Offener Brief an Chris Wilson gerichtet: Zankapfel – Verweigerung der Mir-Display-Server-Patches im Intel-Grafiktreiber

10 September 2013 Ein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Intel Logo 150x150Auf thenixedreport.com gibt es einen offenen Brief, der sich an den Entwickler Chris Wilson richtet. Zunächst einmal schreibt er, dass er sich Geld spart, indem er Open-Source-Software benutzt. Er bedankt sich auch für freie Software im Allgemeinen.

Allerdings ist er mit der Entscheidung, Mir Display Server (XMir) die Aufnahme im Intel-Grafiktreiber zu verweigern, gar nicht einverstanden. Er führt als Beispiel Con Kolivas (BFS – Brain Fuck Scheduler) an. Dieser hätte viel nützlichen Code geschrieben, der es nicht in den Linux-Kernel geschafft hätte.

Am meisten stört ihn bei der Begründung das Wort condone:

We do not condone or support Canonical in the course of action they have chosen, and will not carry XMir patches upstream.
-The Management

Die Definition dieses Wortes verrate ihm, dass Intel die Existenz von XMir als unmoralisch, unrecht und ganz einfach falsch einstufe.

Somit hinterfragt er, woher man sich das Recht in der FOSS-Welt herausnehme, so ein Urteil abzuliefern. Schließlich würden viele Projekte aus anderen hervorgehen. Als ein Beispiel nennt er KHTML -> Webkit -> Blink.

Man hätte die Begründung auch anders formulieren können, indem man sagt: Derzeit haben wir keine Pläne, XMir-Patches zu unterstützen. Schließlich sei man nicht Linus Torvalds, sondern eine ausgewachsene professionelle Firma.

Hmmm … also da beschwert sich jemand zunächst einmal an der komplett falschen Stelle. Chris Wilson hat im Auftrag seiner Obrigkeit gehandelt. Weiterhin motzt jemand über die gewählten Worte, bezeichnet weiter unten allerdings Linus Torvalds aber als nicht professionell – zumindest könnte man es so interpretieren.

Die ganze Argumentation hinkt gewaltig. Intel hat Canonical ja nicht verboten, den Grafiktreiber zu forken und sein eigenes Süppchen zu kochen. In seinem angeführten Beispiel ist genau das passiert. Außerdem kann Intel für falsch halten, was sie wollen. Es ist schließlich ihr Treiber. Intel hat für sich alleine gesprochen und nicht gesagt “wir und FOSS”.

Im Prinzip ist es so: Wenn Canonical einen Alleingang mit Mir Display Server gehen will, dann sollen sie sich auch selbst darum kümmern. Der Rest der Welt scheint mit Wayland glücklich genug zu sein. Intel und Red Hat arbeiten bereits an Wayland-Unterstützung für GNOME und mit Fedora 20 kommt vielleicht schon eine technische Vorschau dazu.

Egal wie man seine Worte nun wählt: Fakt ist, dass Canonical etwas auf den Tisch geknallt und erwartet hat, dass alle nach seiner Pfeiffe tanzen. Vielleicht ist es sogar ganz heilsam, wenn mal ein echtes Schwergewicht wie Intel dagegenhält, damit Herr Shuttleworth wieder auf den Boden der Tatsachen kommt und FOSS und Open-Source weit mehr als nur Ubuntu ist. Kommt mal wieder zurück zu Euren Anfängen, Canonical und werdet wieder Freunde mit dem Rest der Linux-Welt. Damit wäre vor allen Dingen den Anwendern geholfen. Diese politischen Rangeleien können auf Dauer nicht gut gehen.



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Ein Kommentar zu “Offener Brief an Chris Wilson gerichtet: Zankapfel – Verweigerung der Mir-Display-Server-Patches im Intel-Grafiktreiber”

  1. Michael sagt:

    Ich hoffe auch das Canonical damit Schiffbruch erleidet. So sehr ich der Firma auch dankbar bin das sie uns Ubuntu nahegebracht haben und Linux salonfähig gemacht haben, um so mehr nehme ich es ihnen übel, das sie versuchen sich völlig abzugrenzen und eines Tages inkompatibel zum Rest der Welt werden.

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