Raspbian Update mit Scratch 2.0, Thonny und neuen Symbolen

25 Juni 2017 Kein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Die Raspberry Pi Foundation hat ein Update für den Raspbian Desktop zur Verfügung gestellt. Wie üblich gibt es kleinere Verbesserungen und Bug Fixes, aber auch einige große Änderungen. Zum Beispiel ist eine Offline-Version von Scratch 2.0 enthalten. Bisher konntest Du Scratch 2.0 auf einem Raspberry Pi nur online verwenden. Weiterhin ist Thonny an Bord. Das ist ein anwenderfreundliches IDE für Python und richtet sich speziell an Beginner. Außerdem sind neue Symbole mit etwas dünneren Konturen enthalten.

Scratch 2.0 für Raspbian

Wie gesagt ging das bisher nur Online und nur mit aktiviertem Flash. Via Chromium auf Raspbian durchaus möglich und machbar. Offline ist die Sache aber wesentlich angenehmer. Scratch eignet sich hervorragend für den Einstieg in das Programmieren, weil es die Konzepte vieler anderer Sprachen sehr einfach vermittelt.

Eine Offline-Version von Scratch gab es bisher auch, aber das war 1.4. Scratch 2.0 ist besser und auch schon einige Jahre auf dem Markt. Immer wieder hat die Raspberry Pi Foundation laut eigenen Angaben Anfragen bekommen, Scratch 2.0 als Offline-Version zur Verfügung zu stellen.

Warum es so lange gedauert hat, erklären die Entwickler ebenfalls. Die Original-Version von Scratch wurde mit einer Sprache geschrieben, die sich Squeak nennt. Auf einem RasPi ist das in einem sogenannten Squeak interpreter gut gelaufen. Scratch 2.0 ist aber, wie oben schon angedeutet, mit Flash umgesetzt und so designend, dass es in remote in einem Webbrowser läuft. Das ist praktisch, da die Software sofort plattformunabhängig wurde.

Nun haben die Entwickler zusammen mit Adobe daran gearbeitet, das Pepper Flash Plugin in Raspbian zu implementieren. Somit laufen Flash-Seiten in Chromium und auch RasPi-Anwender konnten auf diese Weise Scratch 2.0 nutzen. Es ist aber natürlich immer noch eine Internet-Verbindung notwendig.

Deswegen haben die Pi-Entwickler mit denen von Scratch direkt an einer Offline-Version von 2.0 gearbeitet. Noch genauer gesagt setzen die Entwickler Electron als Wrapper ein, um aus Scratch 2.0 eine Offline-Version zu machen.

Scratch 2.0 ist nun offline auf einem Raspberry Pi einsetzbar (Quelle raspberrypi.org)

Scratch 2.0 ist nun offline auf einem Raspberry Pi einsetzbar (Quelle raspberrypi.org)

Physisches Computing mit Scratch möglich

Das ist aber noch nicht alles. Es gibt eine maßgeschneiderte Erweiterung für Scratch 2.0 für den Raspberry Pi, mit der ein Anwender die GPIO Pins des Pis kontrollieren kann.

Möchtest Du das nutzen, dann klickst Du auf Weitere Blöcke -> Erweiterung hinzufügen und wählst im Anschluss Pi GPIO aus. Damit stehen Dir zwei neuen Blöcke zur Verfügung. Mit dem einen kannst Du den Status eines GPIO Pins auslesen und mit dem anderen ändern.

Pi GPIO hinzufügen

Pi GPIO hinzufügen

Das Scratch-Team hat weiterhin erlaubt, dass alle Sprites, Sounds und so weiter (was eben in der Online-Version verfügbar ist) mit ausgeliefert werden dürfen. mithilfe des Pi-Kamera-Moduls kannst Du auch neue Sprites und Hintergründe erzeugen.

Die Entwickler geben an, dass die erste Version schon ganz gut funktioniert. Bei einigen Operationen ist es aber wohl noch zäh. Das liegt ganz einfach an der Kombination Flash Code und Electron. Damit Du die Offline-Version nutzen kannst, muss das Pepper Flash Plugin installiert sein. bei Raspbian-Abbildern ist das Standard.

Es gibt aber dennoch eine Einschränkung. Pepper Flash ist nur mit den Prozessoren kompatibel, die in einem Pi 2 oder Pi 3 verbaut sind. Somit läuft Scratch 2 natürlich nicht auf dem Original-Pi oder eine Raspberry Pi Zero W.

Die Lösung ist zwar immer noch nicht ganz perfekt, aber auf jeden Fall besser als vorher. Vor allen Dingen das GPIO-Modul dürfte vielen gefallen und Spaß machen.

Thonny kommt Python-Neulingen entgegen

Wer sich dann mit Scratch genug ausgetobt hat, der kann sich an etwas Schwierigeres wie Python wagen. Der Übergang von Klicki auf Tippi ist aber nicht immer ganz einfach und die Entwickler geben zu, dass das Python IDE IDLE nicht zu den Top Ten der beliebtesten Software-Werke gehört.

Deswegen haben die Raspbian-Macher alle möglichen Pytho IDEs unter die Lupe genommen, die auf einem Pi laufen würden. Man wollte einfach etwas Besseres als IDLE finden, das vor allen Dingen Anfänger nicht gleich wieder abschreckt. Thonny stand dabei heraus und somit ist das IDE nun per Standard enthalten. perfekt ist es zwar auch nicht, aber gut genug, finden die Entwickler.

Python IDE Thonny (Quelle: raspberrypi.org)

Python IDE Thonny (Quelle: raspberrypi.org)

Neues Abbild oder Image herunterladen

Wer neu installiere, der kann sich das aktuellste Abbild von Raspbian von der Downloads-Seite herunterladen.

Bestehende Installationen lassen sich upgraden. Das geht so:

sudo apt-get update
sudo apt-get dist-upgrade

Allerdings fehlt natürlich Scratch 2.0, das Du wie folgt nachinstallieren kannst:

sudo apt-get install scratch2

Das gleiche gilt für Thonny und das lässt sich so einspielen:

sudo apt-get install python3-thonny

Dann bist Du auf dem Stand als hättest Du ein neues Image verwendet.

Künftig auch Pixel-Abbilder für x86

Vor Weihnachten gab es ein Experiment und die Entwickler haben den Pixel-Desktop für Debian x86 zur Verfügung gestellt. Man hat eigenen Angaben zufolge nicht damit gerechnet, wie populär diese Version sein wird. Auf jeden Fall möchten die Entwickler diesen positiven Trend weiterhin unterstützen.

Künftig wird es neue Desktop-Versionen sowohl für den Raspberry Pi als auch für x86-Plattformen geben. Die version vom letzten Jahr war eine Live-Version, die zum Beispiel von einem USB-Stick gelaufen ist. Es wurde vielfach der Wunsch nach einer permanent installierbaren Version geäußert. Deswegen enthält die neueste Version einen Installer, der zum Großteil auf dem Debian Installer basiert. Großartig Zeit für Tests war aber nicht, deswegen sollen Anwender unbedingt die Festplatte vor einer Installation sichern – sofern notwendig. Bei der Installation wird die Platte nämlich platt gemacht.

Wer nicht installieren möchte, kann das Abbild weiterhin als Live Image nutzen. Es wird auf dem USB-Datenträger eine persistente Partition einrichten, auf der Änderungen gespeichert werden. Die entsprechende Option steht im Boot-Manager zur Verfügung.

Boot-Manager von Raspbian x86

Boot-Manager von Raspbian x86

Die x86-Version inklusive Scratch 2.0 und Thonny gibt es hier als ISO und hier als Torrent.

Weiterhin Jessie – an Stretch wird gefeilt

Die derzeitig aktuelle Version von Raspbian basiert weiterhin auf Debian 8 Jessie. Debian 9 Stretch wurde vor wenigen Tagen veröffentlicht und die Entwickler bestätigen, dass der Umstieg bereits in Vorbereitung ist. Ein Raspbian mit Stretch-Basis soll es noch im Sommer 2017 geben.

Nette Pi-Konstellation

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