Persönlicher Erfahrungsbericht: Einmal Linux, einmal Windows – friedliche Koextistenz

2 Juli 2012 18 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Ich hatte ja schon öfter beschrieben, wie ich Bekannte auf Linux umgestellt habe. Bisher hat sich noch keiner beschwert, oder mich gebeten, Windows wieder zurück auf den Rechner zu spielen – ganz im Gegenteil. Soweit mir bekannt ist, laufen auch all diese Computer noch mit Linux.

Ich führe das unter anderem darauf zurück, dass ich nicht einfach losinstalliere, sondern die Anwender erst einmal ausquetsche, was sie eigentlich mit dem Rechner machen wollen. Ist die Antwort “Facebook, E-Mail, Skype, bisschen Office-Dokumente” (was es traurigerweise oft in dieser Reihenfolge ist), dann gibt es für mich keinen Grund für Windows. Man muss aber schon auf die Anwender hören, da man sonst nur Frust heraufbeschwört.

Nun wurde ich angerufen, ob ich “da mal so nen Rechner checken könnte. Der geht nicht mehr”. Ich habe mir den Spruch mit der Kristallkugel verkniffen und auch “schon mal neu gestartet?”. Der Weg war nicht weit und ich habe eben mal vorbeigeschaut. Als ich den Rechner sah, wollte ich sofort Indiana Jones zitieren: “Das gehört in ein Museum!”. In Bayern hätte man das Ding wohl auch als “alte Kraxn” bezeichnet.

In der Kiste tickert irgendein Celeron, was nicht einmal das Problem mit Windows XP wäre. Aber die 512 MByte Arbeitsspeicher reichen halt dem Betriebssystem, Outlook, Word, Virenscanner und Photoshop einfach nicht. Natürlich auch noch gefühlte 300 Toolbars und anderer Unsinn installiert. Ich taufte den Rechner gleich mal Swappy. Selbst nach einer gründlichen “Putz-Sitzung” hat das Arbeiten mit dem Rechner keinen Spaß gemacht. Ich habe den Besitzer davon überzeugen können, dass wir da kein Geld mehr in Hardware reinstecken. Nach meiner kleinen Fragestunde stellte sich dann heraus, dass er aber unbedingt weiter Outlook verwenden möchte. Dort hätte er alles in Ordner organisiert und das verwendet er schon so lange und und und … und wo ich schon mal hier bin, der Rechner an der Rezeption geht gar nicht mehr … und ich dachte der Büro-Computer wäre alt gewesen. Das Rezeptions-Prunkstück aus der digitalen Steinzeit zu untersuchen, erschien mir reine Zeitverschwendung.

Nach einer kleinen Berater-Runde sind wir nun folgendermaßen verblieben: Da der Besitzer sowieso lieber ein Notebook hätte, gibt es hier ein neues, das dann auch wieder vernünftig schnell für seine Bedürfnisse laufen wird – mit Windows. Der alte Bürorechner kommt allerdings an die Rezeption. Die Leute da vorne wollen / sollen nur die Touristen mit Musik beschallen, E-Mails lesen, mal ein Online-Tauchzertifikat ausstellen und so Kram eben – Browser, Punkt. Hier konnte ich den Besitzer von einer Linux-Lösung überzeugen. Da gibt es genügend, die ausreichend schnell auf so einer Maschine laufen und alle Anforderungen erfüllen.

Linux Mint 13 Maya Xfce: Dateimanager

Vielleicht ein Linux Mint 13 Maya Xfce?

Für eine Distribution habe ich mich noch nicht entschieden. Aber es wird wohl auf ein Xubuntu oder das gerade erschienene Linux Mint 13 “Maya” Xfce (gut ein RC ist da) hinauslaufen. Sollte die Kiste tatsächlich noch 3 Jahre überleben, hätte ich bestimmt so lange meine Ruhe :) … Vielleicht wird es aber auch Puppy Linux – mal sehen.

Nun warte ich sehnsüchtig, dass das neue Notebook aus Europa eintrifft. Eine komplette Umstellung auf Linux ist es zwar nicht, aber ein Rechner von zweien auf Linux umgestellt ist immerhin eine Migrations-Erfolgsrate von 50%. Und ich bin mir sicher, dass alle mit dieser Lösung zufrieden sind.



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18 Kommentare zu “Persönlicher Erfahrungsbericht: Einmal Linux, einmal Windows – friedliche Koextistenz”

  1. tux. sagt:

    Ist die Antwort “Facebook, E-Mail, Skype, bisschen Office-Dokumente” (was es traurigerweise oft in dieser Reihenfolge ist), dann gibt es für mich keinen Grund für Windows.

    Dann gibt es auch keinen Grund, umzusteigen.

    • stfischr sagt:

      Doch und die Gründe stehen auch im Artikel. Windows lief nämlich fast nicht auf der alten Hardware. Zusätzlich spart man den Virenscanner und damit weitere Ressourcen.

    • Higgi sagt:

      Also dieser Nutzer braucht ja offensichtlich nur ein System das funktioniert. Er baut/installiert selber nicht rum.
      Meine Eltern (absolute PC Daus) haben Linux installiert bekommen und gleichzeitig aber keine Administrationsrechte. Admin bin ich. Dieses System installiert Sicherheitsupdates automatisch und alle anderen Updates installiere ich einmal im Monat wenn ich bei ihnen bin. Ansonsten ist ein SSH Zugang mit Public/Private Key eingerichtet. Ich komme also relativ einfach von außen drauf. Ist das kein guter Einsatz für Facebook/Mail/Office Usecase? Wenn nicht ist Linux nicht Büro reif. Dort ist der Usecase nicht anders.

  2. linuxkumpel sagt:

    Ich mache es genau so. Gründlich erfragen, was soll mit dem PC gemacht werden bzw. wird mit ihm getan. Ein "Spieler" wird mit Linux keine Freude haben. Aber für die o.a. Aktivitäten findet sich immer ein anwenderfreundliches Linux!

  3. Serengeti sagt:

    Die Frage wäre noch kommt der Windows user mit dem Neuen Outlook klar?
    Wenn nicht könnte es allenfalls auch ein Linux mit einer Windows XP VM tun. das PST fil liesse sich dann auf die Linux kiste verschieben und via SMB in windows nutzen. Windows selber würde ich auf einen snapshot setzen und diesen beim beenden verwerfen, somit sind Viren kein Problem. Wenn du den Explorer als Schell verwirfst und Outlook einträgst, hast du auch kein Startmenü im Weg.

    Meine erfahrung mit Firefox siehe hier:
    http://forum.ubuntuusers.de/topic/moonlight-silverlight-funktioniert-nicht-korre/2/?#post-4223752

    • jdo sagt:

      Wer täglich mit einem Computer ernsthafter zu tun hat, wäre das eventuell eine Lösung. Für manche Anwender ist das aber einfach zu komplex. Ich hatte so etwas ähnliches zuvor schon mal versucht und dann jede Woche nen Anruf bekommen, wie man gleich wieder das Windows startet. Das war mir eine Lehre und wer unbedingt Windows haben will - mir ist das egal - ich sage den Leuten aber auch immer, dass sie ihr Windows woanders reparieren lassen sollen (was leider nicht immer klappt :) ).

      • Serengeti sagt:

        Für den Anwender ist es eine sehr einfache Lösung. Mein Anwender hat ein Icon zum doppelklicken. Er merkt nichtmal, dass da ein ganzes system dahinter steckt. Die virtuelle Maschine ist auch innert Sekunden geladen.
        Für uns Supporter ist es zumindest inizial ein grosser Kraftakt.

        Ich habe den User natürlich auch nicht dazu gezwungen Linux zu nutzen. Jedoch hat mich das Bundesamt für Tierwesen mich dazu gezwungen eine Lösung für Silverlight zu finden.

  4. Marc sagt:

    Outlook ist hier mit großer Sicherheit kein Grund zum Verbleib für Windows sofern keine Firma/Exchange Umgebung dieses voraussetzt.

    HAbe bereits mehrfach Leute von Outlook auf Thunderbird migriert. Thunderbird braucht nur ein Addon, findet man relativ schnell bei Addonsuche/Internetsuche. MBX/EML Import.
    Ach scheisse, jetzt bring ich was durcheinander. Sorry.
    Das ganze war Windows Mail... Naja aber wo ich das grad geschrieben hab wäre es ja interessant ob es sonderlich aufwändig wäre PST/Outlook-DBs zu exportieren oder ob es da schon Addons/Workflows für gibt..???????

    Wär nett wenn da jemand seine ERfahrungen kund tun könnte

    • jdo sagt:

      Ich hab mich damit auch schon beschäftigt. Die Mails kannst Du wohl am einfachsten migrieren, wenn Du selbst Zugriff auf nen IMAP-Server hast. Am besten im lokalen Netzwerk. Dann schiebst Du die Daten einfach rüber und holst Dir diese mit Thunderbird wieder.

      Mit dem Adressbuch-Problem hab ich mich noch nicht beschäftigt.

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