Vivaldi 1.0 ist ausgegeben – der komplett anpassbare Browser

6 April 2016 13 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Über ein Jahr befand sich der Browser Vivaldi in der Entwicklung. Die Gründer sind recht offen damit umgegangen und haben immer wieder Entwicklerversionen zur Verfügung gestellt. Vivaldi wurde bereits vor der Veröffentlichung der ersten stabilen Version mehrere Millionen Mal heruntergeladen. Die Entwickler haben mit Vivaldi vor, den anderen Browsern wie Waldi in die Waden zu beißen – wenn man Rio Reisers König von Deutschland zitieren darf.

Der Anwender darf Vivaldi 1.0 nach Bedarf anpassen

Viele wissen, dass der Gründer und CEO von Vivaldi (Jon von Tetzchner) früher CEO von Opera war. Er hat sich auf die Fahnen geschrieben, dass Vivaldi dem Anwender dienen soll und nicht anders herum. Während andere Browser-Hersteller die Möglichkeiten zur Konfiguration und Personalisierung entfernen oder immer besser verstecken, will Vivaldi das Gegenteil sein. Nutzer mit hohen Ansprüchen können sich den Browser also so hindengeln, wie sie das gerne hätten.

Es fängt beim Start bereits an. Du wirst gefragt, welche Darstellungsmöglichkeit Du gerne verwenden würdest – das Auge surft ja schließlich mit. Die grundsätzliche Einrichtung sieht so aus.

Vivaldi: Welche Darstellungsmöglichkeit darf es denn sein?

Vivaldi: Welche Darstellungsmöglichkeit darf es denn sein?

Im nächsten Schritt suchst Du dann aus, wo die Tableiste platziert werden soll. Oben, unten, rechts und links sind Optionen.

Platzierung der Tableiste

Platzierung der Tableiste

Weiter geht es mit den Hintergründen für die Startseite. Schade, dass sich an dieser Stelle keine eigenen Bilder auswählen lassen. Nicht so schlimm, denn über die Einstellungen lässt sich an dieser Stelle nachbessern.

Eigenen Hintergrund wählen

Eigenen Hintergrund wählen ist nachträglich möglich

Weitere Funktionen von Vivaldi

Der Browser bringt einige sehr interessante Funktionen mit sich. Sehen wir uns einfach mal ein paar davon genauer an.

Tab Stacks oder Tabgruppen

Tab Stacks nennt sich eine Funktion, mit der sich Tabs stapeln lassen. Auf Deutsch wurde die Funktion Tabgruppe genannt. Wer Englisch kann, wäre da auch von selbst draufgekommen.

Hast Du das Gefühl, zu viele Tabs offen zu haben, dann kannst Du einfach welche nehmen und auf andere legen. Dadurch entsteht so ein Tab Stack.

Tab Stack oder Tabgruppe

Tab Stack oder Tabgruppe

Natürlich lassen sich einzelne Reiter auch wieder aus einer Tabgruppe entfernen.

Aus Tabgruppe entfernen

Aus Tabgruppe entfernen

Mit den Tagruppen lassen sich noch weitere Dinge anstellen. Hast Du einen großen Bildschirm, dann könntest Du die Tabgruppe kacheln und es würden Dir alle Reiter aus der entsprechenden Gruppe dargestellt.

Gekachelte Tabgruppe

Gekachelte Tabgruppe

Geöffnete Tabs darfst Du auch als Sitzung, neudeutsch Session, speichern. Was ich speichern kann, lässt sich logischerweise später wieder aus der Schublade kramen.

Geöffnete Tabs als Sitzung speichern

Geöffnete Tabs als Sitzung speichern

Notizen

Eine recht hübsche und für den einen oder anderen sicherlich nützliche Funktion, sind die eingebauten Notizen. Du kannst nicht nur Text hinterlegen, sondern auch Screenshots aufnehmen oder andere Dateien anflanschen. Das sieht dann so aus:

Vivaldis Notizen

Vivaldis Notizen

Sehr schön in diesem Zusammenhang ist auch, dass sich der Notizzettel die Adresse merkt, auf der Du Dich gerade befunden hast, während der Zettel geschrieben wurde.

Notizen merken sich die Adressen

Notizen merken sich die Adressen

Speed Dial oder Schnellwahl

Diese Funktion darf natürlich ebenfalls nicht fehlen. Das muss eigentlich gar nicht weiter erklärt werden. Ich kann mir Schnellzugriff auf Seiten zulegen, die ich oft aufrufe.

Maus-Gesten und Tastaturkürzel sind ebenfalls mit von der Partie und konfigurierbar. Bei den Maus-Gesten ist zum Beispiel voreingestellt, dass rechter Mausklick und ein Wischen nach rechts oder links im Verlauf nach vorne oder hinten springt.

Maus-Gesten konfigurieren

Maus-Gesten konfigurieren

Web-Paneel

Die Funktion Web-Paneel wird sicher nicht jeder brauchen, aber für Social-Media-Süchtlinge, die ganztätig Twitter oder Facebook offen haben müssen, sicherlich interessant. Ich nehme an dieser Stelle einen Screenshot von Vivaldi, weil es bequemer ist 🙂

Web-Paneel mit Twitter (Quelle: vivaldi.com)

Web-Paneel mit Twitter (Quelle: vivaldi.com)

Interessant wird sein, was da noch im Anmarsch ist. Bei einem Blick in die Einstellungen fällt auf, dass es bereits Kürzel für E-Mail und Adressbuch gibt. Es ist auch bekannt, dass solche Komponenten geplant sind (E-Mail wird M3 heißen), bei der von mir getesteten Version waren E-Mail und Adressbuch aber noch nicht vorhanden.

Tastaturkürzel Paneel

Tastaturkürzel Paneel

Bei der Suche ist Microsofts Bing die Voreinstellung, es befinden sich aber auch Google, DuckDuckGo, Yahoo! und Wikipedia im Gepäck.

Suche

Suche

Es gibt noch viele weitere Details und Funktionen. Auf alle einzugehen ist kaum möglich. Deswegen schreibe ich lieber noch ein paar Sätze zu meinen persönlichen Erfahrungen.

Ein paar Stunden mit Vivaldi gespielt

Der Browser ist schnell – was mich nicht wundert, da er auf Blink basiert. Ebenso haben alle von mir aufgerufenen Websites funktioniert, ohne zu meckern. Meine 360°-Panoramas haben einwandfrei funktioniert und auch Seiten, die schwer auf Flash setzen – ein Beispiel wäre die Mediathek des ZDF.

Es lassen sich ohnehin die Erweiterungen aus dem Chrome Store installieren. Ganz ersichtlich ist das allerdings nicht. Ich habe zunächst nachgesehen, wie das mit den Erweiterungen ist, die sich mittels der Tastaturkombination Strg Shift E aufrufen lassen. Da gab es einen Verweis auf den Chrome Store, worüber Du Apps wie zum Beispiel Google Drive installieren kannst. Diese Apps wieder zu finden, ist aber eine kleine Ostereiersuche – einen Shortcut habe ich nicht gefunden.

Im Endeffekt musst Du die Adresse chrome://apps/ aufrufen – ich habe mir gleich ein Lesezeichen, neudeutsch Bookmark, gesetzt.

Positiv ausgedrückt gibt es viel zu entdecken, da der Browser unglaublich viele Möglichkeiten zur Personalisierung und Konfiguration bietet. Flott ist er auch, Erweiterungen gibt es durch die Kompatibilität zu Chrome und Chromium genügend.

Mit F11 lässt sich übrigens ein Vollbildmodus aktivieren.

Wer umfassende Kontrolle und Konfigurationsmöglichkeiten haben möchte, der sollte unbedingt einen Blick auf Vivaldi werfen. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass weniger technisch versierte Anfänger schnell damit überfordert sind und von der Funktionsvielfalt erschlagen werden. Gerade deswegen haben die Entwickler wohl von Anfang an klar gemacht, dass es sich hier um einen Browser für Poweruser handelt. Wem Chrome zu wenig Optionen für die Konfiguration bietet und wer ein bisschen Mozilla-Müdigkeit hat – neue Besen und so weiter.

Vivaldi herunterladen

Jeder darf Vivaldi kostenlos via Projektseite herunterladen. Der Browser ist für Linux, Mac OS X und Windows verfügbar. Für Linux gibt es sowohl deb- als auch rpm-Dateien.

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13 Kommentare zu “Vivaldi 1.0 ist ausgegeben – der komplett anpassbare Browser”

  1. Julius sagt:

    Zitat:
    „Er hat sich auf die Fahnen geschrieben, dass Vivaldi dem Anwender dienen soll und nicht anders herum.“

    Das ist Marketing-Blabla, schließlich ist Vivaldi nicht FLOSS. Wenn die es sich – warum auch immer – anders überlegen, schaut der Nutzer in die Röhre.

    • jdo sagt:

      Der Nutzer würde in die Röhre schauen, wenn es keine Alternativen gäbe. Aber mit dem Browser erstellt er ja keine Inhalte, die sich von anderen Programmen nicht verwenden lassen - außer die Notizen und solche Dinge lassen sich schnell umstellen.

      Vivaldi wurde gegründet, weil Opera immer mehr Funktionen genommen wurden.

  2. Didi sagt:

    Die folgenden Pakete sind zurückgehalten worden:
    vivaldi-beta

    Warum bleibt Debians Geheimnis.

  3. tux. sagt:

    Vivaldi ist definitiv besser als das, was Mozilla mit Firefox vorhat. Ich nutze ihn seit der ersten "Technical Preview" nebenbei, damit der Wechsel - spätestens 2017 - nicht so schwierig ist. Im Büro ist er mein Hauptbrowser.

    "Maximal anpassbar" (wie Firefox bisher) ist er aber - wie auch der Scheiß-Chrome - nicht, weil der Browser nicht auf XUL basiert und es somit nicht möglich ist, ein komplett eigenes UI zu programmieren.

  4. tux. sagt:

    Was Debian angeht: Debian ist kaputt.

  5. Didi sagt:

    Nach einer Neuinstallation ist alles gut.

  6. Didi sagt:

    Nein, nicht Debians.

  7. Saddy sagt:

    Unfreie Quellen sind für mich ein Showstopper.

  8. Dietrich sagt:

    Importfunktion der Lesezeichen usw. vom Feuerteufel zu Vivaldi?
    Sehr gerne würde ich Vivaldi ersthaft ausprobieren aber diese Funktion hab ich nicht gefunden.

    • jdo sagt:

      Wenn Du auf das V (bei mir links oben) klickst -> Datei -> Einstellungen und Lesenzeichen importieren, dann ist bei mir Firefox auch mit dabei.

      Klappt das nicht, könntest Du auf jeden Fall Lesezeichen oder Bookmarks via HTML-Datei importieren, nachdem Du sie aus Firefox als HTML-Datei exportiert hast.

  9. Dietrich sagt:

    Danke schön. Hat funktioniert. Nach meiner Linux /KDE logik hab ich das an diesem Platz nicht vermutet.

  10. rothom sagt:

    Vivaldi ist kein Open Source, dennoch "nah dran", Jon Tetzchner:

    "

    I got a question from users while doing AMA on Twitter regarding the license of Vivaldi. I replied with a short answer due to Twitter’s character limitation but I thought I would post longer answer here.

    Our source code package is available here: vivaldi.com/source. This links to a copy of the Chromium source code with the changes we made to allow our HTML/CSS/JS UI to run.

    All our changes to Chromium source code are under a BSD license and hence can read by anyone. The details are explained in the the README and LICENSE files, within that package.

    In addition, all of our UI code (included in normal packages) is written in plain, readable text. This means that all parts of Vivaldi are full audit-able and open from that perspective.
    "

    Quelle: https://vivaldi.net/userblogs/entry/a-few-words-about-open-source-vivaldi

    Und das UI lässt sich sehr wohl anpassen:

    https://vivaldi.net/en-US/forum/all/3073-vivaldi-ui-customisations

    Vivaldi 1.0 ist toll, keine Frage, aber hat auch noch viele Baustellen, derzeit wird bereits Version 1.1 als Snaphot angeboten, die Entwickler scheinen auf jeden Fall alle Hände voll zu haben. Im Community-Forum hagelt es nur so von Feedbacks.

    • jdo sagt:

      Naja, knapp daneben ist halt auch vorbei ... aber ich bin ja sowieso keiner, der alles Open-Source haben muss, wenn die Software gut ist. Bin ja auch ein Fan von Steam und proprietären Spielen. Ich mag Vivaldi auch, muss ich zugeben.

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