LosslessCut: Video und Audio unter Linux schnell und verlustfrei schneiden

2 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

LosslessCut schneidet Videos und Audiodateien unter Linux, Windows und macOS, ohne sie neu zu codieren. Das geht sehr schnell, und die Qualität bleibt erhalten. Das Programm ist kostenlos und Open Source.

2020 lief das AppImage von VidCutter unter Linux Mint 20 nicht sehr gut. Das Programm startete zwar, aber die Schaltflächen waren irgendwie zu groß. Auf der Suche nach einer Alternative fiel die Wahl damals auf LosslessCut. Es war ein hervorragender Ersatz und sogar schneller. Hier eine kurze Vorstellung der Videoschnitt-Software.

Ich möchte anmerken, dass LosslessCut keine umfassende Videobearbeitung-Software wie OpenShot ist. Allerdings kannst Du damit schnell Clips zurechtschneiden, umwandeln und so weiter. Wofür ich sonst kryptische FFmpeg-Befehle auf der Kommandozeile brauche, die ich mir kaum merken kann, benutze ich lieber LosslessCut.

LosslessCut funktioniert hervorragend
LosslessCut funktioniert hervorragend (Screenshot von 2020)

Das Programm sieht schlicht aus. Es kann aber viel und ist sehr benutzerfreundlich, die Bedienung ist tatsächlich erfrischend. 2020 war die Oberfläche noch nicht auf Deutsch verfügbar. Du konntest zwischen Englisch, Norwegisch, Italienisch, Französisch und Chinesisch wählen. Die guten Nachrichten: Deutsch ist inzwischen verfügbar.

LosslessCut spricht heute mehr als 20 Sprachen, startet ab Werk aber auf Englisch. In den Einstellungen (Zahnrad oben rechts) stellst Du unter App language auf Deutsch um.

Commit add german im LosslessCut-Projekt
Die Sprache Deutsch kam 2020 dazu (Screenshot von 2020)

Was kannst Du mit LosslessCut machen?

Das Projekt wird unter dem Motto Das Schweizer Taschenmesser der verlustfreien Video-/Audiobearbeitung zur Verfügung gestellt. Das ist nicht so weit hergeholt, denn die Software bietet jede Menge Optionen. Hier ein paar Beispiele:

  • Audiospuren von einer Datei entfernen
  • Musik zu einem Video hinzufügen oder die existierende Audiospur ersetzen
  • Audio und Video von verschiedenen Aufzeichnungen zusammenführen
  • Einem Video Untertitel spendieren
  • Die Audiospur aus einem Video extrahieren
  • Werbung aus einem Video schneiden, ohne dass die Datei neu codiert werden muss
  • Drehung eines Videos korrigieren, ohne es neu codieren zu müssen
  • Videoformate schnell ändern
  • Schnittzeiten aus einem anderen Tool importieren
  • Schnittzeiten exportieren, um sie in einem anderen Tool benutzen zu können
  • Video in mehreren Schleifen ohne Neucodierung speichern lassen
  • Zwischen Keyframes schneiden mit dem experimentellen Smart Cut
  • Standbilder in voller Auflösung als JPEG oder PNG speichern
  • Dateien mit identischen Codec-Einstellungen verlustfrei aneinanderhängen
  • Stille Passagen, schwarze Bilder und Szenenwechsel erkennen

LosslessCut unter Linux installieren

Ein Installationsprogramm gibt es nicht. Die offiziellen Downloads liegen auf GitHub und auf der Projektseite losslesscut.app. Für Linux hast Du diese Wege:

  • AppImage für 64-Bit-PCs (x86_64): herunterladen, ausführbar machen, starten.
  • tar.bz2-Archiv für x64, ARM64 und den Raspberry Pi (armv7l): entpacken und das Programm im Ordner starten.
  • Snap: Der Entwickler veröffentlicht LosslessCut selbst im Snap Store.
  • Flatpak: Das Paket auf Flathub pflegt die Community, nicht der Entwickler.

Für das AppImage genügen zwei Befehle im Download-Ordner:

chmod +x LosslessCut-linux-x86_64.AppImage
./LosslessCut-linux-x86_64.AppImage

Snap und Flatpak installierst Du mit je einem Befehl. Wie Flatpak funktioniert, liest Du im Ratgeber Flatpak-Apps installieren, entfernen und verwalten.

sudo snap install losslesscut
flatpak install flathub no.mifi.losslesscut

Startet das AppImage nicht und meldet, dass FUSE fehlt, installierst Du unter Ubuntu 24.04 und Linux Mint 22 das Paket libfuse2t64 nach (bei älteren Versionen heißt es libfuse2). Bricht das Programm beim Start mit einem Fehler zur SUID sandbox ab, empfiehlt das Projekt den Start mit der Option –no-sandbox. Für 32-Bit-Linux gibt es seit Version 3.48.2 keine Builds mehr.

Ein einfacher Workflow

Damit die ganze Sache nicht so abstrakt wird, hier ein einfacher Workflow, was Du mit dem Programm machen kannst. Ich erkläre es am nachfolgenden Screenshot und gehe davon aus, dass Du ein Video geöffnet hast.

Klicke in der Zeitleiste unten einfach auf einen Punkt und dann auf die Hand links. Das ist Dein Startpunkt. Danach suchst Du Dir den Endpunkt und klickst auf die Hand rechts (rot umringt). Damit habe ich meinen ersten Clip 1 erstellt, den ich ausschneiden möchte. Ich habe den Vorgang wiederholt und damit ist Clip 2 entstanden. Wie viele Video-Clips Du schneiden willst und von wann bis wann, findest Du in der Seitenleiste rechts.

Mit der Tastatur geht es schneller: I setzt den Start, O das Ende, + legt ein weiteres Segment an und die Leertaste startet oder stoppt die Wiedergabe.

Ein üblicher Arbeitsablauf mit LosslessCut
Ein üblicher Arbeitsablauf mit LosslessCut (Screenshot von 2020)

Ab Werk legt LosslessCut für jedes Segment eine eigene Datei an. Willst Du alles in einer Datei, stellst Du vorher oben rechts den Exportmodus auf Merge cuts (Schnittstücke verbinden). Die Schaltfläche unten rechts heißt dann Export+merge.

Klickst Du nun auf Export+merge entsteht eine neue Datei mit den Bereichen, die Du markiert hast.

Möchtest Du separate Dateien, also 2 Video-Clips, erhalten, stelle oben den Modus auf Separate files zurück. Klickst Du anschließend auf Export, bekommst Du zwei Dateien. Es ist wirklich so einfach und die Bearbeitung geht sehr schnell.

Vor dem Export zeigt LosslessCut eine Übersicht mit den Export-Optionen. Erst ein zweiter Klick auf Export startet den Vorgang. Die neuen Dateien landen im Ordner des Originals, das Original selbst bleibt unverändert.

Willst Du einen Bereich loswerden statt ihn zu behalten, etwa Werbung, klickst Du unten links auf das Yin-Yang-Symbol. Dann exportiert LosslessCut alles außer den markierten Segmenten.

Keyframes und Smart Cut: Wie genau schneidet LosslessCut?

Verlustfrei schneiden heißt: LosslessCut kopiert die Daten, statt sie neu zu codieren. Ein Schnitt kann deshalb nur an einem Keyframe beginnen, also an einem vollständig gespeicherten Bild. Im Modus Keyframe cut setzt das Programm den Start eines Segments auf den vorherigen Keyframe. Das kann ein Bruchteil einer Sekunde vor Deinem Schnittpunkt sein, aber auch mehrere Sekunden.

Die Keyframes siehst Du als senkrechte Linien in der Zeitleiste, eventuell musst Du dafür hineinzoomen. In den Export-Optionen kannst Du den Keyframe cut abschalten oder den experimentellen Smart Cut einschalten. Er codiert nur das Stück vom Schnittpunkt bis zum nächsten Keyframe neu und schneidet so genauer. Laut Entwickler klappt das aber nur mit manchen Dateien, am ehesten mit H.264.

Sieht die exportierte Datei seltsam aus, hilft oft ein anderes Ausgabeformat: Matroska (MKV) nimmt fast jeden Codec auf. Auch das Abschalten nicht benötigter Spuren kann helfen.

Audio und Video trennen

Dieser Vorgang ist ebenfalls sehr einfach mit LosslessCut. Du findest links oben eine Schaltfläche Tracks. Willst Du nur die Videodatei haben, dann klicke dort auf den Lautsprecher und die Software wird die Tonspur weglassen.

Spuren anzeigen lassen
Spuren anzeigen lassen (Screenshot von 2020, die Schaltfläche Keep audio gibt es nicht mehr)

Klickst Du auf Tracks, passiert das. Du darfst Dir aussuchen, ob Du Video oder Audio behalten möchtest. Klicke dazu in der Spalte Keep? auf die Kamera oder den Lautsprecher. Ist das Symbol durchgestrichen, wird die entsprechende Spur nicht berücksichtigt.

LosslessCut ist echt benutzerfreundlich
LosslessCut ist echt benutzerfreundlich (Screenshot von 2020)

Neben dem Dateinamen findest Du die Option Export each track as individual files. Damit erhältst Du zwei verschiedene Dateien: Tonspur und Video speichert die Software hier separat.

Dasselbe erreichst Du über das Menü Edit → Tracks → Extract all tracks. Reine Audiodateien wie MP3 oder M4A schneidest Du genauso. Arbeitest Du lieber auf der Kommandozeile, zeigt der Artikel MP3 auf der Konsole einfach mit FFmpeg schneiden, wie es geht.

LosslessCut ausprobieren kostet nichts

Am meisten beeindruckt mich die Geschwindigkeit, mit der die Software arbeitet. Das geht alles blitzschnell. Für einfaches Schneiden macht LosslessCut echt Spaß.

Das Programm gibt es übrigens nicht nur für Linux, sondern auch für macOS und Windows. Du findest die neueste Version bei GitHub.

Im Mac App Store und im Microsoft Store kostet LosslessCut Geld. Die Store-Versionen haben dieselben Funktionen, hinken aber oft ein paar Versionen hinterher. Der Entwickler veröffentlicht dort erst, wenn sich eine Version bewährt hat. Die neuesten GitHub-Versionen sieht er als öffentliche Beta. Mit dem Kauf unterstützt Du seine Arbeit.

Videos auf der Kommandozeile aneinanderhängen kannst Du auch mit MP4Box und avimerge. Standbilder, die Du mit der Kamera-Schaltfläche aus dem Video holst, bearbeitest Du zum Beispiel in GIMP 3.

Aktualisiert am 12.10.2026 von Henry. Fakten geprüft.




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2 Kommentare zu “LosslessCut: Video und Audio unter Linux schnell und verlustfrei schneiden”

  1. Andreas says:

    Danke für den Tipp -- hatte ich bisher noch nicht gekannt!

  2. Tanja Gebhardt says:

    Vielen Dank für den informativen Artikel! Bin sehr gut damit zurechtgekommen.

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