Snappy als universelles Paket-System für alle Linux-Distributionen ist gequirlte Kacke …

17 Juni 2016 3 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

… so bezeichnet Adam Williamson die Pressemitteilung von Canonical in Bezug auf Snappy und Snaps. Er ist bei Red Hat angestellt. Gleich am Anfang seines Beitrags macht er allerdings klar, dass es sich hier rein um seine persönliche Meinung handelt.

Er setzt sich mit der Pressemitteilung von Canonical sehr kritisch auseinander und bezeichnet den Hype als heaping pile of steaming bullshit. Das muss ich wohl nicht weiter übersetzen.

Canonical wollte mit der Meldung den Eindruck erwecken, dass Snappy und Snaps eine plattformübergreifende Lösung für die Auslieferung von Anwendungen ist, die allen großen Distributionen zur Verfügung steht. Williamson sieht darin aber mehrere Probleme

Snappy ist ein Projekt von Canonical

Ein Problem sei die berüchtigte Canonical CLA. Wer zu Snappy beitrage will, muss sie unterzeichnen.

Weiterhin sei die Behauptung irreführend, dass Snaps unter Arch, Debian, Fedora, Kubuntu, Lubuntu, Ubuntu GNOME, Ubuntu Kylin, Ubuntu MATE, Ubuntu Unity und Xubuntu laufen. Einige der aufgeführten Distributionen hätten noch nicht offiziell bestätigt, Snaps unterstützen zu wollen. Mitarbeiter von Canonical haben Snap-Pakete für die Distributionen geschaffen. Snappy-Pakete für Fedora befänden sich in einem COPR. Das ist ein System ähnlich zu PPA.

Bei Fedora sei man lediglich gefragt worden, wo Canonical Snappy-Pakete unterbringen könnte. Man sei nicht von der Pressemitteilung unterrichtet worden. Schon gar nicht, dass man Fedora eine offizielle Unterstützung auf die Fahnen schreibt.

Es gebe da mit Flatpak außerdem ein ähnliches System. Das ist zwar offener, aber laut Williamson sehr von Red Hat gesteuert. Allerdings sei es kein Red Hat Project wie Snappy ein Canonical Project sei. Es gibt mehr als 20 andere Beitragende zu Flatpak und die meisten davon sind nicht bei Red Hat angestellt. Canonicals Pressemitteilung erwähne aber Flatpak nicht einmal und Fedora steht klar hinter letzterem.

Weder Flatpak noch Snappy sind fertig

Weiterhin spricht Williamson davon, dass weder Snappy noch Flatpak einen sicheren Container unter X11 zur Verfügung stellen. Flatpak würde das nur unter Wayland tun. Snappy sei für einen Einsatz mit Mir designend. Das Problem ist, dass weder Wayland noch Mir derzeit weite Verbreitung bei den Linux-Anwendern haben. Somit sei Canonicals Behauptung von einem sicheren Container sehr verwegen.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Pressemitteilung gab es genau zwei brauchbare Anwendungen, die als Snap zur Verfügung stehen. Das sind LibreOffice und Krita. Das LibreOffice-Paket war allerdings ein GByte groß und verbuggt. Das Problem mit der Größe ist wohl bereinigt. Allerdings befänden sich diese Pakete in einem Alpha-Stadium oder sind nur ein PoC (Proof of Concept).

Das gelte auch für Flatpak. Allerdings würden sich hier Techniker und Entwickler beraten und über Probleme sprechen und nicht das Ende von RPM oder DEB heraufbeschwören.

Snap Server ist Closed Source

Ein weiteres Problem ist, dass der App Store oder die Server-Seite von Snappy nicht quelloffen ist. Wer also Snaps einreichen möchte, kann diese durch den Canonical Store verbreiten oder Leuten erzählen, diese via Kommandozeile zu installieren. Eine Möglichkeit ist, einen eigenen Server zu schreiben. Das wurde auch von Cassidy James Blaede von elementary OS angeprangert.

Snappy - Nicht alle sind Canonicals Meinung

Snappy – Nicht alle sind Canonicals Meinung

Weder Flatpak noch Snappy ist laut Williamson annähernd fertig. Wenn Canonical schon mit anderen zusammenarbeiten wolle, dann wäre ein Gespräch die richtige Herangehensweise. Wilde Behauptungen seien hingegen kontraproduktiv.

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3 Kommentare zu “Snappy als universelles Paket-System für alle Linux-Distributionen ist gequirlte Kacke …”

  1. Schroeffu sagt:

    Ich mag deine Texte. Liest sich immer frisch, echt jetzt :o)

    Dass Snappy fuer alle Distris bereit sei kam mir von Anfang an als eine Schnappsidee vor. Die schlechte Berichterstattung nach der PK von Canonical tat ihr übriges..

    🙂

    • jdo sagt:

      Danke 🙂

      Ich habe mich auch etwas blenden lassen, weil es einfach zu schön gewesen wäre ... aber wenn es zu schön ist, um wahr zu sein ...

  2. Anonym sagt:

    Ein Freund von mir nennt Canonical das "Microsoft der Linux-Welt"

    Canonical braucht für jedes "interessante" Projekt einen eigenen Sch*iß. Wie lange ist Mir in Entwicklung? Zu lange und dann läufts nicht mal richtig. Wayland funktioniert da zur Zeit um ein Vielfaches besser.

    Mir gefällt Canonical aktuell nicht.

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