EFF reagiert auf die Entschuldigung von Mark Shuttleworth: Du hast Unrecht

14 November 2013 Kein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

EFF (Electronic Frontier Foundation) Logo 150x150So einfach scheint sich die Electronic Frontier Foundation (EFF) mit einer Entschuldigung seitens Canonical-Häuptling Mark Shuttleworth nicht abspeisen zu lassen. Zwar glaubt man nicht, dass Canonical mit Absicht einer Zensur gehandelt hat. Dennoch sei das Ausspielen der Karte „Trademark“ störend. Nicht jeder habe schließlich einfachen Zugriff auf Anwälte und die Möglichkeit, zurück zu feuern.

Es sollte jeder mitbekommen haben, aber: Canonical hat versucht, die Seite FixUbuntu.com schließen zu lasen. Beziehungsweise sollte das Logo von Ubuntu verschwinden (ist getan) und das Ubuntu aus der Domäne.

Canonicals Aktion habe laut EFF ein viel größeres Problem aufgezeigt: Ein unbegründeter Glauben, dass man sein Markenzeichen verlieren könnte, wenn man es nicht dauern beaufsichtige. Man wolle hier etwas Licht ins Dunkel bringen und zeigen, dass Firmen hier Ressourcen verschwenden.

Man arbeitet die Sachlage noch einmal auf und erklärt, dass Micah Lees Website nur deswegen entstand, weil die aktuelleren Ubuntu-Versionen Sorge bezüglich der Privatsphäre auslösten. Natürlich geht es um Amazons Shopping Lense oder die Integration von Amazon-Ergebnissen nach Suchen in Ubuntus Dash. FixUbuntu.com enthält lediglich ein Stück Code, mit dem Anwender die Privatsphären-Störfaktoren entfernen können.

Die EFF antwortete außerdem auf Canonicals Anfrage, dass Micah F. Lee unter dem Schutz des First Amendment stehe und er die URL seiner Seite nicht ändern müsse. Als Kompromiss gebe es einen Disclaimer und das Entfernen des Logos.

Nachdem die Geschichte von Micah Lee veröffentlicht wurde, gab es Haue für Canonical. Man erklärte recht schnell, dass es sich nicht um Zensur handle. Man wollte lediglich da Markenzeichen schützen. Das sagte auch Mark Shuttleworth in seiner Entschuldigung.

Die EFF sagt nun, dass Shuttleworth sicher nach besten Wissen und Gewissen gehandelt habe. Allerdings liege er falsch. Zunächst einmal könne Canonicals Trademark-Policy das First Amendment nicht übertrumpfen. Das ist auch gut so. Ansonsten müsste man sich künftig vor jeder Kritik eine Einwilligung der entsprechenden Firma holen, ob man deren Namen oder Markenzeichen benutzen darf – das Recht auf freie Meinungsäußerung ist damit obsolet oder zumindest massiv eingeschränkt. Zum Glück lebe man aber nicht in so einer Welt und das First Amanedment schützt nicht-kommerzielle Websites, wie zum Beispiel FixUbuntu.com. Somit muss Micah Lee weder die Benutzung des Logos noch die Namen Ubuntu in der URL von Canonical absegnen lassen.

Weiterhin müsse Canonical nicht aktiv tätig werden, um ihr Markenzeichen zu erhalten. Das Risiko dieses zu verlieren sei verschwindend gering und nur bei Stilllegung / Verzicht und so weiter gefährlich. Auch bei Verallgemeinerung, wie zum Beispiel Zipper oder Escalator, wäre es in seltenen Fällen möglich. Allerdings bestehe die Gefahr wohl kaum, dass der Begriff Ubuntu als allgemeiner Ersatz für Betriebssystem dienen werde.

Danach zitiert man ein Gericht, das bestimmte: Der Besitzer einer Marke muss nicht dauernd den letzten Winkel der Nation beaufsichtigen und dann beide Läufe seiner Schrotflinte abfeuern, wenn er einen möglichen Rechtsverletzer ausmache.

Man müsse also nicht sofort anfangen zu Trollen, wenn man möglichen unautorisierte Benutzung ausmache. Für Anwälte sei das toll, für alle anderen einfach nur teuer und störend. Führe man das Ganze dann auch noch sehr tollpatschig aus, könne man es sehr leicht mit Zensur verwechseln.

Oder anders gesagt: Entschuldigung akzeptiert, die Begründung aber nicht.

Für mich persönlich war der schlimmste Teil der Entschuldigung, auch wenn sie bestimmt ehrlich gemeint war, dass sich Shuttleworth hinter dem „neuen Mitarbeiter“ versteckte. Das macht man als Chef nicht. Seine Firma, seine Verantwortung. Intern kann er ihm eine auf den Deckel geben, aber als Häuptling nehme ich das auf meine Kappe und stelle nicht einen Sündenbock vor mich.

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