Mein Raspberry Pi 2 ist da – meine ersten Schritte

26 Februar 2015 6 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Mein Raspberry Pi 2 ist angekommen und ich konnte gestern etwas damit spielen. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich sofort wieder äquivalente Schritte durchgeführt habe wie beim Raspberry Pi. Ich möchte einfach mal meine ersten Schritte zum Besten geben, vielleicht hilft es ja anderen auch weiter.

Raspberry Pi 2

Raspberry Pi 2

1. Raspbian via NOOBS installiert

Zunächst einmal benötigt man ein Betriebssystem auf dem Raspberry Pi 2 und ich habe mich da für Raspbian entschieden. Erstens ist es das offizielle Betriebssystem dafür und zweitens kenne ich mich mit Debian-basierten Systemen aus. Mit NOOBS ist das ein Kinderspiel. Man lädt das System herunter (ich habe die Offline-Version), packt das Archiv aus und kopiert den Inhalt einfach auf eine MikroSD-Karte (Fat32). Danach steckt man die Karte in das Raspberry Pi 2 und kann die Installation beginnen. Die Sprache lässt sich sofort auf Deutsch umstellen und man folgt einfach den Anweisungen. Keine große Magie an dieser Stelle.

Schön zu sehen ist, dass es nun vier Himbeeren beim Start gibt. Das Raspberry Pi 2 ist ein Quadcore mit einem GByte RAM. Was man aus den Benchmark-Tests bereits herauslesen konnte, das Raspberry Pi 2 ist wesentlich schneller. Man kann damit sogar relativ vernünftig im Internet surfen.

Quad Core: Vier Himbeeren

Quad Core: Vier Himbeeren

Der Start von LibreOffice dauert zum Beispiel 20 Sekunden (mit einer recht grottingen SD-Karte, habe keine schnelle frei im Moment). Damit stellt man sicher keinen Geschwindigkeits-Rekord auf. Allerdings ist die Open-Source-Office-Suite auf dem Winzling tatsächlich benutzbar – zumindest gilt das für Writer. Von Speicherverbrauch geht das locker, wie man mit top herausfinden kann.

Update: Die 20 Sekunden hängen entweder mit dem ersten Start zusammen oder mit dem Strom, wie weiter unten beschrieben. Starte ich LibreOffice nun, dauert es zirka zwölf Sekunden. Deaktiviere ich Java, ist der Writer in zehn Sekunden einsatzbereit. Zwischen den jeweiligen Starts liegen natürlich Reboots.

LibreOffice auf dem Raspberry Pi 2

LibreOffice auf dem Raspberry Pi 2

2. SSH aktiviert

Ich lasse der Netzwerk-Karte des Raspberry Pis über meinen DHCP-Server immer die gleiche IP-Adresse zuweisen. Somit weiß ich in meinem Netzwerk sofort, wie ich das Gerät erreichen kann. Da man das Gerät oftmals headless, also ohne Bildschirm, betreibt, ist Remote-Zugriff unverzichtbar. Über raspi-config auf der Kommandozeile und Advanced Options kann man bestimmen, ob der SSH-Server aktiviert sein soll oder nicht. Den aktivieren wir und können dann via ssh pi@[IP-Adresse] auf das Raspberry Pi 2 zugreifen.

raspi-config: Advanced Options

raspi-config: Advanced Options

raspi-config: SSH aktivieren

raspi-config: SSH aktivieren

3. scrot installiert

sudo apt-get install scrot

Das Utility scrot ist einfach zu benutzen. Mit scrot kann man über die Kommandozeile einen Screenshot machen. Für Demozwecke ist das unglaublich wertvoll. Das Tool scrot bringt sogar noch nützliche Schalter mit sich. Die für mich wichtigen Schalter sind:

  • -d: das steht für Delay und man gibt damit die Verzögerung in Sekunden an
  • -c: das steht für Count. Verwendet man Delay, bekommt man einen Countdaown angezeigt.
  • -q: bestimmt die Qualität. 75 ist Standard und es sind Werte von 1-100 möglich.

Die Syntax ist einfach: scrot [Schalter] [Bildname], zum Beispiel

scrot -d 10 -c bild.jpg (auch png ist möglich)

Gibt man keinen Bildnamen an, dann wird der Name mithilfe eines Zeitstempels kreiert und der Screenshot als PNG aufgenommen.

Screenshots auf dem Raspberry Pi 2 mit scrot

Screenshots auf dem Raspberry Pi 2 mit scrot

3. screen installiert

sudo apt-get install screen

Das Tool screen ist unglaublich wertvoll, wenn man Remote angemeldet ist, dem Raspberry Pi 2 eine Aufgabe zuweist, die allerdings länger dauert. Das Problem an dieser Stelle wäre, dass ich den Rechner oder das Terminal aktiv halten muss, von dem ich die Sitzung angestoßen habe. Schließe ich die Sitzung oder das Terminal, bricht auch meine Aufgabe ab.

Das lässt sich mit screen umgehen. Man meldet sich dafür auf dem Raspberry Pi 2 (oder jedem anderen Linux-Rechner) via SSH an und tippt dann screen ein. Nun hat man eine Sitzung in einer Sitzung, die man allerdings gefahrlos verlassen kann. Dafür verwendet man aber nicht exit, sondern die Tastatur-Kombination Strg+A und im Anschluss Strg+D. Danach meldet das System, dass man detached ist.

Mittels screen -list kann man sich alle detachten Sessions anzeigen lassen und via screen -r [Session-Nummer] kann man sich wieder mit einer Sitzung verbinden. Alle Aufgaben laufen in der detached Session weiter. Man kann das Terminal nun sogar verlassen – es geht nichts verloren.

Das Tool screen

Das Tool screen

screen kann noch wesentlich mehr. Wer sich dafür interessiert, einfach mal die Manpage konsultieren: man screen.

4. Synaptic für das Raspberry Pi 2 installiert

sudo apt-get install synaptic

Der Raspberry Shop ist eine ganz nette Idee und man kann darüber relativ einfach Software installieren. Mir ist das allerdings zu umständlich und den meisten dürfte es ähnlich ergehen, die schon lange mit Debian oder Derivaten hantieren. Raspbian bietet unglaublich viele Pakete, da es Zugriff auf das komplette Debian-Arsenal hat – sprich, Tausende an Paketen.

Nun kann man alles via Kommandozeile und apt-get erledigen. Wer es ein bisschen komfortabler haben möchte, der nimmt eben Synaptic. Das ist ein kleiner aber feiner grafischer Paket-Manager. Darin lässt sich auch suchen und so weiter.

Wie man im Screenshot mit LibreOffice sieht, habe ich vergessen, die Unterstützung für Deutsch zu installieren. Das kann man mit Synaptic recht bequem nachholen.

Synaptic ist ein leistungsfähiger Paket-Manager

Synaptic ist ein leistungsfähiger Paket-Manager

Fertig

Das sind meine ersten Schritte bei einem Raspberry Pi 2. Damit bin ich bestens gerüstet. Ich kann von außerhalb darauf zugreifen, meine Sessions bleiben erhalten und ich kann Screenshots machen, die ich dann hier wiederum veröffentlichen kann. 🙂

Der Vorgänger hat schon Laune gemacht, aber das Raspberry Pi 2 hebt den Spaßfaktor deutlich an. Wenn ich demnächst mal Zeit habe, installiere ich vielleicht die ownCloud mal drauf. Mal sehen, wie da die Performance ist. Seafile müsste problemlos laufen, da das auf dem Raspberry Pi B schon recht vernünftig funktionierte.

Komisches buntes Quadrat

Ich hatte mich gewundert, warum am oberen rechten Bildschirmrand immer so ein komisches buntes Quadrat aufgetaucht ist. Das sieht so aus:

Komisches buntes Quadrat

Komisches buntes Quadrat

Nach etwas Recherche bin ich auf die Fallgruben (Englisch) gestoßen. Ich habe anfangs das Raspberry Pi 2 an meinem Synology angeschlossen und das rote Powerlicht (LED) blinkte tatsächlich ab und zu. Das ist aber offenbar schlecht. Das Synology hat also nicht genügend Strom geliefert. Seitdem ich die Stromquelle ausgetauscht habe, ist das komische bunte Quadrat nun weg und das rote LED blinkt auch nicht mehr.

Nette Pi-Konstellation

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6 Kommentare zu “Mein Raspberry Pi 2 ist da – meine ersten Schritte”

  1. Martin Zabinski sagt:

    Ein alternative zu screen ist byobu (na ja es baut auch auf screen auf) ist etwas benutzerfreundlicher.
    Hat allerdings ein paar kleine Einschränkungen: zB werden die F-Tasten belegt und ältere Versionen sind leicht verbuggt (aber in Raspbian gehts).

  2. C sagt:

    Kennt jemand eine gute Anleitung, wie man auf einem RaspberryPi oder RaspberryPi 2 einen Firefox Sync (samt Auth) Server einrichten kann?
    Ionas-Server ("der" sowas mitbringt) gibt es ja leider nicht als Image... vielleicht irgendwann?

  3. postlet sagt:

    Wie wirkt sich bei LibreOffice denn das Deaktivieren von Java auf die Startzeit aus?

    • jdo sagt:

      Ich hab das oben mal aktualisiert. Die 20 Sekunden waren entweder wegen des Erststarts oder wegen meines Strom-Problems - ich weiß es nicht genau. Starte ich LibreOffice (Writer) nun, dauert es zwölf Sekunden. Deaktiviere ich Java, starte das Raspberry Pi neu und starte LibreOffice abermals, dauert es zehn Sekunden. Prozentuell gesehen doch ein ordentlicher Performance-Gewinn.

  4. HS sagt:

    Hallo,

    habe Symaptic installiert. Wenn ich es aber über Menu > Einstellungen öffnen will, dann kommt kurz das Ladesymbol (ca. 20 sek) und dann ist der Raspberry eingefroren. Die Uhr geht nicht weiter, ich kann nichts mehr klicken. Es hilft nur noch Strom raus und neu starten.

    Weiß jemand, wieso das so ist?

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