Bullseye ist die neue Version des Raspberry Pi OS

Kein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Für Debian GNU/Linux gibt es alle zwei Jahre eine neue Version. Raspberry Pi OS, früher Raspbian, basiert auf Debian. Im August 2021 wurde Debian 11 Bullseye veröffentlicht und bei Raspberry Pi OS zieht man nun nach. In der offiziellen Ankündigung gibt das Team zu, dass die Veröffentlichung von Raspberry Pi OS Bullseye länger gedauert hat als erhofft, aber nun ist das Betriebssystem fertig.

Das Team schreibt, dass es bei Debian Bullseye für Anwenderinnen und Anwender relativ wenig sichtbare Änderungen gibt. Allerdings bringt die neue Version von Raspberry Pi OS signifikante Änderungen bei der Desktop-Umgebung und der Unterstützung für Raspberry Pi Hardware mit sich.

GTK+3

Alle Desktop-Komponenten und Anwendungen benutzen nun Version 3 von GTK+. Bisher wurde auf dem Desktop zum Großteil GTK+ 2 eingesetzt. User werden ein paar Änderungen bei den Widgets feststellen. Am sichtbarsten ist das bei den Fenstern mit Reitern (tabbed interfaces)

Neuer Anstrich bei Raspberry Pi OS Bullseye dank GTK+ 3 (Quelle: raspberrypi.com)
Neuer Anstrich bei Raspberry Pi OS Bullseye dank GTK+ 3 (Quelle: raspberrypi.com)

Das Team hat sich bemüht, die Änderungen möglichst gering zu halten, damit sich Anwenderinnen und Anwender schnell zurechtfinden.

Neuer Fenster-Manager in Raspberry Pi OS Buster

Raspberry Pi OS Buster benutzt einen neuen Fenster-Manager, der sich Mutter nennt. Kenner der Linux-Szene können mit dem Begriff etwas anfangen. In Vorgänger-Versionen kam OpenBox zum Einsatz. Vor allen Dingen bei visuellen Effekten hat Mutter Vorteile.

Das Team räumt aber auch ein, dass es bei Mutter einen Nachteil gibt. Der neue Fenster-Manager braucht viel mehr RAM, weil er den kompletten Bildschirm vor dem Anzeigen in den Arbeitsspeicher zeichnen muss. Deswegen läuft das nur vernünftig, wenn der Raspberry Pi mindestens 2 GByte RAM hat. Mit meinem Raspberry Pi 400 habe ich keine Probleme damit.

Deswegen setzt das Betriebssystem auf Raspberry Pis mit weniger als 2 GByte RAM weiterhin OpenBox ein. Allerdings gibt es dann Abstriche bei der Anzeige. Zum Beispiel haben Fenster keine runden Ecken.

Der Umstieg auf Mutter erfüllt außerdem die Voraussetzung, irgendwann auf Wayland anstelle von X umstellen zu können. Zwar wird es noch eine ganze Weile dauern, bis Raspberry Pi OS auf Wayland umgestellt wird, aber ein erster Schritt ist nun getan.

Benachrichtigungen

Weiterhin bietet das Betriebssystem nun ein integriertes System für Benachrichtigungen. Das bedeutet, die Benachrichtigungen sehen alle gleich aus und werden in einem Fenster oben rechts angezeigt. Nach 15 Sekunden versteckt das Betriebssystem die Benachrichtigungen automatisch oder Anwenderinnen und Anwender können sie manuell schließen.

Benachrichtigungen sind oben rechts (Quelle: raspberrypi.com)
Benachrichtigungen sind oben rechts (Quelle: raspberrypi.com)

Du darfst allerdings den Timeout für die Benachrichtigungen selbst bestimmen – kannst den Standard von 15 Sekunden also ändern.

Updater-Plugin

Eine weitere neue Funktion nutzt das neue Benachrichtigungssystem ebenfalls. Du wirst nun in Kenntnis gesetzt, wenn es Updates gibt.

Bisher musstest Du apt im Terminal einsetzen. Ab sofort gibt es eine benutzerfreundlichere Variante mit einer grafischen Oberfläche. Dargestellt wird das mit einem neuen Plug-in in der Taskleiste.

Updates sind verfügbar (Quelle: raspberrypi.com)
Updates sind verfügbar (Quelle: raspberrypi.com)

Bei jedem Neustart des Raspberry Pi prüft das Plug-in, ob es Updates gibt. Läuft der Pi durch, dann prüft das System spätestens nach 24 Stunden wieder.

Klickst Du auf das Symbol in, öffnet sich ein Fenster mit einer Liste der verfügbaren Updates oder Du kannst die Aktualisierungen sofort installieren.

Eine Liste mit verfügbaren Updates für Raspberry Pi OS Buster (Quelle: raspberrypi.com)
Eine Liste mit verfügbaren Updates für Raspberry Pi OS Buster (Quelle: raspberrypi.com)

Ein Fortschrittsbalken informiert Dich, wie weit das System bei der die Aktualisierung ist.

Dateimanager und KMS-Videotreiber

Der Dateimanager ist weniger verwirrend, da es keine vier Ansichts-Modi mehr gibt, sondern nur noch zwei: Symbole und Liste. Du kannst Dir weiterhin Vorschaubilder anzeigen lassen, aber die Funktion befindet sich nun im Menü unter Ansicht.

Der KMS-Treiber (Kernel Modesetting) war in Vorgängerversionen experimentell enthalten, ist ab dieser Version aber Standard.

Der bisher benutzte Treiber war Closed Source und speziell für den Raspberry Pi. Durch den Umstieg sollten nun alle Anwendungen laufen, die die Standard-Linux-APIs benutzt. Apps müssen nicht mehr speziell für den Pi angepasst werden.

Ein weiterer Vorteil dieses Ansatzes ist, dass der Display-Treiber für den Raspberry Pi nun Teil des Linux-Kernel ist. Nun können auch Dritte Modifikationen daran vornehmen.

Neuer Kamera-Treiber, Bücherregal und weitere Änderungen

Der Treiber für den Zugriff auf das Kamera-Modul wurde durch libcamera ersetzt. Auch das ist ein Standard-Linux-API und bedeutet weniger proprietären Code im System. Das sollte Entwicklerinnen und Entwicklern entgegenkommen.

Das Team weist darauf hin, dass es sich hier um eine signifikante Umstellung handelt. Zum Thema Kamera-Treiber will das Team bald einen umfassenden Blog-Beitrag veröffentlichen.

Ab sofort findest Du auch die Ausgaben des Magazins Custom PC im Bücherregal. Wie bei allen Pi-Magazinen ist auch hier das PDF kostenlos.

Es gibt noch einige weitere Änderungen, wie man das von einem großen Upgrade erwartet. Der Webbrowser Chromium ist als Version 92 vorhanden und wurde angepasst und für das Abspielen von Videos auf dem Raspberry Pi optimiert.

Du kannst das aktuelle Raspberry Pi OS Buster via Raspberry Pi Imager auf eine microSD-Karte installieren oder es direkt hier herunterladen.

Im Imager findest Du das neue Raspberry Pi OS Bullseye
Im Imager findest Du das neue Raspberry Pi OS Bullseye

Das Betriebssystem gibt es nur als 32-Bit und nicht als 64-Bit. Ich bin gespannt, wann die erste offizielle Pi-Version mit 64-Bit veröffentlicht wird. Das Team arbeitet schon eine ganze Weile daran.

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