Wayland- und X-Entwickler lassen kein gutes Wort an Canonicals Mir

6 März 2013 2 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Wayland Logo 150x150Nun hat Canonical also die Katze aus dem Sack gelassen, was die Entwicklung eines eigenen Display-Servers betrifft. Kein X und kein Wayland – sondern was eigenes, das künftig in allen Ubuntu-Versionen zum Einsatz kommen soll: Der eigene Display-Server heißt Mir. Anscheinend hat man daran im stillen Kämmerchen schon seit Monaten gearbeitet. Die Reaktion aus dem Wayland- und X-Lager fällt harsch aus.

Wayland-Entwickler gegen Mir

Wayland-Entwickler gegen Mir

Laut Daniel Stone ist das Ding nicht besonders flugfähig. Hätte man irgendjemanden involviert und nicht im Geheimen vor sich hingewurstelt, hätte man die Mir-Entwickler auf diverse Fehler aufmerksam machen können. Stone sorgt sich nicht um Waylands Zukunft. Er ist allerdings etwas genervt, dass man nun selbst mehr Arbeit hat, die Upstream-Entwickler mehr Arbeit haben, mehr Arbeit in Toolkits gesteckt werden muss, Hardware-Hersteller mehr Arbeit damit haben und vor allen Dingen die Jahre, die vor ihm liegen zu erklären, dass Mir erschaffen wurde, weil Wayland nicht funktioniert, totaler Humbug ist.

Kristian Høgsberg, der Initiator des Threads, stimmte Stone zu. Canonicals Kommentare über Wayland seien nicht korrekt und einige Dinge, die als nicht vorhanden deklariert werden, seien bereits in Weston implementiert und funktionieren.

Red Hats Lennart Poettering frotzelte, ob Mir ein fantastisches Projekt werde – genau wie bazaar, Upstart oder Project Harmony. Er stichelt weiter, ob Mir nicht das Ding sei, dass im Jahre 2001 in den Süd-Pazifik abgestürzt ist.

David Airlie sagte, dass Canonical die nächste Version “Jumping Sharks” taufen sollte. Sie hätten nicht mal jemanden kompetenten im Team, um einen Display-Server zu schreiben. Wie arrogant man über Wayland herzieht, ohne es wirklich zu verstehen, mache die Sache noch offensichtlicher.

Carsten “Rasterman” Haitzler von Enlightenment hat sich ebenfalls geäußert. Er schlägt in die selbe Kerbe “Wir verstehen Wayland nicht und X11 auch nicht so ganz”. Er hat die Meinung, dass man MIr einfach ignorieren und weiter zu Wayland stehen soll.

In einem Post folgte dann, dass Mir das Russische Wort für Friede sei. Canonical nehme wohl immer Worte, die das Gegenteil verursachen: Unity -> Split, Mir (Peace) -> War.

Dave Airlie stellt später noch einmal klar, dass Wayland nicht von Ubuntu abhängt, weil die sowieso noch nie etwas dazu beigesteuert haben. Andere Distributionen werden es einsetzen, sobald es fertig ist und das dauert eben.

In einem weiteren Kommentar wird noch erwähnt, dass sich Wayland und MIr so oder so nicht in die Quere kommen und dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Aber nach außen sieht es nicht so toll aus, weil schon immer Wayland vs. X.Org propagiert wird. Nun kommt noch eine dritte Partei hinzu.

Allerdings muss man auch sehen, dass Ubuntu sehr weit verbreitet ist. Man wird Mir nicht so enfach ignorieren können. Die richtige Reaktion wäre eigentlich, Wayland so schnell wie möglich, so gut wie möglich zu machen. Wer sich den komplette Thread durchlesen möchte, findet diese auf Google Plus.

Canonical hat in der Zwischenzeit die Kritik an Wayland von der Spezifikations-Seite von Mir genommen.

Einige Videos mit laufendem Mir



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2 Kommentare zu “Wayland- und X-Entwickler lassen kein gutes Wort an Canonicals Mir”

  1. Christoph sagt:

    "Andere Distributionen werden es einsetzen, sobald es fertig ist und das dauert eben."

    Dies ist ein Satz, der es gut auf den Punkt bringt - hier liegen wohl die Beweggründe für Canonical: Die haben eine bestimmte Vision von Cross-Platform-Convergence. Diese Vision den "Waylandern" (nur als Beispiel) zu vermitteln und die üblichen Diskussionsprozesse in Opensource-Projekten zu durchlaufen, braucht Zeit und beinhaltet keine Garantie, dass nicht hinterher auch keine Einigung erziehlt wird. Soviel zum Thema, dass Canonical sich hätte an Wayland/Weston beteiligen können.

    Wenn man klare Vorstellungen für eine Nutzererfahrung hat und man entsprechende Hardware-Hersteller (wie im Mobil-Bereich) gewinnen möchte, dann ist man an engere u.v.a. kontrollierbare Zeitvorgaben und Zusagen gebunden.

    Zu erwähnen ist auch, dass eben noch nicht konkret in Aussicht steht, wann irgendeine Distribution auf Wayland wechselt. Im Übrigen nutzt Android auch kein Wayland oder X, was sie ja hätten tun können.

    Ubuntu wird eh von vielen in der Opensource-Szene Aktiven nicht recht gemocht und auch nicht eingesetzt. Bei jedem neuen Entwicklungsschritt gibts Kritik - ob es mit Unity/Compiz zu tun hat, upstart oder eben jetzt mir. Wenn diese Distribution für viele also nicht relevant ist, dann macht es auch nichts, wenn sie eigene Projekte vorantreiben - sie nehmen damit dann ja niemandem etwas weg.

    • jdo sagt:

      Den Entwickler ging es hauptsächlich um die Kritik an Wayland auf der in der Mir-Seite, die so nicht stimmt. Den Wayland-Entwicklern stinkt es, dass ihnen Canonical damit ans Knie gepinkelt hat und sie nun die Dinge ins rechte Licht rücken müssen. Deswegen ist die Kritik auch schon verschwunden.

      Die sagen ja, dass Mir die Wayland-Entwicklung nicht beeinflussen wird. Aber Canonical scheint es nötig zu haben, Wayland in den Schmutz zu ziehen und das ist nicht die feine Art.

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