Professionelle Bildbearbeitung unter Linux: Rauschreduzierung mit Neat Image

25 Juni 2011 Ein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Neat Image Logo 150x150Professionelle Fotobearbeitung und Linux wird nicht oft in einem Satz verwendet. Es gibt aber sehr gute Software, wenn auch nicht immer frei, die auch den Linuxer weder Mac noch Windows starten lassen müssen. Ich möchte daher eine kleine Reihe starten, die professionelle Bildbearbeitungs-Software unter Linux vorstellt. Den Anfang macht Neat Image (eigentlich gehört das auch dazu: Gimp-Tipp: Schwarzweißbilder mit farbigen Hervorhebungen).

Rauschen in Fotos kann ein echtes Ärgernis sein. Manchmal lässt es sich allerdings nicht vermeiden, weil man mit hohen ISO-Einstellungen fotografieren muss. Rauschen ist auch einer der Hauptgründe, warum Bilder in Fotoagenturen, wie zum Beispiel Shutterstock abgelehnt werden. Ebenso lassen sich damit eingescannte, alte Dias oder Fotos auf Vordermann bringen.

Ich kenne eine ganze Reihe an Leuten, die gerne auf Linux umsteigen würden. Allerdings können Sie nicht, weil Ihnen so manche Software wie zum Beispiel Adobes Photoshop abgehen würde.  Wer allerdings nur das Rauschen in Bildern entfernen will, dem kann auch so geholfen werden. Die Lösung heißt Neat Image. Die Software gibt es als Standalone-Applikation auch für Linux für die Architekturen x86 und x86_64.

Installation

Neat Image Standalone im Menü

Neat Image Standalone im Menü

Die Datei kommt als komprimiertes Tar-Archiv und lässt sich unter Linux damit problemlos entpacken. Die entstandene Datei (der Installer) ist ausführbar und kann somit via Konsole gestartet werden. Das Programm fragt nach dem root-Passwort, bevor der Installations-Prozess forgeführt wird. Danach läuft alles automatisch und binnen wenigen Augenblicken ist Neat Image Standalone im System eingespielt.

Unter Linux Mint erzeugt die Software einen eigenen Ordner Neat Image Standalone. Mir ist es aber unter Grafik lieber und von daher wurde das Symbol dort hin verschoben – reine Kosmetik natürlich.

Mit Neat Image Bildrauschen reduzieren

Das Programm ist ziemlich einfach zu bedienen. Nach dem Start der Software befinden wir uns im Reiter Input Image und hier können Sie eines oder mehrere zu bearbeitende Bilder hinzufügen. Ist das geschehen, geht es im Tab Device Noise Filter weiter.

Sollten Sie kein vorgefertigtes Profil haben (im nächsten Abschnitt genauer beschrieben), können Sie das Rauschreduzierungs-Profil automatisch erstellen lassen.

Neat Image Benutzeroberflaeche

Rauschen Ade - auf ganz einfache Weise

Im nächsten Schritt, Noise Filter Settings, beginnt nun das eigentliche Verbessern des Bildes. Hier gibt es drei Regler. Luminance und Chrominance befinden sich unter Noise Reduction Amounts. Damit bestimmen Sie den Grad der Rauschreduzierung. Mit Sharpening – Amount stellen Sie ein, wie viel nachgeschärft werden soll.

In der unteren Leiste können Sie den Vergrößern beziehungsweise Verkleinern, auf  RGB oder YCrCB umschalten und sogar die Helligkeit des Fotos anpassen. Rauschreduzierung bearbeiten Sie am Besten auf 100 Prozent. Sie können mit der Maus ein Quadrat im Bild erzeugen. Dieses wird dann entsprechend den Filtereinstellungen bereinigt angezeigt. Um den Unterschied zum Original zu sehen, können Sie die Preview-Taste benutzen. Das ist sozusagen der Schalter zwischen Original und Verbesserung.

Neat Image Test

Deutliche Verbesserung (auch wenn die JPG-Komprimierung von WordPress das Bild etwas schlecht aussehen lässt)

Da Rauschreduzierung eine gewisse Unschärfe verursacht, ist in der Regel ein Nachschärfen von Nöten. Manchmal ist ein Kompromiss nötig, um zwischen Rauschen, Unschärfe und Nachschärfen die optimale Balance zu finden. Eine Grundregel klingt hier eher wie eine Bauernweisheit: das Bild sollte nach dem Bearbeiten einfach besser aussehen.

Klicken Sie nun auf den letzten Reiter, Output Image, bereitet die Software das Foto für den finalen Export vor. Hier könnten Sie vor einem Speichern auch noch mal an Helligkeit herumschrauben.

Das war es im Prinzip schon. Vier einfach Schritte und Bilder können deutlich besser aussehen.

Neat Image Hai

Haifisch reloaded

Vorgefertigte Profile

Neat Image Einstellungen

Einstellungssache

Auf der Webseite der Hersteller stehen hunderte von Voreinstellungen für alle möglichen Kameras (unter anderem Canon, Casio, Fujifilm, Kodak, Leica, Konika-Minolta, Nikon, Olympus, Panasonic, Pentax, Samsung, Sanyo, Sony und Toshiba) und Scanner (Acer, Canon, Epson, HP, Konica Minolta, Mustek, Nikon, Plustek, Reflecta und Visioneer) zur Verfügung. Auch für meine Kamera, die Canon EOS 7D, gibt es diese Profile.

Sie können den Pfad zu den Profilen unter Tools -> Preferences -> Folders hinterlegen und diese dann bei Bedarf laden. Ebenso können Sie die Software anweisen, Profile automatisch auszuwählen.

Batch: Rauschreduzierung automatisieren

Neat Image Batch

Aufgaben Automatisieren

In den Batch-Modus gelangen Sie mit einem rechten Mausklick auf die Thumbnail-Liste und dann Batch. Hier können Sie nun hinterlegen, welche Profile die Software bevorzugt verwenden soll und welche Filter-Voreinstellungen Sie verwenden möchten.

Ebenso können Sie angeben, ob und in welchen Ordner Neat-Image die Bilder speichern soll. Die Bilder lassen sich in der Pro-Version in den Bildtiefen 8-, 16- oder 32-Bit speichern. Mögliche Ausgabe-Formate sind JPEG oder TIFF. Beim Speichern in das JPEG-Format können Sie auch einen Kompressions-Faktor (Quality) hinterlegen.

Fazit

Was kann ich sagen: Ich bin begeistert! Wieder einen Schritt weiter, den Mac nicht anwerfen zu müssen. Die Rauschanpassungen lassen sich nun komfortabel in Linux bearbeiten – und das genau so professionell wie unter Mac oder Windows.

Für den Normal-Anwender dürfte die Home-Edition allemal ausreichen. Und der Preis von 39,90 US-Dollar ist nicht übertrieben und für diese Software absolut gerechtfertigt.

Ebenso erwähnenswert: Bei Fragen haben die Entwickler, wie auf der Webseite versprochen, superschnell geantwortet. Keine Stunde hat das in der Regel gedauert – absolut vorbildlich.

Als wirklich einzig kleinen Nachteil kann man der Software in unseren Gefilden ankreiden, dass diese nicht auf Deutsch verfügbar ist. Mich persönlich stört es nicht, da ich Linux meist sowieso in Englischer Sprache betreibe. Und die Schieberegler lassen sich auf Englisch genauso leicht bedienen.

Neat Image gibt es auch als Standalone-Version für Mac OS X und Windows, so wie als Plugin für Adobe Photoshop. Weitere Beispiele, zu was Neat Image im Stande ist, finden Sie auf der dafür dedizierten Beispiel-Seite.

Derzeit aktuelle Version: Neat Image 7.0

Neat Image Benchmark

Auch nach mehrfachen Tests ist Neat Image hier mit zwei Kernen am schnellsten.

Die derzeit aktuelle Version ist im Mai 2011 erschienen. Sie bietet eine Reihe an Neuerungen und Änderungen, die sich unter anderem drastisch auf die Geschwindigkeit der Software auswirken. Praktisch sind die eingebauten Benchmark-Tests. Somit finden Sie heraus, mit welchen Einstellungen Neat Image auf Ihrem Rechner am schnellsten arbeitet. Auf meinem Notebook ist die Variante mit zwei CPU-Kernen geringfügig schneller als die Einstellung mit vier Kernen (4x Intel Core i5 M480 mit 2.67 GHz).

Hier alle Neuerungen im Überblick:

  • Schneller: Dies ist die erste Neat-Image-Ausgabe, die GPU-Beschleunigung unterstützt.
    • CUDA-Unterstützung: Laut Hersteller ist Neat Image mit einer NVIDIA GTX 470 2,5 Mal schneller als mit einer Intel i7 CPU und drei bis sieben Mal schneller als mit einer Intel i5 Core2 Duo
    • Multi-GPU-Unterstützung
    • CPUs und GPUs arbeiten Hand in Hand. Neat Image kann GPU und CPU gleichzeitig benutzen.
    • Automatisches Testen für optimale Geschwindigkeit. In den Einstellungen (Preferences) gibt es einen Performance-Reiter. Dort können Sie einen eingebauten Benchmark-Test laufen lassen.
    • Insgesamt ist die Applikation schneller geworden
  • Verbesserte Benutzeroberfläche
    • Es gibt nun Multi-Image und Single-Image-Modi
    • Verbesserter Task-Editor, um an einzelnen Bildern zu arbeiten.
    • Detaillierte Thumbnail-Liste, um das Arbeiten mit vielen Bildern komfortabler zu machen.
    • Neue und verbesserte Batch-Möglichkeiten.
    • Verbesserter Rauschunterdrückungs-Eqzualizer mit einstellbaren Graphen.
    • Verbesserter Bildbetrachter mit diversen Modi und einstellbarer Helligkeit.
    • Automatisierte Vorschau
  • Weitere Verbesserungen
    • Unterstützung für 32-Bit-Bilder (in der Pro-Edition)
    • Intelligentes Profil: benutzt zwei verschiedene Profilerkennungs-Methoden und nimmt das Profil mit dem besseren Resultat. Damit wird die Rauschverminderung genauer.
    • Verbesserte Metadaten-Kompatibilität (EXIF) mit neueren Nikon-Kameras: D7000, D3100, P500, P300, P7000, S8100 und so weiter.

Preise und Verfügbarkeit

Neat Image Standalone für Linux gibt es in drei Ausführungen

  • Demo-Version: Freie Ausgabe mit limittierter Funktionalität: Download. Diese Ausgabe demonstriert die Möglichkeiten von Neat Image und darf für nicht-kommerzielle Zwecke verwendet werden.
  • Home-Edition: Unterstützt 8-Bit-Bilder (pro Kanal, zum Beispiel JPEGs von Kompalt-Kameras). Batch-Aufgaben sind limittiert: 39.90 US-Dollar (kaufen). Diese Ausgabe eignet sich laut Aussage der Entwickler für Heimanwender.
  • Pro-Edition: Unterstützt 8-Bit-, 16-Bit- und 32-Bit-Bilder und bietet uneingeschränkte Batch-Funktion: 69.90 US-Dollar (kaufen). Diese Version richtet sich an Profis, die viele Bilder gleichzeitig bearbeiten wollen und größere Bit-Farbtiefen brauchen.

Du kannst gerne Deinen Senf zu diesem Beitrag geben: Hier geht es zu den Kommentaren




Schreiben macht durstig! Eine kleine Erfrischung kann daher nie schaden. Wem dieser freie Artikel gefallen hat, der darf mir gerne einen frisch gezapften Hopfen-Tee ausgeben (Paypal - der Spenden-Knopf
oder bitcoin - Adresse: 1NacVNwcLLePUVv8uSafu5Ykdwh8QyDfgK). Ich freue mich über jede noch so kleine Spende. Vielen Dank und Prost!
 Alle Kommentare als Feed abonnieren

Ein Kommentar zu “Professionelle Bildbearbeitung unter Linux: Rauschreduzierung mit Neat Image”

  1. theguy sagt:

    Peace,

    PS lässt sich unter Linux mit Wine-magic ausführen -
    natürlich zu Lasten der Performance.

    Allerdings auf mehreren Bildschirmen trotzdem zu empfehlen,
    da kein Fenstermanagment auch nur halb so cool ist wie z.B. das von KDE Plasma.

Antworten