Zotac ZBOX: Ein idealer Heimserver mit Linux

4 Dezember 2012 10 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)
Zotac ZBOX ID12

Zotac ZBOX ID12

Vor kurzer Zeit wollte mein treuer Server nicht mehr richtig funktionieren. Hat sich einfach von selbst ausgeschalten. Ein Hitzeproblem konnte ich allerdings nicht feststellen. Der Gedanke war nun, versuchen, den Fehler zu finden und noch mal Geld in eine 6 Jahre alte Kiste – mit einem hervorragenden Celeron! :) – zu investieren, oder sich nach etwas anderem, modernerem, leiserem, kompakterem umzusehen, was auch noch weniger Strom braucht.

Meine Wahl fiel auf die Barebone-Ausgabe der Zotac ZBOX ID12. Dieses Gerüst bringt Intel® Atom D525, Intel® NM10 Express, Intel® Graphics Media Accelerator 3150, Gigabit-LAN, WLAN, HD-Sound, 2x DDR3-RAM (SO-DIMM), 1x SATA 3Gb/s, 1x eSATA, 6x USB 2.0 und einen SD-Kartenleser mit sich. Die Abmessungen des Gehäuses sind 188 x 44 x 188 mm. Das Gerät kostet zirka 166 Euro. Nun haben ich noch 2 GByte Arbeitsspeicher für 12 Euro und eine 1-TByte-Festplatte (2,5″) für 80 Euro reingesteckt und schon war mein Server in Sachen Hardware fertig.

Zunächst einmal habe ich den Rechner mit einem Live-System (Xubuntu 12.04) getestet, ob auch alles funktioniert. Das tut es: WLAN, SD-Kartenleser und so weiter. Ich bin von der Geschwindigkeit des kleinen Rechenknechts durchaus angetan. Ein Rechner für aufwendige Video- und Bildbearbeitung ist es zwar weniger, ganz zu Schweigen von Hardware-hungrigen 3D-Spielen, aber das ist auch nicht der Anspruch dieses Computers.

Ich habe mich dann für Xubuntu 12.04 gleich als Basis für meinen Server entschieden. Eigentlich gibt es 2 Hauptgründe, keinen kopflosen (Headless) Server zu erstellen.

Zotac ZBOX: irre viele Anschlüsse

Zotac ZBOX: irre viele Anschlüsse

Der erste ist, dass die ZBOX einen HDMI- und einen VGA-Ausgang hat. Mein Bildschirm hat einen HDMI- und einen VGA-Eingang. Am HDMI hängt das Notebook und am VGA nun die ZBOX. Wenn ich nur schnell mal was nachschauen möchte, kann ich das mit Xubuntu auch schnell tun, ohne meinen Notebook hochfahren zu müssen. Der Server läuft sowieso durch.

Zu den USB-Anschlüssen ist zu sagen, dass sich hinten 4 davon befinden. Ein USB-Gerät lässt sich vorne einstecken und ein Anschluss befindet sich auf der Oberseite. Also egal, wie man die ZBOX aufstellt, man kommt immer an einen USB-Anschluss.

Der zweite Grund ist Calibre. Man kann die Verwaltungs-Software für eBooks zwar auch headless verwenden, aber ich mag die Oberfläche. Außerdem ist die Konfiguration einfacher, wenn man sich zum Beispiel die Frühstückszeitung automatisch zusammestellen lassen möchte.

Weiterhin habe ich auf dem Server ownCloud 4.5 am Laufen. Meine Freundin hat den Sync-Client auf dem Mac und ich auf Linux. Normalerweise sichern wir beide abgeschlossene Projekte auf externe Festplatten in ein Archiv – also jeder hat da seine eigene Verwaltung. Bei laufenden Aufgaben oder noch nicht gesicherten Daten ist eine automatische Synchronisation schon sehr angenehm. Man muss sich einfach nicht mehr dauernd eine Datensicherung sorgen. Allerdings ist der Sync-Client für den Mac wirklich unglaublich langsam. 10 GByte haben zirka 24 Stunden gedauert. Das Problem besteht wohl auch bei Windows-Clients und ist hier im Forum von ownCloud.org beschrieben. Eine Lösung habe ich bisher nicht gefunden. Gut, die Daten des Mac sind nun durch die erste Synchronisation durch und nun sollte der Fehler vorerst ein kleineres Problem sein. Via Browser funktioniert der Upload normal schnell.

Zusätzlich läuft Samba auf dem Serverchen. Hier ist ein Ordner eingerichtet, auf den wir beide gemeinsam genutzte Dateien ablegen. Des Weiteren dient die schuckelige Kiste als Proxy-Server (Squid), um Internetzugriffe etwas zu beschleunigen. Häufig liest man die selben Nachrichten und warum doppelt aus dem Internet holen, wenn man es schneller aus dem internen Netzwerk realisieren kann. Das ist zwar nciht unbedingt notwendig, aber wenn der Server schon da ist, nutze ich diese Funktion auch.

Der einzige nachteil gegenüber meinem alten Server ist, dass die ZBOX nur eine Festplatte hat. Natürlich möchte ich meinen Server auch sichern. Das reicht mir an dieser Stelle einmal pro Tag. Die wichtigsten Daten befinden sich auf meinem Arbeitsrechner und in der ownCloud. Um ein Backup der ZBOX zu machen, verwende ich mein Script, das rsync abfeuert, sobald ich eine externe USB-Festplatte einstecke.

Zotac ZBOX: Lässt sich ganz einfach öffnen

Zotac ZBOX: Lässt sich ganz einfach öffnen

Die ZBOX selbst ist angenehm leise. Ist es ganz still, hört man den Lüfter zwar, aber im normalen Tagesbetrieb ist der Kühlmechanismus eigentlich nicht wahrzunehmen. Der Rechner sieht dazu noch schick aus. Ein weiteres großes Plus ist, dass man die ZBOX ohne Schraubenzieher öffnen kann. Man dreht hinten einfach zwei Schrauben auf und schiebt die Abdeckung nach vorne. Die gleiche Schraube befindet sich auch im Inneren für die Festplatten-Halterung. An den Arbeitsspeicher kommt man natürlich genauso einfach.

Super angenehm ist auch, dass der Hersteller einen Standfuß mitliefert. Damit lässt sich die ZBOX platzsparend aufstellen. Noch besser ist aber die vorhandene Wandhalterung. Damit könnte man die kleine Kiste komplett aus dem Weg räumen und zum Beispiel hinter dem Schreibtisch an die Wand hängen.

Ich habe das Gerät nun seit 3 Wochen am Laufen und es funktioniert alles vollständig nach meiner Zufriedenheit. Ich wollte nicht gleich nach Erhalt in Jubel ausbrechen und dann später feststellen, dass es Probleme gibt. Bisher konnte ich keine feststellen. Ich mag mein kleines Serverchen.

Die ZBOX macht sich bestimmt auch gut für Office-Rechner, Surfstationen und so weiter. Wie weiter oben erwähnt ist es kein Hochleistungs-Rechner, aber ein solide schneller und günstiger Computer mit jeder Menge Anschlussmöglichkeiten. Und Linux läuft 1a darauf. Wer noch ein Weihnachtsgeschenk sucht … ZBOX? :)



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10 Kommentare zu “Zotac ZBOX: Ein idealer Heimserver mit Linux”

  1. m3adow sagt:

    Du erwähnst im ersten Absatz, dass du etwas mit weniger Stromverbrauch haben wolltest, lässt dann aber keine Zahlen folgen. Wie viel verbraucht das Teil?

    • jdo sagt:

      Ich habe es nicht gemessen - habe aber gelesen, dass die ZBOX im Leerlauf 15 Watt braucht (und meine langweilt sich die meiste Zeit). Auf jeden Fall wird diese Konstellation wesentlich weniger brauchen als mein Uralt-Celeron mit 2x 3,5" Festplatten und einer 2,5" - ich schätze mal, hier darf man wohl einen Leerlauf von 40 - 60 Watt annehmen - ich kann mich aber auch täuschen.

  2. Christian sagt:

    Hallo Jürgen,

    vielen dank für den Artikel. Kannst du etwas zur Wiedergabe von HD-Videos sagen?
    Der Vorgänger ZBOX ID11 kam wohl unter Ubuntu 10.04 etwas ins stocken. Ist das mit der ID12 auch der Fall?

    Gruß
    Christian

    • jdo sagt:

      Hallo Christian,

      ich hab es gerade eben mal laufen lassen. Also Full-HD (1920x1080) geht gar nicht - das wird zur Diashow. HD (1280x720) zuckt auch in einer Art, dass es eigentlich unbrauchbar ist. Das trifft auf die Dateien zu, die direkt aus meiner Canon EOS 7D kommen und die sind im MOV-Format (Quicktime h.264) abgespeichert.

      Wandle ich die Clips mit ffmpeg2theora in ogv-Dateien, wird es für Full HD auch nicht besser, aber HD läuft dann ohne Ruckeln. Das gilt für ffmpeg2theora Standard mit Video-Qualität 6. Stelle ich ffmpeg2theor mittels -v auf die höchste Qualität 10, gibt es wieder kleine Ruckler - allerdings nicht so schlimm wie mit der MOV-Datei. Beim Ansehen nervt es trotzdem.

      Alle Clips wurden mit VLC und Parole angesehen. Ich hoffe das hilft Dir weiter.

      Wie bereits erwähnt ist die ZBOX kein Supercomputer und für Video- oder Bildbearbeitung (große Bilder, viele Ebenen) sicherlich zu schwach auf der Brust. Aber als Office-Rechner, Surfstation und kleiner Heimserver taugt das Ding locker.

      • Christian sagt:

        Hey, vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort. Mich hatte es interessiert, ob man die ZBOX eben auch parallel als Mediacenter einzetzen kann, wenn sie sowieso schon läuft. Vielen dank fürs Ausprobieren!

        Gruß
        Christian

  3. pendecho sagt:

    Hallo,

    inspiriert u.a. von deiner Website möchte ich meine Zbox CI320 als Homeserver betreiben. Ich habe ihn auch entsprechend eingerichtet ud solange Bildschirm und Tastatur angeschlossen sind funktioniert auch alles wunderbar. Ich möchte den Server natürlich headless betreiben. Im BIOS habe ich die Einstellungen nicht gefunden; kannst du sie mir verraten?

    Danke und Grüße,
    pendecho

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