Offline-Wörterbücher für Linux (Deutsch-Englisch): Ding, StarDict und GoldenDict

9 Juli 2013 6 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Ding Teaser 150x150Ich bin dann und wann unterwegs und vergnüge mir unter anderem meine Zeit mit Übersetzungen. Da nicht immer das Internet für das Benutzen von Online-Wörterbüchern zur Verfügung steht (in der Regel benutze ich dict.leo.org), habe ich mich nach Offline-Wörterbüchern umgesehen.

Das Gute an der Sache ist, dass es für Linux welche gibt und die gar nicht mal so schlecht sind. Am einfachsten zu benutzen ist allerdings eine Software, die wie ein Relikt aus den 80ern aussieht. Das soll die Leistung des Programms nicht schmälern. Der Zweck heiligt in diesem Fall die Mittel.

Ding

Man muss erst mal draufkommen, dass sich ein sehr gutes Deutsch-Englisch-Wörterbuch Ding nennt. Netterweise befindet es sich im Repository von Linux Mint / Ubuntu. Somit kannst Du einfach die Pakete ding und trans-de-en installieren und das reicht: sudo apt-get install ding trans-de-en

Wer die Rechtschreibprüfung benutzen möchte, sollte noch das Paket aspell-de installieren. Dummerweise hat sich hier ein Bug eingeschlichen und aspell kann die zu verwendende Datei nicht benutzen. Der Fehler ist folgender: Fehler: The file “/usr/lib/aspell/ngerman” cannot 
be opened for reading. Die Datei existiert tatsächlich nicht und es gibt auch diverse Bug-Reports dafür. Ich habe es mit einem symbolischen Link gelöst: sudo ln -s /usr/lib/aspell/de-common.rws /usr/lib/aspell/ngerman

Zuvor hatte ich allerdings probiert, die Datei de-common.rws in den Ding-Einstellungen anzugeben. Das funktionierte aber nicht, weil mir die Software das Wort immer nach dem Punkt abschnitt und somit stand da nur noch de-common -> diese Datei gibt es aber auch nicht. Die Rechtschreibung ist mir aber sowieso weniger wichtig, weil das die meisten Browser und Betriebssysteme sowieso zufriedenstellend automatisch erledigen.

Nachdem die Software installiert ist, musst Du sie über die Kommandozeile mit dem Befehl ding aufrufen – keinen Schock bekommen – Augen zu, durch, benutzen und erstaunt sein, wie gut das sehr angestaubt aussehende Programm funktioniert. Da ich Ding nicht jedesmal über ein Terminal aufrufen möchte, habe ich mir einen Starter gebaut. Das geht für jede Desktop-Oberfläche etwas anders.

Ding lässt sich auch zu einem gewissen Grad konfigurieren. Weiterhin kannst Du Dir Notizen machen und diese dann auch per Email einsenden.

Auf der Hompage des Projekts (TU-Chemnitz) gibt es noch ein Deutsch-Spanisches Wörterbuch und einige andere nützliche Hinweise zu Ding.

Ding sieht nicht sehr zeitgemäß aus, erledigt seinen Job allerdings schnell und gut. Mit dict.leo.org kann es nicht mithalten, da dort auch das Forum feststehende Ausdrücke erklärt und oftmals mehr Übersetzungs-Alternativen zur Verfügung stehen. Aber für unterwegs ohne Internet-Zugang ist es ein unglaublich wertvolles Tool. Haus

Für KDE gibt es übrigens ein Frontend für Ding, das sich KDing nennt. (Dazu steht noch ein kleiner Tipp in den Kommentaren)

Ding: Schnell und gut

Ding: Schnell und gut

Ding: Einstellungen

Ding: Einstellungen

Ding: Übersetzung

Ding: Übersetzung

 StarDict (eher nicht mehr zeitgemäß)

StartDict sieht nicht nur zeitgemäßer aus, sondern könnte theoretisch auch die Online-Suchen von Google Translate, Yahoo Translate und Altavista Translate benutzen. Das funktioniert bei mir nur nicht und dazu gibt es auch etliche Bug-Reports. Aber wenn ich Online suchen möchte, verwende ich sowieso dict.leo.org.

Ganz nett bei StarDict ist auch, dass es sich in die Oberfläche mit einklinken kann. Das kann dann und wann aber auch ganz schön nerven und lässt sich über die Scannen-Option aktivieren oder deaktivieren – beziehungsweise über eine bestimmte Taste aktivieren.

StarDict kommt allerdings ohne Wörterbücher und Du musst Dir zunächst selbst welche installieren. Du findest eine ziemlich große Anzahl bei http://abloz.com/huzheng/stardict-dic/. Dazu musst Du die jeweiligen Wörterbücher herunterladen und dann in das Verzeichnis /usr/share/stardict/dic/ verschieben oder kopieren. StarDict wurde allerdings von sourceforge.net genommen, weil es rechtliche Probleme gab. Als spiritueller Nachfolger gilt GoldenDict.

StarDict: Wörterbuch hinzufügen

StarDict: Wörterbuch hinzufügen

StarDict: Mit aktiviertem Scannen

StarDict: Mit aktiviertem Scannen

GoldenDict

GoldenDict sieht ganz schmuck aus, ist ebenfalls in den Ubuntu-Repositories lässt sich auch online verwenden. Dabei sind einige Wörterbücher schon per Standard hinterlegt, bei denen Du nur noch ein Häkchen machen musst. dict.leo.org ist allerdings nicht dabei. Allerdings kann man es recht einfach hinzufügen und dazu sehen wir uns einfach den Link an, den LEO bei einer Suche kreiert. Im Endeffekt musst Du lediglich das search=<Suchwort> mit search=%GDWORD% ersetzen und dann funktioniert das. In meinem Fall sieht das so aus: http://dict.leo.org/#/search=%GDWORD%&searchLoc=0&resultOrder=basic&multiwordShowSingle=on

GoldenDict und LEO

GoldenDict und LEO

GoldenDict und LEO

GoldenDict und LEO

Für die Benutzung von Online-Wörterbüchern muss man allerdings manuell eingreifen. Die GoldenDict-Entwickler sprechen hier von Babylons bgl-Dateien, StarDict-Formate und ABBYY Lingvo dsl-Dateien. Das mit StarDict funktioniert. Man muss als Wörterbuch einfach nur den entpackten Ordner oder den Ordner mit dem entsprechenden Wörterbuch angeben. An dieser Stelle muss man wohl etwas herumspielen.

bgl-Dateien werden erkannt. Ich kann zwar mit mit den exe-Dateien aus dem GoldenDict-Link nichts anfangen, hab aber so eine bgl-Datei gefunden. Nicht sehr sinnvoll, irgendwas Englisch-Japanisch-Spezialwörter-Bla – aber ich wollte nur sehen, ob das funktioniert. Bei Babylon sind anscheinend nicht immer alle Dateien in einem bgl-Format. Verschiedene Wörterbuch-Typen kann man angeblich mit pyglossary umwandeln. Also das Programm startet, umgewandelt hab ich nun nichts. Die GoldenDict-Entwickler bitten auch darum, dass sich Anwender die Babylon-Wörterbücher kaufen sollen und danach erst verwenden.

pyglossary

pyglossary

GoldenDict hat übrigens auch so einen Scan-Modus. Man kann diese mit einem Rechtsklick auf das Task-Symbol aktivieren. Mich nervt das DIng eher, sollte aber erwähnt sein.

Was nehme ich nun?

Also StarDict kann man wohl getrost vergessen. Da funktionieren gewisse Dinge einfach nicht und gerade neu sieht es auch nicht aus. GoldenDict ist eigentlich super. Es sind so viele Möglichkeiten enthalten, die man mit nur einem Mausklick aktivieren kann. Für mich ist die Software aber ein Overkill.

Wenn ich online bin, reicht dict.leo.org absolut. Das ist schnell, umfangreich und zuverlässig. Außerdem gibt es auch Apps für diverse Mobilgeräte wie Android.

Ding ist mein persönlicher Gewinner. Kein Overhead, schnell und ausreichend mit Wortschatz bestückt. Sollte ein Wort nicht enthalten sein – was sehr selten vorkommt – notiere ich es mir eben und sehe später online nach. Zumindest kann die Installation von Ding auf keinen Fall schaden. Viel Platz nimmt es wirklich nicht weg.

Sonstiges

Was ich nicht unerwähnt lassen möchte: dict.cc ist ebenfalls eine sehr gute Seite, die laut KOmmentar auch ein Offline-Wörterbuch für Android und iPhone zur Verfügung stellt (Danke für den Hinweis!).

Auch linguee.de benutze ich dann und wann. Vor allen Dingen sind da ganze Sätze und Phrasen sehr übersichtlich dargestellt und übersetzt. Auch linguee.de bietet Apps für Android und iPhone, die keine Internetverbindung benötigen. Auf dem mobilen Gerät installiert sich eine Datenbank, bei der ungefähr 450.000 Wörter immer verfügbar sind.

Update

Es steht zwar auch in einem Kommentar, aber ich kopiere das mal hier rein – damit es nicht übersehen wird – Danke für den Hinweis!

Die TU Chemnitz verwendet für ihren Online-Dienst BEOLINGUS das gleiche Wörterbuch wie Ding.

Dieses Wörterbuch ist als Paket dict-de-en auch für den DICT-Server dictd vorhanden – neben diversen, weiteren Freedict-Wörterbüchern. Für dictd ist eigentlich nur die Installation ohne weitere Einrichtung notwendig und anschließend kann man den Server auch bspw. im Gnome- oder Xfce-Dictionairy lokal über die Adresse localhost:2628 ansprechen. Alternativ gibt es mit dict noch ein Befehlszeilenwerkzeug für diesen Server.

Das ist nur eine weitere von vielen Möglichkeiten, aber ich fühlte mich in der ansich sehr schönen Übersicht etwas unterrepräsentiert ;-)



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6 Kommentare zu “Offline-Wörterbücher für Linux (Deutsch-Englisch): Ding, StarDict und GoldenDict”

  1. Gyges sagt:

    Cooler Tipp, danke!
    Habe KDing gleich mal installiert. War praktischerweise auch in Repo von Sabayon zu finden. Könnte ne Idee schneller starten, aber sonst ganz cool. Nett ist auch, dass man gleich aus den Einstellungen heraus globale Kurzbefehle festlegen kann. Warum dort Meta+Umschalt+W als Standard für "Wort übersetzen" eingestellt ist, erschließt sich mir zwar nicht. Schließlich ist Meta+T noch frei. Lässt sich aber in Sekundenschnelle ändern und schon kann man mit Meta+T ein einzugebendes Wort übersetzen und mit Meta+Umschalt+T den Inhalt der Zwischenablage. Fein!

  2. postlet sagt:

    Die TU Chemnitz verwendet für ihren Online-Dienst BEOLINGUS das gleiche Wörterbuch wie Ding.

    Dieses Wörterbuch ist als Paket dict-de-en auch für den DICT-Server dictd vorhanden - neben diversen, weiteren Freedict-Wörterbüchern. Für dictd ist eigentlich nur die Installation ohne weitere Einrichtung notwendig und anschließend kann man den Server auch bspw. im Gnome- oder Xfce-Dictionairy lokal über die Adresse localhost:2628 ansprechen. Alternativ gibt es mit dict noch ein Befehlszeilenwerkzeug für diesen Server.

    Das ist nur eine weitere von vielen Möglichkeiten, aber ich fühlte mich in der ansich sehr schönen Übersicht etwas unterrepräsentiert ;-)

    • jdo sagt:

      Das ist das Problem, wenn es so viele Möglichkeiten gibt. Eigentlich wollte ich nur Ding vorstellen. Aber bei der Recherche nach einem vernünftigen Englisch-Deutsch-Wörterbuch bin ich halt dann noch auf GoldenDict und StarDict gestoßen und plötzlich wurde es sowieso viel ausführlicher als es zunächst geplant war. Aber ich nehme Deinen Kommentar noch oben auf!

  3. canislupus sagt:

    dict im Terminal nutze ich meistens, da einfach am schnellsten, ist nur nicht ganz so schön aufbereitet. Vielleicht gibt es dafür ja schon einen guten alias…?

  4. Alexander sagt:

    Ich nutze viel http://www.dict.cc/ - die übrigens auch eine klasse und offline nutzbare Android App haben - reicht für den Urlaub allemal und es gibt mehrere Sprachen zur Auswahl.

  5. Rainer sagt:

    Danke für das aufmerksam machen auf "Ding". Danke auch für den Ausführlichen Artikel dazu. "Ding" ist es auf alle Fälle Wert mal zumindest ausprobiert zu haben. einfach nur ein geiles kleines Teil, das funzt.

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