Heal Selection (Resynthesizer) in GIMP: Installation und Tutorial für GIMP 3 und 2.10

8 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)
GIMP-Logo

GIMP entpuppt sich immer wieder als wahre Schatzkiste. Manchmal kommt man sich ein bisschen wie in einem Dungeon Crawler vor. Erst wenn man die verborgenen Schätze der Software entdeckt hat, versteht man auch, warum GIMP nicht ganz zu unrecht “Photoshop für Linux” genannt wird. Heal selection ist ein Tool, auf das ich nicht mehr verzichten möchte.

Oftmals ist es so, dass GIMP bestimmte Funktionen nicht einmal vermissen lässt. Das Problem ist eher, dass der Anwender wissen muss, welches Plugin er zu verwenden hat, oder wo sich die entsprechende Funktion versteckt.

Kurz gesagt: Heal Selection gehört zum Plug-in-Paket Resynthesizer. Version 3 läuft mit GIMP 3, unter Linux installierst Du sie am einfachsten als Flatpak-Erweiterung. Danach findest Du das Werkzeug unter Filter → Verbessern → Heal Selection.

Tipp: Findest Du Heal Selection nach einem Update von GIMP nicht mehr, passt meist die Version des Plug-ins nicht. Die Lösung steht im Abschnitt Heal Selection fehlt nach dem Update.

Mit zu den besten Tools bei Adobe Photoshop CS5 gehören, zumindest wenn man Fotos unter Wasser macht, die Ausbesserungs-Werkzeuge. Ich kenne leider nur den englischen Ausdruck: Content Aware Healing. Im Prinzip kann man Bildfehler damit ausbessern und die Software sieht sich die Umgebung des Fehlers an und befüllt die Auswahl entsprechend. Somit wird der Fehler der Umgebung angepasst und ist wie durch Magie verschwunden. GIMP hat auch ein Healing-Tool (Heilen, Taste H), welches ganz gut funktioniert. Mit dem richtigen Plugin kann GIMP aber richtig zaubern: Resynthesizer. Genug gelabert, zur Tat … 🙂 … vorher aber noch ein Beispiel, was man mit dem Tool in weniger als 10 Sekunden (kommt natürlich auf die Bildgröße und die Geschwindigkeit des Rechners an) vollbringen kann.

Im ersten Bild ist ein Clownfish, den ich gerne aus dem Bild hätte. Einfach auswählen und dann mit den Standard-Einstellungen das Tool darüber laufen lassen.

Clownfisch vor Heal Selection
Clownfisch vor Heal Selection
Clownfisch vor Heal Selection ausgewählt
Clownfisch vor Heal Selection ausgewählt
Clownfisch nach Heal Selection
Nach Heal Selection ist der Clownfisch verschwunden … Hexenwerk!!!

Magisch, oder? Du glaubst mir nicht? Auch kein Problem, dann das Ganze eben noch mal als Video auf YouTube, damals noch mit GIMP 2.8 aufgenommen.

Installation: Resynthesizer für GIMP 3 und GIMP 2.10

Das Tool war früher direkt in Resynthesizer und heißt aber nun Heal Selection. Unter Linux Mint oder Ubuntu hieß das zu installierende Paket früher gimp-plugin-registry. Dieser Weg funktioniert nicht mehr: Debian hat die Python-Plug-ins 2020 aus dem Paket genommen, und in Ubuntu 24.04, der Basis von Linux Mint 22, enthält gimp-plugin-registry kein Resynthesizer mehr.

Für GIMP 3 gibt es seit Mai 2025 Resynthesizer 3.0, Version 3.0.1 folgte im März 2026. Die Plug-ins sind seitdem in Scheme statt in Python geschrieben, Python-Fu brauchst Du also nicht mehr. Die alte Version 2.0.3 gehört zu GIMP 2.10 und älter, ihr Entwicklungszweig ist eingefroren.

Version 3.0.1 bringt Übersetzungen mit, Deutsch ist allerdings nicht dabei. Menüeintrag und Optionen heißen deshalb auch im deutschen GIMP englisch.

Linux: Resynthesizer als Flatpak installieren

Unter Linux empfiehlt das Projekt die Flatpak-Variante. Sie ist eine Erweiterung für GIMP von Flathub und funktioniert nicht mit GIMP aus der Paketverwaltung. So installierst Du beides:

flatpak install flathub org.gimp.GIMP
flatpak install flathub org.gimp.GIMP.Plugin.Resynthesizer//3

Das //3 wählt den Zweig für GIMP 3. Lässt Du es weg, fragt Flatpak nach der Variante. Der Zweig 2-40 gehört zu GIMP 2.10 und funktioniert unter GIMP 3 nicht.

Flatpak wird von vielen Linux-Distributionen unterstützt. Unter Ubuntu musst Du die Flatpak-Unterstützung zunächst nachinstallieren.

Die Option via Flatpak benötigt wegen der entsprechenden Runtime-Bibliothek etwas mehr Platz, aber Speicher sollte heutzutage kein so großes Problem mehr sein.

Welche GIMP-Erweiterungen es auf Flathub gibt und für welchen Zweig, zeigt Dir die Suche auf der Kommandozeile:

flatpak search org.gimp.GIMP.Plugin

Pakete in Fedora, openSUSE und Arch Linux

Einige Distributionen packen Resynthesizer 3 selbst. Fedora ab Version 43 liefert gimp-resynthesizer, openSUSE Tumbleweed gimp-plugin-resynthesizer. Für Arch Linux gibt es gimp-plugin-resynthesizer im AUR.

sudo dnf install gimp-resynthesizer
sudo zypper install gimp-plugin-resynthesizer

Ubuntu und Linux Mint haben kein eigenes Paket, auch Ubuntu 26.04 mit GIMP 3.2 nicht. Dort ist Flatpak der einfachste Weg.

Wo Du Heal Selection findest

Nach der Installation liegt das gewünschte Tool unter Filters → Enhance → Heal Selection, in der deutschen Oberfläche unter Filter → Verbessern → Heal Selection.

GIMP Heal Selection: Bei den Filtern zu finden
GIMP Heal Selection: Bei den Filtern zu finden (GIMP 2.8, Screenshot von 2013)
Heal Selection im Menü Filter → Verbessern von GIMP 2.10
In der deutschen Oberfläche: Filter → Verbessern → Heal selection (GIMP 2.10, Screenshot von 2020)

Heal Selection fehlt nach dem Update

Das Problem traf 2020 viele Nutzer beim Umstieg auf Ubuntu 20.04. Das Plug-in lief zwar auch unter GIMP 2.10, brauchte aber Python-Fu. In Ubuntu 18.04 und Linux Mint 19 war dafür das Paket gimp-python zuständig, in Ubuntu 20.04 gab es das nicht mehr. Die Lösung war damals GIMP als Flatpak samt Resynthesizer-Erweiterung oder ein AppImage mit eingebauten Plug-ins. Das AppImage „GIMP 2.10.18 withplugins“ wird seit Ende 2020 nicht mehr weiterentwickelt.

Heute steckt fast immer eine dieser Ursachen dahinter:

  • GIMP 3 mit altem Plug-in: Resynthesizer 2 läuft unter GIMP 3 nicht. Du brauchst Version 3, als Flatpak also den Zweig 3.
  • GIMP aus der Paketverwaltung, Plug-in als Flatpak: Die Flatpak-Erweiterung lädt nur im Flatpak-GIMP. Hast Du GIMP zusätzlich aus der Paketverwaltung installiert, startest Du womöglich die falsche Version. Im Zweifel startest Du GIMP mit flatpak run org.gimp.GIMP//stable.
  • Falscher Zweig: Welcher Zweig installiert ist, zeigt flatpak list --runtime --columns=application,branch.
  • Engine fehlt: Heal Selection ruft das Engine-Plug-in resynthesizer auf. Installierst Du von Hand, gehören beide Plug-ins in je einen eigenen Unterordner des Plug-in-Ordners.
  • Keine Auswahl: Ohne Auswahl bricht Heal Selection ab und meldet, dass Du zuerst einen Bereich auswählen musst.

Klappt es trotzdem nicht, ist G’MIC-Qt eine Alternative. Dessen patch-basierter Inpaint-Filter in der Kategorie Repair füllt Bereiche ebenfalls aus der Umgebung auf. G’MIC gibt es als Flatpak-Erweiterung org.gimp.GIMP.Plugin.GMic auch für GIMP 3.

Die drei Einstellungen von Heal Selection

Rufst Du das Tool auf, scheint es alles andere als mächtig zu sein. Es gibt lediglich 3 Konfigurations-Felder. Die haben es allerdings in sich. Daran hat sich auch mit Resynthesizer 3 für GIMP 3 nichts geändert. Sehen wir uns die Optionen mal im Detail an.

GIMP: Heal Selection
GIMP: Heal Selection (Dialog in GIMP 2.8, Screenshot von 2013)

Context sampling width (pixels):

Hier definierst Du in Pixel, welches Umfeld das Tool zu Rate ziehen soll. Je größer die Auswahl-Fläche ist, desto zufälliger kann Heal Selection den markierten Bereich überschreiben und es lassen sich keine Muster erkennen. Hier muss man von Fall zu Fall spielen und auch ein bisschen aufpassen. Mehr dazu weiter unten. Wenn Du Dir ein besseres Bild der Umgebungs-Auswahl machen willst, dann gehe auf Select → Grow (deutsch: Auswahl → Vergrößern) und gib einfach die Größe der Zahl ein. Damit wächst die Auswahl um die angegebenen Pixel und Du siehst den vom Tool verwendeten Bereich. Voreingestellt sind 50 Pixel.

Auswahl vergrößern
Auswahl vergrößern (GIMP 2.8, Screenshot von 2013)

Tipp: Mit Strg+z und Strg+y kannst Du einen Schritt zurück oder vorwärts gehen. Damit lassen sich die ursprüngliche und die neue Auswahl schnell vergleichen.

Sample from:

Hier kannst Du zwischen All around, Sides und Above and below wählen. Du kannst dem Tool also mitteilen, ob es die gesamte Umgebung für den Prozess benutzen soll, nur die Seiten oder nur oben und unten. Das wird dann wichtig, wenn es harte Abschnitte gibt, wie zum Beispiel Wiese und Himmel. Sonst kommt es zu komischen Ergebnissen. In diesem Fall hat das Tool leichtes Spiel, da das Riff chaotisch genug ist. Dazu später ein Beispiel.

GIMP Heal Selection: Sample from
GIMP Heal Selection: Sample from (Screenshot von 2013)

Filling order:

Hier kannst Du mit der Füllrichtung spielen. Eine Option ist alles auf zufällig zu lassen (Random). Dann gibt es noch “nach innen zum Zentrum hin” (Inwards towards center) und “nach außen vom Zentrum weg” (Outwards from center). Ich lasse es meist auf zufällig. Sollte das Ergebnis nicht zufriedenstellend sein, kann man mit diesen beiden Optionen spielen.

GIMP Heal Selection: Filling order
GIMP Heal Selection: Filling order (Screenshot von 2013)

Anwendungsbeispiele und Grenzen

Mit Heal Selection kannst Du also Dinge in Bildern einfach verschwinden lassen. Denkbar wäre zum Beispiel eine Person, die nicht ins Bild gehört oder andere störende Objekte. Das Beispiel unten wurde in weniger als 5 Minuten erstellt und ich bin dabei recht grob vorgegangen, aber das Ergebnis ist dafür gar nicht so schlecht.

Bild im Original
Bild im Original
Bild gereinigt
Bild bearbeitet

Das größte Problem in diesem Bild war, das große Schiff aus dem Bild zu bekommen. Wie bereits erwähnt, ist eine scharfe Kante im Bild Gift für die Heal Selection. Deswegen musst Du für das Schiff einmal bis zur Wasserkante auswählen und dann eben nur von Rechts und Links die Pixel zu Rate ziehen. Selbiges mit dem oberen Teil.

Boot halbieren und dann von den Seiten angehen
Boot halbieren und dann von den Seiten angehen

Wenn Du das nicht machst, das komplette Boot markierst und dann All around auswählst, hat das einen unerwünschten Effekt.

Komischer Effekt: scharfe Kante
Komischer Effekt: scharfe Kante

Je chaotischer / unruhiger oder sauberer die Umgebung des störenden Elementes ist, desto besser kann Heal Selection verschwinden lassen. Gehst Du in kleineren Schritten vor oder lässt Dir mehr Zeit, wirkt sich das natürlich positiv auf das Ergebnis aus.

Tipp: Bei GIMP kannst Du die letzte Filter-Aktion per Standard mit der Tastatur-Kombination Strg+f wiederholen. Manchmal bringt erst ein zweiter, dritter … Lauf von Heal Selection das gewünschte Ergebnis. Beziehungsweise kannst Du neue Störenfriede auswählen und dann einfach mit Strg+f den Filter über diese Auswahl laufen lassen. Mit einer Klick-Orgie geht das natürlich auch, aber so kann man etwas Zeit sparen. Mit Strg+Umschalt+f öffnest Du den Dialog des letzten Filters erneut und kannst die Werte ändern.

Der von Resynthesizer verwendete Algorithmus ist bestimmt nicht schlechter als der von Adobe. Allerdings hat Adobe in Sachen Benutzerfreundlichkeit die Nase schon vorne. Mitunter zeigt sich hier eines der (meiner Meinung nach) großen Probleme von freier Software und Open-Source-Projekten: Die Funktionen sind da, aber man muss sie auch so präsentieren, dass Lieschen Müller sie findet, versteht und damit umgehen kann. Die Akzeptanz würde damit ungeheuer steigen.

Viel Spaß beim Zaubern mit GIMP! Gib Störenfrieden keine Chance! 🙂

P.S.: Hier noch mal ein Beispiel, das mit recht wenig Zeit erstellt wurde. Eigentlich wollte ich dieses Bild im Tutorial verwenden. Dann dachte ich mir aber, das Bild sieht eigentlich mit den Tauchern besser aus, da man so die Größe des Manta-Rochen sieht. Ich habe es aber schon erstellt und tut ja nicht weh, auch das noch zu präsentieren. In dieses Bild müsste man allerdings mehr Zeit investieren, da Blubberblasen und keine Taucher irgendwie eigenartig sind (Tarnanzüge gibt es ja noch nicht, zumindest beim Sporttauchen). Außerdem ist es ein ganz schönes Bild, wie ich finde … 🙂

Manta mit Taucher
Manta mit Taucher
Manta ohne Taucher
Manta ohne Taucher

Heal Selection (Resynthesizer) in Aktion

Objekte aus einem Bild zaubern, ist echt praktisch. Es funktioniert in manchen Situationen besser als in anderen. Du musst einfach ein bisschen probieren. Es gibt noch viele weitere Tricks, seine Fotos zu verbessern.

Möchtest Du Deine Bilder einfach und effizient nachschärfen? Der Hochpass-Filter hilft …

Wie Du GIMP selbst installierst, zeigt unsere Anleitung GIMP unter Ubuntu und Linux Mint installieren. Außerdem gibt es Tipps, wie Du einen Rahmen um einen Bereich in einem Bild ziehst und WebP-Bilder in GIMP öffnest und exportierst.

Aktualisiert am 18.10.2026 von Henry. Fakten geprüft.




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8 Kommentare zu “Heal Selection (Resynthesizer) in GIMP: Installation und Tutorial für GIMP 3 und 2.10”

  1. Michael says:

    Danke für den Hinweis!
    Sehr nützlich 🙂

  2. [...] Je nach Bild kann es einmal bessere oder schlechtere Ergebnisse liefern. Aufpassen muss man beispielsweise bei scharfen Kanten, oder bei sehr klaren Bildern ohne wenige Details. Für einfache und schnelle Entfernung ist das Plugin aber meines Erachtens für den Hobby-Bildbearbeiter vollkommen ausreichend. Als Beispiel nochmal das Bild von oben nach der Anwendung von Heal selection, welches man sicher noch weiter verbessern könnte. [via] [...]

  3. killx_den says:

    Sehr schick, tolles Plugin.

    Habe gerade unter Fuduntu geschaut, da heisst das Paket "gimp-resynthesizer.x86_64"

  4. ShalokShalom says:

    Dieses Plugin ist übrigens das Original: Photoshop hats nachher implementiert, zumindest soweit ich den Text hier verstehe:
    http://lifehacker.com/how-to-make-the-gimp-work-more-like-photoshop-1551318983

    • jdo says:

      Das wusste ich sogar. Aber wie so oft bei Open Source haben es die anderen so modifiziert, dass es sich angenehmer benutzen lässt.

  5. Joe says:

    Danke! Ich quäle mit mit erfolglos mit Resynthesize ab ... es geht einfach nicht mehr: Tolle Idee, das Tool in Heal selction umzubenennen und in Filter/Verbessern zu stecken.

    Das Resynthesize unter Filter/Abbilden gibt es immer noch ... aber es macht wohl nun etwas anderes 🙁

  6. HansiPansi says:

    Danke für den Beitrag! Beiträge zu GIMP und Inkscape immer gerne ;).

  7. Konrad says:

    Ist das Original wirklich von GIMP?
    Adobe hat das Verfahren unter dem Namen "PatchMatch" das erste mal auf der SIGGRAPH 2010 vorgestellt. Ist diese GIMP-Plugin hier etwa älter???

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