Kernel-Entwicklerin weist Linus Torvalds und andere in die Schranken (oder versucht es zumindest …) – Torvalds will aber nicht nett sein

16 Juli 2013 11 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Linus Torvalds 150x150Linus Torvalds ist für seine Wutausbrüche und seine blumige und oft deftige Sprache bekannt. Man muss wohl auch zu einem gewissen Grad verkauzt sein, um sich mit all den Linux-Kernel-Entwicklern verbal zu prügeln.

Nun wurde es Sarah Sharp, eine Kernel-Entwicklerin bei Intel, zu viel und zu dumm. Sie sagt, dass sich die Kernel-Entwickler in LKML doch zivilisierter und auf einer professionellen Ebene unterhalten können. Torvalds hatte Greg Kroah-Hartman geraten, dass er etwas böser werden soll, um den Umfang seiner Mailbox zu halbieren. Man müsse einfach manchmal Gewalt anwenden und Entwickler anbrüllen. Sharp faucht auch Ingo Molnar an, der ebenfalls zu verbalen Aussetzern geraten hat. Man könne sich ja beim Kernel Summit unterhalten und Sharp würde jeden anplärren, der das zuerst tut. Sie will nicht mehr länger das „nice girl“ sein.

Linus Torvalds wäre aber nicht er, wenn er einfach kuschen würde und den Schwanz einzieht. Sich professionell zu verhalten interessiere ihn nicht. Er sitze in seinem Home Office und trage einen Bademantel. Weiterhin würde er keine Krawatten anziehen. Darüber hinaus würde er sich keine vorgetäuschte Höflichkeit aufsetzen, anfangen zu lügen, Office-Politik praktizieren und anderen in den Rücken fallen. Passive Aggressionen und Buzzwords kämen sowieso nicht in Frage. Die Folge von „sich professionell verhalten“ resultiere darin, dass sich Leute alles mögliche gefallen lassen und sich unnatürlich verhalten. Dass Torvalds seine Antwort mit „Bullshit“ angefangen hat, wird Sharp wohl ebenfalls nicht erfreuen.

Torvalds hat sich in einer früheren Antwort noch gerechtfertigt, dass er nur Leute zusammenscheisse, die es auch verdient hätten. Manche Entwickler müssten es besser wissen, probieren es aber trotzdem. Weiterhin halte er nichts von „gekünstelt höflich“ und „politisch korrekt“ zu sein. Außerdem hat Torvalds Sharp Kekse angeboten, damit sie zur dunklen Seite wechselt.

Greg has taught you well. You have controlled your fear. Now, release your anger. Only your hatred can destroy me. Come to the dark side, Sarah. We have cookies

worauf sofort noch ein Bild nachgeschoben wurde (von Steven Rostedt). Ich glaube als Frau hat man es nicht leicht, bei dem Haufen … auf jeden Fall ist der Thread recht unterhaltsam – man muss den Kernel-Chef wohl so nehmen, wie er ist – ein hochbegabter und eigentlich sympathischer Kauz, der sich vor niemandem ein Blatt vor den Mund nimmt.

Darth Cookie (Quelle: rostedt.homelinux.com)

Darth Cookie (Quelle: rostedt.homelinux.com)

Ich kann mich auch an die ganzen rc-Ankündigung der Kernel erinnern, dass Torvalds immer wieder mahnt, ihm keine belanglosen Patches zu schicken. Das der exzentrische Finne ab und zu aus der Haut fährt, kann ich schon nachvollziehen. Jeder Chef macht das, nur er steht halt öffentlich da.

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11 Kommentare zu “Kernel-Entwicklerin weist Linus Torvalds und andere in die Schranken (oder versucht es zumindest …) – Torvalds will aber nicht nett sein”

  1. Simon sagt:

    Hahaha, super witzig 😀

    Es wird wohl nicht viele Leute in einer derartigen "Machtposition" geben, die sich so verhalten. Es könnte zwar der Außendarstellung ganz gut tun wenn die Chef-Entwickler weniger Kraftausdrücke benutzen würden, aber grundsätzlich scheint die momentane Kommunikation ja effektiv zu sein.

  2. tux. sagt:

    Linux IST langweilig.

    Wenn sich Steve Ballmer so benehmen würde, wäre das "ein weiterer Grund gegen Windows", richtig? 😀

    Ach, jdo, da fehlt ein "es":

    Nun wurde Sarah Sharp, eine Kernel-Entwicklerin bei Intel, zu viel und zu dumm.

    • jdo sagt:

      Wenn Ballmer so viel Character hätte wie Torvalds, wäre Windows zumindest amüsanter ...

      • tux. sagt:

        Hat er. Musst mal seine Auftritte verfolgen.

      • Nils Stec sagt:

        Ballmer ist auch lustig und eine Person, bei dem man kaum anders kann, als ihr gespannt zuzuhören.

        Dass Torvalds ausfällig wird ist seit langem bekannt (siehe vor kurzem z.B. die Flut an Patches anstatt Stück für Stück) und gehört doch irgendwie dazu.
        Er pisst die Leute ja nicht direkt auf irgendwelche Persönlichkeitsmerkmale hin an, sondern auf das, was sie verbockt haben.

        Damit muss man leben können, wer wird auf Arbeit nicht irgendwann mal zur Sau gemacht?!

  3. Geb sagt:

    billig, nicht nur das Produkt, auch der Verkäufer: http://www.youtube.com/watch?v=tGvHNNOLnCk

  4. axt sagt:

    Also wie der "Alte Schwede" aussieht (nur, weil seine erste Staatsbürgerschaft die von Finnland ist, kann er nicht seine Nationalität wechseln - "der exzentrische Finne"), wissen wir. Statt also ein artiges Foto von ihm zu bringen, wäre eines vom "nice girl" als Hauptakteurin des Theaterstücks zur Kontrolle wohl interessanter gewesen. Muß man wohl etwas schärfer 😉 suchen bei diesem Allerweltsnamen? 😉

    • jdo sagt:

      Der alte Schwede ist 100 Finne, auch wenn er zu einer Minderheit in Finnland gehört, die als Muttersprache Schwedisch haben. Das ist ein bisschen wie bei uns Bayern ... Da spricht auch eine Minderheit Hochdeutsch ... 🙂

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