Ubuntu auf dem Intel Compute Stick mit 2 GByte RAM installieren – nicht ganz trivial

7 Juli 2015 Kein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Die meisten Linux-Enthusiasten dürften in der Zwischenzeit vom Intel Compute Stick gehört haben. In dieser Woche soll der Mini-Computer mit Ubuntu auf allen großen Vertriebskanälen verfügbar sein. Während man die Windows-Version mit 32 GByte Storage und zwei GByte Arbeitsspeicher bekommt, muss man sich bei der Ubuntu-Version mit acht GByte Storage und einem GByte RAM begnügen. Das Storage kann man via microSD-Steckplatz aufrüsten, den Arbeitsspeicher aber nicht.

Warum die Ubuntu-Version mit weniger Hardware ausgestattet ist, weiß man irgendwie nicht so genau. Fakt ist, dass ich persönlich auch bei Linux lieber zur Version mit zwei GByte RAM greifen würde. Ich kann mir persönlich kein vernünftiges Argument zurechtlegen, den Intel Compute Stick mit Ubuntu nicht auch mit zwei GByte Arbeitsspeicher anzubieten. Kann mir da jemand auf die Sprünge helfen? Politische Entscheidung?

Man kann Ubuntu 14.04 selbst auf dem Intel Compute Stick installieren - ABER ... (Quelle: intel.com)

Man kann Ubuntu 14.04 selbst auf dem Intel Compute Stick installieren – ABER … (Quelle: intel.com)

Ubuntu auf Intel Compute Stick selbst installieren

Nun stellen sich sicher einige die Frage, ob man Ubuntu nicht einfach auf einem Intel Compute Stick mit 32 GByte Storage und zwei GByte Arbeitsspeicher installieren kann. Kurz gesagt: Ja, ABER!

Mein ABER ist, dass ich eigentlich die Windows-Steuer nicht bezahlen möchte, wenn ich sowieso Linux darauf installieren möchte. Das andere Aber ist, dass man selbst etwas Hand anlegen muss.

Bei liliputing.com gibt es diverse Anweisungen, wie man Ubuntu auch auf dem Intel Compute Stick selbst installieren kann. Intel hat die Ubuntu-Version etwas modifiziert und diverse Patches implementiert, damit sie auf dem Mini-Rechner läuft. Genau genommen handelt es sich um zwei Treiber. Das ist zum einen ein Grafiktreiber von Intel und zum andere ein Treiber von Realtek für WLAN / Wi-Fi und Bluetooth.

Man kann Ubuntu auf eine microSD-Karte bannen und auf dem Intel Compute Stick mit zwei GByte RAM starten. Verwendet man einen USB-Hub, ist vielleicht auch ein Start von einem USB-Stick aus möglich. Während des Startvorgangs kommt man mittels drücken der F2-Taste in die Firmware (BIOS / UEFI) und kann das Betriebssystem auswählen. Ebenso ist das Aktivieren oder Deaktivieren von Secure Boot möglich. Das Problem ist nur, dass die WLAN-Karte nicht per Standard funktioniert und das Gerät somit relativ nutzlos ist.

Man hat bei Intel nachgefragt, ob es denn ein Abbild der Ubunt-Version gibt, sobald die Linux-Version auf dem Markt ist, die man auf das Windows-Modell installieren könnte. Das hat Intel verneint. Der Grund ist, dass Intel nur das Recht hat, Ubuntu vorinstalliert auf seinen Mini-Rechnern zu vertreiben.

Nachdem Du Ubuntu am Laufen hast, musst Du den aktuellen Grafikkarten-Stack von Intel via https://01.org/linuxgraphics herunterladen. Ich sehe da einen Installer oder auch fertige Pakete für die Distributionen Ubuntu 14.10 und Fedora 21. Ob die auch bei anderen Distributionen funktionieren, muss man wohl ausprobieren. Ich habe mich da nicht sehr tief eingelesen, aber bei Ubuntu 14.04.2 gibt es wohl Probleme, beziehungsweise wird die LTS-Version in Intels Grafiktreiber-Installer 1.1.0 nicht unterstützt. Der Weg des geringsten Widerstandes ist wohl im Moment, Ubuntu 14.10 zu verwenden, was alles andere als ideal ist, da die Unterstützung dafür am 23. Juli 2015 ausläuft.

Sollte man diese Hürde genommen haben, fehlt immer noch der Treiber von Realtek. Anscheinend gibt es den Treiber nicht öffentlich und die Firma hat auch derzeit auch nicht vor, diesen öffentlich verfügbar zu machen. Wenn man Realtek allerdings direkt anschreibt, bekommt man den Treiber angeblich. Wenn genug Leute nerven, stellt man diesen vielleicht auch per Download zur Verfügung – wer weiß.

Mit diesem Wissen hat der Intel Compute Stick gleich doppelt an Attraktivität verloren. Wie erwähnt, will ich die Microsoft-Steuer nicht blechen, um an bessere Hardware zu kommen. Zweitens müsste ich manuell eingreifen, was nicht so ein großes Problem wäre, könnte ich mir dann die Linux-Version frei aussuchen. Aber das mit den Treibern und deren Unterstützung ist mir das ein bisschen zu unsicher. Schade eigentlich, das Gerät hätte mir schon gefallen. Nun überlege ich mir aber sehr genau, ob ich mir einen Intel Compute Stick kaufe.

Du kannst gerne Deinen Senf zu diesem Beitrag geben: Hier geht es zu den Kommentaren




Schreiben macht durstig! Eine kleine Erfrischung kann daher nie schaden. Wem dieser freie Artikel gefallen hat, der darf mir gerne einen frisch gezapften Hopfen-Tee ausgeben (Paypal - der Spenden-Knopf
oder bitcoin - Adresse: 1NacVNwcLLePUVv8uSafu5Ykdwh8QyDfgK). Ich freue mich über jede noch so kleine Spende. Vielen Dank und Prost!
 Alle Kommentare als Feed abonnieren

Antworten