Wondershaper – Livestream-Verbrauch unter Kontrolle

7 Februar 2019 Kein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Streaming ist eine tolle Sache, finde ich. Damit verpasst Du kaum noch eine Sendung, sofern sie öffentlich frei zugänglich ist. Ich habe zwar keinen Fernseher, schaue mir aber über die Live-Portale und Mediatheken doch hin und wieder in paar Sendungen an. Gestern Abend hatte mich zum Beispiel das DFB-Pokalspiel Hertha gegen die Bayern interessiert. Die Qualität beim Live-Videoplayer konnte ich nicht einstellen und deswegen habe ich zu wondershaper gegriffen, um den Verbrauch zu zähmen oder zu drosseln.

Drosselung wird meist in einem negativen Zusammenhang gesehen, in meinem Fall ist es ausdrücklich erwünscht. Ich will schließlich Bandbreite sparen. Anders gesagt möchte ich den Livestream zwingen, mir eine geringere Qualität zu geben.

Warum überhaupt drosseln?

Der Segen und zugleich Fluch der modernen Videoplayer für Streaming ist, dass sie sich anhand der Geschwindigkeit der Internet-Verbindung selbst einstellen. Bei hoher Qualität ist das Bild ohne Frage toll, frisst aber auch jede Menge Bandbreite. Auf meinem Internet-Paket ist eine Bandbreitenbegrenzung. Deswegen verzichte ich lieber auf allerhöchste Qualität und habe dafür vom restlichen Monat auch noch etwas davon. Ähnlich dürfte es Leute gehen, die unterwegs sind und das mobile Paket als Hotspot verwenden.

Dass sich das Streaming selbst konfiguriert, ist zunächst kein Problem. Nun ist es aber auch so, dass doch recht viele Player keine Option mehr bieten, die Qualität selbst zu bestimmen. Zumindest Das Erste Live habe ich keine solche Option gefunden. Die Verbindung war gut, das Bild auch und die MByte sind nur so durchgeflogen.

Mir ist schon klar, dass viele auf unbegrenzten Paketen sitzen und deswegen Bandbreite keine Sorgenfalten bereitet. Es sollte aber auch genügend Leute geben, die mit der Bandbreite haushalten müssen. Vor allen Dingen, wenn Du im Ausland lebst. Das bedeutet, dass solche Leute noch eine weitere Hürde haben.

Geoblocking oder geografische Sperren aushebeln

Ich habe den Livestream von ARD aufgerufen und durfte mir zunächst diese Meldung ansehen. Der Livestream ist also mit Geoblocking versehen und statt Opdenhövel und Hitzelsperger gab es nur ein beruhigens Grundrauschen. Also musste ein VPN herhalten.

Geoblocking Das Erste Stream

Geoblocking bei ARD nervt, lässt sich mit einem VPN aber austricksen

NordVPN (momentan Schnäppchen!) * ist bekannt dafür, Geoblocking gut umgehen zu können. Auch beim Katz-und-Maus-Spiel mit Netflix, Hulu, BBC iPlayer und so weiter hat der VPN-Anbieter sie meist die Nase vorne. Weiterhin gibt es verschleierte Server, sodass Du ebenfalls Zensur und VPN-Sperren umgehen kannst.

Ich mag NordVPN auch deswegen, weil die Firma einen Kommandozeilen-Client für Linux zur Verfügung stellt. Für den Einsatz von wondershaper musst Du ebenfalls auf die Kommandozeile, von daher passt mir die Kombination ganz gut. Wobei grafische Clients auch nichts anderes machen, als eine neue Netzwerk-Schnittstelle zu etablieren. Die neue Schnittstelle drosseln wir mit wondershaper an, aber nachfolgend mehr dazu.

Tipp: Über Zatto lässt sich viel deutsches Fernsehen gucken. Wähle Dich aber mit Deinem VPN in der Schweiz ein, weil Zattoo Schweiz im kostenlosen Paket viel mehr Kanäle bietet (neben ZDF und ARD auch private Sender wie PRO7, RTL …) und außerdem kommen auf SRF viele Sportereignisse übertragen. Formel 1 kannst Du darüber fast werbefrei gucken!

Wie funktioniert wondershaper?

Beantworten wir zunächst die Frage: Wie komme ich überhaupt an wondershaper?

Das ist in den meisten Fällen sehr einfach. Wondershaper ist zwar in den meisten Linux-Distributionen nicht vorinstalliert, befindet sich aber in den Repositories der großen Distributionen. Ich verwende Linux Mint 19, das wiederum auf Ubutu 18.04 basiert und mit nur einem Befehl ist wondershaper installiert (funktioniert auch unter Raspbian für den Raspberry Pi):

sudo apt install wondershaper

Dein System wird ein paar KByte herunterladen und damit ist die Sache erledigt. Die sogenannte Man Page zu wondershaper ist sehr übersichtlich. Das Programm ist also für Traffic Shaping zuständig. Es setzt nicht nur Limits für die jeweilige Netzwerkschnittstelle, sondern priorisiert auch noch gewissen Datenverkehr. Web Traffic wird zum Beispiel über Massentransfers (Download) gestellt. Das interessiert mich in meinem Fall nicht, da ich die Internet-Verbindung wirklich drosseln möchte. Alle Informationen zu wondershaper bekommst Du so:

man wondershaper

Wie drossle ich mit wondershaper?

Im Prinzip gibt es bei dem Programm nur drei Befehle.

wondershaper [Schnittstelle]: Damit wird Dir der Status der entsprechenden Netzwerkschnittstelle angezeigt.

wondershaper [Schnittstelle] [downlink] [uplink]: Hier weist Du der Netzwerkschnittstelle einen maximalen Download und Upload zu. Die Angaben werden in Kilobit pro Sekunde gemacht.

wondershaper clear [Schnittstelle]: Mit dem Befehl setzt Du die Schnittstelle zurück in den Ausgangszustand. Im Endeffekt deaktivierst Du die Drosselung damit wieder.

Bevor wir lustig drosseln, müssen wir aber zunächst wissen, welche Netzwerkschnittstelle wir eindämmen wollen, richtig?

Die richtige Netzwerkschnittstelle finden

Nehmen wir mein Beispiel. Ich habe mich zunächst mit NordVPN in Deutschland eingewählt:

nordvpn c de

Damit ist meine erste Hürde genommen und ich habe das Geoblocking ausgehebelt. Der Livestream funktioniert und frisst meine MByte im Eiltempo. Die Verbindung mit dem VPN hat eine neue Schnittstelle etabliert, die im meinem Fall tun0 heißt. Der Name kann variieren und gerade bei WireGuard sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Welche Netzwerkschnittstellen das System derzeit hat, findest Du so heraus:

ip a

früher ging das mit ifconfig, was auf einigen Systemen (vor allen Dingen älteren) immer noch funktioniert. Da ich nun weiß, dass meine Netzwerkschnittstelle nach außen tun0 ist, kann ich sie drosseln:

sudo wondershaper tun0 2048 512

Die ganze Prozedur hier als Screenshot:

wondershaper in Aktion: Drosselt die Netzwerkschnittstelle tun0

wondershaper in Aktion: Drosselt die Netzwerkschnittstelle tun0

Du siehst, dass ich neben dem Loopback-Gerät auch eine drahtlose Netzwerkschnittstelle und eben die VPN-Schnittstelle tun0 habe. Letztere habe ich gedrosselt und verhindere damit, dass der Livestream zu viel Bandbreite frisst. Mit den Zahlen musst Du ein bisschen spielen, bis Du eine Qualität des Livestreams oder des Streams erhältst, mit der Du leben kannst.

Könnte ich nicht einfach die WLAN-Schnittstelle drosseln?

Das ist gar keine dumme Frage. Natürlich funktioniert das auch. Allerdings drosselst Du die komplette Netzwerkschnittstelle des jeweiligen Rechners. Das bedeutet, dass auch die Verbindung im internen Netzwerk (LAN / WLAN) auf die Geschwindigkeit eingeschränkt ist, die Du festgelegt hast.

Drossle ich hingegen die VPN-Verbindung, ist lediglich der Datenverkehr verlangsamt, der ins Internet weitergeleitet wird. Ich kann also auf meine interne Nextcloud, mein Multimediacenter oder alle Ressourcen im internen Netzwerk ohne Drosselung zugreifen. Das ist dann nützlich, wenn ich zum Beispiel nebenbei Wintersport in einem kleinen Fenster gucke.

Es gibt viele Anwendungsfälle für wondershaper. Es schadet auf jeden Fall nicht, das Programm auf dem Rechner zu haben. Die Software nimmt kaum Platz weg und hindert im deaktivierten Zustand nicht. Für meine Zwecke taugt das Programm für Traffic Shaping hervorragend, denn der Livestream muss sich meinen Limits anpassen. Ich spare dafür jede Menge Bandbreite.

Behalte den Trick für Reisen ins Ausland im Hinterkopf. Du bekommst oft nette Intenet-Pakete bei fremden SIM-Karten und kannst via VPN und wondershaper etliche Stunden deutsches Fernsehen herauskitzeln. Wobei Du im Urlaub eigentlich nicht vor der Glotze hängen solltest. Aber für DFB-Pokal, Biathlon, Fußball WM und so weiter kann man schon eine Ausnahme machen. 🙂

Was ich derzeit für VPNs benutze?

Im Moment benutze ich entweder NordVPN *, AirVPN * oder ich gehe über meinen eigenen Server. NordVPN ist derzeit mein Favorit, weil sie mir einen Testzugang zur WireGuard-Implementierung gegeben haben und das ist der Hammer.

Suchst Du ein VPN für Linux mit einem grafischen Client, dann empfehle ich Dir PIA (Private Internet Access) *. Der Client ist top und es gibt ihn sogar auf Deutsch.

Von kostenlosen VPNs nehme ich komplett Abstand. Habe ich früher benutzt, mach ich aber nicht mehr. Kostet es nichts, bist Du meistens das Produkt!

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