Aus Versehen auf dem Mosesberg gelandet – Selfie-Seuche da oben

23 Oktober 2016 2 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Der Katharinenberg (auch Gebel/Jabal Katrina oder Mount Catherine genannt) ist mit 2637 Metern der höchste Berg in Ägypten und da wollten wir eigentlich hin. Wir waren entsprechend mit Proviant und warmen Sachen ausgerüstet, um auf dem Gipfel übernachten und dann den Sonnenaufgang genießen zu können. Der Berg ist nach der heiligen Katharina von Alexandrien benannt. Überliefert wird, dass Engel ihren Leichnam dort abgelegt haben, nachdem Sie als Märtyrerin hingerichtet wurde. Gleich um die Ecke ist der Mosesberg.

Wir wollten deswegen dort hin, da man dort normalerweise alleine ist und seine Ruhe hat. Das ist angeblich eine doch ordentliche Bergtour, bei der man hinauf zirka fünf bis sechs Stunden unterwegs ist.

Katharinenkloster, Katharinenberg und Mosesberg

Irgendwie ging wohl etwas bei der Kommunikation schief, denn wir sind auf dem 2285 Meter hohen Mosesberg gelandet, zu dessen Fuß sich das Katharinenkloster befindet.

Also mal langsam zum mitschreiben:

  • Das Katharinenkloster ist das älteste immer noch bewohnte Kloster des Christentums und wurde vermutlich zwischen 548 und 565 a.D. gegründet. Die Mönche dort sind orthodoxe Christen. Das Katharinenkloster befindet sich am Fuße des
  • Mosesbergs (Berg Sinai / Mount Sinai / Gebel Musa). Dort hat Moses von Gott angeblich die zehn Gebote erhalten. Vom Kloster aus kannst Du in Richtung Gipfel stapfen und ich würde mal behaupten, dass der Aufstieg für durchschnittlich fitte Menschen überhaupt kein Problem ist. Es sind ungefähr 2,5 km und 700 Höhenmeter. Der letzte Abschnitt besteht aus zirka 700 Stufen und da musst Du zu Fuß gehen (manche lassen sich bis dort hin mit dem Kamel bringen).
  • Vom Mosesberg aus kannst Du den Katharinenberg sehen, auf dem genau wie auf dem Mosesberg eine kleine Kapelle steht.

Nachts hoch, Sonnenaufgang und dann wieder runter

Wir sind in der Nacht hochgelaufen und haben dann dort übernachtet. Nach zirka halber Strecke hat sich der Irrtum dann irgendwann aufgeklärt, aber es war schon zu spät für die andere Tour.

Es hat sich einfach komisch angefühlt, voll aufgepackt neben einem Tross älterer Menschen ohne jegliches Gepäck zu stapfen. Außerdem ist ein Coffee Shop alle zehn Minuten auch seltsam. Die dachten wahrscheinlich, wir wollen oben einziehen. Wir dachten, dass des durchaus sein kann, dass der Anfang der Strecke gleich ist. Schwamm drüber, es war trotzdem irgendwie ein schöner Trip.

Verdursten und verhungern muss man am Mosesberg nicht

Verdursten und verhungern muss man am Mosesberg nicht

Der Mosesberg ist eine beliebte Pilgerstätte und dementsprechend gut besucht. Erschwerend kommt hinzu, dass es Wochenende war und da oben ist es in der Früh wie auf dem Oktoberfest zugegangen. Dort und beim Abstieg wird einem erst klar, wie die Leute da antanzen. Schuhwerk -> unterirdisch, warme Sachen -> Fehlanzeige (da hat es nachts im Oktober 12 Grad). Der Abstieg hatte schon ab und zu etwas von einem Karnevalsumzug und wenn De Höhner noch gespielt hätten … Karneval passt eher als Oktoberfest, weil auf der Wiesn rennt man nicht so viel rum … 🙂

Die Horden auf dem Berg

Es hatte teilweise schon was von Hitchcocks Die Vögel. Oben siehst Du die Kapelle vorspitzen, aber an ein vernünftiges Bild war nicht zu denken. Dort oben ging es zu als würde Bad Religion ein Konzert geben.

Die Vögel ...

Die Vögel …

Als weiteres Beispiel das Katharinenkloster und die kleinen schwarzen Flecken sind kein Dreck auf dem Objektiv, sondern Leute …

Die Karawane zieht weiter der Sultan hat Durst ...

Die Karawane zieht weiter der Sultan hat Durst …

Es war nicht wirklich einfach, ein Foto zu schießen, in dem keine Leute waren. Mit Stitchen und GIMP bekommst Du schon einiges raus. Da aber eine andere und schwierigere Tour geplant war, hatte ich kein Stativ und auch sonst die leichte Ausrüstung (RX100) dabei. Sonst wäre Antimidges eine echte Option bei diesem Rummel gewesen. Aber handgehalten kannst Du das vergessen.

In den Bergen rennt zum Glück keiner rum, da gibt es dann schöne Farben und beeindruckende Landschaft.

Die Berge im Sinai sind schon beeindruckend

Die Berge im Sinai sind schon beeindruckend

Also bis zirka drei Uhr nachts war relative Ruhe und wir konnten die Sterne und sogar eine Mütze Schlaf direkt unterhalb der Kapelle genießen. Aber als dann die Horden lautstark den Berg eroberten …

Gemütlich - zumindest ein paar Stunden

Gemütlich – zumindest ein paar Stunden

Die Sonne, endlich!

Auch wenn es recht voll war, hat sich der Sonnenaufgang dennoch sehen lassen.

Sonnenaufgang vom Mosesberg aus gesehen

Sonnenaufgang vom Mosesberg aus gesehen

Sonnenaufgang vom Mosesberg aus gesehen

Sonnenaufgang vom Mosesberg aus gesehen

Die Selfie-Seuche

Viele Leute und so weiter – OK, das war nicht toll. Aber die absolute Seuche sind die Horden, die mittlerweile mit den Deppen-Zeptern (Selfie Stick) rumlaufen. Wir haben eigentlich nur darauf gewartet, dass irgendjemand vom Berg fällt. Die balancieren da mit Schlappen am Abgrund und Hauptsache das Deppen-Zepter sitzt. Es ging überhaupt kein Wind, muss ich dazu sagen. Wer schon mal auf einem richtigen Berg war, der weiß, wie unberechenbar plötzliche Windstöße sein können und da eiert man einfach nicht auf den letzten zwei Zentimetern vorm Abgrund rum. Ist ja nicht alles mit Zäunen gesichert wie in Deutschland.

Aber ein Unfall fällt dann mit Sicherheit unter natürliche Auslese und bei so viel Blödheit habe ich kein Mitleid. Mir ist da wieder der tragische Unfall, dass ein Nichtschwimmer im See ertrunken ist eingefallen – bei dem Gerhard Polt meinte, dass das vielleicht traurig aber auf keinen Fall tragisch, sondern konsequent ist. Was macht der Nichtschwimmer auch im See? So ähnlich ist es hier. Was macht der nicht ausreichend beschuhte Tourist auf dem Berg?

Es scheint in der Zwischenzeit sogar so zu sein, dass diese Scheiß-Smartphones wichtiger als das Außenrum ist. Hauptsache man kann seine Fresse mit in die Landschaft quetschen und während des Vorgangs die komplette Umwelt ignorieren. Es wird sowohl die Umwelt nicht mehr in seiner Schönheit wahr-, als auch keine Rücksicht mehr auf andere genommen. Wenn sich die Menschheit erst mal selbst vom Berg geselfiet hat, dann geht es dem Planeten hoffentlich wieder besser.

Neuer Anlauf nächstes Jahr

Mit dem Katharinenberg wird das heuer nichts mehr, weil ich erst Ende November Zeit hätte. Da ist es noch kälter, aber vor allen Dingen werden die Tage sehr kurz. Von daher ist der Trip für nächstes Jahr geplant.

Auf dem Weg zum Katharinenkloster liegt der Wadi Marra, der mit sehr vielen Akazien gepflastert ist – unglaublich schön ist es dort und wesentlich ruhiger als auf dem Mosesberg.

Sony RX100

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2 Kommentare zu “Aus Versehen auf dem Mosesberg gelandet – Selfie-Seuche da oben”

  1. Rayman sagt:

    Schöner Bericht. Besonders die Fotos vom Sonnenaufgang sind beeindruckend. Eher abschreckend sind wirklich die Menschenmassen.

    Mit den Smartphones in der Öffentlichkeit beobachte ich auch mit großer Verwunderung. Ich nenne solche Menschen Smartphone-Zombies, weil es den Eindruck macht, dass sie willenlose, fremdgesteuerte Wesen sind. Austicken könnte ich immer, wenn in einer Unterhaltung oder anderem sozialen Ereignis jemand ständig auf sein Smartphone starrt. Ich glaube die meisten merken garnicht, wie unhöflich und rücksichtslos das ist. Aber wahrscheinlich merkt man diese Umstände nur, wenn man selbst so ein Gerät nicht besitzt …

    • jdo sagt:

      Deswegen wollten wir ja auf den anderen Berg und unter der Woche geht es nicht so zu.

      Ich besitze schon eins, weil es praktisch ist. Aber ich muss ja nicht dauern draufglotzen. Beim meinem kann ich einen Stamina-Modus aktivieren, der die Netzwerkverbindungen bei ausgeschaltetem Bildschirm kappt. Dann blinkt, surrt und miept nicht dauern irgendwas ... aber bei manchen Anwendern hat man echt das Gefühl, dass die nicht komplett sind, wenn eben nicht dauernd etwas summt und Krach macht.

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