Schritt zurück: W3C sperrt mit EME-Entscheidung das Internet in einen goldenen Käfig …

4 Oktober 2013 2 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

EFF (Electronic Frontier Foundation) Logo 150x150… genau so könnte man die Worte der Electronic Frontier Foundation deuten, die eine Entscheidung des W3C bezüglich EME scharf kritisieren. Man werde in eine Epoche einsteigen, in der sich das Internet für immer verändert. So wie wir es heutzutage kennen, wird maǵeblich verändert.

Um was geht es?

Am Montag hat Tim Berners-Lee, Chef des W3C, dass „playback of protected content“ auf der Agenda des des W3C stand. Er hat damit den offiziellen Einspruch der EFF gegen eine Aufnahme überstimmt. Somit wird der umstrittene „Encrypted Media Extension„-Vorschlag weiter auf dem Plan stehen und eventuell Einzug in HTML 5.1 halten. Sollte das der Fall sein, werden DRM-Anbieter, Provider wie Netflix und Browser-Hersteller wie Microsoft, Opera und Google sagen, dass Sie nun W3C-konforme „Content Protection“ für Web-Video anbieten können.

Das hört sich super an, sind aber in Wirklichkeit schlechte Nachrichten. Das W3C übergibt die Kontrolle des „user agent“ in die Hände Dritter, also dem Auslieferer der Inhalte. Der Webseitenbetreiber hätte dann das Sagen, was Dir angezeigt und serviert wird. Unnötig zu erwähnen, aus welchem Lager diese Fußfesseln kommen.

Die EFF ist der Meinung, dass dieser Schritt für den „Wächter des offenen Internets“ sehr gefährlich ist. Die EFF wird weiterhin versuchen, EME wieder aus der Agenda zu bringen. DRM sein nicht nur Anwender-unfreundlich, sondern verhindere Piraterie kaum.

Das W3C behauptet, dass EME ein guter Kompromiss sei. EME-Videos (mit DRM versehen) werden in binären Blobs weggesperrt. Das sei laut W3C nicht schlimmer, als wir das im Moment mit Flash oder Silverlight sehen.

Allerdings befürchtet die EFF, dass EME nicht das Ende der Fahnenstange ist. Es werden wieder irgendwelche Trolle aus den Höhlen kriechen und versuchen, noch mehr weg zu sperren. Vor fünf Jahren versuchten Firmen einen DRM-ähnlichen Standard für Web-Schriftarten (Fonts) durchzudrücken. Das endete damals in „keine Einschränkungen“. Wenn aber EME darf, warum wir nicht – wird es dann heißen.

Weiterhin gibt es bereit Untersuchungen, ob man kompletten Web-Code wegsperren könnte. Also Web-Applikationen lassen sich dann ausführen, aber nicht untersuchen. Auch für Bilder sind Pläne da, diese wegzusperren. Eine weitere Gruppe verlangt, dass Inhalte geschützt werden, die lokal heruntergeladen worden sind. Auch Text müsse sich schützen lassen, verlangen andere.

Was bedeutet das genau?

Ein Web, bei dem man keinen Text mehr kopieren und einfügen kann. Im Browser „Bild speichern unter …“ funktioniert nicht mehr. Lokal gespeicherte Daten werden kontrolliert. JavaScript wird komplett weg gesperrt. Selbst der Quellcode einiger Seite könnte nicht mehr sichtbar sein.

Es sei ein sehr anderes Web, als das wir heute kennen. Firmen wie Mozilla könnten einen Browser nicht einfach nach Web-Standards basteln. Sie müssten sich mit DRM-Providern einigen, ob sie deren Inhalte abspielen dürfen und so weiter.

Gibt es Hoffnung, Obi-Wan?

Die EFF hofft nicht, dass alle Vorschläge angenommen werden. Auch wisse man, dass beim W3C kein großer Hunger nach DRM bestünde. Viele Beteiligte der Sitzung seien mit EME überhaupt nicht glücklich gewesen, auch wenn es so weit weg von DRM gehalten wurde wie möglich.

Allerdings habe das W3C nun „Content Protection“ akzeptiert und somit das Prinzip über den Haufen geworfen, dass der Anwender Herr seines User Agents sein sollte.

Somit habe sich das W3C in eine dumme Situation manövriert. Man könnte den Schutz der Inhalte nun einigen wenigen Privilegierten, wie zum Beispiel Hollywood, gewähren und damit ist es gut. Oder man gibt dem sich abzeichnendem DRM-Sturm nach.

Die EFF wird als W3C-Mitglied alles versuchen, die Konsequenzen dieser Entscheidung in Schach zu halten. Allerdings werde das nach dieser Einladung des W3C nicht einfach.

Auch hatte das W3C nicht immer gewonnen. Als Beispiel führt die EFF XHTML und WHATWG auf. Es war deren Vision, die in HTML5 endete. It was WHATWG’s vision of a dynamic, application-oriented Web that won—so decisively, in fact, that the W3C later re-adopted it and made it the W3C’s own HTML5 deliverable. Mit „HTML Living Standard“ entwickle man an einem HTML-Standard weiter, der kein EME enthält.

Allerdings sei es für die EFF enttäuschend, dass das W3C an einer eingeschränkten Zukunft bastle und nennen es DRM-HTML. Man kann nicht für Gut heißen, was das W3C da gerade aufs Spiel setzt.

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2 Kommentare zu “Schritt zurück: W3C sperrt mit EME-Entscheidung das Internet in einen goldenen Käfig …”

  1. nik22 sagt:

    Das wird sicher genauso erfolgreich, wie alle anderen Verschlüsselungsverfahren auch.

  2. Georg sagt:

    "Speichern unter" geht nicht? Ein Userscript wird es mir ermöglichen, einen Screenshot des Inhaltes schnell und einfach zu erstellen, vielleicht noch OCR als Browser-Plugin dazu, gut ist. Mein Browser will mir nicht alle Inhalte anzeigen? Dann nutze ich eine alte Version. Klappt auch das nicht, werde ich einfach einen Browser nutzen, der auf die DRM-Standards pfeift und mir den User Agent passend zurechtbiegen. Es gibt genug Möglichkeiten.

    Und wenn Nutzer, womöglich noch ehrliche Käufer, ihre Inhalte nicht sehen können, weil der Content-Anbieter die Nutzung irgendeines "Chrome 29.06.32859 oder höher" vorschreiben will, wird der User auf Alternativen umsteigen. Der Fachbegriff dafür fängt mit W an und endet auf z. Schönes Eigentor.

    Wie wäre es denn mit einem Fork von HTML? Eine Freedom Markup Language, FML? Dann unterstützt der Firefox z.B. sowohl FML als auch HTML, und ich biete meine Webseiten dann eben FML-validiert an. FML könnte ja HTML 1:1 kopieren, bis auf den DRM-Müll.

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