Die Neuerungen im Überblick: Android 4.1 „Jelly Bean“ ist da

28 Juni 2012 Kein Kommentar Autor: Thomas (td)

Google hat auf der gestern im Moscone Center/San Francisco beginnenden Entwicklerkonferenz „Google I/O“ mit viel Tamtam Android 4.1, alias „Jelly Bean“ vorgestellt, traditionell begleitet vom zeitgleichen Aufstellen einer überdimensionalen Android-Statue vor Googles Firmensitz im kalifornischen Mountain View. Dass sich Google mittlerweile nicht weniger auf das Zelebrieren von Marketing versteht, wie Erzrivale Apple ist kein Geheimnis, immerhin zahlten Live-Besucher der als Entwicklerkonferenz titulierten Show ohne mit der Wimper zu zucken 900 US-Dollar für ein Ticket und von denen gab es schon 20 min nach Verkaufsstart keine mehr. Doch das nur als Randnotiz.

Zurück zu Android. Ja, auch ich habe ein Android-Handy, vorrangig deshalb, weil es zumindest irgendwie tief drinnen noch Linux ist und ich weder Apple noch Microsoft unterstützen mag. Schade, dass Nokia seit Jahren so unglücklich operiert und Maemo eingestampft hat. Das fand nicht nur ich gut, damit kam auch meine Frau zurecht, die mit dem Mobiltelefon tatsächlich telefonieren will und zwar nur. Immerhin funktioniert das noch ohne App und ohne Plugin. Viel mehr mache ich mit dem Handy auch nicht, allenfalls ein wenig ActiveSync zum Verwalten meiner Termine, E-Mails und Kontakte, wie Du meinem Beitrag zu Zarafa entnehmen kannst. Ein Lichtblick für Vielfalt im Markt für Smartphone-Betriebssysteme ist evtl. HPs „webOS“, das in Kürze in der seit Januar angekündigten Community-Edition Open webOS verfügbar sein wird. Auch darüber werde ich hier noch berichten. Doch ich schweife ab und möchte Dich so objektiv wie möglich über das neue Android-Betriebssystem informieren.

Neuerungen

Eine Zusammenfassung der Neuerungen von Android 4.1 aus erster Hand findest Du wie üblich bei Google. Bei Jelly Bean hat sich gegenüber Icecream Sandwich optisch nicht gar so viel geändert; unter der Haube hat sich aber doch einiges getan. Die beiden erwähnenswertesten Neuerungen sind, dass Android 4.1 dank „Project Butter“ deutlich schneller als seine Vorgänger ist oder zumindest so tut, weil das Display flüssiger und schneller reagiert und die neue App „Google now“, mit der Dein Handy endgültig Alles über Dich lernt und nichts mehr vergisst. Doch ich verspüre Lust, mich subjektiv über Google now zu äußern. Bleiben wir  bei den Fakten:

Google now

Google now ist als eine Art persönlicher Assistent gedacht und kann auf Basis personalisierter Informationen etwa die Anfahrten zu Deinen Terminen planen oder Dich beim Orientieren an fremden Orten unterstützen. Google now bestellt Dir sogar Eintrittskarten zu den Veranstaltungen, die es Dir aufgrund Deiner Vorlieben vorschlägt. Woher ich das weiß? Selbstverständlich war ich auch nicht in San Francisco dabei, schon wegen der 900 US-Dollar, aber in Youtube findest Du eine Reihe von Videos, sowohl von Google selbst, als auch Mitschnitte von Besuchern der Veranstaltung.  Google now organisiert dazu personalisierte Informationen auf „Karten“. So zeigt Dir  beispielsweise die Karte „Sport“ die Spielergebnisse Deine Lieblings-Fussballmannschaft. Die kennt Google now aus Deinen gespeicherten Suchanfragen. Auf der Karte „Flight“ zeigt Dir Google now in Echtzeit alle Daten zum gebuchten Flug. Noch weiter treibt es die Karte „Public Transport“, die Dich nicht nur an einen vereinbarten Termin erinnert, sondern auch gleich Deinen Anfahrtsweg kalkuliert – inklusive Fußweg zur Bushaltestelle  –  und Dir Bescheid sagt, wenn Du Dich auf den Weg machen musst. Google now weiß übrigens auch Bescheid, wenn Dein Flug verschoben wurde und macht Dir auf dem Weg mehr oder weniger sinnvolle Vorschläge für Alternativen. Wie wäre es denn mit Essen gehen?  Die Karte „Places“ zeigt Dir nicht nur Restaurants in der Nähe, sondern weiß auch, was beim vorgeschlagenen Restaurant besonders gut ist. Um das Alles zu können, analysiert Google now akribisch Deine Suchanfragen, Deine häufigen Aufenthaltsorte und Deine Fahrtrouten. Du musst also nicht mehr über irgendetwas nachdenken und Kreativität ist eine Tugend, Die Du Dir künftig sparen kannst.

Wo führt das hin?

Übrigens kannst Du Google now komplett per Sprache steuern und direkte Fragen stellen, wozu der Dienst auf Googles „Knowledge Graph“ zurück greift. Das ist Googles semantische Suchfunktion. Die kann Inhalte in einer Sidebar inhaltlich gruppieren, was bei Personen, Gegenständen, Filmen und Musik besonders gut funktioniert.  Die Sprachsteuerung von Jelly Bean funktioniert ähnlich wie bei Siri, wobei die eigentliche Spracherkennung wahlweise auch offline auf dem Gerät nutzbar ist.

Ne im Ernst, mag ja sein, dass die Google-Entwickler tatsächlich Weltverbesserer sind und der Konzern sich nach Kräften um Datenschutz bemüht, adressiert aber mit solchem Funktionen neben Geschäftsleuten vor Allem Jugendliche und kalkuliert sicher deren Bereitschaft zu einem bedenkenlosen Umfang mit solchen Funktionen mit ein. Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber verlieren solltest Du Dein Android 4.1-Handy tunlichst nicht, sofern Du den Zugang zum Handy nicht mindestens mit Bordmitteln, besser mit einer leistungsfähigen App für ein elektronischen Nummernschlosses oder einem Fingerabdruck-Scanner gesichert hast. Da ich nur selten mit dem Smartphone telefoniere, sind bei mir Flugmodus und abgeschaltete Netzwerkfunktionen eher die Regel als die Norm und ich kann mich an einem leistungsfähigen kleinen Medienspieler oder E-Book-Reader erfreuen.

Project Butter

Dem kommt bei Android 4.1 entgegen, dass Multimediafunktionen und Anzeige Dank Projekt Butter noch flüssiger geworden sind. Unter der Bezeichnung „Project Butter“ fasst Google eine Reihe von Funktionen und Optimierungen  zusammen, die dafür sorgen, dass sich die Bedieneroberfläche „schnell, flüssig und glatt“ anfühlt, mit gegenüber Icecream Sandwich sichtbar weniger Verzögerungen. Davon kannst Du dich ebenfalls in einem Video überzeugen. Project Butter setzt dazu auf vertikale Synchronisation (VSync) und Tripple Buffering. VSync sorgt in Prinzip dafür, dass CPU, GPU und Display voneinander unabhängig arbeiten können und Tripple Buffering kann Bilder vorausberechnen und  im Speicher zwischen lagern.

Bedienung

Fotos lassen sich in Jelly Bean direkt im Sucher per Wischgeste anzeigen oder löschen. (Quelle: Google)

An der Bedienung hat sich ebenfalls ein bisschen was geändert. So kannst Du etwa aufgenommen Bilder per Wischgeste über das Sucherbild der Kamera anzeigen oder löschen.

Widget auf dem Homescreen passen in JP automatisch ihre Größe an, wenn zu wenig Platz ist. (Quelle: Google)

Wenn Du beispielsweise die Größe eines Widgets auf dem Homescreen änderst, machen im Weg stehende Verknüpfungen oder Widgets  automatisch Platz. Das funktioniert auch andersherum. Möchtest Du ein Widget auf dem Homescreen platzieren, der nicht mehr genug Platz hat, passt sich die Größe des Widgets automatisch an.  Auch die Benachrichtigungsleiste hat in Kombination mit ausgewählten Apps  dazu gelernt und zeigt im Einzelfall mehr Informationen. So zeigen einige News-Apps in der Benachrichtigungsleiste Nachrichten mit Bildern und Links. An der Texteingabe haben die Google-Macher ebenfalls geschraubt und außerdem neue Wörterbücher hinzugefügt. Das System ist sogar lernfähig und errät das nächste Wort oft schon, bevor Du mit dem Eintippen anfängst.

Android Beam

Der NFC-Dienst Android Beam ermöglicht in Jelly Bean auch den Austausch größere Dateien wie Videos und Du kannst Dich mit NFC-fähigen Bluetooth-Geräten verbinden. (Quelle: Google)

Auf Technik-Seite gibt es abgesehen von Project Butter zu vermelden, dass Du Dich  Dank Unterstützung für „Multicast DNS-basiertes Service Discovery“ Apps in Jelly Bean mit Diensten verbinden kannst, die andere Geräte im Netz zur Verfügung stellen. Auch die für den Datentausch mit NFC verantwortliche App „Android Beam“ wurde erweitert und erlaubt es Dir jetzt,  auch große Dateien wie Fotos und Videos zu übertragen; in Verbindung mit „Bluetooth über NFC“ sogar per „Instant-Pairing“. Dazu musst Du Dein Smartphone nur nahe genug an ein anderes Android-Handy mit Jelly Bean halten. Beim Datenaustausch via „Wifi Direct“ zeigt Dir Dein Handy bereits an, welche Dienste ein anderes Gerät anbietet, noch bevor Du Dich mit dem verbindest.

Android Browser

Abschließend möchte ich Dich noch auf den neuen Android-Browser in Jelly Bean hinweisen,  bei dem beispielsweise HTML5-Videos besser funktionieren sollen, mit sanften Übergängen von der Inline- zur Vollbilddarstellung. Laut Google konnten die Entwickler die Darstellungsgeschwindigkeit bei gleichzeitiger Verringerung des Speicherverbrauchs verbessern, was zum Beispiel das Scrollen und Zoomen beschleunigt. Auch CSS3-Animationen und Darstellungen im Canvas-Element sollen schneller geworden sein.

Smart App Update

Bandbreitentechnisch erwähnenswert wäre noch, dass Google Play mit der Funktion „Smart App Updates“ beim Updaten einer App nur noch die Daten überträgt, die sich im Vergleich zur installierten Version geändert haben, laut Google im Mittel ein Drittel der eigentlichen App-Größe, sodass Updates deutlich schneller bei Dir ankommen. Android 4.1soll ab Mitte Juli für die ersten Geräte ausgeliefert werden, darunter auf dem Galaxy Nexus und Nexus S. Das Android-4.1-SDK selbst steht selbstverständlich schon jetzt zur Verfügung.

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