Vorratsdatenspeicherung: IP-Adressen dürfen gespeichert werden

Kein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Den regelmäßigen Lesern dieses Blogs muss ich nicht erklären, dass Daten das neue Gold sind und jede Menge über eine Person verraten. Fingerprinting und Footprinting sind gängige Maßnahmen und in Europa haben wir noch Glück, dass sich überhaupt jemand darum schert. Das oberste EU-Gericht, der EuGH, hat wieder einmal bekräftigt, dass das Speichern sämtlicher Internet- und Telefon-Daten ohne jeden Anlass gegen die europäische Grundrechte verstößt. An sich ist das ein gutes Urteil gegen die willkürliche Vorratsdatenspeicherung.

Warum ist das Urteil gut? Standortdaten können viele Informationen über Personen enthüllen. Dazu zählen politische Meinung, sexuelle Orientierung, religiöse Überzeugungen sowie Gewohnheiten über das tägliche Leben. Dürfte der Staat alle diese Informationen speichern und womöglich noch auswerten, bewegen wir uns auf eine in vielen Büchern und Filmen gezeigten Dystopie zu – die komplette Überwachung.

Vorbei ist die Sache mit der Vorratsdatenspeicherung aber nicht

Auch wenn das Urteil an sich gut aufgenommen wurde, muss man jedoch aufpassen, dass sich nicht mehr und mehr Überwachung langsam einschleicht. Überall hängen in der Zwischenzeit Kameras und die Staaten versuchen natürlich, mit Ausnahmeregeln so viele Daten zu bekommen, wie sie können.

Der EuGH hat auch Ausnahmen bei der Vorratsdatenspeicherung bestätigt und einige davon ist, dass IP-Adressen der Computer grundsätzlich gespeichert werden dürfen, wie die Tagesschau berichtet.

Vorratsdatenspeicherung: IP-Adressen dürfen grundsätzlich gespeichert werden
Vorratsdatenspeicherung: IP-Adressen dürfen grundsätzlich gespeichert werden

Nun kräht die CSU in Bayern schon und plädiert für eine Vorratsdatenspeicherung der IP-Adresse und begründet das mit dem Kampf gegen Kinderpornografie. Dagegen bin ich natürlich auch – ich bin aber auch gegen den Generalverdacht, unter den wir alle gestellt werden.

Das Problem an der Sache ist aber, dass sich über diese Adressen auch viele Informationen ableiten lassen, insbesondere zum Standort, sofern Du Deine IP-Adresse nicht versteckst. Mit der Verfolgung von IP-Adressen kann man ableiten, wo sich eine Person aufgehalten hat. Damit bekommen die Datensammelwütigen zwar nicht auf dem direkten Weg, was sie wollen, könnten aber durch die Hintertür an diese Informationen kommen.

Wirksames Instrument: IP-Adresse verstecken

Die meisten Leute sind sich der Gefahren von IP-Adressen nicht bewusst. Jedes Gerät, das mit dem Internet kommuniziert, benötigt eine solche Adresse. Öffnest Du eine Website, stellst Du im Prinzip eine Anfrage an eine IP-Adresse. Damit die Anfrage beantwortet werden kann, muss die Website wissen, wohin damit. Anhand der IP-Adresse Deines Geräts kann die Website die Antwort an die richtige Adresse senden.

Du kannst IP-Adressen mit Postadressen vergleichen, nur dass Dein Gerät häufig umzieht. Gäbe es diese IP-Adressen nicht, wäre im derzeitigen Internet keine Kommunikation möglich. Mit diesen Adressen lässt sich aber auch der Standort schon relativ genau bestimmen. Genau hier möchten die Befürworter der Vorratsdatenspeicherung ansetzen.

Es gibt ein effektives Mittel, um Deine IP-Adresse zu verstecken. Setzt Du ein VPN ein, kannst Du damit Deine IP-Adresse verbergen. Ein VPN ist kein Freibrief und Du musst Dich weiter an die Gesetze halten. Ich wehre mich aber ein gläserner Bürger zu sein, weil es die neugierigen Augen ganz einfach nichts angeht.

Eigenes VPN oder spezieller Anbieter

Du kannst Dir ein eigenes VPN einrichten und damit Dein Gerät verbunden halten. Einige Router bieten solch eine Funktion an. Dann sieht es so aus, als würde etwa Dein Smartphone anhand der IP-Adresse Deine Wohnung nie verlassen.

Kommerzielle Anbieter haben ebenfalls Vorteile, weil Du damit unter anderem Geoblocking umgehen kannst. Natürlich musst Du an dieser Stelle dem Anbieter vertrauen, dass er Deine Daten nicht weitergibt. Die besten VPNs haben eine Keine-Logs-Richtlinie. Sie protokollieren Deine Daten nicht und können deswegen nichts weitergeben. Zudem bieten sie Adblocker an, die auch Tracker blockieren. Der Adblocker funktioniert dabei nicht nur im Browser, sondern systemweit.

Vorratsdatenspeicherung mit VPN verhindern
Vorratsdatenspeicherung mit VPN verhindern

Ist eine solche Funktion aktiv, wehrst Du Dich nicht nur gegen die Vorratsdatenspeicherung Deiner IP-Adresse. Du hinderst auch andere neugierige Instanzen daran, Dich zu verfolgen.

Wie schütze ich mich vor Vorratsdatenspeicherung?

Der beste Schutz ist, Deine IP-Adresse zu verstecken. Das ist zum Glück ganz einfach.

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So schützt Du Dich Schritt für Schritt vor Vorratsdatenspeicherung.

  1. Vertrauenswürdiges VPN

    Richte Dir selbst ein VPN ein, allerdings kann man Dich damit noch identifizieren. Vertrauenswürdige VPNs, wie NordVPN* oder Surfshark*, anonymisieren Dich und der Gesetzgeber speichert im Prinzip eine IP-Adresse des VPN-Anbieters. Deswegen ist es wichtig, dass Du einen Service mit einer Keine-Logs-Richtlinie nimmst. Wer nichts speichert, kann auch nichts teilen.

  2. Installiere das VPN auf Deinen Geräten

    Stelle sicher, dass der Anbieter Apps für alle Deine Geräte zur Verfügung stellt. Die beiden oben genannten Services unterstützen alle populären Betriebssysteme: Windows, Android, macOS, iOS und auch Linux. Du kannst Dir sogar ziemlich einfach einen eigenen VPN-Router basteln, damit auch Deine Geräte zu Hause vor Vorratsdatenspeicherung geschützt sind.

  3. Verbinde Dich mit einem Server Deiner Wahl

    Nun kommt es darauf an, zu welchem Zweck Du Dich mit dem VPN verbindest. Willst Du Formel 1 kostenlos oder einige Spiele der UEFA Champions League im Free-TV sehen, verbindest Du Dich mit Österreich, um ServusTV zu entsperren. Möchtest Du lediglich Deine IP-Adresse vor Vorratsdatenspeicherung schützen, nimm einen Server in Deiner Nähe. Viele VPN-Apps bieten eine Schnellverbindung an, die Dich mit dem schnellsten Server verbindet. Als Daumenregel gilt – je näher der Server, desto schneller die Verbindung.

  4. Deine IP-Adresse ist versteckt – Vorratsdatenspeicherung ade!

    Das war es auch schon. Mehr musst Du nicht machen. Diese einfachen Schritte reichen aus, um Dich etwas vor der Vorratsdatenspeicherung zu schützen.

Ich möchte noch einmal betonen, dass es nicht darum geht, kriminelle Handlungen zu verschleiern. Ich will mich aber nicht auf Schritt und Tritt überwachen lassen.




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