Zoom und Datenschutz: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nur für zahlende Kunden

2 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Die Corona-Pandemie hat einen regelrechten Zoom-Boom ausgelöst. Natürlich stehen auch anderer Video-Konferenz-Systeme hoch im Kurs. Auch ich habe mehrmals Videokonferenzen genutzt, um mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben. Allerdings habe ich mich bisher gewehrt, Zoom zu verwenden, weil ich irgendwas an diesem Unternehmen nicht mochte. Zu viele Schwachstellen wurden aufgedeckt und so weiter.

Update: Nachdem Zoom ziemlich Prügel einstecken musste, wird es nun E2EE auch für Anwender der kostenlosen Version geben. Allerdings müssen sie ihre Identität bestätigen und zum Beispiel die Telefonnummer hinterlegen. Dorthin wird dann eine SMS zur Bestätigung geschickt. Das ist zwar besser, ändert aber nicht an der Tatsache, dass es freie und bessere Alternativen gibt.

Nun wird mein Gefühl bestätigt und Zoom zeigt sein wahres Gesicht: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wird es nur für zahlende Kunden (solche, die man kennt) geben und nicht für Anwender des kostenlosen Services. Dabei hat CEO Eric Yuan nicht nur monetäre Gründe für diesen Schritt angekündigt, sondern man wolle auch mit den Behörden wie dem FBI und der lokalen Strafverfolgung zusammenarbeiten.

Zoom: keine Ende-zu-Ende-Verschlsüselung für kostenlose Konten (Quelle: cnbc.com)

Zoom: keine Ende-zu-Ende-Verschlsüselung für kostenlose Konten (Quelle: cnbc.com)

Natürlich sind die Videoanrufe von Zoom verschlüsselt, aber halt nicht Ende-zu-Ende. Zoom hat auch gesagt, dass man Videokonferenzen nicht proaktiv monitoren würde und es keine Backdoor gibt. Man würde aber in extremen Fällen wie Kindesmissbrauch Informationen mit den Behörden teilen. Das darf nun jeder selbst interpretieren, wie er möchte.

Dass man es nicht tut, heißt nicht, dass man es nicht kann, oder? Die Farge ist nun: Kann Zoom Videokonferenzen von nicht zahlenden Kunden damit abhören? Andere große Unternehmen haben übrigens E2EE auch per Standard nicht aktiviert.

Es wird halt das übliche Argument ausgegraben, dass man ja nur gegen Bösewichte vorgehen will. Dafür stellt man gerne alle Nutzer unter Generalverdacht.

Zoom hat sich für mich nun endgültig disqualifiziert

Der Open-Source-Gemeinschaft brauche ich Jitsi.org nicht vorzustellen. Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass die Entwickler der kostenlosen Videokonferenz-Software an E2EE arbeiten.

Die Sache ist noch experimentell, aber Du kannst es bei meet.jit.si bereits ausprobieren. Voraussetzung ist aber, dass Dein Browser einfügbare Streams unterstützt. Basiert Dein Browser auch Chromium 83+, dann geht das. Also auch Chrome, Edge oder Brave* sollten funktionieren.

Experimentelles E2EE bei Jitsi.org

Experimentelles E2EE bei Jitsi.org

Du findest die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nach dem Start einer Videokonferenz rechts unten im Menü.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Jitsi.org

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Jitsi.org

Die Sache befindet sich aber noch in einer Beta-Phase und es gibt noch ein paar Ecken und Kanten. Auch am Schlüssel-Management arbeiten die Entwickler noch.

Für Jitsi gibt es auch mobile Clients, die Du nicht nur im Apple Store und bei Google Play, sondern auch bei F-Droid findest.

Die Software ist übrigens Open Source und es gibt im Web diverse Anleitungen, wie Du selbst einen Jitsi-Server aufsetzen kannst. Mit dem offiziellen Ubuntu-Paket sollte das sogar recht flott gehen.

Es ist schön zu wissen, dass es kostenlose Alternativen gibt, die uns nicht ausspionieren wollen. Das Problem ist nicht, dass es keine Alternativen gibt. Das Problem ist, dass sie oft zu unbekannt oder die Leute zu bequem sind. Bequemlichkeit ist meiner Meinung einer der Erzfeinde von Datenschutz und Privatsphäre. Meine Familie kannte Jitsi.org auch nicht und ich musste es ihnen vorstellen. Seitdem wird es aber benutzt.

Übrigens machen viele den Fehler und verwechseln Privatsphäre und Datenschutz mit Paranoia. Eine gesunde Paranoia trägt sicherlich zum besseren Datenschutz bei, deswegen muss man noch lange kein Aluhut-Träger oder Schwerverbrecher sein. Schutz der Privatsphäre ist im Grundgesetz hinterlegt.

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2 Kommentare zu “Zoom und Datenschutz: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nur für zahlende Kunden”

  1. Peter sagt:

    Ich höre/lese immer nur "Zoom" und Itsi! Was ist denn mit Senfcall???

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