Oh man Canonical – hat man dem Anwender wirklich zu diesem Zeitpunkt ins Wohnzimmer scheißen müssen?

28 September 2012 10 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Ubuntu Logo 150x150Ich entschuldige mich jetzt schon für meinen rauhen Ton, aber es liegt mir seit Tagen im Magen, wie ich das formulieren könnte. Nach reichlichem Nachdenken bin ich zu dem Entschluss gekommen, das so unverblümt wie möglich rauszulassen – es kotzt mich einfach an.

Was für einen Wirbel hat diese Shopping Lense ausgelöst und nun kann man den Saustall aufräumen – man versucht es zumindest.

Man kann Ubuntu mögen oder nicht – in den meisten Fällen geht es sowieso um die Desktop-Umgebung Unity. Persönlich – ich mag es nicht, aber das ist kein Geheimnis. Das ändert nichts an der Tatsache, dass Ubuntu unglaublich viel für die Linux-Community getan, respektive viele neue Anwender interessiert hat. Valve portiert Steam auf Linux und wird nächste Woche mit der Beta-Phase beginnen. Es gibt jetzt schon tolle Spiele, die auf Linux prächtig (nach 1-2 Updates 😉 ) laufen, wie das aktuelle Humble Bundle zeigt. Man weiß noch nicht, wie Windows 8 angenommen wird – manche denken, es ist eine Katastrophe für den PC-Markt.

Und Du, Canonical?  Zum denkbar blödesten Zeitpunkt scheißt Du den treuesten der Treuen (Linux auf dem Desktop ist eine Nische) ins Wohnzimmer mit Deiner Shopping Lense. Das doofe Ding hätte auch noch Platz gefunden, nachdem Windows 8 auf dem Markt ist und hoffentlich Valve einen großen Knall erzeugt hat -> Ubuntu 13.04.

Nun wo wieder einmal ein bisschen Aufbruchstimmung herrscht (nein ich rufe nicht das Jahr des Linux-Desktops aus), sorgt Ubuntu für Schlagzeilen, eine Datenschleuder zu werden. Die versuchte Schadensbegrenzung haut Dir, Canonical, die Community um die Ohren. Verschlüsselung soll noch kommen, aber dennoch werden die Thumbnails von Amazon abgerufen. Die Kritiker haben noch mehr Munition, weil die Daten (mindestens die IP-Adresse) nun gleich an zwei Firmen gehen und die hilflosen Erklärungs- und Rechtfertigungs-Versuche werden zum Bumerang.

Dass diese Funktion mit Gewalt nach Feature Freeze durchgeboxt wurde, stößt auch einigen sauer auf. Aber sollte eine solche Änderung ohne Probleme funktionieren, sind solche Aktionen verziehen.

Ich will jetzt nicht behaupten, dass die Art wie die Shopping Lense eingeführt wurde dann richtiger gewesen wäre, wenn Linux auf dem Desktop einen höheren Marktanteil hätte. Natürlich darfst Du Geld verdienen, Canonical – aber nicht so. Um zum Zeitpunkt dieser Aktion zurückzukommen – seid ihr auf Crack?

Aber irgendwas muss zur Zeit in der Luft sein, das tolle neue Ideen aus dem Boden stampft – Dropbox mit Facebook verbandeln zum Beispiel – was kann möglicherweise schief laufen?? … früher war Alles besser – also bevor Microsoft das Internet erfunden hatte und Apple keine Religion war … 🙂

Ich weiß, dass Ubuntu nicht Linux ist – aber durch den Bekanntheitsgrad dieser Distribution (sogar im Spiegel war sie schon als virensichere Windows-Alternative vorgestellt) assoziieren einfach viele Leute Linux mit Ubuntu. Als prominenter Vertreter des Open-Source-Betriebssystems solltest Du, Canonical, auch etwas vorsichtiger mit Dreck werfen – die Flecken bekommen die anderen nämlich auch ab.

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10 Kommentare zu “Oh man Canonical – hat man dem Anwender wirklich zu diesem Zeitpunkt ins Wohnzimmer scheißen müssen?”

  1. Jochen sagt:

    Mann bist Du sauer... 😉

    Im Prinzip hast Du natürlich recht. Irgendwann kommt der Punkt, wo ich mich als Nutzer frage, auf wessen Seite mein Computer eigentlich steht (oder ob ich beginnen muss, ihn als Gegner zu betrachten...)

    Das Deaktivieren von Anti-Features war es schließlich, was mich vor Jahren von Windows in die Arme von Linux (ja: Ubuntu) getrieben hat.

  2. Linuxkumpel sagt:

    Es hat eben jeder seine Meinung. Das Problem war eigentlich mal wieder die Kommunikation und die sehr differenzierten Befindlichkeiten. Gegenwrtig ist es "nur ein Unity-Problem". Das dieser Desktop bleibt, darüber muss nicht mehr philosophiert werden. Man muss ihn ja nicht nutzen. Und denen, die ihn benutzen wollen, sollten bestimmte Alternativen eingeräumt werden! Der ganze Aufschrei ist zwar nachvollziehbar, jedoch - keiner wird gezwungen diese "schopping-lens" auch zu benutzen. Raus damit, das war es dann! Wozu die Aufregung. Offensichtlich wissen viele garnicht, die "behördlichen Schnüffel- und Datenübermittlungsaktionen" sind für den Einzelnen viel schlimmer. Banken und Finazamt gleichen Daten ab, Müllentsorger und Melderegister geben sich die klinke in die Hand, wer einen kommunalen Kitaplatz haben will, muss seine Einkommensverhältnisse darlegen, ein Hatz-IV-Antragsteller muss sich nackig machen usw. Da regt sich kaum jemand auf, aber über eine IP-Übermittlung an Amazon. Selbst die sog. "Vorratsdatenspeicherung", Videoüberwachungen werden hingenommen. Soziale Netzwerke sind faktisch voll von persönlichen Daten - freiwillig! Keine große Aufregung bei den Nutzern. Cannonical macht, was alle machen.

  3. linux4ever sagt:

    Hallo,
    danke, dass jemand das alles mal sich genau so von der Seele schreibt, wie er es auch denkt.
    Ich bin genau deiner Meinung: Das Timing für die Einführung der Shopping-Lens hätte nicht schlechter sein können und die Art, wie das ganze kommuniziert wurde ist katastrophal.
    Mein Vorschlag wäre gewesen, dass man beim Installieren nett anbietet Cannonical zu unterstützen, indem man die Amazon-Werbung aktiviert. Am besten in anonymisierter Form und mit einer Erklärung dabei, wie man sie wieder abschalten kann. Ich glaube, das würden gar nicht so wenige Leute machen, besonders da Amazon im Gegensatz zu Firmen wie Facebook einen relativ guten Ruf hat ...

    Gruß
    linux4ever

  4. axt sagt:

    Du beschwerst Dich darüber, wie das Thema überall breitgewalzt wird, bist aber einer derer, die offenbar seit Tagen kaum noch ein anderes Thema kennen. Das wird auch so langsam langweilig.

    Du hast gesagt, was Du von der Sache hältst, andere haben es auch zur Genüge geäußert, nicht zuletzt unter dem entsprechenden Ikhaya-Artikel. Das ständige Aufkochen bringt nichts, zumal das Ganze nach Deinen Worten einen gewissen Vertrauensverlust bedeutet. Wenn dem so sein sollte, kommt der durch deftige Sprüche nicht zurück.

    Da Du ohnehin kein Fan von Unity bist - und nur dort gibt es diese Lens - tangiert _Dich_ das auch nicht, erst, wenn Canonical anfangen sollte, _unter_ der Haube unverrückbare Änderungen vorzunehmen. Dann kann man immer noch eine andere Distribution wählen.

    • jdo sagt:

      Mich tangiert es deswegen, weil, wie beschrieben, viele Unbedarfte/Umsteigewillige Linux mit Ubuntu gleichsetzen (das ist ähnlich, wenn man jemandem ein Tablet zeigt und der meint - oh Du hast auch so ein iPad).

      Eine ganze Community versucht, die Vorteile von Linux gegenüber andere Betriebssystemen auf dem Desktop aufzuzeigen und dann kommt Canonical mit so nem Zeug daher. Was bleibt hängen beim 0/8/15-Anwender? Linux ist auch so ne Datenschleuder ...

  5. Arthur sagt:

    Jetzt zu hoffen, dass Ubuntu wegen Windows 8 irgendwelche Chancen hätte, erinnert mich an die Zeit als Office 2007 heraus kam und alle die große Chance von OpenOffice.org witterten.
    Ubuntu muss meiner Meinung nach dringend die großen TV Hersteller begeistern und ein wirklich gutes Gerät heraus bringen. Aber wahrscheinlich muss erst wieder Apple kommen und allen zeigen wie man es richtig macht. Danach wird Google mit viel Geld auch noch Marktanteile sichern.
    Der normale Desktop-PC stirbt aus, das ist klar. Ausnahmen wie wir Linux-Nerds bestätigen nur die Regel.

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