Das ist aber gar nicht Open-Source-Spirit: Canonical versuchte, fixubuntu.com schließen zu lassen

8 November 2013 12 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Matrix Teaser 150x150Das ist aber gar nicht nett von Canonical. Micah. F.Lee von der Electronic Frontier Foundation (EFF) betreibt die Webseite fixubuntu.com. Dort erklärt er Anwendern, wie man aus Ubuntu die Problemzonen bezüglich der Privatsphäre entfernt. Diese sind ja per Standard aktiviert. Wir kennen das – Shopping Lense, Online-Suche und so weiter.

Nun hat Lee einen Brief von Canonical bekommen, die ja bekanntlich die Herren und Meister Ubuntus sind. Man beschwert sich, dass er das Wort Ubuntu in seiner Domäne verwendet und er außerdem das Logo verwenden würde und so weiter. Im Endeffekt fordert Apple … Microsoft … Canonical ihn auf, die Website zu schließen.

Subject: Your Use of Ubuntu
From: ************@canonical.com

Dear Micah,

Canonical Limited (“Canonical”) owns and manages the intellectual property rights in Ubuntu and other associated intellectual property. In addition, Canonical is the owner of numerous trademarks and copyright throughout the world relating to Ubuntu, including Ubuntu logo and the word mark of Ubuntu.

It has been brought to our attention that your website: https://fixubuntu.com/ is using Canonical’s trademarks including Ubuntu logo on your website and Ubuntu word in your domain name. The Ubuntu logo [1] and a screenshot of your website [2] are set out below.

We are really pleased to know your interest in writing about Ubuntu. But whilst we can appreciate the passion Ubuntu inspires, we also have to be diligent to ensure that Ubuntu’s trademarks are used correctly.

To keep the balance between the integrity of our trademarks and the ability to to use and promote Ubuntu, we’ve tried to define a reasonable Intellectual Property Policy. You can read the full policy at http://www.canonical.com/intellectual-property-policy. As you can see from our policy, to use the Ubuntu trademarks and and Ubuntu word in a domain name would require approval from Canonical.

Unfortunately, in this instance we cannot give you permission to use Ubuntu trademarks on your website and in your domain name as they may lead to confusion or the misunderstanding that your website is associated with Canonical or Ubuntu.

So, whilst we are very happy for you to write about Ubuntu, we request you to remove Ubuntu word from you domain name and Ubuntu logo from your website. We would highly appreciate if you could confirm you have done so by replying this email to us.

Thank you for your cooperation and we look forward to hearing from you.

If you have any further questions, please feel free to contact us.

Er selbst ist natürlich der Meinung, dass die Verwendung des Logos und des Namens unter „nominative Use“ fallen. Er glaubt sich zwar im Recht zu sehen, hat aber zumindest das Ubuntu-Logo entfernt. Dafür gibt es einen Disclaimer auf der Website, den ich echt witzig und genau die richtige Antwort finde.

Disclaimer: In case you are either 1) a complete idiot; or 2) a lawyer; or 3) both, please be aware that this site is not affiliated with or approved by Canonical Limited. This site criticizes Canonical for certain privacy-invading features of Ubuntu and teaches users how to fix them. So, obviously, the site is not approved by Canonical. And our use of the trademarked term Ubuntu is plainly descriptive—it helps the public find this site and understand its message.

Er bietet Canonical aber auch an, die Website zu schließen. Man müsste lediglich per Opt-In-Verfahren die Anwender fragen, ob sie die umstrittenen Funktionen nutzen wollen. Derzeit ist es Opt-Out und während der Installation hat man keine Chance, diese zu deaktivieren. Wenn Menschen nicht suchen müssten, wie man die Privatspähre bei Ubuntu verbessert, gäbe es auch keinen Grund, fixubuntu.com weiter zu betreiben. Um die Seite zu schließen, wäre ganz einfach das notwendig:

gsettings set com.canonical.Unity.Lenses remote-content-search none

Mittlerweile hat auch ein Anwalt der EFF, Daniel Nazer, eine Antwort an Canonical geschickt.

Brief an Canonical (Quelle: micahflee.com)

Brief an Canonical (Quelle: micahflee.com)

Hier steht drin, dass man fest daran glaubt, dass Canonical nicht weiter mit Trademark-Verletzungen droht, um kritische Stimmen zu stoppen.

Jetzt scheint Apple … Microsoft … Canonical völlig durchzudrehen, oder? Die haben doch nicht mehr alle Steine auf der Schleuder! Ich kann auch einen Fix für Ubuntu beisteuern: kubuntu.org und linuxmint.com

 



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12 Kommentare zu “Das ist aber gar nicht Open-Source-Spirit: Canonical versuchte, fixubuntu.com schließen zu lassen”

  1. Marcus Moeller sagt:

    Machen andere auch:

    http://www.fedora.de/

    • jdo sagt:

      total bescheuert ...

    • Georg sagt:

      Meiner Meinung nach ist es aber auch zweifelhaft, eine Webseite einfach "fedora.de" zu nennen. Es wäre aber natürlich besser, man hätte sich auf ein Layer geeinigt, welches beim Aufruf von Fedora.de einfach auf die Seite des Fedora-Projektes hinweißt. Ist bei ähnlichen Markenproblemen schon öfters so gemacht worden.

  2. Spinnenhaut sagt:

    Die Beste Antwort darauf ist doch: "Verwendet lieber das Original, also Debian Gnu/Linux"
    Dort wird euch so etwas nicht passieren, Firmen sind einfach nicht Vertrauenswürdig sie verfolgen nur ihre eigenen Ziele die selten bis nie mit denen ihrer Kunden übereinstimmen.
    Aber wer das eine Will muss das andere eben mögen.

  3. […] gibt es wieder einen großen Aufschrei in den Nachrichtenportalen (Pro-Linux, Golem oder BITblokes), das Canonical die Seite Fix Ubuntu schließen lassen will, weil sie den Namen Ubuntu trägt und […]

  4. Phil sagt:

    Es mag zwar nicht unbedingt die feine englische Art zu sein, trotzdem, kann ich Canonical verstehen, dass ihre Rechte entsprechend gewahrt werden. Und anstatt erstmal Rechtsanwälte vorzuschicken, wie es in Deutschland regelmäßig praktiziert wird, damit es für denjenigen auch schön teuer wird, wird hier zu einer freundlichen Aufforderung gegriffen.

  5. […] Das ist aber gar nicht Open-Source-Spirit: Canonical versuchte, fixubuntu.com schließen zu lassen von […]

  6. Matthias sagt:

    "Canonical Limited (“Canonical”) owns and manages the intellectual property rights in Ubuntu and other associated intellectual property."

    Nobody own Open Source.

    Diese Mail zeigt wieder einmal, wie sehr Canoncial der Meinung ist, dass ihnen das ganze Schiff gehört.

  7. Matthias sagt:

    Vor 13.04 ist doch angekündigt worden, dass die Amazon Suche per default deaktiviert ist, oder???

  8. Mailboxer sagt:

    Micah Lee hätte auf den Schrieb von Canonical überhaupt nicht eingehen müssen. Canonicals Anwalt scheint die eigene Intellectual Propery Policy nicht zu kennen:

    http://www.ubuntu.com/intellectual-property-policy

    "You can use the Trademarks in discussion, commentary, criticism or parody, provided that you do not imply endorsement by Canonical."

    Und davor im gleichen Paragraphen:
    "Canonical’s Trademarks (registered in word and logo form) include:
    - UBUNTU".

    Das alles scheint eher ein weiter Ausdruck von Mark Shuttleworths zunehmender Frustration über ein scheiterndes Geschäftsmodell zu sein.

  9. eddy sagt:

    Canonical ist eine eine Firma welche natürlich auch mal Geld verdienen will und muß. Die haben die selben Rechte wie M$ auch. In dem sie ihre MARKE versuchen zu schützen.

    Wer ein ubuntu am laufen hat, sollte sich damit abfinden das man den 'Open Sauce' Gedanken im sinne von *FREIHEIT* auf Dauer nicht mehr weiter pflegen wird und man sich langsam aber sicher davon verabschieden kann.
    Bei MS ist das sowieso nichts neues.

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