Oracle biedert sich nun an CentOS-Anwender an – die trauen denen aber nicht

21 Juli 2012 Ein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Oracle Linux Logo 150x150Ich bin auf diesen Artikel via theregister.co.uk gestoßen. Oracle hat es in sechs Jahren mit seinem Unbreakable Linux anscheinend nicht geschafft, Red Hat weh zu tun und versucht es nun bei CentOS (freies Linux-Betriebssystem, das aus den Quellen Red Hats erschafffen wurde). Man hat bei Oracle ein einfaches Script geschrieben, damit CentOS-Anwender mit einem Einzeiler auf Oracle Linux umsteigen können. Erstens habe man dann Zugriff auf tolle Funktionen wie KSplice oder dtrace und Zweitens koste Oracle Linux auch nichts, nur der Support. Bestehende KSplice-Kunden würden nach einem Umstieg auf Oracle Linux diesen Support nicht verlieren.

Das klingt ja alles ganz fantastisch, aber sehen wir uns einfach mal an, was die Community dazu sagt:

SwellJoe meint, dass es eine Genugtuung sei, Oracle scheitern zu sehen. Leute würden kein Oracle Linux benutzen, weil sie Oracle einfach nicht vertrauen. Red Hat habe seine Macken, habe aber noch nie wegen Patenten geklagt oder eine Firma vorsätzlich zerstört. CentOS seien zwar nicht die schnellsten, aber ein braver Open-Source-Mitbürger.

Spearchucker sagt, dass er seit 10 Jahren mit Oracle-Produkten und -Beratern zusammenarbeitet. Ihm sei die Zeile „…doesn’t Oracle Linux cost money? A: Oracle Linux support costs money“ sofort ins Auge gesprungen und genau aus diesem Grund bleibe er von Oracle so weit weg, wie möglich. Es sei wie „Hey Junge, hier ist kostenlose Software!“, aber wenn was schief gehe, dann schröpfe Dich die Firma, weil Du Handschellen anhast. Traurigerweise würden immer noch zu viele Firmen dem Mantra folgen „Die Antwort ist Oracle, aber was war noch mal die Frage?“.

davimr möchte seine Aussage so neutral wie möglich halten. Er sei schon lange Teil der HPC-Community und Oracle habe sein Bestes getan und dieser Gemeinschaft mitzuteilen, dass man sich nicht um sie schere (Grid Engine, Lustre, …). Er verstehe auch, dass der Profit bei HPC nicht überragend ist und man könne gewisse Entscheidungen verstehen, auch wenn es einen faden Beigeschmack hat. Dies sei nur eine von vielen Communities, die sich von Oracle verraten fühlen. Wenn man etwas erreicht, verdiene man sich Respekt. Er habe aber das starke Gefühl, dass Oracle 99,9 Prozent von Red Hats harter Arbeit genommen habe, seine 0,1 Prozent oben drauf gepappt (OCFS2, einige IB-Verbesserungen …), ein großes Preisschild darauf gemacht hat und dann erklärt: „Guggt mal, was wir geschaffen haben!“. Auch wenn das Preisschild nun weg sei, würde das keinen großen Unterschied machen.

keithpeter und pwny finden darin süße Ironie, dass Oracle Linux 6.3 nun auch (wie RHEL 6.3) mit LibreOffice als Standard-Bürosoftware-Sammlung ausgeliefert wird. Früher hatte Red Hat Enterprise Linux ja OpenOffice.org an Bord, das von Oracle an die Wand gefahren wurde. Sehe man sich nur diesen Fakt an, sei das eine permanente Erinnerung, wie Oracle mit der Open-Source-Community umgeht.

ShoNuff00007 stellt als Krönung der Abreibung dem Oracle Support noch ein schlechtes Zeugnis aus. Er habe RHEL- und Oracle-Server. Der Support von Oracle sei aber nicht zufriedenstellen. Wenn er ein Ticket öffnet, bekommt er eine Antwort per Mail, auf die er nicht mehr antworten kann. Er muss zurück auf die Webseite und das Ticket aktualisieren. Zu 99 Prozent habe er dann die Probleme selbst aus der Welt geschafft. Beschwerden haben auch nichts geholfen, weil alte Tickets einfach gelöscht werden und er diese nicht mehr als Beweis vorzeigen konnte. In der Regel bekomme er viel besseren Support von Red Hat und IBM (AIX). Er rufe nicht oft an, aber wenn er es tut, möchte er eine Antwort haben und keine „Web Ticketing System Nummer“. Wer vernünftigen Support brauche, solle zu Red Hat gehen.

Ich muss ehrlich gestehen, diesen Thread und die verbalen Watschn Richtung Oracle machen richtig Spaß zu lesen. Sysadmins sind ja in der Regel nicht auf der Brennsuppe dahergeschwommen und Oracle versucht wohl eindeutig die falsche Zielgruppe für dumm zu verkaufen. Zu Beginn des Jahres habe ich mich mit einem Bekannten unterhalten, den ich schon lange nicht mehr getroffen hatte. Er kam über SUN zu Oracle und meinte, dass er weinen könnte, was Oracle alle kaputt macht. Auch in diesem Gespräch sind OpenOffice.org und OpenSolaris gefallen.

 

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Ein Kommentar zu “Oracle biedert sich nun an CentOS-Anwender an – die trauen denen aber nicht”

  1. Und BastianBalthasarBux sagt einfach nur: Oracle Shmoracle. 😉
    Man bin ich froh, dass ich mit Oracle nix mehr am Hut hab. ...
    Da fällt mir ein, ich hab noch irgendwo ein Oracle 8 Buch rumliegen (yoo, lang isch's her). Vielleicht sollt ich das rituell verbrennen (obwohl ich ja strikt gegen jegliche Art von Bücherverbrennung bin). Aber das Ding kann man ja nicht mal unter einen Bildschirm legen, ohne dass der zum Flimmern anfangt. ... 😉

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