ownCloud und Western Digital Labs arbeiten an güstiger Cloud für zuhause

12 Dezember 2015 2 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ein Hersteller eine komplett vorkonfigurierte ownCloud für den Heimbereich ausliefert. Im Prinzip gibt es das schon, allerdings mit Seafile als Private Cloud. Das Gerät wird in Deutschland produziert und nennt sich ionas-Server. Da die ownCloud allerdings wesentlich populärer ist, wenn auch nicht zwingend schneller, konnte man darauf warten, dass es so ein ähnliches Heimgerät von einem andren Anbieter geben wird. AUf einem Synology ließe sich die ownCloud über die SynoCommunity ebenfalls recht komfortabel installieren (dort ist die aktuelle Version allerdings 8.1).

Western Digital und ownCloud arbeiten zusammen

Bereits Anfang 2016 will man laut eigenen Angaben erste Geräte ausliefern. Dabei war es wohl so, dass Wetern Digital auf die ownCloud-Entwickler zugegangen sind. Im Moment hat man wohl zehn Prototypen, die man an willige Tester ausgeben möchte.

Die Lösung muss allerdings sein, dass auch weniger technisch versierte Anwender das Western-Digital-ownCloud-Gerät in Betrieb nehmen können – genau wie beim ionas-Server und deswegen bietet man dort mit dem Kauf telefonischen Einrichtungs-Support an.

Nach einem erfolgreichen Test und entsprechendem Feedback will man dann mehrere Hundert Geräte produzieren, die dann in den ersten Monaten im Jahr 2016 werden.

Die Hardware beinhaltet ein Raspberry Pi 2

Die Prototypen sind Einzelteile eines kompletteren Servers. Dazu gehören ein Raspberry Pi 2, eine Festplatte mit 1 TByte, entsprechende Verbindungskabel und natürlich auf eine microSD-Karte, auf der sich unter anderem die ownCloud befindet. Ein kurzes Handbuch gibt es ebenfalls.

Raspberry Pi und Western Digital = ownCloud Server (Quelle: owncloud.org)

Raspberry Pi und Western Digital = ownCloud Server (Quelle: owncloud.org)

Es ist eine Beta-Version und man hat Flexibilität im Auge. Zum Beispiel sieht man sich auch an, mehr als nur eine Festplatte zu verbinden oder ein Banane Pi zu verwenden und so weiter. Das PINE64 oder PINE A64 wäre doch auch eine schöne Möglichkeit, oder?

Stöpselt man die gelieferte Hardware zusammen, sollte der Prototyp-Server binnen zehn Minuten stehen. Weiterhin benötigt man einen Monitor und eine Tastatur, dass man die ownCloud konfigurieren kann. Derzeit sucht man noch eine Möglichkeit, die anfängliche Konfiguration ohne Monitor und Tastatur durchzuführen.

Man warnt, dass die Performance des Prototypen noch etwas zu wünschen übrig lässt. Allerdings bastelt man an einem Abbild mit vernünftigem PHP Setup, ein vorkonfiguriertes Caching und einer schnellen Datenbank. Außerdem soll es ein eingebautes Backup Tool geben und so weiter.

Derzeit sucht man qualifizierte Tester, die sich mit dem Prototypen beschäftigen. Außerdem bittet man die Community um Hilfe. Hier geht es darum, das Maximum aus einem Raspberry Pi 2 zu holen und so weiter. Wer mitmachen möchte, muss sich bei der ownCloud Developer Mailing Liste anmelden und einen Antrag einsenden. Einsendeschluss ist der 17. Dezember. Bereits am 19. Dezember werden die Pakete an die Gewinner verschickt.

Vier bis sechs Wochen nach Erhalt des Geräts sollen die Gewinner dann einen Blog-Eintrag verfassen, inwiefern sie Performance verbessert haben oder was sie sonst so geschafft haben.

Im Februar oder März wollen Western Digital Labs und ownCloud das Produkt dann veröffentlichen.

Kann man selbst bauen

Die Komponenten sind natürlich nichts besonderes. Unabhängig davon kann man sich ein Raspberry Pi 2 und eine Festplatte kaufen, Betriebssystem, Webserver und Datenbank  installieren, die ownCloud konfigurieren und ein Backup mit rsync über das Netz fahren. Die meisten, die eine ownCloud zu Hause betreiben, sind dazu in der Lage. Man muss eigentlich nur aufpassen, dass die Daten der ownCloud in einem Verzeichnis liegen, das auf die große Festplatte gemountet ist.

Der Punkt ist wohl eher, dass man damit seinen Marktanteil steigern kann und will, was wiederum mehr Entwickler anzieht und so weiter. Außerdem ist der Ansatz gut, weil man somit weiter auf die Gefahren der Public Cloud aufmerksam machen kann – richtig konfiguriert, kann man eine intern betriebene Cloud schlechter ausspionieren. Das liegt auch daran, dass der Traffic die eigenen vier Wände nicht verlässt. Außerdem spart es Bandbreite und ist oftmals schneller als wenn man alles über das Internet jagt. Es gibt auch genug Mittel und Wege, so eine Private Cloud von außen über das Internet zu erreichen, wenn es sein muss.

Was man in Sachen Performance mit einem Raspberry Pi 2 machen will, da bin ich gespannt. Bei größeren Dateien oder wenn sich die ownCloud langsam füllt, fällt es nicht so auf. Lasse ich aber Hunderte oder Tausende an Dateien auf die ownCloud los, dann gibt es große Zicken. Als ich die erzeugten Daten meine 360er-Panoramas in die ownCloud legte (157 MByte auf zirka 2200 Dateien verteilt), dann ist das System nicht mitgekommen. Vor allen Dingen erzeugt man die Dateien binnen kurzer Zeit häufig mehrmals. Die Dateien mussten wieder raus, das ging gar nicht.

Ich will das Projekt um Himmels Willen nicht schlecht reden, denn für viele Anwender wird so etwas genau das Richtige sein. Ich denke aber schon, dass man besonderen Blick auf den Anfang legen muss. Ich prophezeie, dass etliche Nutzer nach Konfiguration des Systems alle möglichen Dateien in die entsprechenden Synchroniations-Ordner werden und dann sicher keine Lust haben, eine Ewigkeit auf die Fertigstellung der Synchronisation zu warten. Hier geht es natürlich auch um den Ruf. Ich kann nämlich schon die ersten Bewertungen sehen „Ich warte schon einen Tag und meine Musiksammlung bestehend aus 50.000 Songs ist immer noch nicht synchronisiert„. Zumindest sollte man Anwender im Handbuch deutlich darauf hinweisen, dass die erste Synchronisation lange dauern kann – meine Meinung.

Nette Pi-Konstellation

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2 Kommentare zu “ownCloud und Western Digital Labs arbeiten an güstiger Cloud für zuhause”

  1. nym sagt:

    Openmediavault gefällt mir um Längen besser als Owncloud. Debian schlicht und einfach mit der Weboberfläche zur konfortalben Konfiguration, thats it, und das ist das Schöne daran.

    • jdo sagt:

      Das ist aber schon Äpfel mit Birnen verglichen. Openmediavault ist ein klassisches NAS und lässt sich eher mit FreeNAS vergleichen.

      Es gibt keine Synchronisations-Software, mit der man Daten über mehrere Geräte abgleichen kann. Unterstützung für CalDAV und CardDAV ist meines Wissens auch nicht gegeben.

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