DMCA-Benachrichtigung (Urheberrecht) wegen Ubuntu-Download

Kein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Legal? Egal! Wenn ich eine Linux-Distribution wie zum Beispiel Ubuntu herunterladen, rechne ich mit Sicherheit nicht mit einer DCMA-Aufforderung oder etwas Ähnlichem. Ich bin kein Anwalt und mache mich hoffentlich nun nicht strafbar, wenn ich zugebe, schon etliche .iso-Dateien mit Linux-Distributionen direkt oder via Torrent heruntergeladen zu haben. Torrents an sich sind nicht illegal.

Hinweis: DMCA steht für Digital Millenuim Copyright Act und ist die US-amerikanische (verschärfte) Umsetzung des WIPO-Urheberrechtsvertrags. Lange Rede … es geht um Urheberrecht. Vor allen Dingen die Rechte der RIAA und der MPAA wurden dadruch gestärkt. Der DMCA geht aber weiter und kriminalisiert auch den Kopierschutz knacken (Verbreitung oder Produktion von Geräten, Services oder Technologien , die Zugriffsbeschränkungen umgehen). So, genug davon.

ISP Xfinity moniert Raubkopie von Ubuntu an

Der Anwender hat auf reddit gefragt, ob es sich wohl um einen Witz handelt, dass er von seinem ISP eine Abmahnung wegen einer Raubkopie bekommen hat. Er hat auf reddit einen Screenshot veröffentlicht, der den Sachverhalt darstellt. Er hat also ein Ubuntu 20.04 Desktop via P2P / BitTorrent heruntergeladen und damit die Post von seinem ISP Xfinity provoziert.

DMCA-Takedown-Aufforderung wegen Ubuntu-Download (Quelle: reddit.com)

DMCA-Takedown-Aufforderung wegen Ubuntu-Download (Quelle: reddit.com)

“Wir haben eine Benachrichtigung von einem Urheberrechtsinhaber oder seinem bevollmächtigten Vertreter erhalten, in der eine angebliche Verletzung eines oder mehrerer urheberrechtlich geschützter Werke, die über Ihren Xfinity-Internetdienst erfolgt, gemeldet wird …”

Das angeblich ist wohl der Knackpunkt hier. Der ISP ist fein raus und Du musst Dich in so einem Fall rechtfertigen. Was für ein Schwachsinn.

Also angeblich hat sich Canonical oder ein Stellvertreter wegen des Downloads beschwert. Das kann ich mir wirklich schwer vorstellen und hier hat wohl ein Automat überreagiert. Die Nachricht verlangt, dass die betroffene .iso-Datei gelöscht wird und der Anwender weiterhin keine Urheberrechtsverletzungen im Netzwerk des ISPs begeht.

Der Download von Ubuntu via Torrent sollte eigentlich noch nicht einmal eine Grauzone sein. Bei Torrents lädst Du bekanntlich nicht nur herunter, sondern verteilst auch. Allerdings sollte das gerade bei Ubuntu kein Problem sein, wie hier beschrieben ist.

Wurden keine Veränderungen gemacht, darfst Du die Distribution verteilen

Wurden keine Veränderungen gemacht, darfst Du die Distribution verteilen

Hinzu kommt noch, dass Canonical selbst Torrent-Dateien zur Verfügung stellt. Du findest die Links unter den alternativen Download-Möglichkeiten.

Ubuntu bietet selbst Torrent-Dateien an

Ubuntu bietet selbst Torrent-Dateien an

Es ist auf jeden Fall heftig. Muss ich nun schon Angst haben, wenn ich legal Linux-Distributionen via BitTorrent herunterlade? Der ISP sieht Torrent-Traffic und stellt Dich deswegen gleich unter Generalverdacht?

Selbst wenn es legal ist, geht es den Internet-Anbieter trotzdem nichts an, welche Linux-Distributionen ich herunterlade.

Wäre das mit VPN auch passiert?

Nun ist die Frage, wie man sich bei diesem (meiner Meinung nach) komplett legalen Vorgang hätte besser schützen können? Ich gehe eigentlich nicht davon aus, dass der ISP Torrents generell verbietet. Zumindest steht das nicht im Brief an den Anwender, sondern es geht speziell um die Ubuntu-ISO-Datei.

Wäre das auch passiert, wenn der Anwender ein VPN benutzt hätte? Es ist auf jeden Fall sehr viel weniger wahrscheinlich. Der ISP hätte zwar gesehen, dass der Anwender Datenverkehr (Traffic) erzeugt, aber nicht, was er herunterlädt. Der ISP hätte nicht einmal mitbekommen, dass der Anwender BitTorrent benutzt und hätte die Ubuntu-ISO-Datei nicht zu seiner IP-Adresse zurückverfolgen können.

Dieser Fall zeigt aber, wie neugierig ISPs und Regierungen sind und die Überwachung im Hintergrund immer weiter zunimmt. Selbst wenn hier ein Automatismus einen Fehler gemacht hat, ist es sicher kein schönes Erlebnis, so eine Aufforderung zu bekommen. Es scheint besser zu sein, dass man seine legalen Aktivitäten vor ISPs und Behörden verbirgt, um nicht aus Versehen Kollateralschaden zu werden.

VPNs sind nicht mehr teuer und meines ist genau wegen solcher Vorfälle in der Zwischenzeit präventiv auch in den eigenen vier Wänden aktiv. Ich will keine illegalen Aktivitäten durchführen und rate auch jedem davon ab. Muss ich aber Angst haben, wenn ich meiner Meinung nach legal eine ISO-Datei via Torrent herunterlade, dann hat der Spaß ein Loch. Zum Glück gibt es Optionen, mit denen ich mir nicht mehr in die Karten schauen lassen muss.

Mittlerweile auch zu Hause

Entweder benutze ich das Virtual Private Network via selbst gebasteltem VPN-Router (das ist nicht schwer) oder direkt auf meinem Laptop. NordVPN* ist günstig (circa 3 Euro pro Monat), bietet einen tollen Linux-Client mit WireGuard-Unterstützung und Du darfst bis zu 6 Geräte simultan benutzen. Der Einsatz auf Routern ist erlaubt und natürlich gibt es auch Apps für Android, Windows, macOS und iOS.

Verbindung über einen VPN visualisiert

Sobald der Tunnel steht, ändert sich Deine IP-Adresse und Dein ISP kann nicht mehr sehen, was Du tust.

Der DMCA-Brief des ISPs zeigt sehr deutlich, dass Leute VPNs nicht für illegale Aktivitäten einsetzen, sondern um sich einfach vor neugierigen Augen zu schützen. NordVPN bietet darüber hinaus noch eine Funktion, die sich CyberSec nennt. Aktivierst Du CyberSec, dient das als Adblocker. Außerdem blockiert die Funktion Tracker und Phishing-Websites sowie teilweise Malware. Du musst die Funktion aber manuell aktivieren, weil manche Websites damit nicht funktionieren. Das sind solche Websites, die Du ohne Tracker, Cookies und so weiter nicht nutzen kannst. Es ist also fraglich, ob Du solche Websites und Services überhaupt benutzen möchtest.

Ein VPN ist übrigens kein Freibrief für alle möglichen Aktivitäten. 100 % Anonymität gibt es wohl nur schwer, aber meiner Meinung nach hätte sich dieser spezielle Vorfall hier vermeiden lassen. Der Internet-Anbieter hätte nicht mitbekommen:

  • dass der Anwender Torrent / P2P benutzt (wenn auch legal).
  • dass er die Datei ubuntu-20.04.2.0-desktop-amd64.iso herunterlädt und verteilt.

Wie heißt das englische Sprichwort? Better safe than sorry!

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