Dolphin-Entwickler Peter Penz hört auf: KDE nicht mehr konkurrenzfähig

26 Juni 2012 16 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

KDE 4 LogoSein letzter Streich wird Dolphin 2.1 sein, der im Zuge mit KDE 4.9 am 1. August ausgegeben wird. 6 Jahre lang hat Penz laut seines Blog-Eintrags an Dolphin entwickelt und ungefähr 2700 Commits eingepflegt. Es habe ihm viel Spaß gemacht und Frank Reininghaus, ebenfalls ein erfahrener Dolphin-Entwickler, wird die Wartung des Projekts übernehmen.

Penz will nach seinem Abgang auch keine Bugfixes mehr einreichen oder neue Funktionen für Dolphin entwickeln. Ganz ohn Erklärung möchte er aber nicht von der Bühne abtreten, da dieser Schritt für einige Leser überraschend kommen dürfte. Zunächst erklärt er aber, warum er Dolphin überhaupt gestartet hat.

Im Jahre 2006 wollte Penz laut eigener Aussage Erfahrung mit Qt sammeln und Konqueror hatte ihm zu wenig Funktionalität. Somit war die Grund-Idee einen kleinen Dateimanager zu schreiben, der seinen persönlichen Ansprüchen genüge.

ROSA Marathon 2012 Dolphin

Dolphin

Penz hat auch gar nichts gegen die KDE-Community und er denkt, dass genug Entwickler da seien, um Dolphin weiter zu verbessern. Das Ganze habe eher persönliche Gründe und das Entwickeln von Dolphin habe immer mehr seiner Freizeit aufgefressen. Langfristig müsse man Dolphin auf QtQuick2 portieren. Dieser Schritt sei erstens sehr zeitaufwendig und zweitens unglaublich langweilig.

Allerdings gibt Penz noch einen anderen Grund an, warum er keine Lust mehr hat. Dieser ist trotz seines obigen Lobgesanges auf die KDE-Gemeinschaft der wesentlich interessantere. Er benutze KDE seit Version 1.2 und hat sich nie um Marktanteile von KDE oder Linux geschert. Es sei ihm aber immer wichtig gewesen, dass die Desktop-Umgebung zu denen von Microsoft oder Apple konkurrenzfähig ist. Als reiner Anwender konnte er immer seinem Tagesgeschäft, wie zum Beispiel E-Mails lesen, Surfen, Fotos verwalten und so weiter nachgehen.

Dies habe sich allerdings in den letzten Jahren geändert. Es falle ihm schwer Beispiele zu nennen, ohne mit dem Finger auf spezielle KDE-Teile zu zeigen, die er nicht mehr für konkurrenzfähig hält. Deswegen kommentiert er das nicht weiter.

Er kann sich auch nicht erklären, warum sich diese Lücke binnen der letzten Jahre vergrößert hat – zumindest aus seiner Sicht. Er glaubt es liege unter andere daran, dass die Komplexität von Applikationen gewachsen ist. Anwender-Schnittstellen scheinen immer einfacher zu werden, während die Funktionalitäten der einzelnen Anwendungen wachsen. Komplexe Funktionen hinter einfachen Oberflächen zu verstecken, sei sowieso nicht die größte Stärke eines typischen Entwicklers.

Als Beispiel nimmt er Web-Browser. Die Oberfläche habe sich drastisch vereinfacht und der Motor ist immer komplexer geworden. Es würden sich in diesen Tagen Entwickler als Vollzeitjob darum kümmern. Man sehe das auch in PIM-Applikationen, der Cloud, Chat-Clients und so weiter.

Seiner Meinung nach brauche KDE gesponserte Vollzeitentwickler um genau an diesen Problemen zu arbeiten. GNOME scheine mehr Unterstützung von Firmen zu erhalten – bei KDE sieht er keinen solchen Trend.

Als Schlusswort sagt er, dass seine Theorie auch komplett daneben liegen könnte und man solle nicht glauben, dass dieser Eintrag von einem frustrierten Entwickler komme.

Ganz ehrlich? Ein bisschen hört es sich schon so an. Und wenn man Pandoras Büchse schon aufmacht, dann sollte man das Biest auch herauslassen. So wie sich das liest ist der Hauptgrund die Katze, die aber im Sack bleiben soll. Ich frage mich gerade, was der exzentrische Linus Torvalds an seiner Stelle geschrieben hätte. Vielleicht wäre die KDE-Gemeinschaft brennend daran interessiert, warum Peter Penz keine Lust mehr hat und sogar dankbar, würde er mit dem Finger auf einige KDE-Teile zeigen.

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16 Kommentare zu “Dolphin-Entwickler Peter Penz hört auf: KDE nicht mehr konkurrenzfähig”

  1. tux. sagt:

    KDE wird seit seinen Anfängen von openSUSE gesponsert, hinter denen ja einige Firmen stehen. Ansonsten ist KDE natürlich konkurrenzfähig, weit vielseitiger und flexibler als dieses komische GNOME-Dings - es hat sogar einen speziellen Netbook-Modus. Ich verstehe das Problem nicht.

    • jdo sagt:

      KDE PIM schaut aber wirklich nicht mehr zeitgemäß aus. Das Auge emailt schließlich mit ...

      • tux. sagt:

        Ich hab' das noch nie benutzt - da muss ich passen. Ich maile grundsätzlich per Thunderbird.

        • jdo sagt:

          Ich hatte es einige Male versucht, weil es eben so eine All-in-one-Lösung ist. Vor allen Dingen ist Akregator ein unglaublicher geiler Feedreader, der da auch mit drin ist (gibt es auch separat). Bin aber immer wieder bei Thunderbird gelandet. Früher war das IMAP von KMail eine Katastrophe (Evolution auch nicht besser). Wie das in der Zwischenzeit ist, weiß ich gar nicht - der Donnervogel funktioniert einfach ...

          • tux. sagt:

            Akregator ist klasse, jedenfalls die separate Version, ja. (Ich bin ja ein Anhänger der Unix-Philosophie: One tool one purpose.) Wobei es ja immerhin auf dem Sektor an Alternativen nicht mangelt.

          • JulRe sagt:

            Mich stört aber an KDE PIM vor allem das es keine gescheite Sync von Google Contacts und Calendar zulässt. Es gibt einfach keine gescheiten Akonadi Ressourcen dafür.

          • tux. sagt:

            Google sollte man meiden.

  2. kar sagt:

    Hallo,

    es exisitieren natürlich noch einige größere Baustellen bei KDE (KDEPIM, Strigi, Nepomuk), aber die schränken nicht wirklich die Funktionalität ein, oder so.

    Darüber hinaus hat KDE aber gleube ich auch eine andere Zielgruppe als Unity oder die Gnome-Shell. KDE ist unglaublich anpassungsfähig und es stehen nahezu keine Wünsche offen (ich habe mein KDE in ein KUnity verwandelt ;-)), aber daraus resultiert natürlich auch eine gewisse Komplexität (was auch die einzelnen KDE-Apps wie z.B. Amarok 2.x oder KTrorrent betrifft) in der Bedienung und der allgemeinen Konfiguration. Damit meine ich, dass es für einen Nutzer, der sein System einfach nur "benutzen" möchte und sich nicht in den Untiefen der Konfigurationsdialoge durchwühlen möchte, durchaus abschreckend sein kann und deswegen auf ein anderen Desktop ausgewichen wird. Das kann man auch immer wieder im Forum der Ubuntuusers nachlesen, dass es nicht gerade wenige Nutzer gibt, denen KDE einfach zu "kompliziert" ist. Aber ich persönlich denke, dass das gerade der größte Vorteil von KDE ist. Mir persönlich sind auch einige Apps unter KDE zu aufgebläht und "kompliziert" (z.B. Amarok 2.x und KTorrent), aber da nutze ich dann einfach Alternativen (Clementine, Fork von Amarok 1.4 und Transmission-Qt).

    Zudem will ich aber auch noch sagen, dass Dolphin mein absolut favourisierter Dateimanager auf Linux-System ist, aber leider zieht er auch immer ein ganzen Rattenschwanz an Abhängigkeiten nach sich. Es wäre super, wenn man ihn auch unter Gnome (egal ob Unity oder Gnome-Shell) einfacher nutzen könnte. Nautilus ist gegenüber Dolphin eher ein schlechter Witz.

    Ich hoffe, dass sich Peter Penz nochmal konkreter äußert und sagt, was ihm an KDE nicht (mehr) passt.

    • Christian sagt:

      Das ist ja genau das Problem. Man kann KDE so genau anpassen, dass es wahrscheinlich Unity zum Verwechseln ähnlich sieht.
      Allerdings ist die FUNKTIONALITÄT das wichtigere in einem Betriebssystem, und das scheint KDE bis heute noch nicht verstanden zu haben.
      Leider wird immer wieder viel Energie in das Design gesteckt und in "neue Funktionen", die aber meist ein "Schattendasein" führen und erst dann implementiert werden sollten, wenn die Basics perfekt beherrscht werden.

      Was mich als früherer begeisterter KDE-User wirklich stört und warum ich zu Gnome gewechselt bin und damit einfach beim Arbeiten VIEL schneller und effizienter bin:
      * steck mal einen externen Bildschirm an einen Laptop und vergleiche Gnome mit KDE: In Gnome wird der Desktop automatisch erweitert, ich kann per Drag&Drop in den Settings die Schirme anordnen, und fertig. In KDE kompliziertes herumgefrickel, buggy beim ein- und Ausstecken, ständig Fenster am falschen Bildschirm.
      * Versuch mal ein Icon in die Taskleiste zu ziehen oder diese zu verschieben. Buggy. Es wird nicht die richtige Position gefunden, man muss Schnellstart-Plasmoids verwenden, verschieben ohne zuerst zu "entsperren" geht nicht. Conclusio: unintuitiv.
      * Arbeit mit Dolphin, Gwenview, DigiKam (ok, nicht KDE-core), Kopete: die wichtigsten Funktionen sind unoptimiert (langsam in Gwenview, tausend knöpfe + Menüs), buggy (DigiKam), etc.
      * Kubuntu - Bluetooth - wunderschöne Oberfläche, aber völlig unintuitiv.
      * openSuse + Mandr* : Die Kontrollzentren/Drakkonf und wie sie alle heißen sind von der GUI immer noch aus dem Jahre Schnee, es gehen dauerne immer neue Fenster auf - ich hasse es. Von einer modernen GUI kann man da echt nicht sprechen, eher von zusammengefrickelt - auch wenn ich zugeben muss, dass das meiste da auch funktioniert.
      Es gibt tausend kleine Fehlerchen, die einem das Arbeiten erschweren. Klar kann man KDE so anpassen, dass man damit auch gut arbeiten kann. Aber will ich das die ganze Zeit machen? Stichword: "sane defaults" - alles soll schnell + unkompliziert funktionieren.

      Irgendwann, vor einigen Jahren, hab ich dann auf Gnome gewechselt und war angenehm überrascht. Stabil, schnell, unkompliziert, und wenn man will per CCSM genauso einstellbar.
      Ich habs immer wieder versucht, regelmäßig, auf KDE zurück zu wechseln (zuletzt vor einer Woche...), bin aber JEDESMAL nach ca. 2 Tagen Arbeiten damit wieder frustriert zu Gnome zurück.

      Auf Qt möchte ich nicht verzichten in der Entwicklung. Aber mittlerweile finde ich es unter Gnome mit QtCreator angenehmer zu arbeiten als unter KDE.
      Klingt komisch, ist aber so.

  3. Linus T. sagt:

    Hi,

    KDE is an Interface-Fuzi!!!11!

    Sincerely fu,

    Linus

  4. Lucas sagt:

    Wenn Sie mal endlich ihre KDE-Libs einstellen würden und stattdessen ganz auf pures Qt setzten würde hätten sie sicher mehr Entwickler und Anwender.

    Dann würden die Apps sich nämlich besser in die anderen Desktop-Umgebungen integrieren, was natürlich zu mehr Benutzern führt. Auch neue Entwickler (die Gnome/.. verwenden) kann man so gewinnen, denn wer entwickelt schon an einem Programm mit das unter seinem Desktop scheisse aussieht?

    Ich seh auch keinen technischen Vorteil in den KDE-Libs, nur Nachteile (keine richtige plattformunabhängigkeit z.B.).

  5. Fabs sagt:

    Also ich kann das nicht verstehen. Nun ist Dolphin endlich mal wirklich nutzbar und echt gut geworden und der Entwickler ist weg. Seine Argumente verstehe ich auch nicht, ist doch gerade Bluesystem zu den Sponsoren hinzu gekommen und sponsort immer mehr Projekte teilzeit oder vollständig mit nem Entwickler. Sicher gibts auch einige Engpässe, wie Videoplayer und Browser aber es gibt wohl genügend Alternativen die man nutzen kann. Es muss nicht alles vom KDE Projekt kommen. Ich bin immer froh andere, außenstehende Sachen mit ein zu beziehen. Es sollten nur nicht zu viele werden oder solche die sich 0 integreren. Aber das sind die wenigsten. Mit KDEPIM bin ich auch sehr zufrieden und werde es immer mehr. Auch auf dem Tablet.

    @JulRe Es gibt sehr wohl so ein Synctool: https://launchpad.net/~cyberspace/+archive/cyber-stuff "Akonadi-google" Nutze ich nun ein halbes Jahr und bin dabei es weiter zu nutzen. Leider ist es nur nicht in den Ubuntu Quellen und dafür so ein total kaputtes Synctool :/ aber naja

  6. bostaurus sagt:

    Hallo, ich weiß noch nicht, ob ich lächeln oder trauern soll ... Jahrelang war ich Gnome-Fan, habe mich dann mit Unity angefreundet. Im letzten Jahr bin ich ziemlich entschieden zu KDE/Kubuntu gewechselt, weil ich Gnome und Unity immer weniger an meine eigenen Vorstellungen anpassen konnte. Mein KDE sieht so aus, wie ich mir das vorstelle.
    Bei meinem Laptop kommt noch ein starkes Funktionalitätsargument hinzu: Ich verwende einen UMTS-Stick von Vodafone, und er läuft bei mir nur mit KDE halbwegs ordentlich. Mit aktuellem Gnome, Unity oder Cinnamon erhalte ich keine Internetverbindung. Ein anderes Problem betrifft alle aktuellen Oberflächen oder Kernel: Ds Wiedererwecken aus dem Ruhezustand (suspend to ram) scheitert spätestens nach dem dritten Mal. Am Ende habe ich das "alte" Debian 6 installiert, weil es kein aktuelles Linux gibt, dass zuverlässig wieder aufwacht. Aus meiner Sicht ist das eine entscheidende Baustelle.

    • jdo sagt:

      Ich hab auch nen UMTS-Stick von Vodafone - allerdings ist der schon so 1,5 Jahre alt. Der funktioniert überall tadellos. Hab den schon unter Xubuntu, Linux Mint, Ubuntu, Mageia und Fedora laufen lassen - noch nie ein Problem damit gehabt.

      Überall eingesteckt, durch den Netzwerkmanager-Assistenten geklickt und ich war online ...

      • bostaurus sagt:

        Hallo jdo, Deine Erfahrung lässt hoffen ... Lange dachte ich, es läge am Laptop, aber dann trat das Phänomen auch auf meinem Netbook auf, nachdem ich es auf Ubuntu 1204 geupdatet hatte. Da half sakis3g weiter. Beim aktuellen Aptosid geht jedoch gar nichts mehr, weder die vodafoneeigene Betavine-Software noch sakis3g. Ok, hier gehts es um KDE, also lassen wir das UMTS-Thema an dieser Stelle. Viele Grüße, bostaurus!

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