Matthew Garret: Mir Display Server und XMir bringen derzeit keine Nachteile oder Vorteile – aber die PR ist großartig

16 Juli 2013 2 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Ubuntu Logo 150x150Man muss die teilweise trockenen und nüchternen Analysen von Matthew Garret einfach mögen. Diesmal: Mir Display Server und XMir. Zunächst erklärt er, was Mir Display Server und XMir eigentlich ist: Sie zaubern Pixel auf den Bildschirm und XMir ist ein Aufsatz für Mir Display Server, um von X abhängige Applikationen zusammen mit dem neuen Display Server Canonicals laufen zu lassen. Mark Shuttleworth hatte sich ja sehr positiv und überrascht von XMir gezeigt.

Mir soll bereits in Ubuntu 13.10 “Saucy Salamander” zum Einsatz kommen. Allerdings werden die meisten Applikationen nicht nativ auf Mir Display Server laufen – das is bekannt. Die Standard-Sitzung wird also XMir ausführen. Somit gibt Canonical allen Zeit, die Applikationen für Mir Display Server fit zu machen. Ab Ubuntu 14.10 rechnet Canonical damit, dass die Standard-Unity-Sitzung ein Mir-Client ist. Theoretisch könne man Ubunut-Systeme dann komplett ohne X-Applikationen laufen lassen. XMir würde dann nur noch für die Altlasten zuständig sein.

Natürlich müsse man daran noch schrauben und das sei auch ein sehr interessanter Punkt. Solange man nicht sehr viel CPU-Power in die Runde werfe, ist Grafik eher langsam. Somit müsse man auch XMir beschleunigte Grafik zur Verfügung stellen. Die Software verwendet dazu die bestehenden Treiber für X. Anders gesagt würde XMir genau den gleichen Grafiktreiber-Stack verwenden, wie das auch bei X.Org der Fall ist. Somit könne man auch mit der gleichen Performance rechnen. Entgegen der Aussage von Shuttleworth, dass sich XMir schneller anfühle, sagt Garret: Im Moment hätte man damit zehan bis 20 Prozent schlechtere Performance, aber man arbeite daran. Es gibt keinen Grund, dass XMir langsamer als X.Org sein solle, aber schneller ist es eben auch nicht.

Die Ausgabe-Treiber seien aber nicht alleine verantwortlich. XMir braucht natürlich auch Input. Man würde erwarten, dass Mir den Input an XMir einfach weiterleitet. Im Moment würde XMir aber die existierenden X-Input-Treiber laden und diese nutzen. Das erkläre auch, warum XMir derzeit zwei Cursor zeigt – einer für Mir und einer für XMir.

Auch die Output-Fuktionalität sei doppelt gemoppelt. Verwende man X als einzigen Display Server, könne dieser einfach den Kernel fragen. XMir kann das aber nicht und muss Mir Display Server zu Rate ziehen. XMir und xrandr laufen zu lassen, würde das ausgeben:

Screen 0: minimum 320 x 320, current 1366 x 768, maximum 8192 x 8192
XMIR-1 connected primary 1366x768+0+0 (normal left inverted right x axis y axis) 0mm x 0mm
   XMIR mode of death[3]   60.0*+

Das sagt laut Garret aus: Ich habe einen Bildschirm, der alles von 320×320 bis 8192×8192 Pixel darstellen kann. Weiterhin sein ein unbekanntes physikalisches Gerät vorhanden, das nur 1366×768 bei 60 Hz darstellen kann. Egal wie viele Ouputs man habe, das Ergebnis sei immer gleich. XMir habe derzeit keine Unterstützung für mehr als einen Bildschirm. Unterstützung fehle auch für DPMS.

Garret gibt an, dass sich die Software natürlich noch in der Entwicklung befinde. Canonical möchte das alles in drei Monaten fertig haben, wenn es eben die nächste Ausgabe von Ubuntu gibt. Im Moment fehlen als wichtige Funktionen noch xrandr und DPMS. Laut Garret sollte es aber kein Problem sein, das noch zu impementieren. Die meisten Anwender werden den Umstieg von X.Org auf XMir demnach nicht mitbekommen.

Und genau  hier liege der Hase im Pfeffer. Die Anwender hätten aber auch keinen Vorteil davon.

  • Funktionen? XMir habe ungefähr 1000 Zeilen Code zusätzlich zu X.Org. Es habe keine Extra-Funktionalitäten, die nicht in X.Org auch präsent wären.
  • Performance: XMir ist X.Org. Es benutzt den selben Code und die selben Treiber. Somit kann es nicht schneller sein und derzeit sei es sogar langsamer, was sich wahrscheinlich aber beheben lässt.
  • Sicherheit: XMir ist X.Org und läuft immer noch als root. Somit hat es auch die selben Rechte. Aus Sicht der Security gibt es keine Vorteile.

Garret wiederholt noch einmal, dass die meisten Anwender eine Umstellung nicht mitbekommen werden. Es gibt werde Nachteile noch Vorteile. Allerdings könne Canonical Mir Display Server auf eine große Anzahl von Geräten ausrollen und hätten damit viele Test-Kandidaten. Weiterhin hätte man ein Argument gegenüber den Hardware-Herstellern, Mir Display Server zu unterstützen. Anwender würden von dem Umstieg frühestens mit Ubuntu 14.10 profitieren.

Die PR für Mir Display Server beeindruckt Garret aber. Man habe der Öffentlichkeit vermittelt, dass Mir Display Server von Null auf Hundert ist und nun fähig sei, eine komplette Desktop-Umgebung zu befeuern. Und das auch noch in relativ geringer Zeit. Die Realität sehe so aus, dass Mir Display Server im Moment eigentlich gar nicht viel macht. Es weist XMir ein Fenster zu, in dem diese Software dann Pixel malen darf. Das könne man nicht als fortgeschrittenen Display Server bezeichnen, sondern seien Minimal-Anforderungen. Das sei schade, da Mir Display Server eigentlich wesentlich mehr kann.

Zusammengefasst sieht Garret XMir unter Mir Display Server nicht mal als tolle Technologie-Demonstration. Allerdings wundert er sich, dass Canonical XMir und Mir auch in Ubuntu 14.04 einsetzen möchte. Diese Ausgabe wird wieder ein LTS (Long Term Support) und sollte eigentlich so stabil wie möglich sein.



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2 Kommentare zu “Matthew Garret: Mir Display Server und XMir bringen derzeit keine Nachteile oder Vorteile – aber die PR ist großartig”

  1. Lucas sagt:

    Man braucht mehr Softwre / Code um das selbe zu erreichen. Mehr Software = Mehr Fehler = Weniger Stabilität. Also klar ein Nachteil.

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