Evolve OS Beta 1 getestet – gemischte Gefühle

27 Januar 2015 3 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Ikey Doherty ist der Macher von Evolve OS und in der Szene bekannt. Er war der Antreiber von SolusOS, das allerdings eingestellt wurde. Mit Evolve OS gibt es nun abermals einen Anlauf, eine eigene Linux-Distribution mit einem ganz speziellen Stempel auf die Beine zu stellen. Sehe wir uns deswegen zunächst einmal an, was Evolve OS eigentlich ist.

Evolve OS erklärt

Evolve OS ist komplett von Scratch gebaut. Man verwendet hier eine geforkte Version des PiSi-Paket-Managers, den man aus Pardus Linux kennt – oder auch nicht. Nebenbei bemerkt hat Pardus Linux im Jahre 2011 letztmals PiSi verwendet und ist danach auf eine Debian-Basis ungestiegen. Der PiSi-Fork für Evolve OS nennt sich übrigens eopkg.

Evolve OS selbst wird als installierbare Live-CD zur Verfügung gestellt. Unterstützung für x86 ist nicht vorhanden, sondern man richtet sich gleich nur noch an x86_64 (64-Bit), was auch Sinn ergibt. EFI-Unterstützung ist geplant, derzeit aber noch nicht vorhanden. Der Installer wurde dafür noch nicht portiert.

Das Betriebssystem setzt als Desktop auf eine Eigenentwicklung, das sich Budgie Desktop nennt. Dieser ist eng mit dem GNOME Stack (derzeit GNOME 3.14.2) verzahnt, was Overhead und technische Probleme reduziert.

In erster Linie richtet sich Evolve OS an Anwender und will daher so Anwender-freundlich wie möglich sein.

Evolve OS: Desktop

Evolve OS: Desktop

Budgie Desktop

Bevor wir uns nun Evolve OS Beta 1 widmen, klären wir noch, was der Budgie Desktop ist. Zumächst einmal ist es die Standard-Desktop-Umgebung für Evolve OS.

Der Fokus liegt auf Einfachheit und Eleganz. Budgie Desktop ist kein Fork eines anderen Projekts, sondern ebenfalls von Grund auf entwickelt.

Budgie Desktop ist allerdings nicht auf Eveolve OS beschränkt. Es ist Open-Source und auch für andere Linux-Distributionen verfügbar:

Das Projekt selbst befindet sich in der Entwicklung, es ändern sich häufig Dinge und man findet den Quellcode bei GitHub.

Der Budgie Desktop lässt sich auch so einstellen, dass er eher einem klassischen Desktop gleicht.

Evolve OS: Menü

Evolve OS: Menü

Evolve OS Beta 1

Nachdem das grundsätzliche nun geklärt ist, sehen wir uns die erste Beta-Version von Evolve OS an.

Zunächst einmal sei angemerkt, dass nicht alles übersetzt ist, auch wenn eine Installation auf Deutsch angeboten wird. Wer mit Englisch nicht ganz so vertraut ist, hat schon mal einen Grund weniger, Evolve OS Beta 1 zu betrachten.

Die Symbole, das Schriftbild und die Optik sind toll. Da kann man echt nicht viel aussetzen. Allerdings ist mir persönlich der Budgie Desktop zu rudimentär. Rechtsklick auf dem Desktop? Fehlanzeige. Man ist schon sehr eingeschränkt, was man konfigurieren kann – zumindest wenn man KDE gewohnt ist und selbst unter Cinnamon und Xfce kann man mehr konfigurieren. Auf der anderen Seite – je weniger der Anwender rumpfuschen kann, desto weniger kann er kaputt machen. Was man allerdings einstellen kann, funktioniert dann teilweise nicht – bei meiner Tastatur sind trotz Deutsch das y und das z vertauscht – also keine Deutsche Tastatur – gut, ist eine Beta-Version.

Es fehlt noch hinten und vorne an Software. Klar, es ist eine Beta-Version, aber es zeigt sich hier meiner Meinung nach ganz klar der Nachteil so eines Alleingangs. Das Software-Center ist unglaublich übersichtlich. Firefox, GIMP, Transmission und ein paar andere Pakete sind vorinstalliert. Über ein Programm mit Namen Evo Assist kann man Google Chrome installieren. Von anderer Open-Source-Prominenz wie zum Beispiel LibreOffice und VLC fehlt jede Spur. Proprietäre Grafiktreiber von NVIDIA / AMD? Nö. Steam? Auch keine Spur – vielleicht kommen diese Dinge später über das Evo Assist. Ein E-Mail-CLient fehlt irgendwie auch komplett. Wenn ich mich schon an den reinen Anwender richte, dann sollte zumindest die Software für den normalen Nutzer vorhanden sein, oder? Es soll noch weitere Software kommen, ist angekündigt. Es wird sich aber erst zeigen müssen, ob man mit limitierten Ressourcen an die Vielfalt der Großen herankommt. Sicherlich braucht nicht jeder so eine Vielfalt, ich habe aber schon gerne die Option.

Evo Assist

Evo Assist

Nach der Beta 1 will man sich auf die Treiber-Unterstützung und 32-Bit-Support konzentrieren.

Was mich halt ein wenig wundert, warum man so viel Energie in eine eigene Distribution legt. Natürlich ist man nicht von den anderen abhängig, aber ganz alleine gegen alle kann es ja auch nicht sein. Ob Evolve OS wie SolusOS enden wird oder ob der Alleingang Früchte trägt, kann man nicht sagen – das wird die Zeit zeigen. Ich stehe Evolve OS mit gemischten Gefühlen gegenüber. Die Oberfläche selbst ist modern und lässt sich auch ganz gut bedienen. Die Distribution selbst würde ich derzeit aus Gründen der mangelnden Software auf keinen Fall einsetzen. Ebenso möchte ich den Support der großen Community Debian / Linux Mint / Ubuntu (also die von mir hauptsächlich eingesetzten Distributionen) nicht missen. Das gilt natürlich auch für die tollen Communities aus den Lagern Fedora, openSUSE und Arch (vor allen Dingen das Arch Wiki ist unglaublich gut). Aber wie schon erwähnt, ist ein zu frühes Urteil bei Evolve OS auch unfair, da es lediglich eine Beta-Version ist.

Download Evolve OS

Du kannst die installierbare Live-CD von einem der Spiegel-Server oder via Torrent herunterladen. Es gibt Links dazu im Download-Bereich der Website.

Weitere Screenshots

Installer

Installer

Installer Sprache

Installer Sprache

Login

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Einstellungen

Einstellungen

Firefox

Firefox

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3 Kommentare zu “Evolve OS Beta 1 getestet – gemischte Gefühle”

  1. Brutus sagt:

    Also der Budgie Desktop sieht toll aus — habe da immer mal wieder ein Auge drauf und scheint von Design und Bedienung sehr nach meinem Geschmak. Hoffe da wird was draus. DerSinn hinter Evolve OS erschliest sich mir allerdings nicht, imo eine ziemliche Zeitverschwendung.

  2. Lex sagt:

    Budgie gefällt mir soweit auch ganz gut. Testweise schon seit einer ganzen Weile auf einem Laptop auch installiert (und regelmäßig geupdated, bei den ganzen Änderungen :D)
    Auch wenn es kein Fork von irgendwas ist, sollte man imo erwähnen dass es (noch?) stark verzahnt mit GNOME3 ist (Mutter, menus, etc werden als dep benötigt). Was es für KDE/QT Nutzer ein wenig uninteressanter machen dürfte und für jene die in jeder Hinsicht minimalistisch unterwegs sein wollen 😀

    Und wegen der Distri? Schließe ich mich im Grunde meinem Vorredner an, auch wenn es mal wieder schön ist, dass jemand von Grund auf angefangen hat und nicht einfach X als Grundlage nimmt, weil ihm Y nicht gefällt. Davon gibt es viel zu viele.

    Kleine Anmerkung wegen "Inoffizielles AUR für Arch Linux". Das klingt ein wenig falsch. Das Ganze an sich, wo jeder User sich beteiligen kann wird als AUR bezeichnet (Arch User Repository). Die einzelnen Teile darin sind einfach Pakete/PKGBUILDS.
    So als Arch User würde ich eher so einen Satz da stehen sehen wollen ;D
    "Inoffizielles Paket im AUR von Arch Linux"

  3. Ben sagt:

    Budgie fühlt sich schon ziemlich gut an, auch wenn noch an vielen Dingen gefeilt werden muss, aber es ist auch dabei sich schnell weiterzuentwickeln

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