen, um die Änderungen wirksam zu machen. Wie weiter oben schon erwähnt, lassen sich hier Befehle mittels Tastatur ausführen. Zunächst ein kurzer Überblick der wahrscheinlich hier wichtigen Mod-Tasten:

Control -> Strg

Mod1 -> Alt

Mod4 -> Windows-Taste

Mod5 -> Alt Gr

Einen Überblick bekommen Sie auch, wenn Sie auf der Konsole den Befehl xmodmap aufrufen. Da bei meiner Installation die Fn-Taste nicht mehr funktionierte, habe ich mir mit einem recht pragmatischen Ansatz eigene Kürzel erschaffen. Erklären möchte ich es an Hand der Hintergrundbeleuchtung für den LCD-Bildschirm. Gerade im Batterie-Modus möchte man vielleicht die Helligkeit etwas reduzieren, um die Akkulaufzeit zu verlängern. Zunächst habe ich das Programm xbacklight installier: sudo apt-get install xbacklight

Danach wurden die folgenden Zeilen in die keys-Datei eingefügt:

Control Down :ExecCommand /usr/bin/xbacklight -dec 10

Control Up :ExecCommand /usr/bin/xbacklight -set 100

Somit kann ich mittels Strg+↑ die Hintergrundbeleuchtung auf voll stellen und mittels Strg+↓ das Licht in Zehnerschritten dimmen. Die Bezeichnung für die richtige Taste können Sie zum Beispiel mit dem Programm xev rausfinden. Drücken Sie nun eine Taste befindet sich die Bezeichnung normalerweise in der Klammer der dritten Zeile hinter dem Komma. Beispiel für den Pfeil nach oben:

KeyRelease event, serial 33, synthetic NO, window 0x5800001,
root 0x1ff, subw 0x0, time 8769232, (1241,620), root:(1244,725),
state 0x10, keycode 111 (keysym 0xff52, Up), same_screen YES,
XLookupString gives 0 bytes:
XFilterEvent returns: False

Dropbox

Ich verwende Dropbox sehr gerne, weil es sehr angenehm ist, Dateien über mehrere Rechner zu synchronisieren. Ubuntu One ist für mich nicht tauglich, weil es nur für Linux existiert und wahrscheinlich bald für Windows funktionieren wird. Allerdings verwende ich auch Mac. Die Entscheidung Dropbox ist ganz einfach eine Entscheidung des geringsten Widerstandes gewesen.

Um Dropbox zu installieren, bin ich den für mich einfachsten Weg gegangen. Ich habe einfach die deb-Datei (Nautilus File Manager Plugin) installiert. Auch wenn sich Nautilus nicht auf dem System befindet, lässt sich das deb-Paket ohne Probleme einspielen. Danach rufen Sie einfach in einem Terminal dropbox start -i auf und der proprietäre Daemon installiert sich. Dropbox startet sich allerdings nicht automatisch, was mir ganz Recht ist. Deswegen habe ich für mich einen Menu-Eintrag erschaffen.

[exec] (Dropbox) {/usr/bin/dropbox start} </usr/share/icons/hicolor/16×16/apps/dropbox.png>

Nun kann ich Dropbox bei Bedarf starten oder es eben lassen. Sinn dahinter ist, dass man zum Beispiel bei der Verwendung von mobilen Breitband MBytes sparen kann. Ist vielleicht etwas auf die Goldwaage gelegt, aber mir ist das eben wichtig.

Autostart von Programmen

Linux Mint 9 Fluxbox Dropbox Autostart

Dropbox automatisch starten

Natürlich kann Dropbox auch beim Start von Fluxbox ausgeführt werden. Dieser Vorgang ist wirklich simpelst. Sie editieren dazu lediglich die Datei ~/.fluxbox/startup und fügen den gewünschten Befehl mit einem kaufmännischen Und vor der Zeile exec /usr/bin/fluxbox an. Im Falle von Dropbox wäre das: dropbox start &

Fazit

Klar, es ist es eine gewisse Umstellung. Ganz so komfortabel wie GNOME ist Fluxbox nicht. Aber für meine Ansprüche wirkt sich das nicht so sehr aus. Ich ziehe ganz klar die Geschwindigkeit von Fluxbox vor. Was ich zum Arbeiten brauche läuft: OpenVPN, CrossOver, Web und E-Mail. Darüber hinaus funktionieren auch Tools wie VLC und Dropbox. Der Einsatz von Fluxbox wirkt sich darüber hinaus noch ein wenig positiv auf die Laufzeit des Akkus aus. Weiterhin ist Linux Mint 9 Fluxbox noch recht ansehnlich. Der Umstieg hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt.

Linux Mint 9 Fluxbox Hintergrundbild

Neues Hintergrundbild

Die Modifikationen lassen sich einfach in weniger als einer Stunde durchführen. Das Schreiben dieses Artikels hat wesentlich länger gedauert, als mein neues, schnelles System einzurichten. Wie anfangs erwähnt, lassen sich die Tipps hier auf andere Systeme adaptieren. Ich hoffe, sie werden für den einen oder anderen hilfreich sein. Das NC10 macht mir nun noch mehr Spaß. Herunterladen können Sie das Betriebssystem im Download-Bereich der Linux-Mint-Seite.

Tipp zum Schluss – Hintergrundbild ändern: Das Hintergrundbild kann man mittels fbsetbg dauerhaft ändern:  fbsetbg -u feh -f /<Verzeichnis>/<zum>/<Hintergrundbild>



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2 Kommentare zu “Tipps, Tricks und Hacks zu Linux Mint 9 Fluxbox”

  1. Ben sagt:

    Hi,

    danke für den tollen Artikel. Allerdings ist Fluxbox ein Window Manager, kein vollwertiger Desktop Manager. Dafür fehlt ihm z.B. ein eigenes Toolkit.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsumgebung

    Gruß
    Ben

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