Tolle Verbesserungen: ownCloud Synchronisations-Client 1.4 seit einigen Wochen im Einsatz

8 September 2013 15 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

ownCloud Logo 150x150Während meines Urlaubs hatte ich mir den Release-Kandidaten des Synchronisations-Clients von ownCloud 1.4 installiert und auch benutzt. In meinem Fall handelte es sich um den Veröffentlichungs-Kandidaten, da die finale Version erst seit wenigen Tagen verfügbar ist. Man muss dazu sagen, dass die Internet-Verbindungen in Indonesien doch sehr schlecht sind – abgesehen von den Ballungszentren. Internet geht zwar meist überall, aber nur via Edge und das ist zäh. Von Zeit zu Zeit fällt es komplett aus.

Genau mit solchen Szenarien hatte der Sync-Client der ownCloud nach meinen Erfahrungen bisher große Schwierigkeiten und erzeugte schon mal gerne eine conflict-Datei. Dies scheint nun wesentlich besser zu funktionieren und ich hatte trotz Internet-Schluckauf keine einzige conflict-Datei. Dann und wann gab es eine Fehlermeldung, dass die Datei während der Synchronisation verändert wurde. Erst beim nächsten Sync war alles wieder gut. Das ist legitim und mir wesentlich lieber, als diese nervigen Konflikte.

ownCloud-Sync-Client 1.4 bringt allerdings noch einige Neuerungen mit sich. Mit einem Blick auf die bisherigen Versions-Nummern und verbesserten Funktionen, fühlt sich Ausgabe 1.4 eher wie eine 2.0 an. Hier hätte man zahlenmäßig ruhig besser auf den Putz hauen dürfen – aber Versions-Nummern sind etwas für die Goldwaage.

Man kann nun Transfer-Limits (Geschwindigkeit) setzen und der Anwender sieht eine genaue Fortschrittsanzeige. Das gilt sowohl für die Anzahl der zu übertragenden Dateien, als auch für die Dateigrößen. Sehen wir uns das mal im Detail an.

Client verrät, was er tut

Bisher musste man raten, nun kannst Du sehen. Der Client verrät nämlich genau, was er derzeit macht. Das gilt sowohl für die Anzahl der Dateien als auch für die Größe. Auf so eine Fortschrittsanzeige habe wohl nicht nur ich sehnsüchtig gewartet.

Die lange ersehnte Fortschrittsanzeige

Die lange ersehnte Fortschrittsanzeige

Bandbreiten-Kontrolle

Ab sofort lässt sich so genanntes Traffic Shaping einsetzen. Damit zwingst Du dem Client eine maximale Geschwindigkeit auf und der Client kann sich nicht die gesamte Bandbreite unter den Nagel reißen. Download und Upload lassen sich separat einstellen.

ownCloud-Client mit Bandbreitenkontrolle

ownCloud-Client mit Bandbreitenkontrolle

Fehlerhafte Anzeige wegen Hack

Wer wie ich die ownCloud auf eine Shared Hosting Paket betreibt, muss sich eines Hacks bedienen. Ansonsten darf man gar keine Dateien hochladen. Das wirkt sich allerdings auch auf die Anzeige des bereits verbrauchten Speicherplatzes aus. Damit muss man leider leben. Schließelich gaukelst Du mithilfe des Hacks der Software vor, immer genug Platz verfügbar zu haben.

-1 wegen Hack

-1 wegen Hack

Komischerweise geht das aber manchmal und der Client zeigt einen Verbrauch an. An was das liegt und was die Kriterien für eine richtige Anzeige sind, weiß ich derzeit nicht. Anscheinend wird es jedesmal neu berechnet. Ich beobachte das mal – ist mir nicht so wichtig.

Dann und wann klappt das mit dem verbrauchten Platz

Dann und wann klappt das mit dem verbrauchten Platz

Nicht alles Synchronisieren

Eine weitere tolle Neuerung ist die Möglichkeit, bestimmte Dateien aus der Synchronisation auszuschließen. Hier hast Du die komplette Kontrolle, welche Dateien gar nicht erst auf dem Server landen. Es sind bereits einige Dateien vorgegeben – eben bekannte und häufig verwendete temporäre Dateien. Durch manuelle Anpassungen kannst Du nun dem System weiterhin unnötige Synchronisationen ersparen.

Liste mit Dateien, die nicht synchronisiert werden sollen

Liste mit Dateien, die nicht synchronisiert werden sollen

Allgemeine Einstellungen

In dieser Sektion kannst Du bestimmen, ob der Client bei Systemstart aufgerufen werden soll. Weiterhin kann man sich Desktop-Nachrichten anzeigen lassen und entscheiden, ob man farbige oder monochrome Symbole verwenden möchte.

Allgemeine Einstellungen

Allgemeine Einstellungen

Schluckauf beim Autostart

Stelle ich unter Linux Mint 15 und Cinnamon als Desktop-Umgebung ein, dass der Client automatisch starten soll, gibt es eine Fehlermeldung:

System Tray not available

ownCloud requires on a working system tray. If you are running XFCE, please follow these instructions. Otherwise, please install a system tray application such as ‘trayer’ and try again.

Systemtray nicht verfügbar?

System Tray nicht verfügbar?

Tja, verwende ich weder Xfce und einen System Tray habe ich auch ganz sicher. ownCloud will nur zu schnell starten. Deswegen habe ich mir ein kleines Script geschrieben und starte damit den ownCloud-Client zeit verzögert. Somit kann sich der System Tray zuerst starten. Mein Script sieht so aus:

  1. #!/bin/bash
  2. /bin/sleep 10
  3. /usr/bin/owncloud

Eigentlich ganz simpel – schlafe noch zehn Sekunden, bevor Du den ownCloud-Client aufrufst. Das klappt dann auch bei mir. Die dre Zeilen einfach in eine Datei schreiben und diese dann mittels chmod +x ausführbar machen. Nun kann man das Script schön bei den Autostart-Programmen hinterlegen.

ownCloud-Sync-Client über eigenes Script starten

ownCloud-Sync-Client über eigenes Script starten

Regelmäßige Synchronisationen sind obsolet

Laut Aussage der Entwickler wurde der Scheduler verbessert. Bisher wurde alle 30 Sekunden synchronisiert. Das ist nun nicht mehr der Fall. Eine Synchronisation findet nur noch dann statt, wenn sich auch tatsächlich etwas ändert. Das neue Verhalten wirkt sich natürlich positiv auf CPU- und Netzwerk-Last aus.

Abschließend

Ich habe bisher viel über den Synchronisations-Client von ownCloud gemotzt – gebe ich offen zu. Ich finde auch, dass die teilweise harte Kritik gerechtfertigt war. Vor allen Dingen, weil man sich bei der ownCloud gerne mit Dropbox vergleicht. Allerdings hatte der Sync-Client bisher nicht mal annähernd mit dem Dropbox-Client mithalten können.

Mit Version 1.4 ändert sich das und es ist eine unglaublich große Verbesserung. Traffic-Shaping und ein Verfolgen der Synchronisation bieten, was bisher am meisten gefehlt hat. Man ist zwar immer noch nicht ganz so weit wie Dropbox, aber einen großen Schritt näher. Was mir persönlich noch fehlt ist LAN-Sync, also wenn sich zwei Rechner im selben Netz befinden, dass kaum Datenverkehr über die Internet-Verbindung läuft.

Weiterhin wäre es schön, wenn man Symbole wie bei Dropbox in den Dateien hätte und man Dateien direkt aus dem Client für die Öffentlichkeit freigeben könnte. Das ist mir aber weniger wichtig, wenn der ownCloud-Client zuverlässig arbeitet.

Auf jeden Fall hat man nun mit Version 1.4 das Gefühl, dass die ownCloud-Synchronisation so richtig brauchbar wird. Tolle und sinnvolle Fortschritte. In diesem Zustand darf man die Software durchaus loben und kann sie langsam aber sicher mit gutem Gewissen empfehlen.

Installation des aktuellen stabilen Clients

Wer den aktuellen Client einspielen möchte, findet Installations-Hinweise für Ubuntu (Linux Mint), openSUSE, Debian, Fedora, Windows und Mac OS X auf der dedizierten Client-Seite. Für Linux ist das: Repository hinzufügen und installieren. Kein Hexenwerk, kann jeder.  Wer den Client bereits installiert hat, sollte einen Hinweis bekommen, dass eine neue Version verfügbar ist.

ownCloud-Client: Neue Version verfügbar

ownCloud-Client: Neue Version verfügbar

Das Update ist unter Ubuntu, Linux Mint und anderen Derivaten allerdings nicht ganz so einfach, wie man sich das erhofft. Der neueste Client befindet sich nicht in devel, sondern in testing und dort gibt es den rc1. Möchtest Du die neueste Version des ownCloud-Clients haben, musst Du also in nachfolgender Zeile devel mit testing ersetzen.

echo ‘deb http://download.opensuse.org/repositories/isv:ownCloud:devel/xUbuntu_13.04/ /’ >> /etc/apt/sources.list.d/owncloud-client.list

Das gilt bei mir sowohl für Linux Mint 14 (Ubuntu 12.10) als auch Linux Mint 15 (Ubuntu 13.04). An dieser Stelle hätte man für etwas mehr Transparenz sorgen können (um es in freundlicher Nach-Urlaubsstimmung auszudrücken). Wie das bei den anderen Distributionen ist weiß ich nicht. Sich einfach das Binärpaket schnappen geht auch nicht so einfach, weil eine Abhängigkeit nicht erfüllt ist.

Einfach das Binärpaket nehmen ist nicht ...

Einfach das Binärpaket nehmen ist nicht …



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15 Kommentare zu “Tolle Verbesserungen: ownCloud Synchronisations-Client 1.4 seit einigen Wochen im Einsatz”

  1. bostaurus sagt:

    Hallo, ich bin vom neuen Client nucht so begeistert, da seit seinem Einsatz mein Konto dauerhaft als voll gemeldet wird.

    • jdo sagt:

      Quota-Problem? In der Administration erhöhen? Da müsste man mal rausfinden, an welcher Stelle das liegt.

      Mal in das WebUI einloggen und vergleichen, ob Client und Server auch gleich sind? Bei mir war das Problem mal, dass die _conflict-Dateien nur auf dem Server lagen und ich diese auf dem Client nicht mitbekommen habe. Das wäre eine Erklärung. Aber das ist nur ein Schuss ins Blaue.

      • bostaurus sagt:

        Ich habe in der local.php einen genauen Wert für due zu berechnende Speichergröße eingetragen. Seitdem habe ich nur mit dem Upload von Dateien über 10 MB Schwierigkeiten.

        • jdo sagt:

          Bei meinem Hoster kann ich nicht mehr als 16 MByte hochladen. Das liegt aber an der globalen Einstellung dessen php.ini. Da hab ich keine Chance. Glücklicherweise sind meine wichtigeren Dateien meist nur wenige 100 KByte groß und somit ist das kein Drama.

          Wenn ich mal groß bin, hol ich mir einen gehosteten Server - dann wird alles besser ... :) ... aber im Moment gibt es dafür einfach keinen Grund und es wäre in meinem Fall reine Geldverschwendung.

          Hinzu kommt noch, dass die Internet-Leitungen hier einfach für die Cloud nicht gemacht sind - also größere Dateitransfers dauern ewig und direkt auf einem eingebundenen Remote-Laufwerk zu arbeiten geht eigentlich gar nicht - da dreht man durch.

          • Geniuss sagt:

            Ob Dir ein managed Server weiterhilft will ich bezweifeln, meist sind die nicht besser zu konfigurieren als ein Hostingpaket.

  2. Georg sagt:

    Das ist jetzte in bisschen OT, aber du kennst dich in dem Thema doch sicher aus: Hast du schon den OwnCloud Reader ausprobiert? Lässt sich dieser mit einem Desktop-Client nutzen, z.B. Akregator oder Liferea? Ich muss mich zwischen KDE und Gnome entscheiden, und die bessere OwnCloud-Integration wird entscheiden. Die Bedienung finde ich bei beiden toll.

    • jdo sagt:

      ownCloud Reader nur angetestet. Ob das mit einem Desktop-Client funktioniert kann ich Dir nicht 100% sagen. Ich glaube aber derzeit nicht ...

      • Georg sagt:

        Schade. Es soll ja eine Unterstützung durch den Akregator in Planung sein, aber Liferea kann TT-RSS schon jetzt. Ich habe aber keine wirkliche Lust mehr auf Liferea unter KDE. ;-)

  3. Wauzl sagt:

    Das Problem mit den Abhängigkeiten bei der Installation hatte ich auch. Das nicht erfüllbare Paket liegt im ownCloud-Repository. Leider haben die Autoren ihre Namen, welche Umlaute und ein ß enthalten irgendwie die Codierung verhauen. Daher erkennt der Paketmanager die Pakete als nicht vertrauenwürdig und installiert libocsync0 nicht.
    Beheben kann man das, indem man in das Repository per Browser geht (also einfach http://download.opensuse.org/repositories/isv:ownCloud:devel/xUbuntu_13.04/ in den Browser eingeben), dort amd64 oder i386 auswählen und alle deb-Dateien dort runterladen und installieren. Bei einigen Paketen wird der Manager fragen, ob man das Paket wirklich installieren will, wegen der „Unsicherheit“ des Pakets. Man bestätigt das einfach und fertig.
    Ich habe leider keine Ahnung, wie ich die Entwickler kontaktieren kann oder soll :D Jemand Lust das zu übernehmen? xD

  4. Brack sagt:

    Ich hab leider ein Problem, das auch mit 1.4 noch nicht verschwunden ist. Ich synchronisiere Notizen zwischen zwei Rechnern. Einer ist Windows 7, der andere openSUSE 12.3. Die Notizen bearbeite ich auf beiden Rechnern mit zNotes.

    Ändere ich auf dem Linux-Rechner was, synchronisiert sich der Windows-Rechner wie erwartet.
    Ändere ich aber auf dem Windows-Rechner, hab ich auf dem Linux-Rechner immer zu allen Notizen einen Konflikt.
    Da ich nie gleichzeitig ändere, kann ich gefahrlos die Konflikt-Dateien löschen. Es ist aber schon ziemlich nervig.

    Bisher hab ich noch nichts hilfreiches gefunden. Leider ist "notes" so ein allgemeiner Begriff, dass viel zu viele Mülltreffer in der Websuche hochpoppen.

    Jemand ne Idee?
    Brack

    • jdo sagt:

      Schuss ins Blaue: Windows-Partiton des ownCloud-Ordners FAT oder NTFS?

      Zu Windows und dem ownCloud-Client kann ich Dir aber leider überhaupt nicht weiterhelfen.

      • Brack sagt:

        Der Ordner liegt auf einer NTFS-Partition.

        An sich läge ja vielleicht nahe, dass Text-Dateien bei Windows und Linux unterschiedliche Zeilenumbrüche haben. Da wundert es mich nur ein bisschen, dass die Konflikte immer nur von Win -> Linux passieren und nicht auch umgekehrt.

  5. joerich sagt:

    Hallo Leute,

    ich habe das Teile erst seit einer Woche installiert (server 5.0.12 auf ubuntu 10.4) und den neuesten Client aus devel auf meiner ubuntu 12.04. Die "nervigen Konflikte" kann ich nicht bestätigen. Weder bei diesem Client noch beim Vorgänger. Allerding hat der Vorgänger nicht mal den Ansatz von Dateien sycn. Nach wiederaufnahme eines abgebrochenen Transfers, begann er imme wieder von vorn. Mit dem neuen Client erkennt man, das größere Dateien jetzt in 10 MB Teil gechunkt werden. Doch leider kann man auch hier eine Wiederaufnahme vergessen. Die bereits vorhandenn chunks werden nicht erkannt und beleiben auf dem server stehen. Gibts da ne Lösung bzw. hat das auch schon einer bemerkt?

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