Upgrade von Linux Mint 18.3 auf Linux Mint 19 „Tara“ ist ab sofort möglich

5 Juli 2018 7 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Ab sofort kannst Du von Linux Mint 18.3 auf Linux Mint 19 upgraden. Wer allerdings eine Klicki-Bunti-Aktualisierung erwartet, wie das normalerweise bei kleinere Versionssprüngen der Fall ist, der wird enttäuscht sein. Es ist etwas Handarbeit notwendig. Funktioniert hat es, weil ich es gerade durchgeführt habe. Ich schreibe diesen Beitrag auf einem Linux Mint 19, das von 18.3 abstammt.

Wichtig: Die Entwickler weisen im Grunde genommen auf Never Change A Running System hin oder wie es dort heißt If it ain’t broke, don’t fix it (wenn es nicht kaputt ist, repariere es nicht). Linux Mint 17.x wird bis 2019 unterstützt und Linux Mint 18.x sogar bis 2021. Funktioniert Dein Rechner also und Du hast keine Probleme damit, überlege Dir ein Upgrade gut. Warum ich es gemacht habe? Weil ich neugierig bin … 🙂 … Du führst das Upgrade komplett auf eigene Gefahr aus und ich bin nicht schuld, wenn es schief läuft!

Die Neuerungen von Linux Mint 19 findest Du in diesem Beitrag. Du kannst die Varianten Cinnamon, MATE und Xfce von 18.3 auf 19 aktualisieren.

Bist Du bereit? Gut, fangen wir an.

Profi-Tipp: Opferst Du dem Linux-Gott eine virtuelle Windows-Installation, ist der Erfolg eines Upgrades auch nicht garantiert! 😉

Probiere Linux Mint 19 zunächst als Live-Version aus

Linux Mint 19 basiert auf Ubuntu 18.04 Bionic Beaver und läuft Dein Rechner damit, sollte auch Mint 19 darauf laufen. Es kann aber trotzdem nichts schaden, die aktuelle Version herunterzuladen und auf einen USB-Stick zu schieben. Das geht ganz einfach mit Etcher.

Starte danach Deinen Computer mit der Live-Variante und schau, ob es Probleme gibt. Läuft alles, wie gewünscht, dann ist Dein Rechner sehr wahrscheinlich bereits für Linux Mint 19.

Backup! Backup! Backup! Snapshot!

Bevor Du an Deinen System schraubst, stelle sicher, dass alle Deine Daten oder zumindest die wichtigsten Daten gesichert sind. Du solltest mit einem Rettungssystem zwar an die Daten kommen, weil wir die datenträger nicht neu partitionieren, aber trotzdem. Sicher ist sicher. Backup ist zwar was für Feiglinge, aber wohl dem, der eins hat!

Du kannst unter 18.3 auch Timeshift installieren und einen Schnappschuss vom System machen. Dann wäre sogar eine Rolle Rückwärts möglich. Habe ich nicht gemacht, um ehrlich zu sein. Mein Motto war: Entweder es klappt, oder ich installiere Linux Mint 19 neu – weil ich es haben will. Im Anschluss hätte ich meine Daten einfach wieder eingespielt. Dauert länger, geht aber auch. Timeshift ist unter 18.3 zwar verfügbar, aber nicht installiert. Das erledigst Du so:

sudo apt install timeshift

An dieser Stelle musst Du Dich selbst entscheiden, welchen Weg Du gehen willst.

Mit Timeshift auf Zeitreise gehen (Quelle: linuxmint.com)

Mit Timeshift auf Zeitreise gehen (Quelle: linuxmint.com)

Stelle sicher, dass Du Linux Mint 18.3 hast!

Du kannst nur Linux Mint 18.3 auf 19 heben. Solltest Du als Linux Mint 18, 18.1 oder 18.2 betreiben, dann aktualisiere über die Aktualisierungsverwaltung. Das sieht zum Beispiel so aus (18 -> 18.1)

Upgrade auf Linux Mint 18.1 Serena

Upgrade auf Linux Mint 18.1 Serena

Ab hier geht es ans Eingemachte oder auf die Kommandozeile. Aber keine Angst, ist halb so wild. Ich halte Deine Hand … 😉

Welchen Display Manager benutzt Du?

Als nächstes siehst Du nach, welchen Display Manager Du verwendest. Das geht so:

cat /etc/X11/default-display-manager

Bei mir ist das Resultat /usr/sbin/lightdm und das ist in Ordnung, ich muss nicht weiter machen.

Bei mir ist der Display Manager LightDM

Bei mir ist der Display Manager LightDM

Ist das nicht der Fall und Du bekommst /usr/sbin/mdm als Ergebnis, dann musst Du den Display Manager erst umstellen. Also das Paket lightdm wird installiert und mdm vom System geputzt:

sudo apt install lightdm lightdm-settings slick-greeter

Wirst Du dann gefragt, ob Du MDM oder LightDM nutzen willst, wählst Du natürlich LightDM.

LightDM oder MDM?

LightDM oder MDM?

Danach schicken wir mdm in die digitalen Jagdgründe und starten das System neu:

sudo apt remove --purge mdm mint-mdm-themes*

sudo dpkg-reconfigure lightdm

sudo reboot

Kümmern wir uns um das Upgrade auf Linux Mint 19

Logischerweise sollte sich Dein Linux mint 18.3 auf dem neuesten Stand befinden. Spiele deswegen über die Aktualisierungsverwaltung alle Updates ein.

Danach raten die Entwickler etwas, das ich nicht genau verstehe. Aber raten kann ich. Du sollst das Terminal auf unlimited scrolling stellen. Da meine Version aber Deutsch ist, schätze ich, das ist damit gemeint:

Öffne ein Terminal und klicke auf Bearbeiten -> Profileinstellungen -> Bildlauf. Dort sollte dann der Haken bei Zeilenpuffer limitieren auf nicht gesetzt sein.

Ist das so gemeint?

Ist das so gemeint?

Bei mir war das übrigens per Standard so eingestellt.

Nun holen wir uns das Tool mintupgrade:

apt install mintupgrade
mintupgrade installieren

mintupgrade installieren

und simulieren im Anschluss ein Upgrade:

mintupgrade check

An dieser Stelle wurde ich darauf hingewiesen, dass ich doch bitte Timeshift nutzen soll *grummel* – will ich aber nicht – und schon gar nicht will ich Timeshit verwenden! 😀

Timeshit?

Timeshit?

Also musste ich doch Timeshift installieren und zumindest einrichten, damit es weiterging. Du musst keinen Schnappschuss machen – einfach Timeshift einrichten und dann deaktivieren reicht. Es funktioniert auch dieser Trick:

sudo touch /etc/timeshift.json

Dann denkt das System, dass Timeshift eingerichtet ist.

Im Anschluss folge einfach den Anweisungen auf dem Bildschirm und schau, ob Dir das Ergebnis taugt oder ob Dir etwas nicht geheuer ist. hier wird nur temporär auf die Repositories von Linux Mint 19 gezeigt und dann eben, welche Auswirkungen das hat.

Simulation des Upgrades

Simulation des Upgrades

Die Pakete herunterladen

Im nächsten Schritt lädst Du alle Pakete herunter. Installiert wird dabei noch nichts.

Wichtig! Es werden alle PPAs von Dritten gelöscht! Schreibe Dir also auf, welche PPAs Du benutzt, damit Du sie nachher wieder einrichten kannst! Die meisten davon liegen im Verzeichnis /etc/apt/sources.list.d/. Ich habe mir die Listen einfach kopiert, weil ich dann nicht viel schreiben muss. Später orientiere ich mich einfach daran und richte meine PPAs wieder ein.

mintupgrade download

Je nach Internet-Geschwindigkeit kann das eine Weile dauern. Allerdiings wird nun auf die Repositories von Linux Mint 19 umgestellt. Solltest Du eine Rolle Rückwärts machen und wieder auf die Repositories von Linux Mint 18.3 zeigen wollen, ist dieser Befehl mintupgrade restore-sources notwendig.

Der Download war bei mir etwas über 1500 MByte groß.

Das Upgrade einspielen

Die Entwickler warnen, dass sich der nächste Schritt nicht mehr rückgängig machen lässt – außer Du hast einen Snapshot und kannst den wiederherstellen! Wer sich also nicht sicher ist, sollte unbedingt einen Schnappschus mit Timeshift machen. Ansonsten geht es los. Der Befehl dafür lautet relativ humorlos (an dieser Stelle wirst Du auch nach Deinem Passwort gefragt):

mintupgrade upgrade

Das Upgrade dauert eine Weile, selbst auf meinem relativ modernen InfinityBook. Aber es sind ja auch einige Pakete, die da entpackt und aktualisiert werden müssen.

Nicht wegrennen! Ein bisschen nervig ist, dass Du während der Installation Dein Passwort einige Male eingeben musst. Somit kannst Du das Upgrade auf Linux Mint 19 nicht ganz alleine lassen. Also ich musste mein Passwort noch 2 mal eingeben.

Nachdem das Upgrade fertig ist, startest Du den Computer neu:

sudo reboot

Ein paar Hinweise, wo es gezwickt hat

Eigentlich gab es bei mir nur ein Problem, das hat mich aber eine Weile beschäftigt. Cinnamon hat sich nur noch im Software-Rendering-Modus gestartet. Das bedeutet, dass die Hardware-Beschleunigung nicht gelaufen ist.

Der Befehl

glxinfo | grep -i opengl

hat mir die unschöne Informatione ausgeworfen:

OpenGL vendor string: VMware, Inc.
OpenGL renderer string: llvmpipe (LLVM 6.0, 256 bits)
...

So, nun habe ich alle möglichen X-Pakete und Treiber nochmal installiert und gesucht wie ein Depp. Nach einer ganzen Weile habe ich den entscheidenden Hinweis dann zum Glück in diesem Thread gefunden. Eine Verkettung an Bugs führt dazu, dass ein Paket installiert ist, das nicht notwendig ist. Ich habe das Paket entfernt, da ich auf meinem InfinityBook mit einer Intel-Grafikkarte das Ding nicht brauche:

apt remove libnvidia-gl-390

Nach einem Neustart läuft zum Glück der Treiber für die Intel-Grafikkarte wieder.

Zum Glück läuft der Intel-Treiber wieder!

Zum Glück läuft der Intel-Treiber wieder!

Läufst Du in irgendwelche Probleme, könnte sich die offizielle Ankündigung zum mögliche Upgrade lohnen. Dort verarztet Mr. Mint Clement Lefebvre höchstpersönlich Wehwechen. In der englischen Anleitung zum Upgrade gibt es am Ende noch einen Hinweis, wenn Dein System bei /dev/mapper/cryptswap1 hängen bleibt. Ist bei mir nicht passiert.

Gestern war irgendwie großer Upgrade-Tag, weil ich meinen Raspberry Pi 3+ ebenfalls auf die neueste Raspbian-Version gehoben habe. Das war allerdings weit weniger zeitintensiv …

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7 Kommentare zu “Upgrade von Linux Mint 18.3 auf Linux Mint 19 „Tara“ ist ab sofort möglich”

  1. X_FISH sagt:

    Merci für die Anleitung! Bei mir hat's mit dem nVidia-Treiber gezwickt bzw. auf meinem (betagten) Desktop-PC mit 8600 GT hatte ich massive Grafikfehler.

    Lösung: 'sudo apt-get remove --purge nvidia-*'

    Anschließend wieder die Pakete via 'sudo driver-manager' neu installieren und per 'nvidia settings' den Monitor systemweit neu einrichten. Siehe da: Es läuft! 🙂

  2. JamFX sagt:

    Hi,
    ich hab mit Hilfe deiner Anleitung schon 2 PCs aktualisiert. Ich weiß also, dass sie funktioniert. Nun wollte ich es an meinem Laptop machen und ich erhalten beim beim Versuch von "apt install mintupgrade" die Meldung, dass das Paket nicht gefunden werden kann. Eine Internetverbindung besteht (offenkundig), da ich gerade vom Laptop aus diese Frage schreibe. Hab ich was verpasst? Was kann ich tun?
    Danke für deine Hinweise.
    Grüße
    JamFX

    • jdo sagt:

      Vielleicht doofe Frage, aber man muss bei der Fehlersuche ganz unten anfangen: Auf dem Laptop läuft sicher Mint 18.3?

      • JamFX sagt:

        Hihi, ja. 18.3 latest patch level. Bin echt überrascht, warum das als "gibt es nicht" deklariert wird.

        • jdo sagt:

          Mach mal die Anwendungspaketquellen (Aktualisierungsverwaltung -> Bearbeiten -> Anwendungspaketquellen) auf und stelle den Standard wieder her (Schaltfläche ganz unten) - danach noch mal ein Installationsversion von mintupgrade - hilft das, also direkt über die Mint Repositories und nicht einen schnelleren Server (sollte einer eingestellt sein)?

  3. JamFX sagt:

    Hi, danke für deine Hilfe. Ich war dann ein paar Stunden später doch so ungeduldig, dass ich es von CD installiert habe. Das ging natürlich sofort und ohne Probleme. Hab dann gleich den Anlass genutzt und in den Laptop eine SSD eingebaut. Rennt! 🙂

  4. DrRom sagt:

    Eine sehr, sehr gut gelungene Anleitung mit einer Prise Humor, den ich voll verstehen kann (Timeshift). Danke

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