Eindrücke: Canonical redet, Mozilla macht …

26 Februar 2013 9 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Firefox OS Teaser 150x150Vielleicht liegt es in erster Linie an den Webseiten, die ich besuche. Aber mein persönlicher Eindruck ist, dass Canonical mit seinem Betriebssystem Ubuntu Touch für Smartphones und Tablets mehr Staub aufwirbelt, als Mozilla das tut.

Bizarrerweise ist es aber so, dass Mozilla Ergebnisse vorlegen kann und Canonical …

Natürlich sind die angekündigten Funktionen von Ubuntu Touch spannend und ich würde es gerne verwirklicht sehen, dass man sein Telefon in eine Docking-Station steckt und dann ein klomplett funktionierendes Linux auf einem großen Bildschirm benutzen kann. Auch die Ankündigungen, Pressemitteilungen und Vorschaubilder sind hübsch gemacht und machen Lust auf Mehr.

Und ja, man hat ein Abbild für Entwickler zur Verfügung gestellt, damit diese damit spielen können. Aber es war dann doch mehr Schein als Sein und die Experten von XDA zeigten sich einerseits enttäuscht, dass viele der im Video gezeigten Funktionen reine Placebos sind und das in den Ankündigungen anders geklungen hat. Die XDA-Devs haben aber auch Hilfe angeboten und da wäre ich schon sehr gespannt, was das Ergebnis einer Zusammenarbeit wäre.

Auf jeden Fall rührt man bei Canonical kräftig die Werbetrommel, für ein unfertiges Produkt. Gut, da die Basis CyanogenMod 10.1 ist, braucht man wahrscheinlich nicht direkt einen Hardware-Hersteller. Jedes Gerät, das CM10.1 unterstützt, auf dem sollte theoretisch auch Ubuntu Touch laufen. Will man das Betriebssystem allerdings unters Volk bringen, muss man es irgendwo vorinstalliert anbieten. Klar werden einige Linux-Fans das System selbst installieren, aber der Großteil der Anwender traut sich da nicht ran – selbst wenn die Anleitung Schritt für Schritt erklärt ist. Ob Canonical einen Hardware-Hersteller im Gepäck hat, ist bisher nicht bekannt.

Mozilla die Macher

Firefox OS Simulator als Browser-Add-On

Firefox OS als Browser-Add-On

Mozilla hingegen hat dann und wann mal eine Pressemitteilung ausgegeben und natürlich auch stolz von ihren Plänen erzählt. Das Ganze lief aber lange nicht so pompös wie bei Canonical ab. Da hat man scheinbar so vor sich hingewurstelt, irgendwann mal das Firefox-Addon r2d2b2g zur Verfügung gestellt, mit dem sich Firefox OS im Browser aufrufen lässt und womit Entwickler spielen konnten und mit einem Schlag ist man aber voll da. Man hat Hardware-Partner und 18 große Mobilfunk-Konzerne auf der Unterstützer-Seite. Firefox OS wird sehr bald Realität und es wird schon in naher Zukunft Geräte dafür geben. Neben ZTE, LG und Alcatel (TCL) wird Huawei später in diesem Jahr folgen und auch Sony will angeblich ein Gerät mit Firefox OS zur Verfügung stellen.

Wie gesagt sind das persönliche Eindrücke, aber mir kam es so vor als hatte man die meiste Zeit die Kameras auf Ubuntu und plötzlich hat Mozilla Taten sprechen lassen …



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9 Kommentare zu “Eindrücke: Canonical redet, Mozilla macht …”

  1. Marcus sagt:

    Firefox OS ist technisch sicher toll. Designtechnisch ist es aber Ubuntu OS bei weitem unterlegen.

    Auch unterstützt Ubuntu OS neben HTML5 und Javascript auch QT, was ich ein weiteres Plus finde.

    Was ich allerdings nicht verstehe ist, dass Canonical keinen Support für Android Apps anbieten will. Die technische Basis sollte das relativ einfach möglich machen.

  2. Erik sagt:

    In dem Punkt, es sei hilfreich, wenn es vorinstallierte Geräte mit Ubuntu gäbe, hast du sicher Recht.

    Damit, das Mark ein großer Selbstdarsteller ist, hast du auch sicher Recht.

    Ob Canonical nur redet und zu wenig macht, kann ich nicht wirklich beurteilen. Allerdings sieht mir den Beschreibungen nach der Ansatz von Canonical komplexer aus als der von Mozilla.

    Aber auch eins ist für klar (natürlich kann ich mich irren): Mozilla hat es viel einfacher bei den Herstellern. Mozilla wird mit dem Plattform übergreifenden Webbrowser in Verbindung gebracht, Canonical "nur" mit Linux.

    Und Linux wird, wenn auch völlig zu Unrecht(*), mit Randgruppe in Verbindung gebracht. Wahrscheinlich nicht ohne Grund wird Android als Android vermarktet und nicht als Linux mit Android Aufbau. Linux wird noch länger mir "For the Geek" in Verbindung gebracht, auch wenn dies nicht wirklich stimmt. Mittelfristig könnte sich das Bild schon ändern, hoffe ich mal.

    (*) Die Verbreitung von Linux ist viel höher als die meisten Wissen, nur der Desktop Bereich dümpelt noch etwas vor sich hin, aber das wird noch. Ansonsten ist in vielen Bereichen Linux der Marktführer! Durch Android auch bei den Smartphones. ;-) Mozillas OS ist der Unterbau ebenso Linux.

    • jdo sagt:

      Komplexer ist sicher richtig. Es hilft mir aber nichts, in Schönheit zu sterben, wenn eine Konkurrenz nach der anderen auf den Markt kommt und einfach noch weniger Platz lässt.

      Was Ubuntu Touch sicher zu Gute kommen wird, dass es 2013 schnellere Geräte gibt und sich das alles andere als negativ auf das beim Eindocken startende Linux auswirken wird. Ich finde das Projekt ja auch gut und interessant. Im Gegensatz zum letzten Jahr, als man Ubuntu für Android angekündigt hatte, gibt es nun wenigstens schon etwas, womit man spielen kann (auch wenn sich viele mehr erwartet hätten).

      Mich fasziniert nur, wie Mozilla so ohne großes Tamtam plötzlich mit 18 Mobilfunkfirmen und etwa 5 Hardware-Herstellern auf der Matte steht. Finde ich großartig.

      Ich glaube nicht, dass man es einfacher bei den Herstellern hatte, nur weil man Firefox kennt. Ubuntu Touch wird auf CM10.1 basieren und das unterstützt sehr viele Geräte. Ich glaube eher, dass es für Hersteller reizvoll ist, nicht von einem Software-Hersteller abhängig zu sein. Das sind sie in gewisser Weise mit Mozilla auch, aber es ist halt alles komplett offen.

      Ich hoffe sehr, dass derzeit ein Umdenken am Laufen ist, sich nicht mehr in die Fänge eines Herstellers zu begeben, der mir dann diktieren kann, was ich zu tun und zu lassen habe.

      • Erik sagt:

        Vielleicht hat Mark ja noch gar nicht groß versucht mit Hersteller zu reden. Allerdings hatte ich irgendwo mal gelesen, Ubuntu für Smartphones soll es nur vorinstalliert geben, was ich persönlich als Fehler betrachten würde.

        Jedenfalls drücke ich beiden Ansätzen mal die Daumen. ;-)

        Meine Hoffnung ist eh: Man kauft nur die Hardware und kann selbst entscheiden was für ein System drauf laufen soll. Von mir aus auch direkt bei dem Bestellen angeben und der Hersteller macht das Standard-Image drauf.

  3. Andy sagt:

    Ich habe den Eindruck das sich Canonical mehr und mehr kommerziell ausrichtet. Ist ja auch OK so, man will schließlich auch Geld verdienen (für umsonst arbeitet gewöhnlich niemand). Dieses große Tamtam erinnert stark an Microsoft: "lautstark auf dicke Hose machen". Mal sehen, welche Taktik sich besser durchsetzt, schließlich hat Microsoft es geschafft mit schlechterem Produkt Marktführer zu werden. Vielleicht ist das der bessere Weg (finanztechnisch), auch für Canonical und Linux, um sich in den Köpfen der Menschen endgültig als Marke einzunisten.

  4. Egbert Zenz sagt:

    Canonical hat schon immer einen auf dicke Hose gemacht. Das ist nix neues.

  5. Egbert Zenz sagt:

    Hömma... Es gibt Menschen welche täglich mit Linux arbeiten, ohne es zu wissen. Stichwort Tablet, und SmartPFone.

  6. Simon sagt:

    Es ist interessant, sich den Artikel nach etwa einem halben Jahr nochmal durchzulesen :)

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