Canonical-Entwickler trotzig, nachdem Intel den Stecker für XMir gezogen hat

9 September 2013 11 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Intel Logo 150x150Was ist passiert? Canonical hat einen Patch für die Intel-Grafikkarten-Treiber bezüglich XMir-Unterstützung eingereicht, der zunächst auch angenommen wurde. Kurz darauf hat Chris Wilson allerdings verlauten lassen, dass der Patch wieder rausfliegt. Das Ganze geschehe auf Anweisung des Managements.

We do not condone or support Canonical in the course of action they have chosen, and will not carry XMir patches upstream. -The Management

Hm. Man will also den von Canonical eingeschlagenen Weg (bezüglich Mir Display Server und XMir) nicht unterstützen. Einen weiteren Grund gibt es derzeit nicht. Bleibt also viel Raum für Spekulationen. Die Sache ist wahrscheinlich politischer Natur. Intel hat ein Interesse an Wayland und auch der Wayland-Vater Kristian Høgsberg ist derzeit bei Intel angestellt.

Somit unterstützt derzeit keiner der drei großen Grafikkarten-Hersteller (NVIDIA, AMD, Intel) Mir Display Server und XMir. Ob da noch weitere Gründe von Intel bezüglich dieser Entscheidung folgen ist derzeit nicht bekannt.

Fakt ist allerdings, dass man Canonical damit mehr Arbeit aufgehalst hat. Man muss die Flicken selbst einspielen und verwalten. Auf Google Plus zeigt sich Michael Hall wenig begeistert von Intels Zug und wettert:

I’ve said it before, I’ll say it again.  You will not make your open source project better by pulling another open source project down.

Michael Hall ist nicht begeistert

Michael Hall ist nicht begeistert

Gut, hat er auch Recht und die derzeit ziemlich grundlose Entsheidung Intels erscheint fast kindisch. Aber diese Aussage aus Canonicals Lager ist auch witzig – zumindest dann, wenn man sich an die Schlammschlachten erinntert, als Canonical Wayland in Grund und Boden geredet und als schlecht bezeichnet hat.

Das wird auch in der Google-Plus-Diskussion mehrfach erwähnt, dass man nun nicht die Zicke spielen soll. Schließlich habe man auch mit Dreck geworfen.

Etwas Licht ins Dunkel könnte Matthew Garretts Kommentar bringen. Intel sei schließlich für den ausgelieferten Code verantwortlich und halse sich damit mehr Arbeit auf, ohne einen wirklichen Vorteil davon zu haben. XMir sei schließlich eine Lösung für nur eine einzige Distribution.

Mit dieser Begründung könnte Michael Hall auch leben, wenn sie so gegeben worden wäre. Die Diskussion geht noch lange weiter und dreht sich irgendwann irgendwie im Kreis.

Mir Display Server, XMir und Canonicals Alleingänge bleiben auf jeden Fall ein Zankapfel in der Open-Source-Welt. Man wirft in der Diskussion auch vor, dass Canonical ausschließlich auf den eigenen Vorteil schaue. Als GEgenargument kommt wiederum, dass man mit Ubuntu die einzige Distribution zur Verfügung stelle, die sich klar für Linux als Desktop stark mache.

Letzteres finde ich ein klein wenig übertrieben, aber Ubuntu hat tatsächlich viel für Linux auf dem Desktop getan.

XMir soll erstmalig in Ubuntu 13.10 “Saucy Salamander” zum Einsatz kommen. Damit ist man tatsächlich die einzige Distribution, die auf diese Technologie setzt. Die Entwickler von Kubuntu und Xubuntu haben bereits verlauten lassen, XMir in 13.10 nicht einzusetzen. Ob Mir Display Server und XMir in einem Monat reif für die große Bühne ist, wird sich zeigen. Bis vor wenigen Tagen gab es noch nicht einmal DPMS-Unterstützung. Heißt im Klartext, dass bisher die Kombination XMir und unity-system-compositor der Bildschirm aufgrund der fehlenden Engergieverwaltung niemals schlafen ging.



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11 Kommentare zu “Canonical-Entwickler trotzig, nachdem Intel den Stecker für XMir gezogen hat”

  1. johnny sagt:

    Canonical hat derzeit AFAIK nur Verlauten lassen, einen eigenen Display Server zu entwickeln, weil Wayland Schwachstellen aufweise. Da wurde am Ende zwar viel Wind drum gemacht - da die Aussage falsch gewesen sein soll - aber Wayland "in Grund und Boden geredet"? Irgendwie habe ich da eine andere Wahrnehmung.

    • jdo sagt:

      Oh nein - erst hat man Unwahrheiten über Wayland verbreitet, dann auch noch behauptet, dass KDE ohne Probleme damit laufen würde und und und ...

      Dass man nun beleidigt ist, wenn die anderen Canonical die eigene Medizin schlucken lassen, ist etwas zickenhaft. Dass diese Stutenbissigkeit dem Anwender eher schadet als nutzt steht auf einem anderen Blatt.

      Canonical hat sich später dafür entschuldigt, aber zunächst mal massiv mit Dreck geworfen. Steht alles im Netz ... zum Beispiel: klick

      • johnny sagt:

        Komm doch mal runter, ist schlecht fuer deinen Blutdruck. IMHO hat Canonical gar nichts zu der Aktion gesagt. Der einzige, der sich wie eine Memme auffuehrt ist Michael Hall (Entwickler?).

        Damit ist er uebrigens nicht der einzige. Mit dem Rumheulen hat naemlich derzeit die Wayland-Fraktion angefangen. Denn obwohl Canonical vermutlich (meine technischen Kenntnisse reichen nicht aus um das selbst zu beureilen) Quatsch erzaehlt hat, haette man es durchaus "wie ein Mann" tragen koennen anstatt wie im Kindergarten wie lauter Entruestung kaum mehr in den Schlaf zu finden. Sowas nimmt man zur Kenntnis, aeussert sich und legt es zu den Akten, anstatt einen Shitstorm loszutreten. Wenn ich eine Unwahrheit erzaehle ist es in jedem Fall NICHT per se mit Dreckwerfen - dazu gehört noch kampagnenhaftes Verhalten. Die hat aber nicht Canonical angefangen, sondern die wütenden Kinderlein. Insofern: Geschenkt.

        • jdo sagt:

          Canonical hatte auf der eigenen Webseite aufgeführt, was sie denken was an Wayland schlecht sei. Diese falschen Behauptungen brachten dann die Wayland-Entwickler auf die Palme - die auch immer wieder betonten, dass Canonical machen kann was es will, aber sie sollen keinen falschen Tatsachen verbreiten. Die falschen Infos verschwanden wenige Tage danach von der Webseite und Canonical hat sich für diesen Faux Pas entschuldigt.

          Canonical hat einfach mal um sich geschlagen und die anderen sahen sich gezwungen, sich dazu zu äußern (Martin Gräßlin, der lediglich richtig stellen wollte, dass man im KDE-Lager keine Mir-Unterstützung plane - was wiederum von Mark Shuttleworth behauptet wurde).

          Na gut - einigen wir uns auf Unentschieden und setzen das irgendwo in die Mitte zwischen Ungeschickheit und Dreckwerfen. Aber sauber war die Aktion auf keinen Fall. Sonst müsste man den Grafik-Entwicklern von Canonical ganz einfach Kompetenz absprechen, wenn sie das nicht richtig beurteilen können.

  2. Lucas sagt:

    Sollen Sie doch den Grafik-Treiber von Intel forken, das machen sie ja so gern.

    Verstehe Intel absolut, zuerst verkünden das Wayland scheisse ist und mans viel besser kann und dann soll man noch Arbeit für sie erledigen.
    Ich hoffe sie fallen mal richtig auf die Schnauze mit Mir, gestehen ein das sie einen Fehler gemacht haben und kehren zu Wayland zurück.

  3. bla sagt:

    Die hatten noch nie Wayland, wie sollen sie da zurückkehren. Intel hat jedoch recht, wozu braucht man einen driten Display-Server, den niemand nutzen will

  4. ole sagt:

    Selbst gemachte Leiden....
    Canonical wollte sein MIR von Anfang an alleine durch boxen.
    Eine Menge Entwickler für Wayland und nur eine Handvoll für Mir.
    Da wird es spannend, was aus der Distri UBUNTU zukünftig wird.
    Gut das man seine 12.04 LTS bis 2017 hat !
    Alle anderen Versionen sind wohl mehr als Test anzusehen.Aber was folgt nach auslaufen der 12.04 LTS ?
    So einige Linuxmagazine hielten ja schon einen Abgesang auf Ubuntu und rieten den Usern, sich eine andere Distribution zu suchen.
    Wir werden sehen.

  5. Jeannie sagt:

    Wenn Intel schon Canonical, die 'nur' eine Linux-Distro anbieten, so behandelt (ungeachtet aller Dinge die im Vorfeld geschehen sind), was werden die denn dann erst machen, um ihre Konkurrenz AMD und NVidia von 'ihrem' Wayland' Display Server fern zu halten. Ich sehe in Wayland, dessen Entwicklung massgeblich von Intel finanziert wird, eine echte Gefahr für Linux. Hält man AMD/NVidia draussen, hat man de facto das Grafikkartenmonopol im neuen, mobilgeräteoptimierten Intel-Wayland-Linux. Intel ist bekannt und verurteilt für illegale Marktbeeinflussung und sollte mal gehörig eins von der gesamten Linux-Community auf die Nase beakommen indem man ihren spielzeuggeräteoptimierten Wayland-Dsiplay-Server, den sie ja massivst pushen ganz stumpf in die Tonne tritt bzw ignoriert.

    • jdo sagt:

      Intel arbeitet derzeit mit Red Hat an Wayland-Unterstützung für GNOME. Der Fedora-Entwickler sagte auch, dass man sicherstelle, dass andere Nutzer mit proprietären Grafikkarten-Treibern ebenfalls in den Genuss dieser Neuerung kommen.

      Aber Du siehst das aus einem falschen Blickwinkel. Intel hat die Code-Aufnahme in 'ihren' Grafiktreiber verweigert. NVIDIA und AMD steht es frei, eigene Treiber mit Wayland- und/oder XMir-Unterstützung anzubieten. Genauso steht es Canonical frei, Grafikakrten-Treiber mit Unterstützung für Mir Display Server und XMir anzubieten.

  6. druide sagt:

    @jeannie, wayland ist mir sicherheit keine gefahr für linux.
    ist eigentlich der standart, welcher in allen linuxdistributionen angestrebt wird.
    außer in einer ^^
    ubuntu steht auf MIR, besser gesagt unity.
    XU,LU,KU buntu und Gnome wollen auch kein MIR !
    somit herrscht noch nicht einmal in der eigenen buntu welt einigkeit.

    http://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Print-Artikel/LinuxUser/2013/07/Editorial-07-2013

  7. Matthias sagt:

    Was ja die eigentliche Frechheit ist, dass Canoncial lange Zeit im Geheimen an Mir gearbeitet hat, obwohl sie selbst Wayland als Nachfolger von X 11 annahmen. Im Hintergrund an einer Alternative zu einem gemeinsamen Standart zu werkeln und dann diesen auch noch mitfalschen tatsachen mies machen ist ganz einfach einer Distro, die früher dioe vielleicht Community freundlichste überhaupt gewesen sein mag, nicht würdig. Wer sich auch nur ein bisschen mit der Materie vertraut macht, kann sehen, dass Canoncial nach jahrelangen Millionen Support, der grösstenteils meiner Meinung nach in den Sand gesetzt wurde, jetzt einen auf Apple macht: Wanna be Open Source.

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