LibreOffice Online Guide veröffentlicht – leider enttäuschend

Kein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Etwas Kostenloses zu kritisieren, ist nicht einfach und fühlt sich nicht gut an. Aber im Fall des LibreOffice Online Guide mache ich zähneknirschend eine Ausnahme. Zumindest finde ich die Ankündigung irreführend. Nimm Dir bitte an dieser Stelle ein paar Sekunden Zeit und frage Dich vor dem Weiterlesen selbst: Was würdest Du von einem Leitfaden für LibreOffice Online erwarten?

LibreOffice Online Guide ist da!

LibreOffice Online Guide ist da!

Ich mag LibreOffice Online und verwende es selbst via CODE in die Nextcloud integriert. Bisher habe ich mich noch etwas vor LibreOffice Online gescheut, da ich noch keinen guten Installations-Leitfaden gefunden habe. Bisher war ich außerdem zu bequem, mein eigenes (funktionierendes) Setup zu ändern. Umso mehr freute ich mich, die Ankündigung zu LibreOffice Online Guide zu lesen.

Was steht (angeblich) drin im LibreOffice Online Guide?

In der Ankündigung sind diese vielversprechenden Sätze zu lesen:

Schnellinstallation inklusive

Schnellinstallation inklusive

Ganz falsch ist das nicht, aber die Konfiguration wird leider völlig außen vor gelassen.

LibreOffice Online Guide behandelt alle Aspekte

LibreOffice Online Guide behandelt alle Aspekte

Es befinden sich also alle notwendigen Informationen im Leitfaden, um die Applikation zu installieren und sie mit anderen Programmen zu kombinieren. Als Beispiel wird die Nextcloud genannt. Cool, endlich ein Installations-Leitfaden, mit dem Anwender LibreOffice Online einfach installieren können!

Also habe ich freudig das PDF heruntergeladen und bin sofort zu den Anforderungen und dem Kapitel mit der Installation gesprungen.

Installation als eigenständiges Kapitel

Installation als eigenständiges Kapitel – das ist vielversprechend

Nachdem ich das Kapitel geöffnet hatte, war ich etwas verwirrt.

LibreOffice Online installieren – so schlau als wie zuvor

Kurz vor dem Kapitel mit der Installation erfahre ich noch die Anforderungen. Es ist ein LAMP Stack notwendig. Ich brauche also Webserver und Datenbank, steht da. Ebenso ist eine Hosting-Plattform notwendig, die meine Dokumente speichert. Als Beispiel werden eine Nextcloud- oder ownCloud-Instanz genannt.

Nun folgen die Informationen zur Installation. Sie beschränken sich zusammenfasst auf:

  • Es gibt LibreOffice Online oder CODE
  • Du kannst LibreOffice via Docker mit diesem Befehl installieren: docker pull libreoffice/online
  • Dann musst Du die Datei /etc/loolwsd/loolwsd.xml anpassen
  • Weitere Informationen würden den Rahmen des LibreOffice Online Guide sprengen

Aha! Na dann … aber vielleicht gibt das nächste Kapitel mehr Aufschluss: Setting Up to Use LibreOffice Online

Hier wird mir nun erklärt, dass ich in der Nextcloud die App Collabora Online installieren und dann einfach die URL und den Port der CODE-Installation hinterlegen soll.

Die nächsten Kapitel – hmmmm

Also die Kapitel 4 und 5 erklären mir eigentlich, wie ich die Nextcloud bediene. Gut, am Ende von Kapitel 5 wird mir noch gezeigt, dass ich aus LibreOffice Online exportieren kann.

Beziehungsweise stimmen die Kapitel aus der Ankündigung nicht mit denen im PDF überein. The Documents Module ist im PDF-Dokument das Kapitel 5. Aber die Goldwaage müssen wir nun wirklich nicht auspacken.

Nun folgen 60 Seiten, die mir erklären, wie ich mit der Textverarbeitung, der Tabellenkalkulation und der Präsentations-Software grundlegend arbeite. Viele der Dinge hier sind nicht speziell für die Online-Version von LibreOffice.

Außerdem nutzt mir das Wissen auch nicht viel, wenn mir keiner erzählt, wie ich das Ding zum Laufen bekomme.

Also überspringe ich das und sehe mir das nächste Kapitel an, das wieder vielversprechend klingt:

Integrating LibreOffice Online with Other Applications

Ah, LibreOffice Online mit anderen Anwendungen integrieren. Vielleicht kann man hier was lernen. Hmmm …

Also zunächst einmal wird mir erklärt, wie ich mit LibreOffice via WebDAV auf meine LibreOffice Online Dokumente in der Nextcloud zugreife. Das hat eigentlich überhaupt nichts mit LibreOffice Online zu tun.

Später in dem Kapitel erklären mir die Autoren noch, dass ich mit dem Sync-Client der Nextcloud meine LibreOffice Online Dokumente mit meinem Desktop synchronisieren kann.

Alternative Installationsmethoden für LibreOffice Online

Na endlich, vielleicht habe ich doch vorschnell geurteilt und es geht nun hier ans Eingemachte. Fehlanzeige!

Die alternative Installationsmethode beschreibt nur, dass ich Collabora CODE als Appliance in einer virtuellen Maschine oder Univention installieren kann. Eigentlich steht auf dem Cover des Buches LibreOffice Online 6.3.

Dann werden mir noch ein paar Brocken zu Docker und CODE hingeworfen. Weiterhin wird mir lediglich gezeigt, wie ich CODE ohne SSL zum Laufen bringe. Ein deutlicherer Hinweis wäre an dieser Stelle schon angebracht, dass die Kommunikation dann unverschlüsselt abläuft – meine Meinung.

Außerdem verraten mir die Autoren noch, wie ich CODE über ein Repository unter Ubuntu installiere und starte. Aber mehr auch nicht.

In dem Leitfaden sind nur so viele Informationen, um das Frust-Niveau auf den Maximalpegel zu bekommen. Die Knackpunkte für die Einrichtung werden nur ganz kurz angerissen oder gar nicht erwähnt. Genau wenn es spannend wird, hört die Dokumentation auf und ich stehe eigentlich völlig im Regen.

Was soll das Dokument sein? Wer wird damit angesprochen?

Ich verstehe nicht ganz, an wen sich der Leitfaden richtet. Auf der einen Seite reißen die Autoren kurz an, wie man LibreOffice Online überhaupt installiert. Das richtet sich an Administratoren, ist aber viel zu knapp, um etwas damit anfangen zu können. Gerade die Bereiche für Administratoren fühlen sich extrem unvollständig an.

Soll der Leitfaden ein reiner User Guide sein, dann sind die zu geringen Informationen über Installation und Einrichtung völlig fehl am Platz. Was kümmert es einen User, ob er einen Webserver braucht? Was interessiert es ihn, ob das Ding via Docker oder nicht installiert ist?

Nun könnte man argumentieren, dass die Konfiguration eines Webservers und eines SSL-Zertifikats nichts mit LibreOffice Online an sich zu tun hat. Das ist natürlich völlig korrekt. Aber für die Installation des Sync-Clients von Nextcloud gilt das ebenfalls.

Ich finde den Ansatz echt gut, eine Dokumentation für LibreOffice Online zur Verfügung zu stellen. Allerdings hat die echt viel Luft nach oben, finde ich. Vielleicht könnte man den Leitfaden überarbeiten und als zwei verschiedene, aber ausführlichere Versionen zur Verfügung stellen. Einen Admin-Leitfaden mit Installation sowie Konfiguration und einen reinen User Guide, der das Arbeiten mit LibreOffice Online zeigt.

Erinnere ich mich an meine Schulzeit und den Deutschunterricht zurück, bekam ich einst eine 5 wegen Themaverfehlung. An sich sei mein Werk schon nicht schlecht, meinte der Lehrer, aber ist leider etwas am Thema vorbei. Genau an diese Situation wurde ich beim LibreOffice Online Guide erinnert.

Am Ende des Dokuments ist dann noch ein Hinweis, unter dem das Werk hätte veröffentlicht werden sollen:

Vorstellung von LibreOffice Online

Einführung / Vorstellung LibreOffice Online

Das trifft es wesentlich besser als LibreOffice Online Guide. Es ist in der Tat eine Vorstellung des Projekts mit wenig detaillierten Informationen. Unter einem Leitfaden stelle ich mir aber etwas anderes vor.

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