NextCloud Ubuntu Appliance for Raspberry Pi – meine Meinung

3 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Ich wurde in einem Kommentar Folgendes gefragt und da es dort etwas versteckt ist, mache ich einen eigenen Beitrag daraus. Das hat zwei Gründe:

  1. Vielleicht interessiert das noch andere Leute
  2. Möglicherweise lerne ich etwas daraus

Die Frage lautet wie folgt:

Hallo Jürgen,

wie ist denn deine Meinung zu „Ubuntus NextCloud Appliance for Raspberry Pi“ ? https://ubuntu.com/appliance/nextcloud/raspberry-pi

Würde mich Interessieren, da du ja sehr viel über NextCloud in deinem Blog berichtest.

Gruß

Da gebe ich gerne meinen Senf dazu ab, möchte aber betonen, dass es sich hier ausschließlich um meine eigene Meinung handelt.

NextCloud Ubuntu Appliance for Raspberry Pi

Ich habe das auch mitbekommen, aber mit Absicht nicht darüber berichtet. Ubuntu scheint alleine beim Namen schon wieder Sonderwege zu gehen, weil sie Nextcloud mit großen C in der Mitte schreiben – aber legen wir die Goldwaage beiseite – zum Glück haben sie es nicht nextCloudR genannt.

Um die Nextcloud auf einem Raspberry Pi zu betreiben, gibt es bereits eine Lösung. Sie nennt sich NextCloudPi und benutzt ebenfalls ein großes C – war aber viel früher da als Ubuntus Appliance.

Gegenüber NextCloudPi sehe ich bei der Ubuntu-Lösung überhaupt keine Vorteile, im Gegenteil.

Im Endeffekt ist es ein Abbild auf eine microSD-Karte spielen mit einem Punkt 4, bei dem es mir kalt über den Rücken läuft

NextCloud Ubuntu Appliance for Raspberry Pi: Punkt 4 *schauder*

NextCloud Ubuntu Appliance for Raspberry Pi: Punkt 4 *schauder*

Zunächst einmal kannst Du den Befehl im Terminal ausprobieren und selbst testen, was dabei rauskommt. Wer mit Linux etwas Erfahrung hat, rollt hier sowieso die Augen.

Hinzu kommt noch, dass ich bei NextCloudPi weder ein Ubuntu-Konto anlegen soll / muss, noch meinen öffentlichen SSH-Schlüssel irgendwo hinkopieren soll, damit ich Zugriff auf meinen Pi aus dem LAN bekomme. Was soll der Unsinn?

Ich traue Canonical nicht mehr

Meiner Meinung nach hat Canonical mit Ubuntu Server eine echt solide Lösung mit 5 Jahren Support, aber bei Rest traue ich der Firma nicht mehr. Hü und Hott ging es in der Vergangenheit mit dem Desktop, vollmundig wurden Unity und ein darauf basierendes Smartphone angekündigt und so weiter. Jeder Hirnfurz wird groß angekündigt und zu oft wurden die Anwender dann im Regen stehen gelassen.

Ich traue Ubuntu bei solchen Sachen einfach nicht mehr über den Weg. Das mit dem Snap-Zwang bei einigen Anwendungen unter Ubuntu 20.04 hat mir schon wieder gereicht.

Natürlich ist der Raspberry Pi in der Zwischenzeit ein riesiger Markt und Canonical will hier ein Stück vom Kuchen. Das heißt aber nicht, dass sie die besten Lösungen dafür bieten. Ubuntu als Desktop auf dem Pi ist derzeit völlig unbrauchbar – OK Ubuntu MATE funktioniert, aber auch nicht so reibungslos für Raspbian oder Raspberry Pi OS, wie es nun heißt.

Es würde mich nicht überraschen, wenn die Pi-Community in der Zwischenzeit größer als die Ubuntu-Gemeinschaft ist. Das würde auf der anderen Seite bedeuten, dass Ubuntu den Raspberry Pi mehr braucht als andersherum. Das heißt nicht, dass nicht beide voneinander profitieren können – aber nicht, indem man das Rad einfach neu erfindet und ein Ubuntu in den Namen quetscht.

Canonical hat mit Ubuntu am Anfang sehr viel für Linux getan und ist eine wichtige Instanz, um Anwendern das Open-Source-Betriebssystem näherzubringen. Beim Desktop lebt Ubuntu aber in erster Linie vom Namen finde ich. Ich finde andere Distributionen wesentlich attraktiver, weil sie für den Anwender irgendwie konsistenter sind.

NextCloudPi ist bereits eine ausgefuchste Lösung

Hinzu kommt noch, dass Du mit NextCloudPi nicht nur eine persönliche Cloud bekommst. Die Admin-Oberfläche via Browser ist ziemlich gut. Du kannst automatische Backups einrichten und das Gerät sogar als DNS-Server benutzen, wenn Du willst.

Weiterhin gibt es diverse Schnittstellen zu DDNS-Diensten und so weiter. Sogar mein Favorit DuckDNS.org ist dabei. Portweiterleitungen kann ich über die Admin-Oberfläche konfigurieren und auch ein Samba-Server ist integriert. Möchtest Du ihn nutzen, kannst Du ihn einfach aktivieren.

Alle Updates haben bisher reibungslos funktioniert. Ich weiß hier, wovon ich rede, weil ich intern so eine Nextcloud betreibe. Du kannst die Updates automatisch einspielen lassen, aber ich mache das lieber manuell. Da habe ich bessere Kontrolle, aber das ist Geschmackssache.

So, das war nun meine Meinung dazu. Aber wie gesagt lasse ich mich hier gerne eines Besseren belehren, wenn mir jemand den Vorteil gegenüber NextcloudPi verraten kann – legt los. Ich bin nur bedingt lernresistent. 😉

Update: Ich möchte meine Meinung zu untermauern, dass ich keinen Vorteil gegenüber NextCloudPi sehe. Deswegen hier ein direkter Vergleich zwischen NextCloud Ubuntu Appliance for Raspberry Pi und NextCloudPi.

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3 Kommentare zu “NextCloud Ubuntu Appliance for Raspberry Pi – meine Meinung”

  1. DeepThought sagt:

    Hallo Jürgen,

    herzlichen Dank für deine klare Einschätzung, Meinung die Empfehlung (NextCloudPi) und die schnelle Antwort auf meine Anfrage !

  2. Ritchy sagt:

    Hallo Jürgen,

    leider lese ich in deinem Beitrag viele gebildete Vorurteile, ob nun berechtigt (auch in Teilen) oder nicht. Nachvollziehbare Fakten kann ich dagegen kaum erkennen. Da hätte ich mir vor allem mehr gewünscht.
    Nun bin ich kein Canonical Fan, stehe einfach neutral dazu und deshalb empfinde ich, dass deine Assoziationen mit Canonical negative behaftet sind.
    Natürlich macht Canonical auch einige Fehler, aber sie generell für immer in eine negative Ecke zu stellen, vor allem politisch und moralisch, geht mir zu weit.

    Freundliche Grüße
    Ritchy

    • jdo sagt:

      Ich habe Canonical nicht generell in eine negative Ecke gestellt, da ich explizit den Server als solides Produkt bezeichnet habe.

      Um aus der negativen Ecke zu kommen, sollte sich Canonical vielleicht von einer "Zuckerbrot und Peitsche"-Strategie verabschieden. Erst reumütig die Desktop-Anwender umgarnen, nur um sie dann mit einem Snap-Zwang zu peitschen und den Zugang zu Flatpak schwierig zu machen (ein aktuelles Beispiel) – da hat es von vielen Seiten Kritik gehagelt.

      Ich kann es nicht beweisen, aber mir scheint Canonical mehr und mehr von der Marketing-Abteilung angetrieben zu werden. Es erinnert an die Zeit, als Apple die Macs mit Intel-Prozessoren ausgestattet hat. Die Anwender wurden umgarnt, viel wurde verschenkt, nur um sie dann langsam in proprietäre Lösungen zu drücken. Es gibt da durchaus Ansätze bezüglich Intellectual Property Policy , wofür es heftige Ohrfeigen von der FSF gegeben hat.

      Würde sich Canonical wieder auf seine Wurzeln besinnen, die ich ja ausdrücklich gelobt habe, wäre das äußerst wünschenswert. Seit einiger Zeit scheint man vor allen Dingen die Desktop-Nutzer als Versuchskaninchen zu benutzen.

      Ich finde auch, dass ich genügend Beispiele dargestellt habe, warum NextCloudPi technisch (derzeit?) besser als der Canonical-Ansatz ist. Kombiniere ich das mit meinem persönlichen Misstrauen, das sich über viele Jahre aufgebaut hat, spricht für mich absolut nichts für NextCloud Ubuntu Appliance for Raspberry Pi.

      Wie gesagt, der ganze Beitrag ist eine persönliche Meinung. Jeder darf sich hierzu selbst eine bilden und Deine akzeptiere ich natürlich auch.

      Vielleicht liege ich auch falsch und Du kannst mir erklären, warum ich für eine interne Nextcloud Appliance ein Ubuntu-Konto anlegen soll? Alleine deswegen schrillen bei mir die Alarmglocken, wenn ich mir die Historie von Canonical so ansehe.

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